Donnerstag, 5. November 2026

Smart CityNeues wagen

[04.03.2021] Im Dezember ist die dritte Staffel des Modellwettbewerbs Smart Cities gestartet. 300 Millionen Euro stehen aus dem Konjunkturprogramm für die Städte und ihren strategischen Umgang mit der Digitalisierung zur Verfügung. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 14. März 2021.
Die dritte Staffel des Modellwettbewerbs Smart Cities ruft Kommunen dazu auf

Die dritte Staffel des Modellwettbewerbs Smart Cities ruft Kommunen dazu auf, Neues zu wagen.

(Bildquelle: Dmitrii Kharchenko / 123rf.com)

Die Bundesregierung hat im Jahr 2016 die Dialogplattform Smart Cities ins Leben gerufen, die Kommunen bei Fragen der Digitalisierung in der Stadtentwicklung beratend zur Seite steht. Ein vom Bundesinnenministerium initiierter Modellwettbewerb Smart Cities geht gerade in die dritte Runde. An der ersten Staffel 2019 nahmen 13 Modellprojekte teil, darunter die Städte Solingen, Ulm, Cottbus und Grevesmühlen, aber auch interkommunale Kooperationen und Landkreise. Viele der Modellprojekte befassten sich zunächst mit der Erarbeitung einer Smart-City-Strategie: In welchen Themenfeldern der Stadtentwicklung können digitale Technologien gewinnbringend eingesetzt werden? Überall wurde ein Findungsprozess unter Beteiligung der Bürgergesellschaft durchgeführt. Die zweite Staffel 2020 förderte 32 Modellprojekte, etwa in Darmstadt, Jena und Köln, die sich mit konkreten Fragen nach verbessertem Energie-Management, intelligenter Mobilität oder smarter Vernetzung beschäftigten. In den Projektbeschreibungen ist oft prosaisch von „digitaler Heimat“, „vernetzter und blühender Stadt“ oder „Nachbarschaft in Echtzeit“ die Rede. Diese Tradition soll nun in der dritten Staffel fortgeführt werden. Sie bezieht sich auf die Zeit nach der Corona-Pandemie und ruft die Kommunen auf, „Neues zu wagen und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen“. Die Modellprojekte sollen den strategischen Umgang mit den Möglichkeiten und Herausforderungen für die Stadtentwicklung durch Digitalisierung erforschen. Als Lernbeispiele sollen die gewonnenen Erkenntnisse später in die Breite getragen und allen Kommunen zugänglich gemacht werden. Diesbezüglich ist im aktuellen Aufruf ausdrücklich von Open-Source-Lösungen die Rede, die leichter zu übernehmen und nachzunutzen sind. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 14. März 2021.

Kommunen kooperieren

Der Bund hat die drei Wettbewerbe insgesamt mit bislang 800 Millionen Euro gefördert. Einige Bundesländer haben darüber hinaus eigene Projekte aufgelegt, wie etwa Nordrhein-Westfalen mit den Digitalen Modellkommunen. Dabei zeigt sich: Die meisten geförderten Kommunen entscheiden sich für mehrere kleine Projekte, anstatt den gesamten Förderbetrag in ein Großprojekt zu investieren. Die Grenzen zur Verwaltungsdigitalisierung sind fließend. Beispiel Paderborn: Dort entschloss sich der Kreis zusammen mit den Städten Bielefeld und Delbrück für ein Online-Service-Bürgerportal, wo Urkunden beantragt, Hunde angemeldet und Eheschließungen annonciert werden können. Ganz so wie es auch das Onlinezugangsgesetz vorsieht. Ein anderes Paderborner Projekt ermittelt anhand einer intelligenten Ampelsteuerung, wie der Verkehr flüssiger und die Schadstoffemissionen sowie der Straßenlärm gesenkt werden können. Echtzeitdaten messen Staus, Stop and Go oder Wartezeiten und steuern die flexible Verkehrsführung. Zudem wird eine zentrale Open-Data-Plattform entwickelt, in der alle kommunalen Daten ämterübergreifend gebündelt werden sollen – Baudaten, Sen­sordaten zur Pegelstandsmessung des örtlichen Flusses Pader und digitalisierte Bilder können dann beispielsweise Einsatzkräften bei der zivilen Gefahrenabwehr zur Verfügung gestellt werden.
Ein weiteres Beispiel für Kooperationen sind die fünf Smart Cities in Südwestfalen: Arnsberg, Bad Berleburg, Menden, Olpe und Soest, die sich über den Projektverlauf bis 2026 zu einem Konsortium zusammengeschlossen haben und eine Rahmenstrategie für die Region entwickeln. „Die Vision für unsere Smart City von morgen ist, dass wir uns digital vernetzt fortbewegen, wir eine Stadt sowohl per Smartphone als auch als Passantin erleben können, dass Beteiligung und Mitbestimmung von zu Hause aus möglich ist, wir uns der CO2-Neutralität annähern und noch ganz viel mehr“, heißt es in einem Projektvideo.

