Kfz-Weseni-Kfz quo vadis?

Internetbasierte Fahrzeugzulassung findet noch keine breite Akzeptanz.
(Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation)
Der Wunsch der Bürger nach kommunalen Online-Dienstleistungen wird lauter, insbesondere dann, wenn diese zeitsparend sind und ganze Behördengänge ersetzen. Auch der Wille von Landkreisen und Städten, diese zur Verfügung zu stellen, wächst ständig, wobei dem oftmals rechtliche und organisatorische Hürden entgegenstehen oder deren Umsetzung sogar verhindern. Mit Verabschiedung des Onlinezugangsgesetzes im Sommer 2017 wurde ein erster Weg aus diesem Dilemma aufgezeigt.
Eine der meist besuchten kommunalen Behörden sind die Kfz-Zulassungsstellen. Dies belegen unter anderem die aktuellen Zahlen neu zugelassener Fahrzeuge. Im Januar 2018 waren es rund 270.000 Fahrzeuge, ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gute Gründe also, die dort angebotenen Dienstleistungen den Bürgern online zur Verfügung zu stellen – zeitlich unabhängig, ohne Anfahrtswege und Wartezeiten.
Mangelnde Akzeptanz, geringe Nutzerzahlen
Einzelne autarke Dienstleistungen werden schon seit Ende der 1990er-Jahre von vielen Kfz-Zulassungsbehörden angeboten. Doch erst mit dem Projekt i-Kfz wurde eine Basis geschaffen, um reguläre Geschäftsvorgänge und Verwaltungsakte online abzubilden. Pünktlich zum 1. Oktober 2017 erfolgte mit der Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) der Startschuss zu Stufe zwei des Projekts. Nachdem der Online-Antrag auf Außerbetriebsetzung eines Kfz seit 1. Januar 2015 möglich ist, bietet Stufe zwei die Möglichkeit, die Wiederzulassung von Fahrzeugen auf den gleichen Halter zu beantragen – allerdings unter Beachtung weiterer Bedingungen.
Und genau hier beginnen die Akzeptanzprobleme, aus denen sich zum aktuellen Zeitpunkt die relativ geringen Nutzungszahlen des i-Kfz-Projekts ergeben. Selbst wenn der Bürger die Hürde der Identifizierung mit der eID des Personalausweises genommen hat, lassen sich momentan nur stark eingeschränkte Antragsvorgänge abbilden. So dürfen beispielsweise beim Antrag auf Wiederzulassung eines Kfz für den Halter seit dem Zeitpunkt der Außerbetriebsetzung keine Namensänderung und auch kein Umzug in einen anderen Kfz-Zulassungsbezirk stattgefunden haben. Die Bearbeitung der Online-Anträge erfolgt asynchron in den Kfz-Zulassungsbehörden, was einen Zeitverzug von mehreren Tagen bis zum Abschluss des Geschäftsvorgangs bedeutet. Erst nach postalischem Erhalt der gedruckten Dokumente ist es dem Bürger erlaubt, sein wiederzugelassenes Fahrzeug in Betrieb zu nehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Online-Services in der i-Kfz-Stufe zwei nur von natürlichen Personen genutzt werden können. Firmen, die heute einen Großteil des Kfz-Zulassungsgeschäfts abwickeln, sind von der Nutzung der Dienstleistungen zum jetzigen Zeitpunkt de facto ausgeschlossen.
Hoffnungen ruhen auf Stufe 3
Bei Betrachtung der momentanen Anzahl von Anwendungsfällen ergibt sich aus Sicht der Kfz-Zulassungsstellen ein offensichtliches Missverhältnis zu den bei den Kommunen anfallenden Kosten, etwa für i-Kfz-Portallösungen. Deren massive Zunahme ist zum Großteil auf die stark gestiegenen sicherheitstechnischen Anforderungen und die dafür zu erbringenden Nachweise zurückzuführen. Aufgrund der politisch gewollten Dezentralisierung des i-Kfz-Projekts sowie der zugehörigen Portallösungen sind die zu beachtenden IT-Sicherheits- und Datenschutzaspekte zunehmend in den Fokus gerückt. Diese stellen kommunale Aufgabenträger oftmals vor große finanzielle und technische Herausforderungen.
Ergebnis dieser Rahmenbedingungen ist, dass der angedachte Eigenbetrieb von dezentralen i-Kfz-Portalen durch die Kommunen fast unmöglich geworden ist. Deutschlandweit haben sich einige wenige, meist öffentliche Anbieter und kommunale Rechenzentren herauskristallisiert, die i-Kfz-Lösungen als Portaldienstleistungen oder Software as a Service (SaaS) anbieten.
Mit dem für das Jahr 2019 geplanten Wirkbetrieb von i-Kfz für die Stufe drei sind neben der bereits bekannten Außerbetriebsetzung und Wiederzulassung auf den gleichen Halter weitere häufig genutzte Geschäftsvorgänge zur Online-Nutzung vorgesehen. Dazu gehören unter anderem die Neuzulassung fabrikneuer und gebrauchter Fahrzeuge, die Wiederzulassung allgemein, Umschreibungen, Kennzeichenmitnahme auch bei Halterwechsel sowie die Adressänderung als Sonderform der Umschreibung. Dieser Projektschritt ermöglicht es, den Lebenszyklus von Fahrzeugen und die damit verbundenen behördlichen Maßnahmen online abzubilden und zu nutzen. Vollständig automatisierte Verwaltungsakte erlauben es erstmals, dass nach Nutzung ausgewählter Online-Dienste ein Kraftfahrzeug sofort zum Losfahren verwendet werden kann. Eine zusätzliche Großkundenlösung soll das i-Kfz-Online-Angebot für gewerbliche Nutzer mit großen Kfz-Zulassungsbewegungen attraktiv machen.
