E-PaymentWero in der Praxis

In Eichenzell ist Wero Teil einer langfristigen Digitalisierungsstrategie.
(Bildquelle: Gemeinde Eichenzell)
Die europäische Bezahllösung Wero gewinnt in Kommunen zunehmend an Bedeutung. Das Unternehmen S-Public Services begleitet zahlreiche Städte und Gemeinden bei der technischen Umsetzung und fungiert als Bindeglied zwischen Verwaltung, Banken, Fachverfahren und weiteren IT-Dienstleistern wie GovConnect, AKDB, komuna und ekom21. Bereitgestellt wird Wero dabei unter anderem über die Payment-Plattform GiroCheckout von S-Public Services. Im Zusammenspiel der verschiedenen Partner wird sichergestellt, dass Wero nahtlos in Fachverfahren und Online-Portale integriert werden kann. Erste Erfahrungsberichte aus Essen, der Gemeinde Eichenzell sowie den Städten Visselhövede und Schwandorf zeigen, wie flexibel die Lösung in der Praxis funktioniert.
Ähnliche Beweggründe, unterschiedliche Gewichtung
Die Beweggründe für die Einführung von Wero ähneln sich vielfach, werden aber unterschiedlich gewichtet. Generell geht es um die Erweiterung digitaler Serviceangebote, die Stärkung der europäischen Zahlungsinfrastruktur, konkrete Kosteneinsparungen bei Transaktionsgebühren und die Nutzerfreundlichkeit für Bürgerinnen und Bürger. In Eichenzell ist Wero Teil einer langfristigen Digitalisierungsstrategie. „Mit Wero können wir den Strauß der Bezahlmöglichkeiten kundenfreundlich erweitern und gleichzeitig die Sicherheit der Daten durch europäische Infrastruktur gewährleisten“, sagt Simon Herr, Leiter der Finanzabteilung. Besonders die Möglichkeit, mit Wero eine europäische Alternative im Zahlungsverkehr anzubieten, wird dabei auch als Signal in Richtung digitaler Souveränität verstanden. In Essen wiederum kam ein Impuls direkt aus den Fachbereichen: „Wero ist die erste Bezahlart, bei der wir aktiv gefragt wurden, wann wir sie als europäische Alternative im Zahlungsverkehr anbieten“, berichtet Raimund Fechtner, Teamkoordinator Enterprise Information Management beim Essener Systemhaus. Schwandorf stellt vor allem den Bürgerservice in den Mittelpunkt. „Wir sind der Meinung, dass wir alle Möglichkeiten nutzen müssen, um die Online-Bezahlung so einfach wie möglich zu machen. Der Bürgerservice steht hier ganz klar im Vordergrund“, sagt Markus Singer von der Abteilung Zentrale Steuerung und Dienste.
Einheitliches Bild bei der Einführung
In der Praxis zeigt sich bei der Einführung ein einheitliches Bild: Wero wird nicht als grundlegender Umbruch umgesetzt, sondern in bestehende Strukturen integriert. In Visselhövede verlief die Einbindung „strukturiert und planbar“, wie Chief Digital Officer Jonas Hermonies berichtet. Der Aufwand habe sich vor allem auf die Abstimmung mit den beteiligten Partnern konzentriert. Insbesondere die enge Verzahnung von Verwaltung, Zahlungsdienstleister und IT-Dienstleistern wird dabei als entscheidender Erfolgsfaktor beschrieben. Ähnlich sieht es Simon Herr in Eichenzell, wo vorhandene Erfahrungen mit digitalen Zahlverfahren die Umsetzung erleichterten. Auch in Essen dient Wero der Erweiterung eines bereits etablierten digitalen Zahlungsökosystems. In einer Großstadt wie der Ruhrmetropole mit gewachsenen IT-Strukturen und vielfältigen Fachverfahren zeigt sich die Skalierbarkeit der Lösung besonders deutlich. „Die modulare Vorgehensweise ermöglicht es zudem, Prozesse zu prüfen und Erfahrungen zu sammeln, bevor Wero flächendeckend eingesetzt wird“, sagt Fechtner.
Bei der Nutzung wird deutlich, dass Wero vor allem als zusätzliche Option wahrgenommen wird, die sich nahtlos in bestehende Angebote einfügt. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Zahlungen können direkt über das eigene Bankkonto mithilfe der Banking- oder der Wero-App abgewickelt werden, ohne separate Registrierung oder Umwege. Die Integration in die gewohnte Banking-Umgebung sorgt dabei für eine niedrige Einstiegshürde und hohe Alltagstauglichkeit. In Eichenzell wird bereits eine steigende Nutzung beobachtet. „In letzter Zeit ist eine deutliche Zunahme der Zahlungen zu verzeichnen“, berichtet Herr. Gleichzeitig ist allen Kommunen bewusst, dass die Bekanntheit der neuen Bezahlmethode weiter wachsen muss, damit sie sich in der Fläche etabliert.
Neben der Nutzerperspektive spielen auch wirtschaftliche und organisatorische Aspekte eine Rolle. Visselhövede hat einen klaren Kostenvorteil identifiziert: Wero sei „rund 75 Prozent günstiger als vergleichbare Anbieter“, so Hermonies. Die Stadt plane zudem, ihre Zahlungsangebote anzupassen, etwa durch unterschiedliche Wertgrenzen je nach Zahlungsmethode, um Gebühren bei hohen Beträgen zu reduzieren. So soll Wero gezielt auch für größere Zahlungsvorgänge eingesetzt werden, während andere Verfahren stärker begrenzt werden.
Klare Empfehlungen
Für die Umsetzung lassen sich aus den bisherigen Erfahrungen klare Empfehlungen ableiten. Kommunen profitieren davon, frühzeitig erfahrene Partner einzubinden und auf bestehende Infrastrukturen aufzusetzen, um den Integrationsaufwand gering zu halten. Ebenso wichtig ist eine klare Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, um Vorteile und Nutzung verständlich zu vermitteln. Mehrere Kommunen betonen zudem, dass ein schrittweiser Einstieg, etwa über einzelne Dienstleistungen, den Roll-out erleichtert und interne Abstimmungsprozesse vereinfacht. Einige Kommunen starten gezielt in volumenstarken Bereichen. Nicht zuletzt wird Wero durchgängig als Ergänzung zu bestehenden Bezahlverfahren eingeführt.
Die nächsten Schritte sind in allen Kommunen ähnlich angelegt: Wero soll sukzessive auf weitere digitale Dienstleistungen ausgeweitet und enger in durchgängige Online-Prozesse integriert werden. Perspektivisch geht es dabei nicht nur um zusätzliche Zahlungsoptionen, sondern um die konsequente Verknüpfung von Fachverfahren, Bezahlprozessen und Nutzerführung. Die bisherigen Erfahrungen zeigen dabei ein konsistentes Bild. Die Einführung verläuft planbar, der Nutzen für Bürgerinnen und Bürger ist unmittelbar nachvollziehbar, und auch auf Verwaltungsseite eröffnen sich neue Spielräume.
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