Montag, 2. November 2026

DStGBUmsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

Digitalisierungsausschuss des DStGB diskutierte in Ellwangen über Voraussetzungen für einen funktionierenden, bürgerfreundlichen und digitalen Staat.

(Bildquelle: DStGB)

Zu seiner nunmehr dritten Sitzung kam kürzlich der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) im baden-württembergischen Ellwangen zusammen. Im Rahmen der Sitzung wurde Andreas Feller, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf, in der Nachfolge von Michael Dreier (Stadt Paderborn) zum neuen Vorsitzenden gewählt; neuer stellvertretender Vorsitzender ist Ellwangens Oberbürgermeister Michael Dambacher.

„Die Digitalisierung in Kommunen bildet das Fundament für einen funktionierenden, bürgerfreundlichen und digitalen Staat. Ich möchte gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen dazu beitragen, dass wir hier vorankommen“, so Feller nach seiner Wahl. „Wir erwarten von Bund und Ländern, dass sie die besondere Bedeutung der Kommunen für den digitalen Staat erkennen und Digitalisierung als gemeinsame Aufgabe auf Augenhöhe begreifen.“

Kommunen benötigen dringend Entlastung

Wie der DStGB berichtet, stand die Staatsmodernisierung im Fokus der Sitzung; diese sei nicht zuletzt zur Entlastung der Kommunen dringend notwendig. So wies etwa Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, in seinem Impulsvortrag auf die prekäre Lage der Kommunen hin und skizzierte die Erwartungen der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg an die neue Landesregierung.

„Wir brauchen sowohl in unserem Bundesland als auch in Deutschland insgesamt wieder mehr Vertrauen in die Städte und Gemeinden und eine klare Reformagenda. Dazu zählen eine sofortige finanzielle Unterstützung der Kommunen und eine deutliche Entlastung von Aufgaben. Viele Städte und Gemeinden sind am Rande ihrer Handlungsfähigkeit, sowohl finanziell als auch personell“, stellte Jäger, der auch 1. Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes ist, klar. „Wir brauchen daher eine Staatsmodernisierung mit praxistauglichen, medienbruchfreien Verfahren, klaren Standards und Lösungen, die den Vollzug vor Ort tatsächlich einfacher machen. Nur so kann die Staatsmodernisierung eine Entlastungswirkung für die Kommunen erbringen.“

Grundsatz: Digital-only

Für den Ausschuss steht fest, dass Digitalisierung der Schlüssel für erfolgreiche Staatsmodernisierung ist. Dazu brauche es nicht nur den Einsatz digitaler Lösungen, sondern auch die notwendigen Strukturen und das klare Bekenntnis zu neuen Arbeitsweisen. „Wir bekennen uns sehr klar zum Grundsatz Digital-only. Verwaltungsprozesse müssen in Zukunft ausschließlich digital abgewickelt werden“, betonte Feller. Natürlich würden die Kommunen trotzdem weiterhin alle Menschen unterstützen, welche die Rathäuser und Bürgerämter aufsuchen. „Digital-only bedeutet nicht Online-only. Es muss aber gelingen, die vorhandenen Doppelstrukturen aus analogen und digitalen Prozessen abzubauen, denn diese kosten Zeit und Geld“, machte Feller deutlich.

Zentrale Basiskomponenten für alle

Damit ein Umsteuern zur ausschließlich digitalen Verwaltung gelingt, muss der Bund gemeinsam mit den Ländern die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Hier forderten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, dass es gelingen müsse, die Registermodernisierung rasch umzusetzen und eine verbindliche föderale IT-Architektur zu entwickeln. Zudem sei es notwendig, zentrale Basiskomponenten, wie etwa die BundID, die ID-Wallet oder digitale Bezahlmöglichkeiten, flächendeckend und dauerhaft kostenfrei für alle Kommunen zur Verfügung zu stellen.

Weitere Themen während der Tagung waren laut DStGB der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung und ein zwischen Bund, Ländern und Kommunen koordiniertes Vorgehen im Bereich der Cyber-Sicherheit.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
bericht

AKDB-Kommunalforum: Schulterschluss für den digitalen Staat

[02.11.2026] Auf der Pressekonferenz zum 7. AKDB-Kommunalforum sprachen Bayerns Digitalminister Fabian Mehring sowie die AKDB-Vorstände Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner über die Zukunft der Verwaltungsdigitalisierung. Im Mittelpunkt standen die digitale Dividende, Cyber-Sicherheit, digitale Souveränität und die Weiterentwicklung der AKDB zum zentralen kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

Gruppenbild auf Wiese

DStGB: Nicht ohne kommunale Ebene

[02.11.2026] Der Digitalisierungsausschuss des DStGB fordert eine frühzeitige Einbindung der Kommunen in Digitalvorhaben des Bundes. Bei seiner Herbsttagung ging es um gemeinsame IT-Basiskomponenten und eine stärkere Beteiligung an der Wertschöpfung von Rechenzentren. mehr...

Hessen: Rechenzentren sollen Kommunen mehr einbringen

[26.10.2026] Rechenzentren beanspruchen kommunale Flächen und Infrastruktur. Die geplante Gewerbesteuerreform soll den Standortgemeinden höhere Einnahmen bringen. Das Land Hessen hat im Bundesrat Nachbesserungen verlangt, damit die Regelung möglichst viele Betreiber erfasst. mehr...

Wehende Flagge mit dem Landeswappen von Sachsen.

