Sonntag, 5. April 2026

Low Code / No CodeKommunen bündeln Kräfte

[19.02.2026] Am Niederrhein haben mehrere Kommunen eine gemeinsame Plattform für digitale Anwendungen beschafft. Mit der Low-Code-/No-Code-Lösung setzen sie auf Tempo bei der Entwicklung neuer Anwendungen und die Wiederverwendung existierender Komponenten.
Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto versammelt auf einer Außentreppe.

Mit gebündelten Kräften hat die Low-Code-Truppe vom Niederrhein ein Leuchtturmprojekt für interkommunales Handeln umgesetzt.

(Bildquelle: Pressestelle Willich/supu)

Für kleinere und mittelgroße Kommunen ist die Beschaffung moderner Informationstechnik oft eine Herausforderung. Denn die großen Ausschreibungen setzen ein beträchtliches Abnahmevolumen voraus, das viele Kommunen allein kaum stemmen können. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, glauben die Städte Nettetal, Kleve, Emmerich am Rhein, Kempen und Willich sowie die Gemeinde Sonsbeck. Die sechs nordrhein-westfälischen Kommunen haben beschlossen, das Thema gemeinsam anzupacken, und starten in Zusammenarbeit mit Hersteller OutSystems ihre eigene, verbundweite Plattform für digitale Anwendungen. Da es sich bei der Plattform um eine Low-Code-/No-Code-Lösung handelt, können hier Anwendungen für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Verwaltungen selbst deutlich schneller entwickelt werden als bislang – oft sogar ohne tiefes Programmierwissen. Das schont nicht zuletzt knappe Kassen.

Bevor die Entscheidung für OutSystems fiel, führten die Projektverantwortlichen eine intensive Markt­erkundung durch. Es fanden außerdem zahlreiche Präsentationen statt, bei denen die verschiedenen Hersteller ihre Lösungsansätze anhand konkreter Aufgabenstellungen der potenziellen Vertragspartner unter Beweis stellen sollten. Am überzeugendsten war schließlich der registerbasierte Ansatz von OutSystems – ein Konzept, das sich besonders gut für die komplexen, datenorientierten Prozesse der öffentlichen Verwaltung eignet. Als Partner für die Umsetzung konnte das Unternehmen S&D Software nach Maß gewonnen werden. Die vertragliche Abwicklung erfolgte pragmatisch über die Einkaufsgemeinschaft des Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein mit d-NRW.

Teilen und Wiederverwenden

Ziel der interkommunalen Kooperation ist eine arbeitsteilige Verwaltung, in der nicht jede Kommune das Rad immer wieder neu erfinden muss. Deshalb war den Beteiligten von Anfang an wichtig, dass bereits erstellte Lösungen auf der Plattform einfach nachgenutzt werden können. Der sogenannte Marktplatzgedanke, der unter anderem in Baden-Württemberg erfolgreich gelebt wird, spielte hier eine große Rolle. Die neue nordrhein-westfälische Gemeinschaft wird von diesem Prinzip des Teilens und der Wiederverwendung stark profitieren.

Damit die Zusammenarbeit dauerhaft gut funktioniert, haben die beteiligten Kommunen gemeinsame Strukturen geschaffen. Ein wöchentlicher Austausch soll den Umgang mit der Software fördern und die gemeinschaftliche Problemlösung ermöglichen. Neue Anwendungen werden modular entwickelt und erlauben dadurch die einfache Anpassung und Nachnutzung durch andere Kommunen. Eine gemeinsame Architektur soll dies noch weiter fördern. So entsteht eine Plattform, die trotz einheitlicher Basis genügend Spielraum für lokale Besonderheiten lässt. Gleichzeitig ist sie ein wachsender Baukasten digitaler Verwaltungsleistungen aus der Praxis für die Praxis. Die Kommunen schaffen damit die technische Grundlage, um gesetzliche Anforderungen schneller und wirtschaftlicher umsetzen zu können. Hinzu kommt ein Sicherheitskonzept auf Enterprise-Niveau.

