Montag, 29. Juni 2026

InterviewDas Gold der Kommunen

[12.11.2025] Das Unternehmen RIWA, Spezialist für Geoinformationen, war auf der Messe Kommunale mit dem neuen Slogan „Daten gestalten Zukunft“ vertreten. Im Gespräch mit Kommune21 erklärte Geschäftsführer Reinhard Kofler, warum Daten das wichtigste Gut der Kommunen sind und wie aus ihnen konkrete Mehrwerte entstehen.
Reinhard Kofler ist Geschäftsführer der RIWA GmbH, das Bild zeigt ihn auf dem Messestand des Unternehmens auf der Kommunale in Nürnberg.

RIWA-Geschäftsführer Reinhard Kofler: „Daten müssen einen Mehrwert schaffen.“

(Bildquelle: K21 media GmbH)

Herr Kofler, das Unternehmen RIWA tritt mit dem neuen Claim „Daten gestalten Zukunft” an. Was steckt strategisch dahinter?

Mit diesem Leitgedanken wollen wir deutlich machen, dass Daten die Grundlage für jede kommunale Zukunftsgestaltung sind. In vielen Kommunen sind bereits enorme Datenmengen vorhanden. Das eigentliche Potenzial liegt jedoch darin, diese Daten sinnvoll zu nutzen. Wer den „goldenen Schatz“ seiner kommunalen Daten nicht erkennt oder nicht pflegt, wird in Zukunft nicht handlungsfähig sein. Daten gehören der Kommune, sie sind ihr Kapital. Gemeinsam mit den Kommunen wollen wir diesen Datenschatz nutzen, um Prozesse zu optimieren und nachhaltige, zukunftsweisende Entscheidungen zu ermöglichen.

Wie spiegelt sich dieser Anspruch in Ihren Produkten wider?

Daten müssen einen Mehrwert schaffen. Das ist unser Grundsatz. Dafür müssen sie zentral gespeichert und intelligent verknüpft werden, anstatt sie mehrfach zu administrieren und redundant zu pflegen. Ein einfaches Beispiel: In vielen Verwaltungen gibt es mehrere getrennte Adressverzeichnisse. Diese Redundanz führt zu Fehlern. Wir bündeln daher alle Informationen auf einer zentralen Geoplattform, aus der sich wiederum alle Systeme speisen. So entstehen konsistente Datenflüsse, die als Basis für fundierte Entscheidungen dienen. Wir sagen: Die Digitalisierung hat die Kommunen viel Geld gekostet – nun muss sie sich in Form besserer Entscheidungsprozesse auszahlen. Dazu wollen wir die zweidimensionale GIS-Welt um eine dritte Dimension erweitern und mit KI verknüpfen. So lassen sich Daten nicht nur visualisieren, sondern auch intelligent interpretieren und in Echtzeit nutzen.

„In vielen Kommunen sind bereits enorme Datenmengen vorhanden. Das eigentliche Potenzial liegt jedoch darin, diese Daten sinnvoll zu nutzen.“

Geo-Informationssysteme, Digitale Zwillinge, Künstliche Intelligenz – das sind viele Technologien. Wie lassen sich diese zusammenbringen?

Das geschieht über unsere zentrale Plattform. Auf ihr laufen Geo-Informationssysteme, Digitale Zwillinge und Sensordaten aus dem Internet der Dinge zusammen. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Bild, das sowohl für die Verwaltung als auch für Bürgerinnen und Bürger neue Möglichkeiten eröffnet. Digitale Zwillinge sind Abbildungen der Realität im virtuellen Raum. Sie können jedoch nur dann einen Mehrwert bieten, wenn sie aktuell sind. Werden sie daher laufend mit Echtzeitinformationen – etwa aus Sensoren oder Verwaltungsdaten – gespeist, erhalten Kommunen ein mächtiges Werkzeug zur Daseinsvorsorge.

Können Sie ein Beispiel für den konkreten Mehrwert nennen?

