Mittwoch, 25. Februar 2026

StuttgartKI ist Assistenztechnologie

[02.10.2025] Die Stadt Stuttgart hat eine KI-Strategie erarbeitet, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der wichtigste Grundsatz lautet: KI ist Assistenztechnik, nicht Entscheidungsträger. Ein Chief AI Officer (CAIO) soll für die zentrale Steuerung und Sichtbarkeit des Themas verantwortlich sein.

KI-Strategie der Stadt Stuttgart: Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen.

(Bildquelle: Stadtverwaltung Stuttgart)

Mit ihrer neuen KI-Strategie hat die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ein ambitioniertes Programm vorgelegt, das weit über technische Fragen hinausgeht. Ziel ist eine zukunftsfähige, menschenzentrierte Verwaltung, die KI gezielt als Werkzeug einsetzt, um die Servicequalität und Effizienz zu verbessern, ohne dabei den Anspruch auf Transparenz und Verantwortung aus den Augen zu verlieren.

Der wichtigste Grundsatz der Strategie lautet: KI ist Assistenztechnik, nicht Entscheidungsträger. Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen. Die Verwaltung betont, dass alle wesentlichen Entscheidungen auch weiterhin von Menschen getroffen werden. KI soll Prozesse erleichtern, Arbeitslast mindern und Daten aufbereiten, jedoch nicht die demokratisch legitimierte Verantwortung der Verwaltung übernehmen.

Damit geht Stuttgart bewusst einen eigenen Weg: Während in vielen Innovationsdebatten die Vision selbstlernender Systeme im Vordergrund steht, setzt die Stadt auf nachvollziehbare, unterstützende Anwendungen, von denen die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar profitieren.

Vier klare Handlungsfelder

Die Strategie konzentriert sich auf vier große Ziele:

  • Bürgerservices verbessern: KI soll Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zur Verwaltung erleichtern. Geplant sind digitale Assistenten, Chatbots und intelligente Suchfunktionen in Bürgerportalen. Auch barrierefreie Anwendungen, etwa für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, stehen im Fokus.
  • Effizienz in der Verwaltung steigern: Durch die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben können Ressourcen freigesetzt werden. KI-Anwendungen sollen Mitarbeitende entlasten, damit diese sich auf komplexere Aufgaben und direkte Bürgerkontakte konzentrieren können.
  • Fundierte Entscheidungen ermöglichen: Datenbasierte Analysen sollen politische und verwaltungsinterne Entscheidungen verbessern. Dies betrifft Themenfelder wie Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz.
  • Kompetenzen und Vertrauen aufbauen: Fort- und Weiterbildungen sind fest in der Strategie verankert. Die Stadt legt Wert darauf, dass Mitarbeitende aller Hierarchieebenen den Umgang mit KI verstehen – technisch, organisatorisch und ethisch.

Rechtliche und ethische Leitplanken

In dem Papier betont die Stadtverwaltung, dass KI nur rechtskonform, ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Die Strategie stützt sich dabei auf die EU-KI-Verordnung (AI Act), die nationale KI-Strategie sowie die geltenden Datenschutz- und Informationssicherheitsstandards. Die Stadt verpflichtet sich ethisch zu einer menschenzentrierten KI: Sie soll nachvollziehbar, diskriminierungsfrei und fair gestaltet werden. In einem geplanten KI-Ethik-Leitfaden sollen konkrete Standards verankert werden. Damit die Strategie nicht abstrakt bleibt, hat die Stadt Stuttgart klare organisatorische Strukturen geschaffen.

  • Das DO.IT – Amt für Digitalisierung, Organisation und IT – fungiert als zentraler Dienstleister. Es begleitet Fachämter bei der Einführung von KI-Anwendungen.
  • Ein KI-Hub dient als Knotenpunkt für Wissenstransfer, Dokumentation und Koordination. Dort werden Projekte gebündelt, Machbarkeitsstudien erstellt und Risikoeinstufungen vorgenommen.
  • Eine neu geschaffene Stelle eines Chief AI Officer (CAIO) sorgt für die zentrale Steuerung und Sichtbarkeit des Themas.
  • Über den bereits in einer Dienstvereinbarung zur Digitalisierung verankerten Spezifikationsdialog werden neue Systeme vor der Einführung überprüft – unter Beteiligung von Verwaltung, Personalrat und IT. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Beschäftigten zu schützen.

