Donnerstag, 8. Januar 2026

StuttgartKI ist Assistenztechnologie

[02.10.2025] Die Stadt Stuttgart hat eine KI-Strategie erarbeitet, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der wichtigste Grundsatz lautet: KI ist Assistenztechnik, nicht Entscheidungsträger. Ein Chief AI Officer (CAIO) soll für die zentrale Steuerung und Sichtbarkeit des Themas verantwortlich sein.

KI-Strategie der Stadt Stuttgart: Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen.

(Bildquelle: Stadtverwaltung Stuttgart)

Mit ihrer neuen KI-Strategie hat die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ein ambitioniertes Programm vorgelegt, das weit über technische Fragen hinausgeht. Ziel ist eine zukunftsfähige, menschenzentrierte Verwaltung, die KI gezielt als Werkzeug einsetzt, um die Servicequalität und Effizienz zu verbessern, ohne dabei den Anspruch auf Transparenz und Verantwortung aus den Augen zu verlieren.

Der wichtigste Grundsatz der Strategie lautet: KI ist Assistenztechnik, nicht Entscheidungsträger. Autonom handelnde Systeme sind ausdrücklich ausgeschlossen. Die Verwaltung betont, dass alle wesentlichen Entscheidungen auch weiterhin von Menschen getroffen werden. KI soll Prozesse erleichtern, Arbeitslast mindern und Daten aufbereiten, jedoch nicht die demokratisch legitimierte Verantwortung der Verwaltung übernehmen.

Damit geht Stuttgart bewusst einen eigenen Weg: Während in vielen Innovationsdebatten die Vision selbstlernender Systeme im Vordergrund steht, setzt die Stadt auf nachvollziehbare, unterstützende Anwendungen, von denen die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar profitieren.

Vier klare Handlungsfelder

Die Strategie konzentriert sich auf vier große Ziele:

  • Bürgerservices verbessern: KI soll Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zur Verwaltung erleichtern. Geplant sind digitale Assistenten, Chatbots und intelligente Suchfunktionen in Bürgerportalen. Auch barrierefreie Anwendungen, etwa für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, stehen im Fokus.
  • Effizienz in der Verwaltung steigern: Durch die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben können Ressourcen freigesetzt werden. KI-Anwendungen sollen Mitarbeitende entlasten, damit diese sich auf komplexere Aufgaben und direkte Bürgerkontakte konzentrieren können.
  • Fundierte Entscheidungen ermöglichen: Datenbasierte Analysen sollen politische und verwaltungsinterne Entscheidungen verbessern. Dies betrifft Themenfelder wie Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz.
  • Kompetenzen und Vertrauen aufbauen: Fort- und Weiterbildungen sind fest in der Strategie verankert. Die Stadt legt Wert darauf, dass Mitarbeitende aller Hierarchieebenen den Umgang mit KI verstehen – technisch, organisatorisch und ethisch.

Rechtliche und ethische Leitplanken

In dem Papier betont die Stadtverwaltung, dass KI nur rechtskonform, ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Die Strategie stützt sich dabei auf die EU-KI-Verordnung (AI Act), die nationale KI-Strategie sowie die geltenden Datenschutz- und Informationssicherheitsstandards. Die Stadt verpflichtet sich ethisch zu einer menschenzentrierten KI: Sie soll nachvollziehbar, diskriminierungsfrei und fair gestaltet werden. In einem geplanten KI-Ethik-Leitfaden sollen konkrete Standards verankert werden. Damit die Strategie nicht abstrakt bleibt, hat die Stadt Stuttgart klare organisatorische Strukturen geschaffen.

  • Das DO.IT – Amt für Digitalisierung, Organisation und IT – fungiert als zentraler Dienstleister. Es begleitet Fachämter bei der Einführung von KI-Anwendungen.
  • Ein KI-Hub dient als Knotenpunkt für Wissenstransfer, Dokumentation und Koordination. Dort werden Projekte gebündelt, Machbarkeitsstudien erstellt und Risikoeinstufungen vorgenommen.
  • Eine neu geschaffene Stelle eines Chief AI Officer (CAIO) sorgt für die zentrale Steuerung und Sichtbarkeit des Themas.
  • Über den bereits in einer Dienstvereinbarung zur Digitalisierung verankerten Spezifikationsdialog werden neue Systeme vor der Einführung überprüft – unter Beteiligung von Verwaltung, Personalrat und IT. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Beschäftigten zu schützen.

