Samstag, 28. März 2026

Digitaler ZwillingMehr als eine Kopie

[13.12.2024] Mit dem Digitalen Zwilling Sachsen soll ein intelligentes, räumliches Abbild des Freistaats entstehen, das auch den kleineren Städten und Gemeinden eine fundierte Entscheidungsgrundlage liefert – sei es durch Visualisierungen, Echtzeitdaten oder Zukunftsszenarien.
Momentaufnahme der Kick-Off-Veranstaltung, die auf der Bühne einen Referenten zeigt, hinter ihm an die Wand projiziert eine Vortragsfolie, vor der Bühne sitzen zahlreiche Zuhörer, die von hinten zu sehen sind.

Die Auftaktveranstaltung Digitaler Zwilling Sachsen war komplett ausgebucht.

(Bildquelle: GeoSN / André Wirsig)

Was wäre schöner als der Freistaat Sachsen? Zwei Freistaaten – also ein Zwilling! Unter diesem visionären Gedanken fand im Sommer 2024 in Dresden die Auftaktveranstaltung für den Digitalen Zwilling Sachsen statt. Erstmals präsentierten das Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN), der Entwicklungspartner con terra und weitere Partner in diesem Rahmen den Prototyp des Digital Twin. Es ist ein Projekt, das die Digitalisierung des Freistaats neu denken und gestalten will. Dabei fokussiert es bewusst die gesamte Landesfläche, also auch die kleineren Städte und Gemeinden.

Als virtuelle Abbildungen der realen Welt revolutionieren Digitale Zwillinge den Zugang zu Geodaten und schaffen neue Möglichkeiten für die kommunale IT-Infrastruktur. Sie extrahieren spezifische Daten aus Expertensystemen und wandeln sie in transparente Informationen um, die für alle Akteure, von Fachleuten bis hin zur breiten Öffentlichkeit, nutzbar sind. Kommunikationsbarrieren werden abgebaut, eine fundierte Entscheidungsgrundlage entsteht. Das Ergebnis ist ein neuer Standard für offene Planungs- und Partizipationsprozesse.

Ganz in diesem Sinne entsteht der virtuelle Zwilling Sachsens, der die reale Welt in einer noch nie da gewesenen Präzision digital abbilden kann. Dieser „zweite Freistaat“ ist keine bloße Fantasie, sondern ein technologisch ambitioniertes Projekt, das in den kommenden Jahren Realität werden soll. Gestartet wird nicht bei Null. Vielmehr soll die Vielzahl bereits vorhandener Geodaten, die beispielsweise im Geoportal Sachsenatlas oder als Open Data vom GeoSN bereitgestellt werden, für eine breitere Masse und ganz konkret für alle Gemeinden und Städte im Freistaat nutzbar gemacht werden.

Vielseitige Unterstützung für den ländlichen Raum

Ob Hamburg, München oder Leipzig – in vielen Metropolen sind Digitale Zwillinge bereits in der Erprobungsphase. Mit dem Digitalen Zwilling Sachsen soll diese Technologie nun auch in den ländlichen Raum übertragen werden. Der Zwilling wird mit präzisen Geodaten und Echtzeitinformationen nicht nur Visualisierungen ermöglichen. Unterstützt durch KI, Cloud-Computing und Big-Data-Analysen kann er auch reale Prozesse simulieren. Mit Klima­szenarien liefert er beispielsweise wertvolle Informationen für die umweltgerechte Stadtentwicklung. Machbarkeitsnachweise können mit ihm einfacher erstellt und Projekte kosteneffizienter geplant werden. Probleme werden in den Projekten früher erkannt, Fehlplanungen durch Simulationen vermieden. Auch können durch die Simulationen Vor-Ort-Termine kurzfristig reduziert werden. Die visuellen Darstellungen erleichtern außerdem die Bürgerbeteiligung, was zu mehr Akzeptanz führen kann. Und auch Verwaltungsprozesse können durch die Echtzeitdaten optimiert und besser vernetzt werden. Auf diese Weise unterstützt der Digitale Zwilling die Stadt- und Raumplanung, das Verkehrsmanagement, den Denkmalschutz, den Ausbau erneuerbarer Energien, den Katastrophenschutz, Infrastrukturmaßnahmen oder Gewerbeansiedlungen und bietet Lösungen für zentrale Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Mobilitätswende.

