DigitalPakt SchuleJetzt nicht ausruhen

Auf dem Weg zum digitalen Klassenzimmer besteht noch Handlungsbedarf.
(Bildquelle: andreypopov/123rf.com)
Mit dem DigitalPakt Schule wurde die Digitalisierung der deutschen Schulen ab 2019 mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro gefördert. Vor allem die Ausstattung mit PCs, Laptops und Tablets hat sich dadurch deutlich verbessert: Verfügten 2020 lediglich 37 Prozent der Schulen über Klassensätze mit digitalen Endgeräten, so sind es laut einer Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) inzwischen immerhin 90 Prozent – was aber auch bedeutet, dass an jeder zehnten Schule noch Geräte fehlen.
Inzwischen ist der DigitalPakt ausgelaufen, und auch wenn viele Digitalisierungsprojekte an den Schulen noch nicht abgeschlossen sind, stellt sich die Frage, wie es künftig weitergehen soll. Denn nach Einschätzung von Dell Technologies besteht vor allem in den folgenden Bereichen noch großer Handlungsbedarf:
Endgeräte für alle Schulen: Dass zehn Prozent der Schulen noch nicht über Klassensätze von Endgeräten verfügen, ist ein Missstand, der dringend behoben werden muss. Dies ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, denn es darf nicht von der Schule abhängen, ob Schüler lernen, mit digitalen Medien und Informationen umzugehen. Das Mitbringen eigener Geräte kann keine Lösung sein, da nicht sichergestellt ist, dass alle Schüler über Geräte verfügen und die Vielfalt der Systeme zu Problemen im Unterricht führt.
Stärkerer Fokus auf Infrastruktur: In den vergangenen Jahren wurde – nicht zuletzt aufgrund der Pandemie – in vielen Schulen der Schwerpunkt auf die Anschaffung von Endgeräten gelegt. Eine klare Strategie, was darüber hinaus an IT benötigt wird, gab es hingegen nicht, wodurch die Infrastruktur oft vernachlässigt wurde. Für eine reibungslose und sichere digitale Erfahrung im Unterricht benötigen Schulen jedoch leistungsfähige Netzwerke, Sicherheitslösungen und Back-up-Konzepte. Darüber hinaus kann – je nach Größe der Schule oder Bandbreite der Internet-Anbindung – der Einsatz eigener Server- und Speichersysteme sinnvoll sein.
Etablierung von Standards: Da IT nicht immer koordiniert angeschafft wurde, gibt es derzeit zu viele unterschiedliche Geräte, Plattformen und Anwendungen. Das macht nicht nur die Administration aufwendig, sondern erschwert auch den Einsatz digitaler Medien im Schulalltag, da nicht alles optimal zusammenarbeitet und einheitlich bedient werden kann. Ziel sollte daher eine homogenere IT-Landschaft sein. Dies würde auch die Entwicklung von schul- oder gar länderübergreifenden Lernanwendungen und -inhalten erleichtern.
Professionalisierung des IT-Betriebs: Die Verwaltung und der Schutz der digitalen Geräte und Infrastrukturen sollte nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein, da sie weder über die Zeit noch über das nötige IT-Fachwissen verfügen. Dennoch ist es allzu oft Realität, dass sie den IT-Support übernehmen. Dies führt dann zu Bastellösungen, die ineffizient und unter Sicherheitsaspekten fragwürdig sind, weil beispielsweise Schwachstellen nicht konsequent gepatcht und regelmäßige Back-ups nicht durchgeführt werden. Hier sind Schulen auf professionelle Unterstützung durch interne oder externe IT-Experten angewiesen, die mit bewährten Lösungen die gesamte IT zentral verwalten, schützen und sichern.
Fortbildung: Zwar haben laut VBE-Umfrage in 80 Prozent der Schulen mindestens die Hälfte bis fast alle Lehrkräfte an Fortbildungen zum Thema Digitalisierung teilgenommen und geben ihr Wissen in der Regel auch im Kollegium weiter. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Lehrkräfte mit der Technik kämpfen und die Pädagogik zu kurz kommt. Mehr und vor allem kontinuierliche Fortbildungsmaßnahmen sind daher notwendig – zumal sich die Technologien rasant weiterentwickeln, wie zuletzt beispielsweise KI-Tools wie ChatGPT gezeigt haben. Hilfreich wäre es auch, den Einsatz digitaler Medien bereits in der Lehrerausbildung stärker mit pädagogischen Konzepten zu verknüpfen.
Langfristige IT-Budgets: Digitale Endgeräte und Infrastrukturen werden nicht einmalig angeschafft und laufen dann jahrelang wie von selbst. Sie brauchen Wartung und Support, und müssen in der Regel nach einigen Jahren erneuert werden. Ohne IT-Budgets geht das nicht. Auf den ausgelaufenen DigitalPakt sollte daher schnellstmöglich ein weiterer DigitalPakt folgen, der eine dauerhafte Förderung festschreibt, damit die Schulen ihren Digitalisierungsrückstand aufholen und digitale Medien nachhaltig im Unterricht verankern können.
Joachim Rieß, Account Executive bei Dell Technologies in Deutschland: „IT-Kenntnisse und Medienkompetenz sind heute in fast allen Berufen wichtig. Deshalb ist es sehr sinnvoll, dass Kinder bereits in der Schule den Umgang mit digitalen Geräten, Anwendungen und Informationen lernen. Dafür muss aber weiter investiert werden: in die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer, in die digitale Ausstattung der Schulen und in den professionellen IT-Betrieb. Wenn wir uns jetzt zurücklehnen und auf den Lorbeeren des DigitalPakts Schule ausruhen, stehen wir in ein paar Jahren wieder am Anfang.“
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