Freitag, 11. September 2026

Serie Smart Cities, Teil 5Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern?
Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht

Was ist zu tun, wenn der Förderhahn abgedreht wird?

(Bildquelle: audrey_bergy/stock.adobe.com)

Wenn das Förderende naht, zieht die Frage nach der Verstetigung geförderter Smart-City-Projekte meist wie eine Wolke am Himmel auf. Welches Wetter diese verspricht, beeinflussen Aspekte, die schon früh im Projektverlauf berücksichtigt werden müssen. Die erfolgreiche Verankerung einer Smart-City-Lösung in den kommunalen Betrieb hängt daher von verschiedenen Faktoren ab, die ineinandergreifen. Diese umfassen organisatorische, finanzielle, personelle, technische und infrastrukturelle Aspekte. Die folgenden Handlungsempfehlungen bringen diese Faktoren für den Start in die Verstetigung zusammen.

Als strategischen Baustein verankern

Ersten gilt es, die Lösung als strategischen Baustein zu verankern. Beispielhaft zeigt das der Landkreis Sankt Wendel: Dort wurde die Smart-City-Strategie im Kreisentwicklungskonzept verankert und mit vorhandenen Zielbildern verzahnt. Gleichzeitig knüpft der Landkreis an bestehende Initiativen an, etwa aus LEADER oder an Aktivitäten der Kreisverwaltung, beispielsweise im Bereich Ehrenamt. Solche Strukturen helfen, Akzeptanz zu schaffen und Doppel- oder Insellösungen zu vermeiden.

Um Effekte später belastbar nachweisen zu können, ist es entscheidend, den Ausgangszustand zu erfassen. Je nach Anwendungsfall können das etwa Kennzahlen zur Verwaltungseffizienz (wie Arbeitszeiten oder Personalaufwand) oder zum Klimaschutz (beispielsweise Verbrauchs- oder Emissionsdaten) sein. Eine systematische quantitative und qualitative Erfassung ermöglicht es, vor allem gegenüber politischen Entscheidungsträgern, den Effekt von Maßnahmen konkret zu begründen.

Relevante Akteure einbinden

Zweitens ist die frühzeitige und differenzierte Einbindung relevanter Akteure entscheidend. Mitarbeitende aus Fachämtern, Bürgermeister sowie Dezernenten sorgen für die Verankerung in den kommunalen Prozessen und verfügen über entsprechende Entscheidungsbefugnisse. Eine zentrale Rolle spielen zudem (regionale) IT-Dienstleister. Sie entwickeln meist die benötigte Software, stellen diese bereit oder übernehmen perspektivisch den Betrieb für die Kommune.

Akteure aus Zivilgesellschaft, Ehrenamt und weiteren gesellschaftlichen Bereichen sind nicht nur häufig Zielgruppe der digitalen Lösungen, sondern agieren auch als Unterstützer bei deren Nutzung, beispielsweise als Digitallotsen. Die Verwaltungsspitze und kommunale Gremien entscheiden aber letztlich über den Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen – und damit über die langfristige Nutzung und den Betrieb der Lösungen. Generell sollten die Rollen und Zuständigkeiten regelmäßig überprüft werden: Wer ist beteiligt? Welche Rollen bestehen? Welche Ressourcen sind vorhanden? Wer trifft Entscheidungen?

Als positives Beispiel fungiert die Stadt Pforzheim. Anlässlich der Erstellung ihrer kommunalen Datenstrategie bildete die Kommune einen internen Lenkungskreis mit dem „Kreis der Willigen“, den Data-Hub. In ihm treffen Führungskräfte und Sachbearbeitende aus den Bereichen Digitalisierung, Geo-Information, Statistik, Umweltschutz und Mobilität auf Augenhöhe in einem monatlichen Statusmeeting zusammen. Dort werden alle datenbezogenen Themen und He­rausforderungen offen angesprochen und es entstehen neue Ideen, unter anderem für die inhaltliche Ausgestaltung der Datenstrategie.

Klar kommunizieren

Drittens empfiehlt es sich, eine strukturierte Kommunikationsstrategie aufzubauen; dazu gehört die Etablierung fester Austauschformate und klarer Kommunikationswege – sowohl innerhalb der Verwaltung als auch gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Nicht nur Transparenz und ein realistisches Erwartungsmanagement sind dabei entscheidend, sondern auch die Kommunikation von Herausforderungen, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei allen Beteiligten aufzubauen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei ist, die Lösung greifbar zu machen. Ansätze wie Storytelling helfen, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten und den Zugang für unterschiedliche Zielgruppen zu erleichtern.

Ein Beispiel hierfür sind die DIPAS_stories: Sie verbinden digitale Bürgerbeteiligung mit kartenbasiertem Storytelling und verknüpfen komplexe Geodaten – etwa 3D-Stadtmodelle, Lärmkarten oder Bebauungspläne – mit multimedialen Inhalten wie Texten, Bildern und Videos. So werden Projekte anschaulich erklärt und für die Bürger transparent gemacht (wir berichteten).

