Montag, 28. September 2026

CapgeminiDie digitale Spaltung der Gesellschaft

[14.05.2020] Die Benachteiligung von Menschen, die das Internet nicht nutzen können, führt zu einer weltweiten Spaltung zwischen Online- und Offline-Bevölkerung – gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Eine Studie des Capgemini Research Instituts beleuchtet die Problematik.
Eine Capgemini-Studie ergab unter anderem

Eine Capgemini-Studie ergab unter anderem, dass bereits vor der COVID-19-Pandemie 69 Prozent der Offline-Bevölkerung in Armut lebten.

(Bildquelle: www.capgemini.com)

Die COVID-19-Pandemie verstärkt die gesellschaftliche Notwendigkeit, die digitale Spaltung der Online- und Offline-Bevölkerung weltweit zu überwinden. Darauf lassen die Ergebnisse der aktuellen Studie des Capgemini Research Instituts schließen. Die Studie mit dem Titel „The Great Digital Divide: Why bringing the digitally excluded online should be a global priority“ unterstreicht, dass die Verantwortung für die Bekämpfung der digitalen Ausgrenzung gemeinsam bei öffentlichen und privaten Organisationen liegt. Diese müssen sicherstellen, dass der digital ausgegrenzten Bevölkerung der Zugang zu wesentlichen Dienstleistungen nicht verwehrt wird, so die Argumentation des Instituts.
Denn bereits vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie lebten laut Studie 69 Prozent der Menschen, die keinen Online-Zugang haben, in Armut und 48 Prozent der Bevölkerung, die offline sind, wünschten sich Zugang zum Internet – Trends, die sich aufgrund der weltweiten Ereignisse der vergangenen Monate noch verstärkt haben dürften, so Capgemini.

Kosten, Zugang und Komplexität

Die Studie zeige, dass die digitale Spaltung auch ohne die globale Pandemie sehr groß sei und stark mit Alter, Einkommen und Erfahrung zusammenhänge. So hätten fast 40 Prozent der in Armut lebenden Offline-Bevölkerung das Internet aus Kostengründen noch nie genutzt. Die Altersgruppe mit dem höchsten Anteil an Personen ohne Internet-Zugang seien die 18- bis 36-Jährigen mit 43 Prozent. Mehr als die Hälfte der 22- bis 36-Jährigen, die offline sind, hätten zudem angegeben, dass die Kosten für das Gerät (56 Prozent) oder den Anschluss (51 Prozent) der Grund seien, dass sie das Internet noch nie genutzt haben. Weitere Gründe seien die Komplexität der Internet-Nutzung und ein von Berührungsängsten herrührendes mangelndes Interesse – letzteres sei besonders bei den Offline-Befragten über 60 Jahren (65 Prozent) und Frauen (54 Prozent) ausgeprägt.
„Die COVID-19-Pandemie hat auf globaler Ebene deutlich gemacht, dass eine Veränderung in der Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und sich sozialisieren, notwendig ist“, sagt Claudia Crummenerl, Leiterin des globalen Beratungbereichs People and Organization bei Capgemini Invent. „Durch die steigende Arbeitslosigkeit und Isolation von Menschen wird deutlich, von welch zentraler Bedeutung die digitale Inklusion ist. Unsere Studie, die unmittelbar vor dem Ausbruch der Pandemie durchgeführt wurde, ist im aktuellen Kontext noch relevanter, da die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Angeboten die ohnehin prekäre Lage der Offline-Bevölkerung noch weiter verschärfen dürfte. So haben diese Menschen beispielsweise häufig keinen Zugang zu wichtigen Gesundheitsinformationen, die Regierungen der Bevölkerung zunehmend online bereitstellen.“

Über 5.000 Menschen befragt

Für die Studie wurden laut Capgemini über 5.000 Personen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Schweden und den Vereinigten Staaten befragt. Der Befragungen hätten von Dezember 2019 bis Februar 2020 stattgefunden. Um Erkenntnisse über die Online-Bevölkerung zu erhalten, habe das Institut eine Online-Umfrage unter 3.750 Personen durchgeführt, von denen 56 Prozent in Armut und 44 Prozent nicht in Armut leben. Um Erkenntnisse über die Offline-Bevölkerung zu erhalten, sei eine telefonische Umfrage unter 1.000 Personen sowie eine persönliche Umfrage unter 304 Personen durchgeführt worden, die alle nicht online waren. 69 Prozent der Offline-Bevölkerung würden in Armut leben und 31 Prozent nicht.
Das Research Institute habe zudem Einzelinterviews mit 26 Führungskräften von 22 Non-Profit-Organisationen, Wohltätigkeitsorganisationen und NGOs durchgeführt, die im Bereich der digitalen Inklusion tätig sind, sowie mit Privatunternehmen, die Initiativen zur digitalen Eingliederung in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und den Vereinigten Staaten durchführen.





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