Montag, 14. September 2026

SozialwesenAutomatisierung entlastet

[12.12.2025] In der Sozialwirtschaft können automatisierte Prozesse den Abrechnungsaufwand drastisch reduzieren. Der Kreis Darmstadt-Dieburg konnte beispielsweise eine Entlastung von mehr als 90 Prozent im Fachamt erreichen. Voraussetzung ist die zielgerichtete Digitalisierung.
Eine Pflegekraft hält ein Tablettenblister für eine ältere Dame, die neben ihr sitzt, in den Händen.

Automatisierte Prozesse erleichtern den Sozialämtern die Abrechnung von Leistungen und verändern Strukturen nachhaltig.

(Bildquelle: somneuk/stock.adobe.com)

Wer in der Sozialwirtschaft abrechnet, weiß: der Weg vom Leistungsnachweis bis zur Zahlung durch das Sozialamt ist lang, komplex und oft papiergebunden. Entsprechend groß ist das Potenzial einer durchgängigen digitalen Transformation vom Antrag bis zur Abrechnung. Wenn dieses Potenzial gehoben wird, werden Sozialämter ebenso wie soziale Unternehmen entlastet und es entsteht mehr Transparenz.

Im Auftrag der Sozialverwaltung werden in Deutschland jährlich stationäre, teilstationäre und ambulante Leistungen im Umfang von mehreren Milliarden Euro erbracht. Leistungserbringer sind spezialisierte Anbieter wie Pflegedienste, Einrichtungen und Werkstätten. Bislang belasteten Medienbrüche, ein hoher manueller Aufwand, der Zeitversatz sowie stark differierende (Abrechnungs-)Prozesse sowohl die Leistungserbringer als auch die Kostenträger in den Rechtskreisen SGB IX und SGB XII. Zwar haben in den vergangenen zehn Jahren viele Leistungserbringer ihre internen Abläufe digitalisiert und automatisiert. Dennoch blieb die digitale Verbindung zu den Kostenträgern in den meisten Fällen unterbrochen. Eine durchgängige Prozesskette war also nicht möglich.

Das gestaltet die Praxis im Fachamt nicht nur mühsam, sondern auch überaus zeitaufwendig. Wegen des geringen Automatisierungsgrads müssen die Fachkräfte Daten prüfen, Leistungen manuell zuordnen und Fehler korrigieren. „Die steigende Arbeitslast der Sozialämter ist mit bisherigen Methoden nicht mehr zu bewältigen“, hieß es schließlich aus der Praxis.

Entlastung im Kreis Darmstadt-Dieburg

Wie groß das Entlastungspotenzial allein durch die Automatisierung des Abrechnungsprozesses ist, zeigt ein bereits abgeschlossenes Projekt des Landkreises Darmstadt-Dieburg mit dem Software- und Beratungshaus Prosoz Herten. In mehreren Workshops wurden die damaligen (Abrechnungs-)Prozesse analysiert und unter Beteiligung verschiedener Leistungserbringer eine Vielzahl von Optimierungsbedarfen identifiziert. Das Ziel, den Abrechnungsprozess im Interesse aller Stakeholder nahezu vollständig zu automatisieren, konnte fristgerecht erreicht werden, indem eine weitere Komponente für das Fachverfahren OPEN/PROSOZ eingeführt wurde.

Ein projektbegleitend wie auch nachgehend durchgeführtes Monitoring ergab, dass sich mit diesem Vorhaben der Bearbeitungsaufwand für die Abrechnungsprozesse pro Sachbearbeiter und Monat von elf Stunden auf weniger als 20 Minuten reduziert hat. Zwar verursachten die Automatisierung und Einführung einer Massendatenverarbeitung selbstverständlich Mehraufwände für die Fachverfahrensbetreuung. Diese fielen jedoch gering aus. In der Gesamtbetrachtung entstand eine Entlastung im Umfang von mehr als 90 Prozent für alle Beteiligten im Fachamt.

Automatisierte Prozesse sind mehr als nur eine technische Modernisierung. Sie verändern Strukturen nachhaltig. Sie entlasten die Akteure und schaffen den dringend benötigten Freiraum für die Erledigung solcher Aufgaben, die sich auch künftig nicht automatisieren lassen. Dazu zählen insbesondere die Interaktion zwischen Menschen und die zielorientierte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachämtern – und das immer im Interesse der Klienten.

Entwicklungsprozess gemeinsam gestalten

Die Erledigung der Aufgaben oder deren Organisation erfolgt dabei in regionaler Verantwortung und orientiert sich an den örtlichen Bedingungen und Gegebenheiten. IT-Lösungen müssen diese Vielfalt respektieren und sie so weit wie möglich automatisiert abbilden. So kann die Digitalisierung zum Bindeglied zwischen Bund, Ländern, Kommunen und der (Sozial-)Wirtschaft werden.

