InterviewChancen und Risiken von KI

Thomas Chudo, Senior Manager (Public/Health) beim IT-Dienstleister und Rechenzentrumsbetreiber noris network
(Bildquelle: noris network)
Herr Chudo, Behörden stehen vor der Herausforderung, Dienstleistungen effizienter und bürgernäher zu gestalten. Wie kann KI dabei helfen?
KI steht auch in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung ganz am Anfang der Entwicklung. Stand heute sprechen wir eigentlich noch über eine Weiterentwicklung von Machine Learning (ML). Während ML mit Daten gefüttert wird, um Prozesse schneller und fehlerfreier abzuarbeiten als Menschen, verfügt KI sozusagen über eine eigene Intelligenz. Sie entwickelt sich selbst weiter. Und dieses Potenzial ist enorm. Ganz besonders für den öffentlichen Sektor, denn es reicht von der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben bis hin zur Entscheidungsfindung bei komplexen Fragestellungen.
Können Sie das weiter ausführen?
KI sollte in Verwaltungsprozessen eingesetzt werden, um die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Sie ermöglicht es ihnen, schnell und effizient, ohne lange Wartezeiten oder bürokratische Hürden, Informationen zu erhalten und Anliegen zu klären. Da Verwaltungen mittels KI personalisierte Dienstleistungen und eine maßgeschneiderte Kommunikation bieten können, erreichen sie eine höhere Kundenzufriedenheit. Gleichzeitig führt eine KI-Implementierung zur Entlastung der Behördenmitarbeitenden. Da diese weniger repetitive Aufgaben übernehmen müssen, können sie sich auf komplexere Aufgaben konzentrieren. Hinter all dem steht das gleiche Prinzip: Algorithmen helfen dabei, Trends und Muster zu erkennen, frühzeitig potenzielle Probleme zu identifizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Das Ergebnis kann eine proaktive und zielgerichtete Politikgestaltung sein. Auch eine effizientere Allokation von Ressourcen, geringere Kosten für die Verwaltung und mehr Bürgernähe können entstehen.
Wie könnte das in der Praxis aussehen?
Den Big-Data-Trend ergänzend wird es mit KI möglich, Profit aus den gesammelten Informationen zu schlagen. Ein einfaches Beispiel ist das Ausfüllen von Excel-Listen: Es werden nicht mehr nur Daten eingetragen, sondern es wird auch analysiert, ob diese eine Relevanz für andere Verwaltungsvorgänge haben. Ebenso lassen sich Prozesse der Qualitätssicherung oder die Überprüfung von Dokumenten, die heute noch mühsam von Behördenmitarbeitern abgewickelt wird, mithilfe der KI einfacher bewerkstelligen. KI kann außerdem ganz konkret in speziellen Bereichen der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden. Indem bestimmte Muster analysiert werden, kann beispielsweise die Polizei Einbruchsserien und mögliche Ziele schneller erkennen. Oder denken Sie an die Arbeit in Steuerämtern: Finanzbehörden können mithilfe der KI-Technologien Auffälligkeiten zuverlässiger und schneller feststellen als manuell. Wenn ein Bürger beispielsweise für gewöhnlich viele kleinere Bewirtungsrechnungen geltend macht und plötzlich eine hohe Rechnung aus dem Ausland kommt, ist das natürlich verdächtig. Eine KI erkennt das in Sekundenbruchteilen und kann den zuständigen Sachbearbeiter auf den Vorgang hinweisen. Gleiches gilt für Fördermittel und Asylanträge: Kontobewegungen und Ein- beziehungsweise Ausreisen lassen sich nachverfolgen und mit ähnlichen Vorgängen aus der Vergangenheit in Bezug setzen. KI könnte auch in Bauaufsichtsbehörden zum Einsatz kommen. Hier könnten Algorithmen die Baupläne für eine Baugenehmigung und Grundstücke anhand von Satellitenbildern untersuchen.