Daten sollten dem Gemeinwohl dienen

In Wolfsburg ist eine Smart-City-App in der Entwicklung, die den Kontakt zwischen Bürgern und Verwaltung herstellt und auf der Basis anonymisierter Daten bestimmte stadtbezogene Dienste zu Mobilität, Freizeitgestaltung und ÖPNV ermöglicht. Eine Bezahlfunktion ist ebenfalls vorgesehen. Wolfsburg arbeitet in dieser Hinsicht sowohl mit städtischen Unternehmen wie den Stadtwerken und einem regionalen Telekommunikationsanbieter zusammen als auch mit anderen Kommunen. Interesse an der Zusammenarbeit haben etwa Solingen und Remscheid angemeldet.
Bei Smart Cities geht es um Daten. Was gegenwärtig in deutschen Kommunen an smarten Einzellösungen entsteht, bietet nur einen kleinen Vorgeschmack des Möglichen. In New York wird mit dem Projekt Hudson Yards an einer „neuen Nachbarschaft für die nächste Generation“ gebaut. Tausende Smart-Data-Sensoren zeichnen in dem Wohn-, Arbeits- und Konsumquartier die Bewegungen der Bewohner und Besucher auf. Globale Technologieunternehmen wittern einen Megamarkt für die Datenökonomie. Der Stadtforscher Robert Kaltenbrunner hat unlängst in einem Beitrag in der Berliner Zeitung eine auf individuellen Rechten basierende und gemeinwohlorientierte Ausrichtung smarter Städte gefordert. „Denn natürlich tragen digitale Steuerungen zu einem wesentlich effizienteren Betrieb städtischer Infrastrukturen bei. Werden die hier entstehenden Daten etwa mit anonymisierten Mobilfunkdaten und weiteren kommunalen Strukturdaten kombiniert, kann die Infrastrukturplanung beschleunigt und verfeinert werden“, so Kaltenbrunner. Doch müsse dafür gesorgt werden, dass die smarten Innovationen im Dienst von Gemeinwohl und Daseinsvorsorge verbleiben und nicht in den Datenbeständen der Tech-Giganten.

Tendenz zur allgemeinen Datenöffnung

Die Diskussion in Deutschland tendiert zu einer allgemeinen Öffnung der Daten. Im Entwurf des Zweiten Open-Data-Gesetzes und Datennutzungsgesetzes (DNG) spricht sich die Bundesregierung nicht nur für eine weitgehende Bereitstellungspflicht von Verwaltungsdaten aus, sondern will auch öffentliche Unternehmen und private Unternehmen bestimmter Bereiche der Daseinsvorsorge in das Open-Data-Konzept einbeziehen. Dies soll für Unternehmen des Verkehrswesens, der Wasserversorgung und für Energieunternehmen gelten. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat in einer Stellungnahme die beabsichtigte Gleichbehandlung von öffentlichen und privaten Unternehmen bei der Datenherausgabe ausdrücklich begrüßt: „Wir brauchen gleiche Regeln für alle.“

