Mittwoch, 4. März 2026

Serie 10 Gebote für Kommunen3 – Immer mehr Aufgaben und immer weniger Leute

[18.05.2020] Die öffentliche Verwaltung steht ebenso wie die Wirtschaft vor einer Herausforderung, die der demografische Wandel und eine Überalterung der Gesellschaft mit sich bringen, schreibt Autor Dominic Multerer. Die Lösung für den drohenden Arbeitskräftemangel sieht er in der Digitalisierung.
Dominic Multerer

Dominic Multerer

(Bildquelle: Dominic Multerer)

Ob Wirtschaft oder öffentlicher Sektor – beide stehen vor der gleichen Herausforderung, die demografischer Wandel und Überalterung stark beeinflussen: Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass in Zukunft Arbeitskräfte fehlen werden und Stellen unbesetzt bleiben, schreibt Autor Dominic Multerer in seinem Buch „10 Gebote für Kommunen“. Das werde sich noch verstärken, wenn ein Großteil der Babyboomer-Generation in den Ruhestand geht. Gleichzeitig würden aber auch die Aufgaben wachsen, und das aus den verschiedensten Gründen.
Im Gegensatz zur Privatwirtschaft habe der öffentliche Sektor einen hohen Altersdurchschnitt im Personalstamm. Das bedeute, dass sich hier künftig gravierende Lücken auftun werden, die jetzt schon vielerorts offensichtlich seien. Denn auslaufende Stellen würden – oft aus Kostengründen – nicht nachbesetzt. Hinzu komme, dass es in absehbarer Zeit weniger Bewerbungen und weniger qualifizierte Nachfolger geben wird. Also müssten die stetig wachsenden Aufgaben vom immer weniger werdenden Fachpersonal erfüllt werden.

Buch mit sieben Siegeln

Die Lösung lautet: Digitalisierung. Und das ist für viele im öffentlichen Bereich ein Buch mit sieben Siegeln, wenn nicht gar ein Schreckgespenst, schreibt Multerer. Doch ohne den Einsatz von Technologie werde das Arbeitspensum auch vor dem Hintergrund von Wettbewerb, Marktorientierung, Marketing und bürgerfreundlichen Services künftig nicht zu schaffen sein. So wäre etwa der Online-Händler Amazon ohne Digitalisierung nicht in der Lage, sein vielseitiges Angebot vorzuhalten und könnte die täglich anfallenden millionenfachen Bestellungen nicht bewältigen. Die Automatisierung ermögliche es ihm, quasi jeden Winkel auf der Welt binnen kürzester Zeit zu bedienen – gleich, ob es dabei um die Bearbeitung von Anfragen, Reklamationen, um die Fakturierung, den Versand, um Rücksendungen oder Services geht. Der Wirtschafts- und Marketingexperte meint dabei nicht, dass Kommunen Amazon eins zu eins kopieren sollen. Sie könnten sich jedoch durchaus anschauen, wie der IT-Riese die vielfältigen Ansprüche der Kunden für sich löst, und überlegen, wie daraus eine individuelle Lösung für den eigenen Bereich abgeleitet werden könnte.

Bewusstsein und Know-how

Leider fehlten im öffentlichen Sektor häufig das Bewusstsein und auch das Know-how für die Digitalisierung. Aus diesem Grund müssten sowohl Mitarbeiter als auch Entscheider fit gemacht werden. Das reiche vom Bürgermeister über den Gemeinderat, die Abteilungs- und Ressortleiter und höre beim Hausmeister nicht auf. Es betreffe erfahrene und junge Mitarbeiter gleichermaßen. Zwar würde sich die junge Generation mit YouTube, Netflix, Instagram und ihrem Smartphone auskennen, das reiche aber nicht. Junge Mitarbeiter müssten auch die Digitalisierung verstehen und wissen, wie man diese Technologien sinnvoll einsetzen kann. Denn darauf kommt es an, argumentiert Multerer. Wichtig sei dabei, verständlich zu machen, dass es nicht um Stellenabbau geht, sondern dass mithilfe der Technik Arbeitsprozesse vereinfacht, verbessert und effizienter gestaltet werden können. Davon würden alle in einer Kommune profitieren, nicht nur die Mitarbeiter und Verantwortlichen.


