Dienstag, 15. September 2026

Kita-LösungenGanztagsbetreuung verwalten

[29.04.2026] Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem kommenden Schuljahr stehen Kommunen vor der Aufgabe, mehr Angebote zu schaffen und deren Vergabe effizient zu organisieren. Digitale Lösungen können helfen, Nachfrage und Kapazitäten besser zu steuern.
Kita

Ganztagsbetreuung ist für Kommunen eine Herausforderung.

(Bildquelle: contrastwerkstatt/stock.adobe.com)

Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird in Deutschland schrittweise ein Rechtsanspruch für Grundschulkinder auf Ganztagsbetreuung eingeführt. Für Familien bedeutet das zusätzliche Planungssicherheit. Für Kommunen ist diese Neuerung hingegen eine Herausforderung: Sie müssen Angebote ausbauen und adminis­trativ so steuern, dass sie fair, transparent und effizient wahrgenommen werden können. Denn selbst dort, wo Plätze vorhanden sind, scheitert deren Verteilung oft an Abstimmungslücken und manuellen Prozessen.

Das Ganztagsangebot verschiebt Zuständigkeiten und erhöht den Koordinationsbedarf zwischen Verwaltung, Schule und Trägern. Zudem erweitert es das System um Optionen wie etwa Randzeiten, Ferienbetreuung, flexible Module und teils getrennte Anmeldewege. Wer diese Komplexität mit Einzellösungen und Listen verwaltet, riskiert einen strukturellen Engpass – nicht nur beim Ausbau, sondern im laufenden Betrieb. Mit dem Rechtsanspruch wächst zudem der Druck auf die Kommunen, denn Eltern fordern die gesetzlich zugesicherte Betreuung nun ein, was eine präzise und belastbare Strategie der Verwaltung unumgänglich macht. Ohne eine fundierte Datenbasis wird die Frage „Wie viele Plätze brauchen wir überhaupt?“ zum politischen Drahtseilakt. Nur wer Angebot und Nachfrage in Echtzeit abgleichen kann, bleibt handlungsfähig.

Zukunftsfähige Steuerung

In vielen Kommunen haben sich die jeweiligen Zuständigkeiten mit der Zeit herausgebildet. Die Kita-Platzvergabe liegt häufig bei der Kitaverwaltung, schulische Themen hingegen im Schulverwaltungsamt. Diese Aufteilung führt digital oft zu einem Bruch: Informationen liegen in zwei isolierten Systemen, Zuständigkeiten in verschiedenen Ämtern. Eine Nebenwirkung ist oft, dass Eltern ihr Kind mehrfach anmelden; Verwaltungen müssen die Daten dann manuell abgleichen und Dubletten korrigieren. Gerade beim Übergang von der Kita in die Grundschule wird diese mangelnde Vernetzung zum Problem. Die entscheidende Frage lautet: Wie steuern wir Anmeldungen, Belegung und Nachweise so, dass der Betrieb stabil läuft – trotz knapper Ressourcen?

Zukunftsfähig wird die Steuerung dann, wenn Verfahren und Daten über die Übergänge hinweg anschlussfähig sind. Kinderbetreuung ist für Familien eine kontinuierliche Kette von der Krippe bis zum Ende der Grundschulzeit. Im Zentrum steht dabei die digitale Erfassung: Eltern geben Informationen einmal zentral ein und die Verwaltung verarbeitet diese strukturiert weiter – je nach Zuständigkeit in Kita oder Schule.

In der Umsetzung bedeutet das nicht zwingend, dass alle Ämter das gleiche System verwenden müssen. Da Kita- und Schulverwaltung unterschiedliche Fachdaten benötigen, wählen viele Kommunen auch getrennte Verwaltungssysteme, die über ein gemeinsames Online-Anmeldeportal, etwa von Anbieter Little Bird, verbunden sein können. In diesem Portal sehen Eltern auf einen Blick alle Angebote von null bis zehn Jahren. Gleichzeitig können für Kita und Schulkindbetreuung individuelle Abfragen und Vorgabe­werte hinterlegt werden, sodass jede Abteilung exakt die benötigten Daten erhält. Die Kommune behält dabei stets den Gesamtüberblick über Kapazitäten und die tatsächliche Nachfrage.


Bedarfsplanung im Ganztag ist anspruchsvoll, da die Nachfrage stärker schwankt als im Elementarbereich. Eine digitale Grundlage schafft hier Sicherheit durch eine individuelle Konfiguration der Angebote. In der Little-Bird-Lösung können Kommunen festlegen, ob Eltern eine einfache Anmeldung tätigen oder sich individuell aus verschiedenen Modulen (wie etwa Früh- und Nachmittagsbetreuung oder Ferienmodule) ihre Betreuung zusammenstellen. So wird aus vagen Schätzungen eine belastbare Datenbasis für politische Gremien und die Haushaltsplanung.

Im laufenden Betrieb zeigt sich der Nutzen digitaler Lösungen besonders im Zeitgewinn für das pä­dagogische Personal. Über Terminals lässt sich das Kommen und Gehen der Kinder per QR-Code oder RFID-Chip erfassen. Da Terminals spezifischen Räumen zugeordnet werden können, ist der Aufenthaltsstatus jedes Kindes jederzeit einsehbar – ein entscheidender Vorteil für die Aufsichtspflicht.
Auch die Organisation des Mittagessens ist oft herausfordernd. Die digitale Speiseplanung und KIKOM Pay automatisieren diesen Prozess mit einer zusätzlichen App. Eltern können darin Mahlzeiten buchen oder stornieren. Die Abrechnung der Gebühren erfolgt digital in der jeweiligen Schule oder Träger­einrichtung. Durch Schnittstellen zu Caterern werden Bestellprozesse synchronisiert und Ausgaben automatisch dokumentiert.