„Wichtig ist, dass die KI auf die ganz speziellen Anforderungen der Behörden trainiert wird.“
Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit KI es tatsächlich zum Durchbruch in deutschen Ämtern schafft?
Wichtig ist, dass sie auf die ganz speziellen Anforderungen in Behörden trainiert wird. Denn die mit öffentlichen Daten trainierten Technologien wie ChatGPT eignen sich für den Einsatz in Ämtern und Kommunen kaum. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die hierzulande recht starken Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Unter anderem müssen die sensiblen Daten von Bürgern in einem sicheren, deutschen Rechenzentrum liegen, das die erforderlichen Zertifizierungen wie BSI Grundschutz, KRITIS, eventuell sogar TÜViT TSI Level 4 und natürlich ISO 27001 vorweisen kann. Hinzu kommen spezielle Anforderungen der einzelnen Behörde: Manche Ämter benötigen eine sehr hohe Verfügbarkeit, andere Georedundanz, sodass die Daten auch im Katastrophenfall oder bei Hackerangriffen geschützt und zugänglich bleiben. Es muss also verhindert werden, dass solche Attacken wichtige Bereiche des Staatsapparats treffen können. Essenziell für den KI-Durchbruch in Behörden ist auch, dass Sachbearbeiter nur die für sie relevanten Einblicke erhalten dürfen. Dafür muss ein Rechte-Management etabliert werden. Und dann wären da noch organisatorische Hürden. In Deutschland gibt es – anders als in vielen anderen Ländern der EU – viele gleichberechtigte Referate und Ämter, die in den Prozess einbezogen werden müssen. Nicht zuletzt muss geklärt werden, wer die Investitionen am Ende bezahlt.
Kann KI vorbehaltlos eingesetzt werden?
Tatsächlich birgt KI die Gefahr von Bias und Diskriminierung – nämlich dann, wenn Algorithmen auf fehlerhaften oder voreingenommenen Daten trainiert werden. Es ist daher entscheidend, schon im Vorfeld einer Implementierung klare ethische Grundsätze und transparente Richtlinien für den KI-Einsatz in der Verwaltung festzulegen. Diese moralischen Aspekte sind eine weitere Herausforderung, die es für den Durchbruch der KI in der Verwaltung zu lösen gilt.
Bleibt noch die Frage der ressourcenschonenden Umsetzung…
Eine effiziente Lösung wäre hier fraglos eine Art Baukastensystem, in das jede Gemeinde greifen kann, um sich das jeweils benötigte Tool zu nehmen. Zu guter Letzt muss ein Prozess entwickelt werden, damit die KI behördenübergreifend auf Daten zugreifen kann. Denn je mehr Informationen der Technologie zur Verfügung stehen, desto genauer und wirkungsvoller kann sie eingesetzt werden.
Interview: Zwischen Praxis und Politik
[28.04.2026] Im Kommune21-Interview erläutern Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des VOIS-Vereins, und Markus Bremkamp, Schatzmeister des VOIS-Vereins, was sie zur Gründung ihres Vereins bewogen hat und welche Ziele dieser verfolgt. mehr...
Kreis Düren: Microsoft 365 eingeführt
[21.04.2026] Der Kreis Düren hat Microsoft 365 flächendeckend ausgerollt. Unterstützt wurde die Kommunalverwaltung dabei vom Dienstleister regio iT. mehr...
Rheinland-Pfalz: OPTIKOM kommt voran
[17.04.2026] Im interkommunalen Prozessmanagement-Projekt OPTIKOM in Rheinland-Pfalz wurden bereits Meilensteine erreicht, wie eine rund 1.000 Prozesse umfassende Blaupause für ein gemeinsames Prozessregister. Im kommenden Jahr können weitere Kommunen in das Projekt aufgenommen werden. mehr...
Green IT: Ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Digitalisierung
[08.04.2026] Angesichts der komplexen Aufgaben, denen sich der öffentliche Sektor in seiner digitalen Transformation gegenübersieht, haben Umweltaspekte oft eher niedrige Priorität. Klare Ziele und konkrete, einfache Maßnahmen helfen, Nachhaltigkeitsziele in digitale Strategien zu integrieren. mehr...