Multerer, DominicDominic Multerer ist Autor, Marketing- und Vertriebsprofi und Hochschuldozent. In seinem Buch „Die 10 Gebote für Kommunen“ beschreibt er praktische Lösungsansätze und Tipps für die öffentliche Verwaltung, um sich wettbewerbs- und zukunftsfähig aufzustellen und marktorientiert zu handeln. Kommune21 beleuchtet in einer 10-teiligen Serie jede Woche eines der Gebote. Begleitend dazu gibt es eine Serie auf YouTube.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Bremen: Verwaltung punktet mit Online-Services.

Bremen: Schub für die Verwaltungsdigitalisierung

[03.03.2026] Performa Nord, ein Verwaltungsdienstleister der Freien Hansestadt Bremen, erhält aus dem Investitionssofortprogramm des Landes rund vier Millionen Euro. 2026 und 2027 sollen Terminmanagement, Heil- und Dienstunfallfürsorge sowie die IT-Ausstattung der Einrichtung digitalisiert und modernisiert werden. mehr...

Holzklötze mit Icons: Buch, Hirn, Schachfigur

Praxisleitfaden: Wissen bewahren und nutzen

[19.02.2026] Speziell an die Führungsebene in der öffentlichen Verwaltung richtet sich eine Orientierungshilfe der Innovationsstiftung Bayerische Kommune. Der Leitfaden liefert praxisnahe Impulse, wie erfolgreiches Wissensmanagement in kleinen Schritten aufgebaut werden kann. mehr...

Rotweißer Leuchtturm hinter Sünden auf der Insel Amrum

Föhr-Amrum: Digitale Lösungen für die Zukunft der Inseln

[18.02.2026] Im Rahmen der Föhr-Amrumer Zukunftsimpulse hat das Amt Föhr-Amrum den Island Future Award initiiert. Ausgezeichnet werden Projekte, die Inseln und Küstenregionen durch praxistaugliche Digitalisierung konkret stärken. mehr...

Mehrere Personen halten bunte Zahnräder aneinander.

NExT-Netzwerk: Arbeit neu strukturiert

[17.02.2026] Mit einer neuen strategischen Struktur richtet der Verein NExT seine Arbeit zur Verwaltungstransformation neu aus: Künftig sollen Austausch, Analyse und politische Einordnung enger verzahnt werden. Ein Relaunch der Website macht diesen Anspruch auch nach außen sichtbar. mehr...

Detailaufnahme Bauplan mit Bleistift

Schleswig-Holstein: Unterstützung für kommunale Bauleitplanung

[05.02.2026] Schleswig-Holstein will Bauleitpläne künftig mit dem Standard XPlanung und einer zentralen Bereitstellungsplattform landeseinheitlich digital verfügbar machen. Das Land unterstützt Kommunen bei der Umwandlung bestehender Pläne. mehr...

Zeichnung von Händen, die je ein Puzzleteil in der Hand halten, die zusammengefügt werden. Daneben steht ÖFIT-Wegbereiter geschrieben.

ÖFIT-Wegbereiter-Reihe: Kompetenzaufbau in der Verwaltungspraxis

[30.01.2026] Als niedrigschwellige, anwendungsorientierte Lern- und Arbeitsinstrumente sollen die ÖFIT-Wegbereiter die interdisziplinäre Bearbeitung von Digitalisierungsprojekten in der öffentlichen Verwaltung unterstützen. Die Reihe umfasst derzeit vier Ausgaben unter anderem zu den Themen Low Code, generative Künstliche Intelligenz und Digitale Souveränität. mehr...

Junger Mann mit Kopfhörern in einer Büroumgebung, die untere Hälfte seines Gesichts von einem Monitor verdeckt.

