Montag, 10. August 2026

Detecon-StudieDigitalisierung der Verwaltung stockt

[20.09.2023] Die Technologieberatung Detecon hat Entscheider aus Verwaltungen sowie öffentliche IT-Dienstleister befragt. Beide Gruppen beurteilen den bisherigen Digitalisierungsfortschritt zurückhaltend. Umsetzungsbremsen sind Fachkräftemangel und komplexe Vergabeverfahren.

Öffentliche Verwaltungen und ihre jeweiligen IT-Dienstleister bewerten die eigenen Digitalisierungsfortschritte nach wie vor zurückhaltend. Obwohl die Notwendigkeit der Digitalisierung überwiegend erkannt wird, stocken die Prozesse an vielen Stellen. So lauten Kernergebnisse der Studie „Erfolgsfaktoren zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung“ des Management- und Technologie-Beratungsunternehmens Detecon, das seinen Leistungsschwerpunkt im Bereich der digitalen Transformation hat. Gefragt nach den großen Herausforderungen nennen Studienteilnehmer der öffentlichen Verwaltung vor allem den Fachkräftemangel (82 Prozent), gefolgt von Hemmnissen durch föderale Strukturen (73 Prozent). Die IT-Dienstleister sehen Hürden dagegen vor allem in der Schaffung einer behördenübergreifenden, gemeinsam nutzbaren Infrastruktur (75 Prozent) sowie der Cyber- und Datensicherheit (74 Prozent). Die Nachnutzung prinzipiell verfügbarer Software-Entwicklungen steht auf dem dritten Platz der Herausforderungen (72 Prozent).
Für die Studie befragte Detecon mit dem Marktforschungsunternehmen 2HMforum verantwortliche Entscheiderinnen und Entscheider aus der öffentlichen Verwaltung (100 Personen) sowie Führungskräfte (33 Personen) von IT-Dienstleistern, die vorrangig für die öffentliche Verwaltung arbeiten. Die Befragten entstammen zu drei Vierteln der kommunalen Ebene, zu rund einem Fünftel der Landes- sowie zu vier Prozent der Bundesebene. Die Studie beleuchtet den aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und gibt Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Digitalisierung.

Vergabeverfahren zu kompliziert

Für die Zusammenarbeit mit externen IT-Dienstleistern sehen 42 Prozent der Befragten in der öffentlichen Verwaltung ein Hindernis in den komplizierten und langwierigen Vergabeverfahren. Aufseiten der IT-Dienstleister sehen dies sogar 55 Prozent als Hemmnis. Die Vorgaben des OZG, alle Leistungen bis Ende 2022 vollständig zu digitalisieren, wurden klar verfehlt. Im Durchschnitt wurden gerade einmal 29 Prozent der OZG-Leistungen in die digitale Umsetzung gebracht. Ernüchternd ist zudem, dass lediglich 53 Prozent der befragten Personen aus öffentlichen Verwaltungen konstatieren, dass sie über die Software, Hardware und IT-Infrastruktur verfügen, um die Digitalisierung zu bewältigen.
Vorbereitende Prozesse scheinen noch nicht optimal verankert zu sein, so Elisabeth Schulze-Hulitz, eine der Studienautorinnen. Angesichts der Studienergebnisse sei es ratsam, die Rahmenbedingungen in den Verwaltungen besser zu klären: Sind die Zuständigkeiten geregelt, um Ende-zu-Ende zu digitalisieren? Ist die Allokation der Budgets – auch für eine langfristige Finanzierung – geregelt? „Zudem ist es zwingend erforderlich, die IT-Vergabe und -Beschaffung durch Kompetenzaufbau und Vereinfachung zu stärken“, rät Schulze-Hulitz.