In Summe bringt der Digitale Zwilling also erhebliche Vorteile für die Kommunen. Dabei ist er definitiv kein Förderprogramm. Stattdessen investiert der Freistaat in das Projekt und stellt die neue digitale Infrastruktur im Anschluss allen sächsischen Gemeinden kostenfrei zur Verfügung. So verbessert das Pilotprojekt nicht nur die Entscheidungsprozesse in den Städten und Gemeinden, sondern fördert auch smarte, vernetzte Regionen. Ein zentraler Mehrwert liegt darin, die Verbindungen zwischen Stadt und Land zu stärken und mit digitaler Infrastruktur auch das reale Miteinander neu zu beleben.

Für eine zielgenaue und effektive Kommunikation

Der Digitale Zwilling Sachsen ist Teil der bundesweiten Initiative Digitaler Zwilling Deutschland (DigiZ-DE) und wird daher in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) und dem GeoSN entwickelt. Durch die intelligente Verknüpfung von urbanen und ländlichen Räumen sollen präzise Simulationen zukunftsfähige Entscheidungen ermöglichen und nachhaltige Entwicklungen fördern. Darüber hinaus unterstützt diese Art des Informationsaustauschs eine zielgenauere und effektivere Kommunikation zwischen den Akteuren, insbesondere im ländlichen Raum Sachsens. Die konsequente Kooperation mit privatwirtschaftlichen Planungsträgern, IT-Herstellern und IT-Beratungsfirmen sichert den zeitnahen und nachhaltigen Aufbau des Digitalen Zwillings Sachsen.

Für den Erfolg ist außerdem die offene Kooperation aller Beteiligten maßgeblich: Bürger, Kommunen, Landes- und Bundesbehörden sowie privatwirtschaftliche Organisationen arbeiten gemeinsam daran, die Digitalisierung in Sachsen voranzutreiben und langfristig zu etablieren.

Das Projekt steht unter Vorbehalt eines Beschlusses des Sächsischen Landtags zum Doppelhaushalt 2025/2026.

Ronny Zienert ist Präsident des Landesamtes für Geobasisinformation Sachsen; Karl Wiesmann ist CEO der con terra GmbH.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geodaten-Management
eine Reihe von Personen steht vor einer Wand

Mainz: WebGIS wird modernisiert

[26.03.2026] Die Stadt Mainz hat jetzt den Startschuss für die grundlegende Modernisierung ihrer Geodatenplattform gegeben. Mit dem Projekt wird das bestehende WebGIS an aktuelle technische Anforderungen angepasst. mehr...

Screenshot des Sozial-Dashboards.

Hanau: Sozial-Dashboard zum Arbeitsmarkt

[13.03.2026] Mit einem Sozial-Dashboard will die Stadt Hanau ihre Arbeitsmarktpolitik künftig datenbasiert und zielgerichtet steuern. Das Analysewerkzeug basiert auf einem Geo-Informationssystem (GIS) und erlaubt eine kleinräumige Auswertung. mehr...

Screenshot digitaler Zwilling Rhein-kreis Neuss

Rhein-Kreis Neuss: Digitaler Zwilling vorgestellt

[10.03.2026] Auf dem Smart City Summit Niederrhein hat der Rhein-Kreis Neuss seinen Digitalen Zwilling präsentiert. Die Besonderheit: Im Rahmen des interkommunalen Projekts arbeitet der Kreis gemeinsam mit den angehörigen Kommunen an einem digitalen, dreidimensionalen Abbild der realen Welt. mehr...

Screenshot aus der WebGIS-Anwendung, in der Mitte eine in Gelb und Blau gehaltene Luftaufnahme eines Siedlungsgebiets, rechts und links Panels mit Eintellungen und Legende.

Niedersachsen: Entsiegelungskataster mit KI

[26.02.2026] Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen hat ein digitales, KI-gestütztes Entsiegelungskataster freigeschaltet. So soll die kommunale Entsiegelungsplanung unterstützt werden. Kommunen werden beim Einstieg in das System begleitet. mehr...

Blick auf das Landratsamt Dingolfing-Landau von oben.

Kreis Dingolfing-Landau: Erfolgreicher GIS-Start mit allen Kommunen

[23.02.2026] Der Kreis Dingolfing-Landau hat mit seinen Gemeinden die Grundlage für ein gemeinsames Geo-Informationssystem (GIS) geschaffen. Die bayerischen Kommunen sind dafür auf das webbasierte RIWA GIS-Zentrum (RGZ) umgestiegen. Dabei sorgten individuell konfigurierte Starterpakete für eine reibungslose Einführung in den Verwaltungen. mehr...

Screenshot einer Stadtansicht von Mosbach in NOKmaps.