In bestehende Strukturen integrieren 

Viertens sollten Kommunen die technische Integrations- und Anschlussfähigkeit ihrer Smart-City-Lösungen forcieren. Denn damit digitale Lösungen dauerhaft im kommunalen Alltag genutzt werden können, müssen sie von Beginn an in bestehende IT-Strukturen und Verwaltungsprozesse integriert werden. Voraussetzung dafür ist eine ganzheitliche Systembetrachtung. Dazu zählen die Planung der technischen Anschlussfähigkeit, das Aufdecken potenzieller Parallelstrukturen sowie ausreichend Zeit für die Einführung der Lösung in die bestehende Systemlandschaft. Gleichzeitig sollten die späteren Nutzer frühzeitig einbezogen werden, um Akzeptanz und Praxistauglichkeit sicherzustellen.

Wie eine gelungene Integration aussehen kann, zeigt die SolingenApp: Sie bündelt nicht nur Informationen zu Baustellen, Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten, sondern integriert auch Verwaltungsleistungen im Sinne eines digitalen Rathauses. Damit ist sie fest in die Arbeitsprozesse der Fachämter eingebunden und wird aktiv im Verwaltungshandeln genutzt.

Überführung in den kommunalen Haushalt

Die fünfte und letzte Handlungsempfehlung betrifft das Aufbringen entsprechender Finanzmittel: Langfristig sollten digitale Lösungen in den kommunalen Haushalt überführt werden – vorausgesetzt, ihr Mehrwert ist ausreichend sichtbar und nachvollziehbar belegt. Um laufende Kosten zu reduzieren oder auf mehrere Schultern zu verteilen, bieten sich insbesondere Kooperationen mit kommunalen Unternehmen sowie interkommunale Partnerschaften an.

Eine solche Struktur hat beispielsweise das Südwest-Cluster aufgebaut – ein Zusammenschluss von fünf Modellkommunen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland (wir berichteten). Es zeigt, wie Projekte gemeinsam umgesetzt und betrieben werden können, etwa im Bereich Urbaner Datenplattformen. Die Zusammenarbeit kann dabei unterschiedliche Leistungen umfassen, etwa die technische Bereitstellung, den Betrieb und die Wartung, regelmäßige Updates sowie Schulungen und fachliche Beratung. Auf diese Weise lassen sich Kompetenzen bündeln und nachhaltige Betriebsmodelle etablieren.

Emmanuelle Heyer ist Smart City Engineer, Anna Theobald ist Senior Digital Innovation Designer im Dept. Smart City Design des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Geflutete Straße in Deutschland, Schild Hochwasser im Vordergrund

Studie: Digitale Hochwasservorsorge

[10.08.2026] Eine neue Publikation aus der Begleitforschung des Programms Modellprojekte Smart Cities zeigt anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie digitale Lösungen Kommunen bei der Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...

Messfahrzeug zum Erfassen des Straßenzustands

Dresden: Straßenzustand smart erfasst

[07.08.2026] In der Smart City Dresden erfolgt derzeit eine Befahrung im gesamten Stadtgebiet, um den Zustand des Straßennetzes digital zu erfassen. In Kombination mit Sensordaten soll das der Stadt künftig ermöglichen, die finanziellen Mittel für den Straßenbau mit dem größtmöglichen Nutzen einzusetzen. mehr...

Abholboxen für Pässe oder Urkunden unweit des Wiesbadener Bürgerbüros.
bericht

Serie Digitalstädte: Stadt der Pilotprojekte

[04.08.2026] Wiesbaden setzt bei der Digitalisierung auf einen ganzheitlichen Ansatz. Bürgerorientierung steht bei allen Vorhaben im Vordergrund. Gleichzeitig beteiligt sich Hessens Landeshauptstadt an zwei prestigeträchtigen Pilotprojekten des Bundesdigitalministeriums. mehr...

Silke Lehnhardt
interview

Interview: Mehr Mut zum Ausprobieren

[04.08.2026] Silke Lehnhardt hat nach 30 Jahren Privatwirtschaft den Wechsel in die Verwaltung gewagt. In Wiesbaden leitet sie nun das Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. mehr...

Gruppenbild mit Förderurkunde im Schatten eines Baumes

Dietzenbach: Nachhaltiger und noch smarter

[04.08.2026] Dietzenbach erweitert sein Smart-City-System um ein Energiemonitoring und eine automatisierte Wintergefahrenerkennung. Dafür integriert die Stadt erprobte Anwendungen anderer hessischer Kommunen in ihre bestehende Datenplattform. mehr...

Ein Sensor an einem Baum im Tennenloher Forst, im Hintergrund eine Feuerwehrkraft

Katastrophenschutz: Waldbrände mit KI frühzeitig erkennen

[03.08.2026] Im Rahmen des Projekts SmartForestFire entwickelt das Fraunhofer Cluster für kognitive Technologien CCIT ein KI-gestütztes Frühwarnsystem, um Brände schneller zu erkennen, Fehlalarme zu reduzieren und insbesondere kleinere oder kritische Waldgebiete effizient überwachen zu können. Im Tennenloher Forst bei Erlangen wird es aktuell unter realen Bedingungen erprobt. mehr...