Montag, 19. Oktober 2026

Rheingau-Taunus-KreisEigene KI für den Verwaltungsalltag

[19.10.2026] Texte entwerfen und zusammenfassen, Informationen schneller recherchieren oder Besprechungen automatisch dokumentieren: KI kann Beschäftigte in Verwaltungen bei vielen Aufgaben unterstützen. Der Rheingau-Taunus-Kreis will dafür ein eigenes KI-Sprachmodell aufbauen – Nachnutzung inklusive.
Blick auf Schreibtisch: Laptop, Hände, gefüllte Kaffeetasse

Im Rheingau-Taunus-Kreis soll ein eigenes KI-Sprachmodell aufgebaut und erprobt werden.

(Bildquelle: wavebreakmediamicro/123rf.com)

Der Rheingau-Taunus-Kreis will ein KI-Sprachmodell in einer kontrollierten und sicheren Umgebung betreiben. Dafür erhält er rund 199.000 Euro aus dem kommunalen Digitalförderprogramm „Starke Heimat Hessen“. Wie das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation mitteilt, hat Digitalministerin Kristina Sinemus den Förderbescheid auf den Weg gebracht. Der Kreis prüft zunächst geeignete Betriebsmodelle, bevor eine Pilotanwendung aufgebaut wird. Zur Auswahl stehen eigene Server, das Rechenzentrum eines kommunalen IT-Dienstleisters, ein zertifizierter externer Anbieter und dezentrale KI-Hardware. Datenschutz und Informationssicherheit sind dabei zentrale Kriterien. Sensible Verwaltungsinformationen sollen geschützt und ungewollte Datenabflüsse vermieden werden. „Wer KI in der Verwaltung einsetzt, muss wissen, was mit sensiblen Daten geschieht und wer darauf zugreifen kann“, erklärte Sinemus.

Schrittweiser Ausbau

Die Pilotanwendung soll in ausgewählten Verwaltungsbereichen getestet werden. Nach Angaben des Ministeriums eignen sich dafür zunächst Aufgabenfelder mit hohem Text- und Kommunikationsaufkommen, etwa Bürgerdienste, Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation. Das Sprachmodell soll Texte entwerfen, zusammenfassen und überarbeiten, Gespräche und Sitzungen für Protokolle aufbereiten sowie Informationen aus internen Dokumentationen und Handbüchern erschließen. Perspektivisch sind auch Assistenzsysteme für Fachfragen und Hilfen bei wiederkehrenden Arbeitsschritten denkbar. Schulungen und Workshops sollen die technische Einführung begleiten. Eine interne „Community of Practice“ soll Erfahrungen aus der Nutzung sammeln und weitere Anwendungsfälle identifizieren. „Wir wollen, dass unsere Beschäftigten weniger Zeit mit Suchen, Abtippen und Protokollieren verbringen und mehr Zeit für die Menschen haben, die sich an uns wenden. Dafür braucht es Mut, Neues auszuprobieren, aber auch klare Regeln“, erklärte Landrat Sandro Zehner.

Ergebnisse weitergeben

Ob das Sprachmodell tatsächlich einen Mehrwert bringt, will der Kreis anhand konkreter Kennzahlen überprüfen. Dazu zählen Bearbeitungszeiten und Rechercheaufwand ebenso wie die Qualität der Ergebnisse. Auch die Nutzungshäufigkeit und die Zufriedenheit der Beschäftigten sollen erfasst werden. Der Kreis ist bereits als Pilotlandkreis an der Verwaltungsdigitalisierung mit Bund und Land beteiligt (wir berichteten). Auch die kreisangehörigen Städte und Gemeinden sollen perspektivisch auf die Lösung zugreifen oder die gewonnenen Erfahrungen für eigene Systeme nutzen können. Vorgesehen sind dafür Workshops und Pilotzugänge sowie Leitfäden und Checklisten. Über kommunale Netzwerke und Fachverbände sollen die Ergebnisse darüber hinaus anderen hessischen Kommunen zur Verfügung stehen. Das Ministerium verbindet mit dem Projekt die Aussicht auf einen übertragbaren Ansatz für den sicheren KI-Einsatz.





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