Ennepe-Ruhr-Kreis: Prozessmanagement kommt voran
[08.04.2026] Ergebnisse des interkommunalen Projekts zum Prozessmanagement im Ennepe-Ruhr-Kreis sind ein umfassendes Prozessregister, abgestimmte Standards und ein belastbares Netzwerk. Nun startet das Projekt in die nächste Phase. mehr...
Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform
[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...
Besuchersteuerung: Zeitgemäßer Bürgerservice
[27.03.2026] Die IKT-Ost hat eine neue Lösung zur Termin- und Besuchersteuerung eingeführt. Der IT-Träger für zwei Landkreise und eine Stadt setzt dabei auf eine einheitliche Software für alle Kommunen. Profiteure sind Verwaltungen und Bürger. mehr...
Büdelsdorf: Digitales Zielmanagementsystem
[06.03.2026] Die Stadt Büdelsdorf hat ein digitales Zielmanagementsystem eingerichtet. Es soll eine gezielte Steuerung, Wirksamkeitsmessung und Auswertung wichtiger Kennzahlen seitens der Stadt ermöglichen. mehr...
cit / nextgov iT: Strategische Partnerschaft mit KERN-UX
[03.03.2026] Die Low-Code-Plattform cit intelliForm unterstützt KERN-UX, den User-Experience (UX) Standard für Verwaltungssoftware. Verwaltungsleistungen können somit KERN-konform, also standardisiert, nutzerfreundlich und wiedererkennbar, umgesetzt werden. Als strategischer Partner gestaltet neben cit auch nextgov iT den UX-Standard aktiv mit. mehr...
Round Table: Saubere Daten
[02.03.2026] Das Round-Table-Gespräch von Kommune21 zum Axians-Infoma-Innovationswettbewerb zeigt: Die Datenqualität ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Digitalisierungsprojekte. mehr...
Sachsen: Digitale Ehrenamtskarte
[27.02.2026] Auch in Sachsen steht nun die Digitale Ehrenamtskarte über die Ehrenamtskarten-App zur Verfügung. Damit greift ein weiteres Bundesland auf die in Nordrhein-Westfalen erarbeitete EfA-Leistung zurück. mehr...
Eisenach: Zeichen stehen auf Wandel
[24.02.2026] Mit einem „Masterplan zur digitalen Transformation“ schließt die Stadtverwaltung Eisenach Stück für Stück Etappen auf dem Weg zur modernen Verwaltung ab. Immer im Fokus stehen dabei die Mitarbeitenden als wichtigster Faktor im Veränderungsprozess. mehr...
Hanau: Tablets unterstützen die Feuerwehr
[24.02.2026] In Hanau sorgt das Einsatzinformationssystem rescueTablet dafür, dass Feuerwehren schon während der Anfahrt relevante Informationen zum anstehenden Einsatz erhalten. Da alle Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Hanau sowie die Berufsfeuerwehr das System nutzen, wird eine flächendeckende und einheitliche digitale Informationsbasis für sämtliche Einheiten geschaffen. mehr...
Low Code / No Code: Kommunen bündeln Kräfte
[19.02.2026] Am Niederrhein haben mehrere Kommunen eine gemeinsame Plattform für digitale Anwendungen beschafft. Mit der Low-Code-/No-Code-Lösung setzen sie auf Tempo bei der Entwicklung neuer Anwendungen und die Wiederverwendung existierender Komponenten. mehr...
Registermodernisierung: Wie brauchbar sind die Registerdaten?
[16.02.2026] Geht es um die Registermodernisierung, stehen oft vor allem technische Aspekte wie die Datenaustauschplattform NOOTS im Fokus. Ein Pilotprojekt in Niedersachsen hat nun die Qualität der Registerdaten selbst untersucht und gleichzeitig gezeigt, wie diese automatisiert verbessert werden kann. mehr...
