Bei der Automatisierung besteht die zentrale Herausforderung darin, diejenigen Prozesse zu identifizieren, die sich sinnvoll standardisieren lassen, und alle Beteiligten einzubinden. Fachverfahrenshersteller spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Dank ihres bundesweiten Wissens über Verwaltungsprozesse können sie dabei helfen, digitale Lösungen praxisnah und zukunftssicher zu gestalten. Die Grundlage hochautomatisierter IT-Lösungen sind durchgängige, digitale und medienbruchfreie Prozesse.

Der Weg zur digitalen Abrechnung in der Sozialwirtschaft ist kein Sprint, sondern ein kooperativer Entwicklungsprozess. Für den Erfolg ist es entscheidend, Erfahrungen zu bündeln, Standards zu schaffen und Schnittstellen gemeinsam weiterzuentwickeln. Nur so bleibt die Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern bringt eine konkrete Entlastung.

Anke Köhler-Heite und Frank Jüttner sind bei der PROSOZ Herten GmbH als Strategische Produktmanager tätig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren
Junge Frau im Auto sitzend präsentiert ihre Führerscheinkarte

Kreis Calw: Führerscheinwesen neu aufgestellt

[08.09.2026] Der Landkreis Calw hat sein Führerscheinwesen mithilfe des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE auf ein neues Fachverfahren umgestellt. Die Einführung von KM-Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen im Bereich Verkehrswesen. mehr...

Ein Geschäftsmann in Startposition vor einer Startlinie

Gewerbewesen: Praxisbewährte Lösungen statt Schlagworte

[08.09.2026] Die Modernisierung und Vereinfachung von Gründungsverfahren ist aktuell ein großes Thema und wird im Rahmen des Bundesprojekts „Schneller Gründen“ derzeit in neun Pilotkommunen erprobt. Dabei sind die Voraussetzungen zur schnellen Unternehmensgründung längst vorhanden und die digitalen Prozesse werden bereits intensiv genutzt. Darauf weist jetzt das Unternehmen EDV Ermtraud hin. mehr...

Kreis Dachau: Bilanz nach Systemwechsel

[07.09.2026] Seit Anfang 2025 arbeitet das Sozialamt des Landkreises Dachau mit dem Fachverfahren LÄMMkom LISSA. Nach mehr als einem Jahr im Echtbetrieb zieht der Landkreis Bilanz und berichtet von Verbesserungen bei Struktur, Auszahlungen und Auswertungen. mehr...

Junge Grundschüler mit Lehrer bei Schreibübungen

Nolis: Ganztagsbetreuung digital organisieren

[02.09.2026] Neben dem Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder rückt auch deren Organisation zunehmend in den Fokus. Eine Lösung für die digitale Anmeldung und Platzvergabe bietet das Unternehmen Nolis mit seiner Software NOLIS | Schulkind, die jetzt bei den ersten Kommunen im Einsatz ist. mehr...

Close-up auf papierbasiertes Formular zur Gewerbeanmeldung

Mannheim: Gewerbemeldungen ohne Medienbruch

[01.09.2026] Mannheim bietet Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen ab sofort vollständig online an. Die Anträge fließen ohne Medienbruch in das Fachverfahren der Gewerbebehörde und sollen dadurch schneller bearbeitet werden. mehr...

bericht

Vogelsbergkreis: Erfolgsfaktor Teamarbeit

[28.08.2026] Die Finanzsoftware des Vogelsbergkreises war fast drei Jahrzehnte lang im Einsatz. Nun wurde auf ein modernes Verfahren umgestellt. Trotz der Komplexität verlief die Einführung ohne ungeplante Ausfälle des Produktivsystems. mehr...

Zwei Männer stehen vor einem Gebäude und blicken in die Kamera

Benediktbeuern: Einwohnermeldewesen migriert ins Rechenzentrum

[25.08.2026] Die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern lässt ihre Einwohnermeldesoftware OK.EWO seit Ende August 2025 im AKDB-Rechenzentrum betreiben. Das entlastet den EDV-Verantwortlichen vor Ort: Die Verantwortung für Datenbank, Updates und Wartung liegt jetzt bei der AKDB. mehr...

Luftaufnahme von Konstanz
bericht

Konstanz: Kleine Lücken schließen

[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...

Hände auf Laptop, darüber einmontiert Icons für Puzzleteile, Zahnrad, Schraubenschlüssel, Dokument
bericht

Low Code: Schlanker und smarter

[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf

[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...

Mehrere Personen als und jung auf Matratzen in einer Flücjhtlingsunterkunft

Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß

[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag

[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...

Essen: Einführung von Wero

[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...

Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt

[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...

Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen

[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...