Bürger und Verwaltung profitieren

Die neue Plattform hat sowohl für die Bevölkerung als auch für die Verwaltung Vorteile. Den Bürgerinnen und Bürgern erspart sie Papier und Wege und sorgt gleichzeitig für mehr Transparenz. Sie können die Antragstellung künftig jederzeit online abwickeln und den Bearbeitungsstand – je nach Anwendung – digital verfolgen. Für die Verwaltungsbeschäftigten reduzieren sich Medienbrüche und manuelle Zwischenschritte. Vorgänge werden strukturierter erfasst, Daten müssen nicht mehrfach eingegeben werden. Die Informationen stehen bereichsübergreifend zur Verfügung und können auch für andere Anwendungen genutzt werden.

Durch die Bündelung ihrer Kräfte haben die sechs Kommunen am Niederrhein gezeigt, wie effizient und erfolgreich ein gemeinsames Vorgehen sein kann. Die Plattform ist planmäßig online gegangen. Der gemeinschaftliche Kick-off und ein Entwickler-Boot-Camp haben bereits stattgefunden. In den kommenden Monaten werden die ersten Anwendungen in den Echtbetrieb gehen. Parallel dazu identifizieren die Kommunen weitere Prozesse, die sich für die Plattform eignen, und öffnen das Angebot Schritt für Schritt für interessierte Kommunen aus dem Verbandsgebiet. Letztere sollen sich schnell, unkompliziert und ohne große Vorarbeit an dem gemeinschaftlichen Projekt beteiligen können.

Leuchtturmprojekt für interkommunales Handeln

Der gemeinsame Abruf der OutSystems-Plattform ist bislang beispiellos und setzt neue Maßstäbe für die Zusammenarbeit in der öffentlichen Verwaltung. Es ist ein Leuchtturmprojekt für interkommunales Handeln, das über Nordrhein-Westfalen hinaus strahlt. Hier entsteht kein Pilotprojekt für die Schublade, sondern eine eigene kleine Community, die sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und gemeinschaftlich entwickelt.

Thorsten Rode ist Sachgebietsleiter des IT-Service und Co-Leiter des Bereichs E-Government bei der Stadt Nettetal.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform

[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...

Mehrere Personen stehen in einem Raum zum Gruppenfoto versammelt, im Hintergrund ist ein Anmeldeterminal zu sehen.
bericht

Besuchersteuerung: Zeitgemäßer Bürgerservice

[27.03.2026] Die IKT-Ost hat eine neue Lösung zur Termin- und Besuchersteuerung eingeführt. Der IT-Träger für zwei Landkreise und eine Stadt setzt dabei auf eine einheitliche Software für alle Kommunen. Profiteure sind Verwaltungen und Bürger. mehr...

Mehrere Personen stehen in kleinen Gruppen versammelt in einem größeren Raum.

Büdelsdorf: Digitales Zielmanagementsystem

[06.03.2026] Die Stadt Büdelsdorf hat ein digitales Zielmanagementsystem eingerichtet. Es soll eine gezielte Steuerung, Wirksamkeitsmessung und Auswertung wichtiger Kennzahlen seitens der Stadt ermöglichen. mehr...

Mehrere Personen bringen einzelne Puzzleteile zusammen.

cit / nextgov iT: Strategische Partnerschaft mit KERN-UX

[03.03.2026] Die Low-Code-Plattform cit intelliForm unterstützt KERN-UX, den User-Experience (UX) Standard für Verwaltungssoftware. Verwaltungsleistungen können somit KERN-konform, also standardisiert, nutzerfreundlich und wiedererkennbar, umgesetzt werden. Als strategischer Partner gestaltet neben cit auch nextgov iT den UX-Standard aktiv mit. mehr...

Mehrere Personen sitzen an einem U-förmigen Besprechungstisch, eine Person ist virtuell via Laptop zugeschaltet.
bericht

Round Table: Saubere Daten

[02.03.2026] Das Round-Table-Gespräch von Kommune21 zum Axians-­Infoma-Innovationswettbewerb zeigt: Die Datenqualität ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Digitalisierungsprojekte. mehr...

Vektorgrafik einer Person, die ihren Ausweis per Smartphone vorzeigt.

Sachsen: Digitale Ehrenamtskarte

[27.02.2026] Auch in Sachsen steht nun die Digitale Ehrenamtskarte über die Ehrenamtskarten-App zur Verfügung. Damit greift ein weiteres Bundesland auf die in Nordrhein-Westfalen erarbeitete EfA-Leistung zurück. mehr...