Beteiligung und Change-Management

Die Strategie unterstreicht die Bedeutung eines strukturierten Change-Managements. Mitarbeitende sollen frühzeitig eingebunden, Ängste abgebaut und Feedbackrunden institutionalisiert werden. KI wird nicht „von oben verordnet“, sondern gemeinsam mit den Beschäftigten in den Fachämtern eingeführt.

Der BildungsCampus und der KI-Hub entwickeln dafür flexible Weiterbildungsangebote. Neben der Vermittlung technischer Qualifikationen liegt ein weiterer Fokus auf der Sensibilisierung für Datenschutz, Sicherheit und Ethik. Ein besonderes Augenmerk gilt den Nachwuchskräften. Auszubildende und dual Studierende werden frühzeitig an KI-Themen herangeführt.

Roadmap und Praxisbeispiele

Der Strategieanhang enthält ein Glossar mit Praxisbeispielen sowie eine Roadmap für den KI-Einsatz. Sie zeigen, dass Stuttgart das Thema nicht theoretisch, sondern praxisnah angeht: Von kleinen, kurzfristig realisierbaren Pilotprojekten bis hin zu mittel- und langfristigen Vorhaben wird ein Fahrplan vorgelegt. Damit entsteht ein klarer Orientierungsrahmen für Politik, Verwaltung und Partner.

Mit ihrer KI-Strategie reiht sich die Stadt in die Riege jener Kommunen ein, die das Thema souverän, verantwortungsvoll und praxisorientiert angehen. Während die Bundesregierung auf Bundesebene und die EU mit dem AI Act regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, geht Stuttgart den Schritt zur lokalen Umsetzung. Die Stadt versteht sich dabei ausdrücklich als Vorreiterin unter den Kommunen und will damit auch ein Signal setzen. KI ist kein ferner Zukunftstrend, sondern ein Werkzeug, das bereits heute Mehrwert schafft – wenn es richtig eingesetzt wird.

Alexander Schaeff




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Frau in einem hellen Büro starrt mit genervtem Gesichtsausdruck auf einen Computerbildschirm

Bremen: KI-Assistenz für Behördendienste

[25.02.2026] Der Bremer Senat stellt 500.000 Euro für einen KI-Assistenten im Serviceportal bereit. Die Anwendung soll Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen künftig verlässlich durch Verwaltungsleistungen führen und den Zugang zu digitalen Angeboten gezielt erleichtern. mehr...

KI_Werkstatt_LL_Bildschirm und Tastatur auf Tisch

IT-Verbund Landsberg: KI-Werkstatt eröffnet

[25.02.2026] Um konkrete Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung zu entwickeln, hat der IT-Verbund Landsberg eine KI-Werkstatt ins Leben gerufen. mehr...

Screenshot von Chatbot Lio, der als Löwe dargestellt wird.

Braunschweig: Chatbot Lio unterstützt Besucher

[23.02.2026] Mit Chatbot Lio will die Stadtverwaltung Braunschweig den Zugang zu ihren Dienstleistungen erleichtern. Der digitale Assistent steht rund um die Uhr auf der kommunalen Website zur Verfügung und kann ohne Registrierung genutzt werden. Der persönliche Kontakt bleibt dennoch ein zentraler Bestandteil des städtischen Serviceangebots. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander und präsentieren den Förderbescheid für den Heidekreis.

Heidekreis: Niedersachsen fördert KI-Strategie

[18.02.2026] Der Heidekreis will eine Strategie für den verantwortungsvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung entwickeln und diese später mit anderen Kommunen teilen. Er lässt sich dabei vom Kompetenzaufbau bis hin zur Umsetzung wissenschaftlich begleiten und erhält dafür eine Förderung von rund 40.500 Euro aus dem Programm Zukunftsregionen in Niedersachsen. mehr...

Screenshot der Hanauer Startseite mit zentral platziertem Suchfeld des Chatbots HUgo.

Hanau: HUgo weiß die Antwort

[18.02.2026] Mit Chatbot HUgo ergänzt die Stadt Hanau ihr Informationsangebot auf der kommunalen Website. Der digitale Assistent kennt sich mit Behördenöffnungszeiten, Zuständigkeiten und Servicethemen aus. Für die Antworten fasst er Inhalte des Stadtportals zusammen. mehr...

Der Chatbot der Hansestadt Stade hat das Aussehen eines Kapitäns.

Stade: Käpt’n Knut soll noch besser werden

[13.02.2026] Seit Januar unterstützt Chatbot Käpt’n Knut in der Hansestadt Stade den Kundenservice seitens der Verwaltung. Im ersten Monat haben knapp 900 Personen den Chatbot genutzt und fast 2.000 Nachrichten ausgetauscht. Erste Tests zur Entgegennahme von Anrufen durch Käpt’n Knut laufen bereits. mehr...