Sachsen: Fünf Online-Dienste landesweit

[26.10.2026] Der Freistaat Sachsen und der Bund haben vereinbart, fünf Online-Dienste bis Ende Juni 2027 in allen zuständigen Kommunalbehörden bereitzustellen. Der Bund finanziert die technische Anbindung, die govdigital gemeinsam mit dem kommunalen IT-Dienstleister Lecos übernimmt. mehr...

Ein neuer virtueller Marktplatz soll Kommunen die einfache Nachnutzung von EfA-Diensten ermöglichen.
bericht

Sachsen-Anhalt: Marktplatz für Lösungen

[20.10.2026] Sachsen-Anhalt treibt die Digitalisierung seiner Verwaltung mit einem klaren Fokus auf Nachnutzung und Standardisierung voran. Ein zentrales Instrument ist dabei der „eGovernment-Marktplatz Sachsen-Anhalt“. mehr...

bericht

Smart Country Convention: Wildberger kündigt weitere Schritte an

[19.10.2026] Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat auf der Smart Country Convention 2026 in Berlin den Ausbau zentraler digitaler Verwaltungsdienste, die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks und neue KI-Anwendungen angekündigt. mehr...

Baden-Württemberg: Schneller Roll-out statt vieler Einzellösungen

[19.10.2026] Baden-Württemberg hat mit dem Bund vereinbart, fünf bestehende Online-Dienste innerhalb von neun Monaten bei allen zuständigen Behörden im Land verfügbar zu machen. Ein zentral organisierter Anschlussprozess soll die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen. mehr...

Eine Hand hält ein weißes Puzzlestück über einen Holztisch, auf dem ein weiteres Puzzleteil liegt

GovTech Kommunal: Kein Ersatz, sondern Ergänzung

[15.10.2026] In der Debatte um mögliche Parallelstrukturen bei der Verwaltungsdigitalisierung hat GovTech Deutschland auf die Kritik der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, reagiert. In einer Stellungnahme weisen die Verantwortlichen die Vorwürfe zurück, erläutern die Rolle von GovTech Kommunal und bieten den kommunalen IT-Dienstleistern eine Zusammenarbeit an. mehr...

Sechs leere gelbe Stühle stehen in einer Reihe vor einer weißen Wand

Bitkom-Umfragen: Online aufs Amt bleibt (noch) die Ausnahme

[15.10.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung macht Fortschritte, bleibt aber hinter den Erwartungen von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen zurück. Das zeigen zwei aktuelle Bitkom-Umfragen. Insbesondere fehlende durchgängig digitale Verfahren und Medienbrüche sorgen für Unzufriedenheit. mehr...

Entspannter junger Mann mit Handy auf einem hellen Sofa.

Deutschland-App: Zentrale Projektdetails bleiben offen

[15.10.2026] Die Modernisierungsagenda föderal sieht unter anderem die Umsetzung einer KI-unterstützten Deutschland-App vor, die einen zentralen, komfortablen Zugang zu digitalen Verwaltungsverfahren bieten soll. Mit dem aktuellen Umsetzungsstand, der Vergabe und Auftragsvolumina befasste sich jetzt der Bundestag. mehr...

bunte Holztürme, die nebeneinander auf einem Holzfußboden stehen

Vitako: Warnung vor neuen Parallelstrukturen

[09.10.2026] Mit GovTech Kommunal ist Ende 2025 ein neuer Akteur für die kommunale Verwaltungsdigitalisierung gestartet. Der Verband Vitako sieht dessen Aktivitäten kritisch. In einem Positionspapier warnt er vor Doppelstrukturen, zusätzlichen Kosten und einer weiteren Zersplitterung der kommunalen IT-Landschaft und fordert, lieber bestehende föderale und kommunale Strukturen zu stärken. mehr...

Hessen: Positive Halbzeitbilanz

[05.10.2026] Hessen zieht eine positive Halbzeitbilanz seines Pilotprojekts mit dem Bundesdigitalministerium zur flächendeckenden Einführung digitaler Verwaltungsleistungen. Bei der An- und Ummeldung sind bereits mehr als 90 Prozent der Kommunen angeschlossen. mehr...

Körniges Schwarz-Weiß-Foto, Großraum-Büro mit vielen Arbeitsplätzen und Ordnern und Drehregister

Deutscher Städtetag: i-Kfz-Bund greift zu kurz

[24.09.2026] Der Deutsche Städtetag hält die geplante Zentralisierung der Kfz-Zulassung beim Bund für unzureichend. Der Bund wolle vor allem bereits digitalisierte Standardverfahren übernehmen, während aufwendige Fälle bei den Kommunen blieben. Eine spürbare Entlastung sei so kaum zu erwarten. mehr...

Luftbild Schweriner Schloss

Schwerin: Bund und Land bei Kommunalfinanzen gefordert

[21.09.2026] Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin erwartet für 2027 und 2028 Defizite in zweistelliger Millionenhöhe. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers sieht darin kein lokales Problem, sondern verweist auf die bundesweit schwierige Finanzlage der Kommunen. Er fordert von Bund und Land eine aufgabenangemessene Finanzausstattung und Entlastungen bei gesetzlichen Leistungen. mehr...

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bei einer Rede im Bundestag

Bund: Eine Milliarde Euro für Verwaltungsdigitalisierung

[10.09.2026] Der Bund will die Verwaltungsdigitalisierung weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sind dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger kündigte zudem weitere Schritte beim Deutschland-Stack, bei digitalen Verwaltungsleistungen und der Deutschland-App an. mehr...