Ein Beispiel hierfür ist die Integration von Künstlicher Intelligenz in unsere Systeme. Meldet ein Bürger beispielsweise, dass Wasser aus einem Hydranten austritt, kann ein Mitarbeiter der Kommune die KI um eine Handlungsempfehlung bitten. Das System analysiert die Lage und gibt eine konkrete Antwort, beispielsweise, an welchem Hauptverteiler das Wasser abgeschaltet werden muss. Diese Information wird dann grafisch auf der Geokarte angezeigt. So entstehen enorme Effizienzgewinne, da Entscheidungen sofort und faktenbasiert getroffen werden können.

Viele Kommunen möchten zur Smart City werden. Wie verstehen Sie diesen Begriff?

Ehrlich gesagt halte ich den Begriff Smart City inzwischen für überstrapaziert. Wenn von einer smarten Stadt die Rede ist, impliziert das, dass andere Städte nicht smart sind. Entscheidend ist, dass konkrete Anwendungsfälle gelöst werden – egal, ob es sich um kleine, mittlere oder große Kommunen handelt. Digitalisierung muss praktische Mehrwerte schaffen. Ein Beispiel sind Kommunen, die unter wiederkehrenden Hochwasserproblemen leiden. Sie benötigen keine großen Visionen, sondern Werkzeuge, die ihnen dabei helfen, rechtzeitig zu reagieren. Mithilfe unserer Lösungen können sie Daten in Echtzeit auswerten und interkommunal teilen, also auch mit Nachbarkommunen zusammenarbeiten.

Damit stellt sich die nächste Frage: Ist interkommunale Zusammenarbeit der Schlüssel, damit auch kleinere Kommunen von solchen Lösungen profitieren können?

Ganz eindeutig. Herausforderungen wie Hochwasser, Verkehrsplanung oder Energieversorgung enden nicht an Gemeindegrenzen. Deshalb arbeiten wir mit mehreren Landkreisen in Bayern – etwa Aichach-Friedberg, Hof oder Kulmbach – daran, Datenplattformen interkommunal zu nutzen. So können Kosten geteilt, Daten gemeinsam gepflegt und Mehrwerte skaliert werden. Das ist aus meiner Sicht der richtige Ansatz, um auch kleine Kommunen an moderne Technologien heranzuführen.

Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Datenintegration. Wie stellen Sie sicher, dass alle relevanten Daten in die zentrale Plattform gelangen?

Wir nutzen sowohl amtliche als auch offene Datenquellen. Über Schnittstellen sind wir mit den Vermessungsverwaltungen sowie den Portalen OpenByData und TwinByData verbunden. Zusätzlich fördern wir die Nachnutzung von Projektergebnissen. Wenn eine Kommune ein Datenmodell entwickelt, können andere darauf aufbauen. Eine besondere Herausforderung stellt die Aktualität der Daten dar, insbesondere in der 3D-Darstellung. Digitale Zwillinge sollen die Realität möglichst genau widerspiegeln. Die Bürger erwarten beispielsweise, dass im Sommer Geranien auf dem Balkon und im Winter Schneeschaufeln vor der Tür sehen. Diese Detailtreue ist zwar teuer, doch wir arbeiten an kosteneffizienten Lösungen: So können Daten beispielsweise durch mobile Erfassung mit Fahrzeugen oder Smartphones aktualisiert werden, ohne dass teure Bildflüge notwendig sind. Dabei werden die Daten selbstverständlich datenschutzkonform erfasst.

Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern ist seit fünf Jahren an RIWA beteiligt. Welche Vorteile hat das für Sie und Ihre Kunden?

Die Zusammenarbeit mit der AKDB hat sich als ideal erwiesen. Während sich RIWA auf die Entwicklung von GIS-Lösungen und Digitalen Zwillingen konzentriert, bringt die AKDB ihre Expertise in den Bereichen Verwaltungsdaten, Finanzwesen und Einwohnerwesen ein. Über die Smart Data Services werden diese Daten auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt. So können wir kommunale Entscheidungsprozesse auf einer neuen Ebene unterstützen. Durch die Kombination von Geodaten und Verwaltungsdaten ergeben sich neue Erkenntnisse, etwa bei der Planung, der Daseinsvorsorge oder der Bürgerinformation. Für die Kommunen in Bayern ist das eine optimale Symbiose.

Interview: Alexander Schaeff




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