Vitako: Die Verwaltung der Zukunft im Podcast

[16.01.2026] Orientierung schaffen, Debatten anstoßen und zeigen, wie öffentliche IT den digitalen Staat mitgestaltet – das will der neue Podcast von Vitako, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

KDO: IT-Wissen praxisnah vermittelt

[14.01.2026] Die KDO-Akademie vermittelt IT-Kompetenz: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 200 Schulungen durchgeführt. Nun entwickelt sich das Angebot weiter. In verschiedenen Formaten wird neben Know-how zu konkreten IT-Lösungen auch Wissen zu übergreifenden Themen vermittelt. mehr...

Grafik, die den Ablauf des Kölner IT-Planungsprozesses erläutert.

Köln: Erster IT-Planungsprozess

[22.12.2025] Um die IT- und Digitalisierungsvorhaben der Verwaltung schneller bewerten und priorisieren zu können, hat Köln erstmals einen gesamtstädtischen IT-Planungsprozess umgesetzt. Er orientiert sich an Industriestandards für die IT-Planung in Unternehmen und sorgt für einen optimalen Ressourceneinsatz sowie eine nachhaltig gesteuerte digitale Transformation. mehr...

Vier Personen stellen das Aachener Baumkataster vor

Aachen: Straßenbäume exakt dokumentiert

[19.12.2025] In Aachen wurden in den vergangenen Jahren alle Stadtbäume mit Stamm- und Zustandsdaten in ein Kataster eingepflegt. Das soll der Stadtverwaltung künftig alle Prozesse rund um Baumkontrolle und -pflege erleichtern. mehr...

Cuxhaven: Schnell informiert im Notfall

[19.12.2025] Seit 2005 informiert die Stadt Cuxhaven ihre Bürgerinnen und Bürger über regionale Gefahrenlagen oder Schadensereignisse per App. Nun erhielt die mobile Anwendung ein umfassendes Update. mehr...

Junger Mann sitzt mit Laptop, Taschenrechner und einigen Papieren in sorgenvoller Haltung am Schreibtisch.

Fraunhofer FOKUS: Zwischen Medienbrüchen und Bürokratiearbeit

[03.12.2025] Was macht einen Verwaltungsprozess wahrhaft nutzerfreundlich? Dieser Frage geht – anhand des Wohngeldantrags – eine Studie von Fraunhofer FOKUS nach. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, ein handlungsleitendes Gesamtbild der Verwaltungsmodernisierung zu entwickeln. mehr...

Fragestellung er Umfrage mit einem Störer "Deine Meinung zählt"

NeXT: Breite Umfrage zur Nachnutzung

[27.11.2025] Wie steht es um die Nachnutzung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung? Das Netzwerk NeXT hat dazu eine Umfrage aufgesetzt Alle Verwaltungsbeschäftigten – ungeachtet der Ebene oder Rolle – können noch bis Ende November ihre Praxiserfahrungen teilen. mehr...

Gruppenfoto der Teilnehmenden am „Kooperationsraum für Verwaltungsmodernisierung in föderalen Strukturen“

Metropolregion Rhein-Neckar: Kooperationsraum für moderne Verwaltung

[25.11.2025] Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Metropolregion Rhein-Neckar bauen ihre seit 2010 bestehende Kooperation aus und richten einen föderalen Kooperationsraum ein, der digitale Lösungen länder- und ebenenübergreifend entwickelt und erprobt. mehr...

Frau schreibt auf einem Notizblock, im Hintergrund weihnachtliche Deko
bericht

Studie: Intern besser integrieren

[20.11.2025] Wie erleben Behördenmitarbeitende die Digitalisierungsbemühungen in ihrem Alltag? Dies wollte das Unternehmen d.velop herausfinden. Ein Ergebnis der Umfrage: Eine vollständige Digitalisierung bis 2030 halten 75 Prozent der Befragten für unrealistisch. mehr...