Smart Country ConventionRaus aus den Silos

VOIS ist dieses Jahr zum ersten Mal auf der SCCON vertreten.
(Bildquelle: Messe Berlin)
Der Verein VOIS wird in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Entwicklungspartnern mit einem eigenen Stand auf der Smart Country Convention (SCCON) in Halle 25, Stand 407, vertreten sein. Themen wie Künstliche Intelligenz in Fachverfahren, digitale Identitäten und die EUDI-Wallet, Registermodernisierung, Ende-zu-Ende-Digitalisierung, Deutschland-Stack, souveräne Verwaltungs-IT, Once-Only und resiliente Infrastrukturen dürften auf der SCCON vom 13. bis zum 15. Oktober 2026 viel Aufmerksamkeit erhalten.
Mit VOIS ist ein Ökosystem entstanden, das in rund 70 Prozent der Verwaltungen eingesetzt wird und für rund 75 Prozent der Bevölkerung Verwaltungsprozesse digital abbildet. Angesichts der Dynamik der Verwaltungsdigitalisierung gilt es, aktuelle Entwicklungen zu verfolgen, Anforderungen der Kunden aufzunehmen und in der Software umzusetzen. Die SCCON bietet hier die Gelegenheit zum direkten Austausch. Mindestens genauso wichtig ist es für VOIS, die zahlreichen laufenden, häufig vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) initiierten Projekte zu verfolgen. So will VOIS die d-you-Wallet schnellstmöglich für kommunale Prozesse nutzbar machen. Auch Entwicklungen rund um den Deutschland-Stack und das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS) sind für die Plattform relevant.
Eigene Vorstellungen zur Verwaltungsdigitalisierung
VOIS will auf der SCCON eigene Vorstellungen zur künftigen Verwaltungsdigitalisierung zur Diskussion stellen. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass es nicht ausreicht, jahrzehntealte Verwaltungsprozesse lediglich zu digitalisieren. Die Unterteilung der Verwaltung in Fachbereiche stammt aus einer Zeit papierbasierter Abläufe. Daraus entstanden eigene Datenbestände und damit Redundanzen sowie Fehlerquellen. Werden diese Strukturen lediglich digital nachgebaut, bleiben auch die alten Silos bestehen.
Bürgerinnen und Bürger erwarten zunehmend, dass ihnen die Verwaltung als Einheit gegenübertritt. Verwaltungsleistungen sollen daher, wo dies möglich ist, proaktiv angeboten und vorhandene Daten für durchgängige Prozesse genutzt werden. Als Beispiel kann der Führerscheinumtausch dienen. Bislang müssen die Bürger selbst darauf achten, wann der Umtausch erforderlich ist, und den entsprechenden Verwaltungsvorgang anstoßen. Dabei liegen der Verwaltung grundsätzlich Daten vor, mit denen sie den Vorgang selbst frühzeitig initiieren könnte. In einer vernetzten Verwaltung könnte der Führerscheinumtausch auf dieser Grundlage vorbereitet und der Bürger rechtzeitig informiert werden. Im Idealfall müsste anschließend nur noch ein Termin zur Abholung des neuen Dokuments vereinbart werden.
Noch weiter reicht der Anspruch einer einheitlich auftretenden Verwaltung. Wer ein Anliegen hat, soll sich über einen zentralen Zugang an seine Verwaltung wenden können. Ob intern eine Gemeinde oder die Kreisverwaltung zuständig ist, sollte für die Bürgerinnen und Bürger keine Rolle spielen. Der benötigte Service muss dort verfügbar sein, wo der Kontakt mit der Verwaltung stattfindet.
Digitalisierung soll Zusammenarbeit ermöglichen
Dieser Ansatz geht noch weiter: Befinden sich Bürgerinnen und Bürger bereits in einem Online-Vorgang oder in der Behörde, könnte das Verwaltungssystem weiteren Handlungsbedarf erkennen und etwa auf einen auslaufenden Ausweis oder eine anstehende Steuerzahlung hinweisen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Fachbereiche und Zuständigkeiten blieben im Hintergrund bestehen. Entscheidend wäre, dass die Digitalisierung deren Zusammenarbeit ermöglicht, statt ihre Grenzen digital zu reproduzieren.
Mit VOIS wurde dieser Weg bereits eingeschlagen, allerdings sind die Potenziale noch nicht ausgeschöpft. Aus derzeit rund 50 Fachverfahren sollen langfristig rund 200 werden, die untereinander interagieren können. Aufgrund unterschiedlicher Strukturen in den Verwaltungen kann diese Interaktion sehr komplex werden. Darin sieht VOIS zugleich ein mögliches Einsatzfeld für Künstliche Intelligenz.
Diese Vorstellung einer stärker vernetzten Verwaltung will VOIS auf der Smart Country Convention präsentieren und diskutieren. Kritisch betrachtet der Verein dabei die verstärkt diskutierte Zentralisierung der Verwaltungs-IT. Denn Zentralisierung allein überwindet noch keine Silos. Werden die Weichen falsch gestellt, besteht vielmehr die Gefahr, aus vielen kleinen Silos wenige große zu machen.
Impulse für IT-Sicherheit
Impulse erhofft sich VOIS zudem bei der Sicherheit der Verwaltungs-IT. Die Plattform arbeitet mit definierten und standardisierten Schnittstellen zu externen Systemen. Bei der Kommunikation zwischen Kommunalverwaltungen ermöglicht sie beispielsweise eine abgesicherte, synchrone Ende-zu-Ende-Kommunikation mit definiertem Sender und Empfänger. Ein neues Entwicklungsfeld ist die Integration von Confidential Computing.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Souveränität. VOIS wird in Deutschland für die deutsche Verwaltung entwickelt und kann unterschiedliche Infrastrukturen sowie angrenzende Produkte wie Office- oder Dokumentenmanagementsysteme integrieren. Von der SCCON erwartet VOIS hierzu klare und belastbare Aussagen: Wo hört unerwünschte Abhängigkeit auf und wo beginnt digitale Souveränität?
Nicht minder wichtig ist die Resilienz der Verwaltungs-IT. Verwaltungen müssen auch in Ausnahmesituationen arbeitsfähig bleiben. Dafür braucht es Konzepte und technische Lösungen, die künftig in das VOIS-Ökosystem integriert werden sollen. Solche Szenarien müssen frühzeitig mitgedacht und gemeinsam mit den beteiligten Akteuren gelöst werden.
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