KielIm Bauwesen gut aufgestellt

Kiel führt den Online-Bauantrag ein.
(Bildquelle: sh.digitalebaugenehmigung.de/kiel)
Das digitale Serviceangebot der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel ist seit September 2025 um eine Leistung reicher: Ein Antragsportal für Baugenehmigungsverfahren macht es möglich, Bauanträge online zu stellen. Von dieser Neuerung profitieren Bauherren, Investoren, Unternehmen und Architekturbüros, die ihre Bauanträge jetzt papierlos bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde einreichen können, teilt die Kommune mit.
Der gesamte Ablauf werde vereinfacht, denn alle Beteiligten – einschließlich der Bauaufsichtsbehörde und weiterer Prüfinstanzen – können den Bauantrag gleichzeitig digital bearbeiten und Unterlagen hochladen. In laufenden Verfahren kommunizieren Antragsteller und Behörde über das Antragsportal, digital verschlüsselt und rechtssicher. Die Baugenehmigung werde zur effizienten PDF-Datei. Briefwechsel entfallen überall dort, wo das Portal zum Einsatz kommen kann.
Das Angebot wird nach Angaben der Stadt Kiel kontinuierlich erweitert. Für die Anmeldung wird die BundID oder ein „ELSTER Mein Unternehmenskonto“ benötigt. Konkret wird mit vier Leistungen gestartet: das Vereinfachte Baugenehmigungsverfahren (§ 63 der Landesbauordnung Schleswig-Holstein) und das Vollumfängliche Verfahren (§ 64) sowie die Anzeigen zu Baubeginn und Nutzungsaufnahme. Häufige Fragen zum Online-Bauantrag beantwortet das FAQ.
Amt stellt sich grundlegend neu auf
Bisher gehen die Angaben und Pläne der Bauprojekte in der Behörde auf Papier ein – im Ausmaß eines Aktenordners beim Einfamilienhaus und bis zu 40 Umzugskisten für ein Großbauverfahren, heißt es in der städtischen Pressemeldung. Die Aktenberge müssen transportiert, an externe Instanzen versendet und abschließend im Bauaktenarchiv für die Stadtgesellschaft verwahrt werden.
Das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation habe sich grundlegend neu aufgestellt und begleitende Prozesse von der Bauberatung über die Beteiligung von Prüfingenieuren bis zur Archivierung und Akteneinsicht auf den Prüfstand gestellt. Etliche Verbesserungen aus dem kontinuierlichen Prozess würden bereits genutzt. Wer Bauberatung benötigt, könne in einem neuen Onlineformular sein Anliegen schildern oder kurze Beratungstermine direkt im Online-Terminkalender buchen – dadurch verkürzen sich Antwortzeiten erheblich. Digitale Serviceangebote zum Denkmalschutz finden sich zusammengefasst unter https://www.kiel.de/denkmalschutz. Nach der Baugenehmigung erfolge die Prüfung von Brandschutz oder Gebäudestatik über das neue Portal Elektronische Bautechnische Prüfakte (ELBA) – dabei würden ganze Transportkolonnen der Post digital ersetzt. Ergänzend konnte die Fachsoftware der Bauordnung mit einem Workflow-Modul aufgerüstet werden, welches Transporte im Haus vermeidet. Im Hintergrund steht die elektronische Akte der Landeshauptstadt Kiel bereit für die Langzeitarchivierung – der Clou: Auch das Angebot des Bauaktenarchivs wird damit perspektivisch digital. Neu im Serviceportal ist die Online-Terminbuchung zur Akteneinsicht.
Im Bundesvergleich gut aufgestellt
Amtsleiterin Birgit Kulgemeyer erläutert: „Kiel konnte als Pilotkommune des Landesprojekts zur Einführung des Antragsportals maßgeblich helfen, die Online-Baugenehmigung allen Behörden zu ermöglichen. Wir trauen uns jetzt den führenden Stapellauf zu. Mitarbeitende wurden in dem 2022 gestarteten Projekt zu Digitalexpertinnen und -experten, wovon unser Amt nachhaltig profitiert. Neben dem großen Schritt der Online-Angebote bin ich stolz auf Detailleistungen: Unser Amt hat nebenbei den ersten KI-Assistenten der Landeshauptstadt zur Unterstützung bei Formulierungen und Recherchen eingeführt. Wir sind im Bundesvergleich gut aufgestellt und wollen uns jeden Tag weiter verbessern.“
Doris Grondke, Dezernentin für Stadtentwicklung und Bauen, ergänzt: „Wir reden aktuell über den Bau-Turbo der Bundesregierung – per Novelle des Baugesetzbuches sollen Umweltprüfungen und Beteiligungsverfahren vereinfacht und Fristen verkürzt werden. Das wird nicht klappen ohne eine Digitalisierung der Behörden. Da wir hier seit 2022 Gas geben, ist Kiel fit für den Bau-Turbo.“
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