Beteiligung und Change-Management

Die Strategie unterstreicht die Bedeutung eines strukturierten Change-Managements. Mitarbeitende sollen frühzeitig eingebunden, Ängste abgebaut und Feedbackrunden institutionalisiert werden. KI wird nicht „von oben verordnet“, sondern gemeinsam mit den Beschäftigten in den Fachämtern eingeführt.

Der BildungsCampus und der KI-Hub entwickeln dafür flexible Weiterbildungsangebote. Neben der Vermittlung technischer Qualifikationen liegt ein weiterer Fokus auf der Sensibilisierung für Datenschutz, Sicherheit und Ethik. Ein besonderes Augenmerk gilt den Nachwuchskräften. Auszubildende und dual Studierende werden frühzeitig an KI-Themen herangeführt.

Roadmap und Praxisbeispiele

Der Strategieanhang enthält ein Glossar mit Praxisbeispielen sowie eine Roadmap für den KI-Einsatz. Sie zeigen, dass Stuttgart das Thema nicht theoretisch, sondern praxisnah angeht: Von kleinen, kurzfristig realisierbaren Pilotprojekten bis hin zu mittel- und langfristigen Vorhaben wird ein Fahrplan vorgelegt. Damit entsteht ein klarer Orientierungsrahmen für Politik, Verwaltung und Partner.

Mit ihrer KI-Strategie reiht sich die Stadt in die Riege jener Kommunen ein, die das Thema souverän, verantwortungsvoll und praxisorientiert angehen. Während die Bundesregierung auf Bundesebene und die EU mit dem AI Act regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, geht Stuttgart den Schritt zur lokalen Umsetzung. Die Stadt versteht sich dabei ausdrücklich als Vorreiterin unter den Kommunen und will damit auch ein Signal setzen. KI ist kein ferner Zukunftstrend, sondern ein Werkzeug, das bereits heute Mehrwert schafft – wenn es richtig eingesetzt wird.

Alexander Schaeff




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
käpt`n knut logo hansestadt stade

Stade: Käpt’n Knut nimmt den Dienst auf

[08.01.2026] In der Hansestadt Stade ist jetzt der KI-Chatbot Käpt’n Knut an Bord. Die Verwaltung freut sich über Feedback zu dem Angebot, das perspektivisch auch telefonisch genutzt werden kann. mehr...

Screenshot der Webseite von Hagen in der französischen Version

Hagen: Städtische Internetseite wird polyglott

[07.01.2026] Die Stadt Hagen stellt große Teile ihrer Webseite jetzt auch in fremdsprachiger Version zur Verfügung. Eine komplexe mehrsprachige Seitenstruktur im Back End und aufwendiges Aktualisieren sind dazu nicht notwendig: Zum Einsatz kommt die leicht integrierbare Lösung Conword. mehr...

Zwei Personen halten ein Tablet in der Hand, auf dessen Bildschirm Chatbot BOR.KI zu sehen ist.

Kreis Borken: Chatbot BOR.KI ist im Dienst

[05.01.2026] Auf der Website des Kreises Borken beantwortet jetzt Chatbot BOR.KI die Anfragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Künstliche Intelligenz (KI) greift dafür auf die Inhalte der Internetseite zurück und beantwortet Fragen nur zu jenen Dienstleistungen, für die die Kreisverwaltung tatsächlich zuständig ist. mehr...

Ein Schlüsselbund mit einem Anhänger in Paragrafenform liegt auf dem Grundriss eines Gebäudes.
bericht

Rechtsinformationen: Die Informationsflut bändigen

[18.12.2025] Die öffentliche Verwaltung steht vor immer komplexeren Rechtsanforderungen bei gleichzeitig schrumpfenden Personalressourcen. KI-gestützte Lösungen können helfen, Rechtsinformationen automatisch aufzubereiten und in der Fallbearbeitung bereitzustellen. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto neben einem Gebäude versammelt.

SMARD-GOV: Datenschutzkonforme LLMs für Behörden

[18.12.2025] Im Forschungsprojekt SMARD-GOV werden datenschutzkonforme Large Language Models (LLMs) für den Einsatz in Behörden untersucht. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Universität Münster (UM) sowie das Software- und Beratungsunternehmen Prosoz nehmen dafür sowohl technische als auch rechtliche Aspekte in den Blick. Im Fokus stehen Anwendungen bei Bauanträgen. mehr...

Die Teilnehmer des Unterschleißheimer Hackathons stehen zum Gruppenfoto versammelt in einem Raum.

Unterschleißheim: Chatbot statt Formularwüste

[18.12.2025] Die Stadt Unterschleißheim bietet den Bürgerinnen und Bürgern mit Civic Forma jetzt den Prototyp einer KI-gestützten Lösung an, die sie Schritt für Schritt durch amtliche Formulare führt. Der KI-Assistent kann Rückfragen beantworten und mehrere Sprachen übersetzen. Die Übersetzungen werden dann ins Deutsche übertragen und in das Formular übernommen. mehr...