Angebote von Telecomputer
Das Unternehmen Telecomputer hat sich als langjähriger Hersteller des deutschlandweit eingesetzten Fachverfahrens für die Kfz-Zulassung IKOL-KFZ bereits zu einem sehr frühen Projektzeitpunkt entschieden, eine eigene i-Kfz-Portallösung zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Die Software-Lösung eKOL-iKFZ berücksichtigt alle inhaltlichen Aspekte sowie die geforderten Schnittstellen zur eID, zu E-Payment-Systemen und zu den i-Kfz-Web-Services des KBA. Integraler Bestandteil der Portallösung ist eine Schnittstelle zu den Kfz-Zulassungsverfahren, die den inhaltlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen der Projektträger vollständig entspricht. Da die Schnittstelle herstellerneutral auf Basis der XKfz-Spezifikation implementiert ist, steht die Telecomputer-i-Kfz-Lösung allen Kfz-Zulassungsbehörden offen – unabhängig vom eingesetzten Fachverfahren. eKOL-iKFZ kann autark oder integriert in einen Portalrahmen verwendet werden. Aktuell setzen mehr als 70 kommunale Kunden aus zehn Bundesländern diese Lösung ein, die gemeinsam mit Partnern und von Auftraggebern betrieben wird: im deutschlandweit verfügbaren STVA-Portal in einer Gemeinschaftsentwicklung mit dem IT-Dienstleister regio iT, als zentrale Portallösung im Land Brandenburg und in einer SaaS-Lösung, angeboten vom Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ M-V).
„Mit den in Stufe drei des Projekts i-Kfz erweiterten Nutzungsmöglichkeiten in Verbindung mit der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und dem zu erwartenden Portalverbund gehen wir davon aus, dass i-Kfz in absehbarer Zeit zu einem Erfolg werden wird. Als entscheidenden Aspekt sehen wir, dass schnellstmöglich die Grundlagen geschaffen werden, die in i-Kfz angebotenen Dienste auch für Firmen und Vereinigungen zu öffnen. Dies wird sich dann auch in den Nutzerzahlen der Online-Vorgänge widerspiegeln“, meint Andreas Günther, Technischer Leiter und Projektkoordinator i-Kfz bei Telecomputer. Die Zeichen stehen also zumindest auf gelb, wenn schon nicht auf grün, für das Projekt Internetbasierte Fahrzeugzulassung.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe April 2018 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Low Code: Schlanker und smarter
[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...
AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf
[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...
Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß
[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...
Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag
[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...
Essen: Einführung von Wero
[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...
Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt
[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...
Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen
[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...
Gewerbewesen: Neue Empfängerbehörden
[05.08.2026] Mit Inkrafttreten der XGewerbeordnung 1.7 werden die Behörden für Geldwäscheprävention als neue Empfänger für die automatisierte Datenübermittlung von Gewerbemeldungen aufgenommen. mehr...
ITEBO / KDO: VOIS|FSW für gemeinsamen Kunden
[03.08.2026] Den Mehrwert einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit konnten die IT-Dienstleister ITEBO und KDO jetzt erfolgreich unter Beweis stellen. Sie haben in einem gemeinsamen Projekt bei der Fahrerlaubnisbehörde eines Kunden die Software VOIS|FSW eingeführt. mehr...
Umweltverwaltung: Strukturierte Prozesse
[27.07.2026] Mit ProUMWELT stellt das Unternehmen Prosoz eine Fachanwendung vor, die kommunale Umweltbehörden bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungsprozesse unterstützt. mehr...
Braunschweig: Digital zum Bewohnerparkausweis
[22.07.2026] Die Stadt Braunschweig erweitert ihr Angebot an digitalen Dienstleistungen um den Bewohnerparkausweis. Dieser wird künftig nur noch in digitaler Form ausgegeben. mehr...
Bremen: Bauantrag wird digital
[13.07.2026] Seit Anfang Juli können in Bremen Bauvorlagen lediglich online eingereicht werden. Die bisherige Wahlmöglichkeit zwischen elektronischer und Papierform entfällt. Analog eingereichte Anträge werden künftig zurückgeschickt. mehr...
Niedersachsen: Bauleitplanung landesweit digital
[09.07.2026] Niedersachsen hat für seine Kommunen flächendeckend das digitale Verfahren DiPlanCockpit PRO für die Bauleitplanung eingeführt. Das neue Online-System soll Planungsverfahren schneller und einfacher machen. mehr...
Meldewesen: Fit für die digitale Welt
[02.07.2026] Die zunehmende Bedeutung digitaler Identitäten für verwaltungsinterne Vorgänge ist nur eine der Herausforderungen, auf die das Meldewesen Antworten finden muss. Auch den Themen Sicherheit und Resilienz gilt es, künftig verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen. mehr...
Magdeburg: Standesamt digitalisiert Terminvergabe
[01.07.2026] Künftige Brautpaare können ihren Wunschtermin zur Eheschließung jetzt online beim Standesamt der Stadt Magdeburg reservieren. Die neuen digitalen Trau- und Terminkalender können zudem für weitere Anliegen genutzt werden. mehr...


