In bestehende Strukturen einfügen

Ein moderner digitaler Verwaltungsprozess muss sich in bestehende Strukturen einfügen. Little Bird bietet daher maßgeschneiderte Schnittstellenlösungen etwa zu kitaplus, KiTaPro, adebisKITA oder Vivendi. So bleibt der Datenfluss für die Ganztagsbetreuung medienbruchfrei, auch wenn in den Fachämtern und Trägerverwaltungen unterschiedliche Softwarelösungen im Einsatz sind.

Mit dem neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigt der kommunikative Druck. Familien fordern nachvollziehbare Verfahren, die Politik erwartet belastbare Zahlen. Wer valide Daten hat, kann Entscheidungen erklären und Fortschritt messbar machen. Das erhöht die Akzeptanz und stärkt die Position der Kommune in der öffentlichen Debatte. Insbesondere in der Ganztagsbetreuung wird Steuerungsfähigkeit zum Standortfaktor: Familienfreundlichkeit zeigt sich zunehmend auch digital.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung beschleunigt eine Entwicklung, die Kommunen ohnehin bewältigen müssen: steigende Komplexität bei knappen Ressourcen. Wer jetzt die digitale Brücke zwischen Kita und Schulkindbetreuung baut, schafft Zuverlässigkeit im Alltag und Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Denn gute Betreuung beginnt in der Organisation, die sie ermöglicht.

Louisa Ujhelyi ist Marketing Managerin bei der LITTLE BIRD GmbH.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren

Märkischer Kreis: WiNOWiG im Echtbetrieb

[15.09.2026] Der Märkische Kreis hat die Umstellung auf die Software WiNOWiG abgeschlossen. Die Lösung für die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten soll schrittweise das bislang eingesetzte Verfahren SC-OWi ablösen. Weitere Kreise und Kommunen sollen folgen. mehr...

Junge Frau im Auto sitzend präsentiert ihre Führerscheinkarte

Kreis Calw: Führerscheinwesen neu aufgestellt

[08.09.2026] Der Landkreis Calw hat sein Führerscheinwesen mithilfe des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE auf ein neues Fachverfahren umgestellt. Die Einführung von KM-Fahrerlaubnis ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen im Bereich Verkehrswesen. mehr...

Ein Geschäftsmann in Startposition vor einer Startlinie

Gewerbewesen: Praxisbewährte Lösungen statt Schlagworte

[08.09.2026] Die Modernisierung und Vereinfachung von Gründungsverfahren ist aktuell ein großes Thema und wird im Rahmen des Bundesprojekts „Schneller Gründen“ derzeit in neun Pilotkommunen erprobt. Dabei sind die Voraussetzungen zur schnellen Unternehmensgründung längst vorhanden und die digitalen Prozesse werden bereits intensiv genutzt. Darauf weist jetzt das Unternehmen EDV Ermtraud hin. mehr...

Kreis Dachau: Bilanz nach Systemwechsel

[07.09.2026] Seit Anfang 2025 arbeitet das Sozialamt des Landkreises Dachau mit dem Fachverfahren LÄMMkom LISSA. Nach mehr als einem Jahr im Echtbetrieb zieht der Landkreis Bilanz und berichtet von Verbesserungen bei Struktur, Auszahlungen und Auswertungen. mehr...

Junge Grundschüler mit Lehrer bei Schreibübungen

Nolis: Ganztagsbetreuung digital organisieren

[02.09.2026] Neben dem Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder rückt auch deren Organisation zunehmend in den Fokus. Eine Lösung für die digitale Anmeldung und Platzvergabe bietet das Unternehmen Nolis mit seiner Software NOLIS | Schulkind, die jetzt bei den ersten Kommunen im Einsatz ist. mehr...

Close-up auf papierbasiertes Formular zur Gewerbeanmeldung

Mannheim: Gewerbemeldungen ohne Medienbruch

[01.09.2026] Mannheim bietet Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen ab sofort vollständig online an. Die Anträge fließen ohne Medienbruch in das Fachverfahren der Gewerbebehörde und sollen dadurch schneller bearbeitet werden. mehr...

bericht

Vogelsbergkreis: Erfolgsfaktor Teamarbeit

[28.08.2026] Die Finanzsoftware des Vogelsbergkreises war fast drei Jahrzehnte lang im Einsatz. Nun wurde auf ein modernes Verfahren umgestellt. Trotz der Komplexität verlief die Einführung ohne ungeplante Ausfälle des Produktivsystems. mehr...

Zwei Männer stehen vor einem Gebäude und blicken in die Kamera

Benediktbeuern: Einwohnermeldewesen migriert ins Rechenzentrum

[25.08.2026] Die Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern lässt ihre Einwohnermeldesoftware OK.EWO seit Ende August 2025 im AKDB-Rechenzentrum betreiben. Das entlastet den EDV-Verantwortlichen vor Ort: Die Verantwortung für Datenbank, Updates und Wartung liegt jetzt bei der AKDB. mehr...

Luftaufnahme von Konstanz
bericht

Konstanz: Kleine Lücken schließen

[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...

Hände auf Laptop, darüber einmontiert Icons für Puzzleteile, Zahnrad, Schraubenschlüssel, Dokument
bericht

Low Code: Schlanker und smarter

[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf

[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...

Mehrere Personen als und jung auf Matratzen in einer Flücjhtlingsunterkunft

Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß

[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag

[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...

Essen: Einführung von Wero

[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...

Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt

[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...