Neckar-Odenwald-Kreis: Neues Bürger-GIS NOKmaps

[20.02.2026] Unter NOKmaps bietet der Neckar-Odenwald-Kreis den Bürgerinnen und Bürgern ein neues Geo-Informationssystem an. Sie finden hier unter anderem vorbereitete interaktive Karten zu unterschiedlichen Themen, dreidimensionale Ansichten und Auswertungswerkzeuge, die sie kostenfrei nutzen können. mehr...

Screenshot Digitaler Zwilling Haar

Haar: 3D-Stadtmodell wird erweitert

[11.02.2026] Beim Ausbau ihres 3D-Stadtmodells wird die bayerische Stadt Haar von GIS-Anbieter RIWA unterstützt. Für dieses Jahr sind zahlreiche Ergänzungen geplant. mehr...

3D-Stadtmodell der Stadt Weinheim

Weinheim: Interaktives 3D-Stadtmodell

[10.02.2026] Die Stadt Weinheim hat ein 3D-Stadtmodell in ihr Geoportal integriert und lässt sich damit digital jetzt aus neuen Perspektiven erleben. mehr...

Screenshot des Calwer GIS-Portals.

Kreis Calw: Neues Geoportal mit Terratwin

[29.01.2026] Um komplexe Daten transparent und einfach zugänglich zu machen, hat das Landratsamt Calw sein Geo-Informationssystem (GIS) auf die Plattform Terratwin umgestellt. Die Lösung des gleichnamigen Anbieters ist auf allen Endgeräten und somit auch mobil nutzbar. mehr...

Screenshot des Wiesbadener Baustellenmelders.

Wiesbaden: Digitaler Zwilling mit Baustellenüberblick

[13.01.2026] Wiesbaden hat den Digitalen Zwilling der Stadt um den Baustellenmelder ergänzt. Somit erhalten die Bürgerinnen und Bürger wichtige Informationen rund um aktuelle und geplante Baustellen über eine zentrale Plattform. mehr...

Braunschweig, städtischer Platz mit historischen Bauten aus der Froschperspektive

Braunschweig: Warum heißt die Straße so?

[12.01.2026] Das Geoportal der Stadt Braunschweig bietet einen neuen Service. Neben Daten zu Schulradwegen, Starkregenfolgen, Stadtbäumen und weiteren Themen liefert es nun Hintergründe zu Straßennamen. Per QR-Code am Straßenschild sollen diese in Zukunft auch direkt vor Ort abrufbar sein. mehr...

3D-Modell zeigt Darmstadt aus der Vogelperspektive.

Darmstadt 3D: Grundgerüst für Urbanen Zwilling

[16.12.2025] Von Darmstadt gibt es jetzt ein maßstabsgetreues dreidimensionales Modell mit hoher Detailtiefe. In der browserbasierten Anwendung lassen sich beispielsweise Entfernungen und Flächen messen, Schattenwürfe simulieren oder Sichtbarkeiten analysieren. Perspektivisch bildet sie das Grundgerüst für einen Urbanen Digitalen Zwilling. mehr...

Screenshot vom Digitalen Zwilling der Stadt Karlsruhe.

Karlsruhe: Digitaler Klimazwilling

[02.12.2025] In Karlsruhe soll die Klimafolgenanpassung messbar, vorausschauend und smart gestaltet werden. Mit diesem Ziel baut die Stadt im Projekt Sensor City einen Digitalen Klimazwilling auf, der Geodaten und die Messwerte von Internet-of-Things-Sensoren nutzt.  mehr...

Drohnenvermessung des Ruderatshofener Gemeindegebiets Apfeltrang.

Ruderatshofen: Drohnenvermessung für Hochwasserschutz

[27.11.2025] Ruderatshofen will besser auf Starkregenereignisse und Überflutungen vorbereitet sein. Damit geeignete Schutzmaßnahmen erkannt werden können, hat GIS-Anbieter RIWA ein 3D-Geländemodell vom Gemeindegebiet und den umliegenden Flächen erstellt. Dank Drohnentechnologie konnten 19 Hektar Land innerhalb eines Tages erfasst werden. mehr...

Blick in den vollen Konferenzsaal der Esri Konferenz 2024

Esri Konferenz 2025: GIS eröffnen neue Perspektiven

[21.11.2025] Dass Geo-Informationssysteme die Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Zukunft sind, soll auf der diesjährigen Esri Konferenz (26. bis 27. November 2025, Bonn) in über 100 Fachvorträgen, Live-Demos und Tech-Sessions demonstriert werden. Im Fokus stehen neueste Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung, GeoAI, Digital Twins, Earth Intelligence und Enterprise IT. mehr...