Interkommunale Zusammenarbeit als Schlüssel

Von digitalisierten Prozessen erhoffen sich die Verwaltungen laut der Befragung zu jeweils 94 Prozent die schnellere Bearbeitung von Anliegen, eine bessere Informationsverfügbarkeit sowie eine höhere Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger. Eine erhöhte Arbeitgeberattraktivität sowie finanzielle Einsparungen durch die Digitalisierung sieht jeweils nur ein Drittel der befragten Verwaltungen. Die IT-Dienstleister erwarten im Gegensatz dazu auch für diese Punkte starke positive Effekte durch die Digitalisierung des öffentlichen Sektors.
Generell zeigen die Studienergebnisse in fast allen Kategorien einen Vorsprung bei größeren Organisationen hinsichtlich Digitalisierung. Am deutlichsten wird diese Diskrepanz bei der Frage nach der Existenz einer Digitalisierungsstrategie: Hier haben größere Verwaltungen sogar einen Vorsprung von 25 Prozentpunkten (60 zu 35 Prozent). „Dies mag auch ein Grund für Vorsprünge sein: Eine gemeinsam getragene klare Strategie ermöglicht die schnelle Umsetzung weiterer Digitalisierungsthemen“, vermutet Elisabeth Schulze-Hulitz. „Interkommunale Zusammenarbeit wie auch ein digitales Mindset in der gesamten Verwaltung sind gute Voraussetzungen für Digitalisierungserfolg.“



Stichwörter: Panorama, Detecon, Studie


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Screenshot aus einem der gebärdensprachvideos

Augsburg: Digitale Teilhabe ausgebaut

[07.08.2026] Im EU-geförderten Projekt DIWA 4.0 erweitert Augsburg schrittweise den barrierearmen Zugang zu städtischen Informationen. Nach Angeboten in Fremdsprachen und Leichter Sprache stehen auf der Website nun auch Videos in Deutscher Gebärdensprache bereit. mehr...

Databund/BMDS: Besserer Informationsfluss

[06.08.2026] Das BMDS und der Databund haben eine Initiative gestartet, die es ermöglichen soll, dass IT-Unternehmen früher über zentrale Digitalvorhaben des Bundes informiert werden. Gleichzeitig sollen sie ihre Erfahrungen künftig einfacher in die Planungen einbringen. mehr...

Hochwassergebiet, knapp über der Wasserfläche sieht man ein Verkehrsschild, im Hintergrund Bäume und eine Stadtsilhouette

Schleswig-Holstein: Einheitliche Technik für große Schadenslagen

[04.08.2026] Schleswig-Holstein beschafft eine neue Software für die Bevölkerungsschutzbehörden von Land und Kommunen. Sie soll den Austausch von Lageinformationen nahezu in Echtzeit ermöglichen und vor allem bei großflächigen Schadenslagen eine bessere Koordination unterstützen. mehr...

QR-Tafel im Bunten Garten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Smarte Parktour

[04.08.2026] Mit einer Web-App lässt sich eine beliebte Parkanlage in Mönchengladbach nun individuell entdecken. Die digitale Führung verbindet Natur, Geschichte und Wissenswertes mit den Möglichkeiten moderner Technologie. mehr...

Absperrband Feuerwehr dahinter verschwommen Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehreinsatzkräfte
bericht

Katastrophenmanagement: Im Ernstfall den Überblick behalten

[29.07.2026] Kommunen müssen sich heutzutage auf zahlreiche potenzielle Krisen vorbereiten. Doch wann ist eine Lage überhaupt eine Krise? Der KGSt-Lagecheck hilft Kommunen, die Situation einzuschätzen und die richtigen Schritte einzuleiten. Digital und notfalls auch ohne Strom. mehr...

William Schmitt leitet den kommunalen IT-Dienstleister Komm.ONE und folgt nun an der Spitze des Kontrollgremiums der govdigital auf Dieter Rehfeld.

Vitako: Neue Vorstandsspitze

[20.07.2026] Digitale Souveränität, KI, Registermodernisierung und knappe Kassen: Die kommunalen IT-Dienstleister stehen vor anspruchsvollen Jahren. Mit William Schmitt rückt nun der bisherige Stellvertreter an die Spitze ihres Bundesverbands Vitako. mehr...