Blick auf den Eisenacher Marktplatz.
bericht

Eisenach: Zeichen stehen auf Wandel

[24.02.2026] Mit einem „Masterplan zur digitalen Transformation“ schließt die Stadtverwaltung Eisenach Stück für Stück Etappen auf dem Weg zur modernen Verwaltung ab. Immer im Fokus stehen dabei die Mitarbeitenden als wichtigster Faktor im Veränderungsprozess. mehr...

Zwei Personen stehen vor einem Feuerwehrauto, neben ihnen befindet sich ein Display, das die Oberfläche der Software rescueTablet angezeigt wird.

Hanau: Tablets unterstützen die Feuerwehr

[24.02.2026] In Hanau sorgt das Einsatzinformationssystem rescueTablet dafür, dass Feuerwehren schon während der Anfahrt relevante Informationen zum anstehenden Einsatz erhalten. Da alle Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Hanau sowie die Berufsfeuerwehr das System nutzen, wird eine flächendeckende und einheitliche digitale Informationsbasis für sämtliche Einheiten geschaffen. mehr...

Kommunen benötigen bei der Einführung der E-Akte Unterstützung.

Registermodernisierung: Wie brauchbar sind die Registerdaten?

[16.02.2026] Geht es um die Registermodernisierung, stehen oft vor allem technische Aspekte wie die Datenaustauschplattform NOOTS im Fokus. Ein Pilotprojekt in Niedersachsen hat nun die Qualität der Registerdaten selbst untersucht und gleichzeitig gezeigt, wie diese automatisiert verbessert werden kann. mehr...

Blick auf die Uferpromenade Magdeburgs.

Prozessmanagement: Sachsen-Anhalt sucht Kommunen für Proof of Concept

[12.02.2026] Sachsen-Anhalt will mit Kommunen erproben, ob und in welchem Umfang sich eine zentral bereitgestellte Prozessmodellierungssoftware als Basiskomponente eignet. Interessierte Kommunen können sich an die Kommunale IT-Union (KITU) wenden und die PICTURE-Prozessplattform sowie ausgewählte Dienstleistungen bis Ende 2026 unentgeltlich im Rahmen der verfügbaren Mittel nutzen. mehr...

In einer Werkstatt wird die Felge an einem Autoreifen befestigt.
bericht

Studie: Nachnutzung braucht Strukturen

[10.02.2026] Das Einer-für-Alle-Prinzip soll Verwaltungsdigitalisierung skalierbar machen. Wie Länder und Kommunen die Nachnutzung organisieren und warum sie unterschiedlich weit sind, berichtet die FITKO unter Bezug auf eine neue Studie. mehr...

Vektorgrafik, die mehrere Personen zeigt, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten.

factro: Neue BehördenCommunity gestartet

[10.02.2026] Mit der factro BehördenCommunity steht Kommunen nun ein digitaler Raum zur Verfügung, in dem sie Wissen teilen und Projektvorlagen austauschen können. Das Angebot orientiert sich an der Aufgaben- und Projektmanagement-Software factro. Zentraler Baustein ist eine Vorlagenbibliothek. Auch ein BehördenTalk wird angeboten. mehr...

Abstrakte Darstellung einer Wolke, die über Hardware schwebt.

Deutsche Verwaltungscloud: Drei Lösungen von ekom21

[27.01.2026] Über die Deutsche Verwaltungscloud können nun drei Anwendungen von IT-Dienstleister ekom21 abgerufen werden. Schon seit März 2025 steht hier esina21, eine Eigenentwicklung für das sichere Senden und Empfangen von Nachrichten im Kontext des besonderen Behördenpostfachs (beBPo), bereit. Neu dazugekommen sind die Bezahlplattform epay21 und die Digitalisierungsplattform civento. mehr...

Vektorgrafik, die zwei Personen zeigt, die in einem Archiv mit papierbasierten und digitalen Registern arbeiten.

Wiesbaden: Digitalisierung der Personenstandsregister

[22.01.2026] Zur Digitalisierung ihrer Personenstandsregister hat die Stadt Wiesbaden die Stabsstelle DiRegiSta eingerichtet. Mithilfe einer Software überträgt diese nach und nach die geprüften und ergänzten alten Einträge in das elektronische Register. Dabei orientiert sich Wiesbaden an den Erfahrungen Berlins. mehr...