Kommunale Services mit KI-Komponenten verbessern.

ÖFIT: Nachnutzung generativer KI-Systeme

[13.02.2026] Eine ÖFIT-Untersuchung zeigt: Die Nachnutzung bestehender generativer KI-Systeme in Bund, Ländern und Kommunen ist möglich, die Schaffung einer Plattform für alle Akteure aber schwierig. Stattdessen empfiehlt die Studie eine gemeinsame Referenzarchitektur, basierend auf den Nutzerbedarfen. mehr...

Roboterhand tippt auf einem Computerkeyboard

Dataport/IBM: KI-gestützter Transkriptionsservice

[12.02.2026] Ob in der Justiz, im Amt oder im Bildungsbereich: In der öffentlichen Verwaltung wird viel besprochen, manuell transkribiert und dokumentiert. Das bindet Ressourcen. Dataport stellt eine KI-Lösung vor, die diese Arbeit erleichtert – und die speziell für den öffentlichen Sektor ausgelegt ist. mehr...

Eine Frau sitzt mit Headset über einer PC-Tastatur, im Vordergrund sind die Umrisse eines die künstliche Intelligenz symbolisierenden Gehirns zu sehen.

Kreis Viersen: Sprach-KI nimmt Anrufe entgegen

[09.02.2026] Eine digitale Sprachassistentin beantwortet jetzt beim Abfallbetrieb des Kreises Viersen (ABV) die Anrufe der Bürgerinnen und Bürger. Die Künstliche Intelligenz greift dazu auf einen endlichen Wissensspeicher zurück und lernt ständig dazu. mehr...

Montage: Schreibtisch, Laptops, Hände von Jacketttragenden Männern, Überlagerung mit diversen IT-Icons

Künstliche Intelligenz: KI-Marktplatz MaKI startet

[04.02.2026] Mit dem bundesweiten KI-Marktplatz MaKI startet eine zentrale Plattform für den Austausch von KI-Anwendungen in der Verwaltung. Der MaKI schafft erstmals einen ebenenübergreifenden Überblick über KI-Anwendungen in Bund, Ländern und Kommunen und erleichtert deren gemeinsame Nutzung. mehr...

Porträtaufnahme von Alexander Stricker.

Künstliche Intelligenz: Avatare für Barrierefreiheit

[03.02.2026] Das Unternehmen alangu hat sich auf die Entwicklung von KI-gestützten 3D-Gebärdensprach-Avataren spezialisiert. Wie diese gehörlosen Menschen den Zugang zur digitalen Welt erleichtern, erläutert Geschäftsführer Alexander Stricker im Kommune21-Interview. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto versammelt auf einer Treppe, halten den Fördermittelbescheid und ein Banner mit der Aufschrift Echtzeit-Frühwarnsystem in den Händen.

Interkommunaler Hochwasserschutz: KI-gestütztes Frühwarnsystem

[30.01.2026] Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz will entlang des Flusses Paar ein Echtzeit-Frühwarnsystem aufbauen, das auf Sensortechnik, Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz basiert. Ziel ist eine frühzeitige Warnung der Bürger und Einsatzkräfte über mehrere Plattformen. mehr...

Eine Roboterhand bedient ein Touchdisplay.

KI: In risikoarmer Umgebung testen

[30.01.2026] Kommunen können geplante KI-Anwendungen nun vorab in einer geschützten Umgebung testen. Die von Ewerk Consulting bereitgestellte Infrastruktur basiert auf in Deutschland betriebenen Servern sowie Open-Source-Komponenten. mehr...

Logo Chatbot Düsseldorf

Düsseldorf: Chatbot als Pilot

[29.01.2026] Die Stadt Düsseldorf erweitert ihr Online-Serviceangebot um einen Chatbot. Der digitale Assistent läuft zunächst als befristetes Pilotprojekt und braucht noch einen Namen. Vorschläge aus der Bürgerschaft sind willkommen. mehr...

Eine Frau arbeitet an einem Computer.
bericht

Leipzig: KI-Fuchs spürt Wissen auf

[28.01.2026] Leipzig setzt mit dem KI-Fuchs neue Maßstäbe im Wissensmanagement. Das auf Open Source basierende System kombiniert ein multimodales Sprachmodell mit internem Verwaltungswissen, schafft damit Effizienzgewinne und deckt Bürokratieabbau-Potenziale auf. mehr...