Farbige Sprechblasen, die mit Linien verbunden sind

TSA: Satzungen und Ortsrecht digital verwalten

[20.07.2026] Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Pflege, Veröffentlichung und Bereitstellung von Satzungen und Rechtsvorschriften. Ein von TSA Public Services initiierter Erfahrungsaustausch soll dabei helfen, bewährte Ansätze kennenzulernen. mehr...

Mehrere Personen auf einem Gehweg, schauen auf ein Smartphone

Hamm: App ins Abenteuer Stadtgeschichte

[17.07.2026] App ins Abenteuer Stadtgeschichte: In der App „Heimat Hamm“ verschmelzen auf einem digitalen Stadtrundgang dank Augmented Reality (AR) Geschichte und Gegenwart. mehr...

Kampagnenmotiv von „125 Jahre Stuttgarter Amtsblatt“ in goldenem Design. Auf der rechten Seite sieht man Leseproben auf verschiedenen digitalen Endgeräten und der Printausgabe.

Stuttgart: Amtsblatt auch als E-Paper

[17.07.2026] Das Stuttgarter Amtsblatt informiert seit 125 Jahren über Kommunalpolitik, Verwaltung und Stadtleben. Nun erscheint das offizielle Bekanntmachungsorgan der Stadt auch als E-Paper mit Vorlesefunktion und Archiv. Die Printausgabe bleibt bestehen. mehr...

DLR-Drohne findet Menschen, die in Not geraten sind – hier im Übungsszenario


DLR: Neue Technik für den Katastrophenschutz

[16.07.2026] In einer groß angelegten Übung im Ahrtal haben 16 Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gezeigt, wie neue Technologien – etwa Drohnen oder robotische Systeme – die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. mehr...

Eine Person arbeitet an einem Laptop. Über der Tastatur sind grafisch dargestellte digitale Benutzerprofile und Checklisten eingeblendet. Die Illustration symbolisiert die digitale Verwaltung von Nutzerdaten, Identitäten oder Registrierungsprozessen.

Kommune21 im Gespräch: Digitaler Wandel in Baden-Württemberg

[15.07.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Baden-Württemberg steht vor wichtigen Entscheidungen. Im Webinar „Kommune21 im Gespräch“ werden Roland Bernhard und William Schmitt am 21. Juli 2026 über die künftige Ausrichtung der Verwaltungsdigitalisierung, die Rolle von Komm.ONE und die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen diskutieren. mehr...

Weißer Kopfhörer auf grauer Schreibtischplatte, mit Laptop

Podcast: Verwaltungsdigitalisierung zum Zuhören

[15.07.2026] Ein neuer Podcast des KDO-Tochterunternehmens Public Experts will Verwaltungsdigitalisierung verständlich erklären. In der ersten Folge geht es um die Registermodernisierung – ein Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf Verwaltung, Staat und Gesellschaft. mehr...

zwei Männer mit Preis_govdigital mit Top 100 ausgezeichnet

govdigital: Mit TOP 100-Award ausgezeichnet

[10.07.2026] Den TOP 100-Award hat jetzt govdigital erhalten. Die Genossenschaft überzeugte in der Größenklasse bis 50 Mitarbeitende insbesondere in der Kategorie Innovationserfolg sowie durch ihr Wachstum. mehr...

Drohne der Feuerwehr über Wiesbaden

Wiesbaden: Drohne unterstützt Feuerwehr

[09.07.2026] Die Feuerwehr Wiesbaden testet in einem Pilotprojekt eine automatisiert alarmierbare Drohne, die Luftbilder von Einsatzorten liefert. Die Rettungskräfte sollen damit frühzeitig wichtige Informationen erhalten, um Einsätze effizienter planen zu können. mehr...

Cover der Studie von MeisterTask

Umfrage: Bürgermeister möchten schneller digitalisieren

[08.07.2026] Eine Umfrage unter deutschen Bürgermeistern, welche die Firma MeisterTask in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführt hat, zeigt: Die Digitalisierung bleibt für Städte und Gemeinden ein zentrales Zukunftsthema, kommt in vielen Rathäusern jedoch nur langsam voran. Vor allem regulatorische Vorgaben, Finanzierungsengpässe und fehlende personelle Ressourcen bremsen die Umsetzung. mehr...