Mann am Schreibtisch mit Laptop, hantiert mit Papieren.

S-Public Services: KI als Lotse im Formular-Dschungel

[17.12.2025] KI unterstützt schon heute die Arbeit mit Online-Anträgen in der kommunalen Verwaltung und erleichtert und beschleunigt das Ausfüllen. Zugleich eröffnet KI-gestützte Antragserfassung ein großes Potenzial für Automatisierung. mehr...

Auf Landesebene kristallisieren sich drei Wege zur Unterstützung der Kommunen heraus.

Vitako/KGSt: KI-Strategie für Kommunen

[11.12.2025] Vitako und KGSt haben gemeinsam eine praxisbezogene Arbeitshilfe veröffentlicht, die Kommunen dabei unterstützt, den hochdynamischen Wandel durch generative Künstliche Intelligenz aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten. mehr...

I-Avatar der Stadt Esslingen am Neckar, der Gebärdensprache nutzt, vor der städtischen Website.
bericht

Digitale Barrierefreiheit: KI-Avatare sprechen Gebärdensprache

[10.12.2025] Das Unternehmen alangu hat sich auf die Entwicklung von KI-gestützten 3D-Gebärdensprach-Avataren spezialisiert, um gehörlosen Menschen den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern. Geschäftsführer Alexander Stricker erklärt im Gespräch mit Kommune21, wie aus einer Forschungsinitiative ein innovatives Produkt entstanden ist, das Kommunen und Organisationen bei der inklusiven Digitalisierung unterstützt. mehr...

Screenshot der Kreis-Viersener Website.

Kreis Viersen: KI übersetzt in Leichte Sprache

[10.12.2025] Einen Live-Übersetzer in Leichte Sprache hat der Kreis Viersen für seine Internetseite freigeschaltet. Der Service basiert auf Künstlicher Intelligenz (KI) und soll die Webinhalte für alle besser zugänglich machen. mehr...

Blick über die Rückn und Schultern des Publikums auf eine Konferenzbühne.

URBAN.KI: Rückblick auf die Jahrestagung 2025

[09.12.2025] Die URBAN.KI-Jahrestagung 2025 gab Einblicke in den kommunalen KI-Einsatz und zeigte, wie Künstliche Intelligenz Kommunen zukunftsfähig machen kann. Verschiedene konkrete Anwendungen wurden vorgestellt und es wurde gezeigt, welche Schritte notwendig sind, um KI von der Forschung in die Praxis zu überführen. mehr...

Mann und Frau vor einem Bauzaun halten ein Schild mit QR-Code hoch.

Velen: Von der Baustelle in den Chat

[08.12.2025] In Velen wird auch die Bürgerkommunikation smart. Um ein umfangreiches innerstädtisches Umbauvorhaben zu begleiten, nutzt die Stadt einen KI-Chatbot, der Bürgerinnen und Bürgern alle Fragen unmittelbar beantwortet – ohne Anruf bei der städtischen Servicehotline, ohne Wartezeit. mehr...

zwei Männer vor aufgeklapptem Laptop_Avatar_märkischer_Kreis

Märkischer Kreis: Website mit Avatar

[04.12.2025] Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis steht jetzt ein Avatar auf der Website zur Verfügung. Er ist für Erstanfragen, die Orientierung und schnelle Informationssuche geeignet. Umgesetzt wurde er mit SIT und Humanizing Technologies. mehr...

Screenshot von Wiesbaden.de mit dem Dialogfeld von Chatbot Lilli.

Wiesbaden: Chatbot Lilli geht ans Werk

[03.12.2025] Wiesbaden bietet den Bürgerinnen und Bürgern jetzt den Chatbot Lilli auf der städtischen Website an. Die digitale Assistentin beantwortet Fragen zu kommunalen Dienstleistungen, erklärt Abläufe und erleichtert den Zugang zu Informationen. Entstanden ist sie im Rahmen eines Nachwuchskräfteprojekts. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

d.velop/Otera: KI-gestützte Prozessautomatisierung

[02.12.2025] Der Dokumentenmanagement-Spezialist d.velop erweitert das Leistungsspektrum seiner Plattform um die Lösung Agentic IDP des Herstellers Otera. Dies ermöglicht eine KI-basierte, automatisierte Dokumentenverarbeitung – die ganz ohne Trainingsphase sofort einsatzbereit ist. mehr...