Dienstag, 20. Oktober 2026

Sachsen-AnhaltMarktplatz für Lösungen

[20.10.2026] Sachsen-Anhalt treibt die Digitalisierung seiner Verwaltung mit einem klaren Fokus auf Nachnutzung und Standardisierung voran. Ein zentrales Instrument ist dabei der „eGovernment-Marktplatz Sachsen-Anhalt“.
Ein neuer virtueller Marktplatz soll Kommunen die einfache Nachnutzung von EfA-Diensten ermöglichen.

Der eGovernment-Marktplatz ist ein zentraler Einstiegs- und Informationskanal bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes in Sachsen-Anhalt.

(Bildquelle: peshkov/123rf.com)

Mit dem eGovernment Marktplatz Sachsen-Anhalt unternimmt das Land einen weiteren Schritt zur Digitalisierung kommunaler Verwaltungsprozesse. Das Portal fungiert dabei als zentrale Drehscheibe: Kommunen können dort verfügbare Online-Dienste einsehen und in einer Vorschau testen, um sie bei Bedarf für den eigenen Einsatz zu übernehmen. Viele Leistungen stehen bereits vor der finalen Freigabe in einer Testumgebung zur Verfügung, sodass die Kommunen frühzeitig Einblick erhalten und ihre Anforderungen in die Entwicklung einbringen können. Die Leistungen werden über den Bürger- und Unternehmensservice des Landes bereitgestellt und lassen sich in kommunale Portale integrieren.

Zentrale Dienste für viele Kommunen

Das Prinzip dahinter ist bewusst einfach gehalten. Ein Dienst wird zentral bereitgestellt und kann von zahlreichen Kommunen gleichzeitig genutzt werden. Individuelle Einzellösungen treten dabei in den Hintergrund, denn der Fokus liegt auf der Nachnutzung. Das reduziert den Entwicklungsaufwand und beschleunigt die Bereitstellung deutlich. „Wir sind hier bewusst auf der Überholspur unterwegs, um in kurzer Zeit möglichst viele Dienste bereitstellen zu können“, heißt es aus dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Marktplatz bietet bereits zahlreiche Dienste, weitere befinden sich derzeit in der fachlichen Prüfung und werden schrittweise hinzugefügt. Perspektivisch soll ein Portfolio von rund 250 Online-Diensten entstehen. Der Großteil davon basiert auf bereits vorhandenen Lösungen und wird durch eigene zentrale Entwicklungen ergänzt.

Erprobte Dienste, gemeinsame Plattform

Die meisten dieser kommunalen Online-Dienste basieren auf Lösungen von S-Public Services, dem E-Government-Kompetenzcenter der Sparkassen-Finanzgruppe. Dabei werden bereits entwickelte und erprobte Antragsstrecken übernommen, an landesspezifische Anforderungen angepasst und zentral bereitgestellt. S-Public Services liefert die fachlichen Inhalte und Formulare und unterstützt deren Anbindung an die Infrastruktur.

Die technische Integration erfolgt über die Plattform des IT-Dienstleisters Dataport. „Wir konnten früh zeigen, dass sich die Online-Dienste unterschiedlicher Anbieter nahtlos in eine gemeinsame Infrastruktur integrieren lassen“, erklärt Henry Lipper, Projektleiter bei Dataport. „Für die Nutzenden entsteht so ein einheitliches Bild – unabhängig davon, woher der Online-Dienst ursprünglich kommt.“

Damit alles reibungslos funktioniert, werden alle Dienste über zentrale Module und Standardschnittstellen eingebunden. Online-Anträge lassen sich so direkt an Fachverfahren übergeben, bei Bedarf auch inklusive Bezahlfunktion. Gleichzeitig bleibt das System flexibel: Die Kommunen können selbst entscheiden, ob sie nur den Online-Dienst nutzen oder zusätzlich die bereitgestellten Fachverfahren einsetzen möchten. „Wir entlasten die Kommunen bewusst. Sie müssen sich vor allem mit Test, Abnahme und Freigabe beschäftigen, nicht mehr mit kompletten Entwicklungszyklen“, beschreibt ein Sprecher des Digitalministeriums die veränderte Aufgabenverteilung. Dadurch werden die Einführungszeiten verkürzt und es entstehen Freiräume in den Verwaltungen.

Pilotkommunen gestalten die Dienste mit

Dabei übernehmen die Pilotkommunen eine entscheidende Rolle. Sie testen neue Dienste, bringen Anforderungen ein und treiben die Einführung aktiv voran. Aus den beteiligten Kommunen heißt es, dass die Bereitstellung über den Marktplatz die internen Abläufe spürbar vereinfacht. So gingen inzwischen viele Anträge digital ein, die dadurch schneller bearbeitet werden können. Positiv hervorgehoben wird zudem, dass sich die Dienste ohne eigenen Entwicklungsaufwand einsetzen lassen. Das spart Ressourcen und beschleunigt die Umsetzung vor Ort deutlich.

Die Zusammenarbeit von Land, Kommunen, Dataport und S-Public Services gewährleistet die schnelle, zuverlässige und nutzerfreundliche Umsetzung digitaler Prozesse. S-Public Services begleitet die Kommunen kontinuierlich, stellt Fachwissen bereit und entwickelt die Dienste weiter. „Für uns geht es vor allem darum, dass jede Kommune die passende Unterstützung erhält – unabhängig von ihrer Größe oder ihrer IT-Vorgeschichte“, so Frank-Olaf Wilhelm, der bei S-Public Services für die Verwaltungsdigitalisierung verantwortliche Produktmanager.

Pragmatisch starten, gezielt ausbauen

Mit dem eGovernment-Marktplatz verfolgt Sachsen-Anhalt einen konsequenten Kurs: Standardisierte Lösungen sollen nachgenutzt, zentrale Infrastrukturen aufgebaut und die Kommunen entlastet werden. Dabei wird ein pragmatischer Ansatz verfolgt: Es muss nicht immer die hundertprozentige Lösung sein. Wichtig ist, dass Dienste schnell verfügbar sind und anschließend weiterentwickelt werden. Für die Kommunen gibt es derzeit einen zusätzlichen Anreiz zur Nutzung: Die bereitgestellten Dienste können aktuell kostenfrei eingebunden und genutzt werden.

Das Ergebnis sind flächendeckend verfügbare Online-Dienste, die flexibel einsetzbar sind. Damit zeigt Sachsen-Anhalt, dass die Digitalisierung schneller voranschreiten kann, wenn Land, Kommunen und Dienstleister zusammenarbeiten und sich konsequent auf Nachnutzung und Standardisierung fokussieren.

Nora Hoffmann ist Redakteurin bei der Agentur bloodsugarmagic GmbH.




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