Helmut Merschmann




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Sensor an einem Fließgewääser im Hintergrund Häuser

KielRegion: Pegeldaten für die Klimaanpassung

[05.11.2026] Mit digitalen Sensoren werden in der Region Kiel Wasserstände und Durchflussmengen in Gewässern und Rückhaltebecken überwacht. Die Messdaten stehen ab sofort auf der regionalen Datenplattform DatenDock zur Verfügung und sollen Kommunen bei der Klimaanpassung unterstützen. mehr...

Wehende Flagge mit dem Landeswappen von Sachsen.

Sachsen: Zwei Millionen für smarte Regionen

[04.11.2026] Das Land Sachsen fördert digitale Lösungen für kommunale Aufgaben mit insgesamt bis zu zwei Millionen Euro. Kommunen, kleine und mittlere Unternehmen sowie wissenschaftliche Einrichtungen können vom 10. November bis zum 8. Dezember 2026 Projektskizzen einreichen. mehr...

Kaiserslautern: KI optimiert Verkehrsmanagement

[29.10.2026] Kaiserslautern setzt auf Künstliche Intelligenz und vernetzte Verkehrstechnik, um den Verkehr effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Bei einem bundesweiten Netzwerktreffen stellte die Stadt ihre Projekte KIMONO I und AORTA vor. mehr...

Frau mit VR-Brille schaut durch ein Panoramafenster auf eine Stadtlandschaft

Hamburg: Digitale Zwillinge gezielt fördern

[28.10.2026] Hamburg hat ein Zentrum Digitaler Zwilling gegründet und fördert erste Vorhaben über einen Zwillingsfonds. Die neuen Strukturen sollen Fachwissen in der Verwaltung bündeln und den Einsatz der digitalen Stadtmodelle über Ressortgrenzen hinweg voranbringen. mehr...

Zwei Frauen und vier Männer stehen neben einem der neuen smarten Mülleimer in Dortmund.

Dortmund: Smarte Mülltonnen für saubere Parks

[28.10.2026] In Grünanlagen und im Zoo der Stadt Dortmund melden smarte Abfallbehälter jetzt automatisch den Füllstand und ermöglichen so eine bedarfsgerechte Leerung. Das soll Fahrwege reduzieren, Ressourcen schonen und die Parks sauber halten. mehr...

Ein Mann und eine Frau blicken mit einem Tablet in der Hand auf einen Park, dessen digitale Version auf dem Tablet zu sehen ist
bericht

Kirchheim b. München: Digitales Herz von Smartheim

[27.10.2026] Die Gemeinde Kirchheim bei München zeigt, dass auch kleinere Kommunen groß denken und die digitale Stadtentwicklung strategisch sowie mit konkretem Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger gestalten können. Herzstück hierfür ist ein Digitaler Zwilling. mehr...

Altstadt von Wetzlar mit Fachwerkhäusern

Wetzlar: Sensordaten für die Stadtentwicklung

[26.10.2026] Mithilfe von Lasertechnologie und der Verknüpfung verschiedener Datenquellen will die Stadt Wetzlar Verkehrs- und Besucherströme besser analysieren und steuern. Das Land Hessen fördert das Smart-City-Modellprojekt mit rund 515.000 Euro. mehr...

Radzählstation an der Wiwilibrücke

Freiburg: Beim Datenspaziergang die Smart City erleben

[21.10.2026] Wie werden Daten in einer Smart City erhoben und genutzt? Ein neuer Datenspaziergang in Freiburg zeigt an fünf Stationen, welche Technologien dahinterstecken und wie die gewonnenen Informationen zur Stadtentwicklung beitragen. mehr...

ein orangenes Winterdienstauto von hinten

Pforzheim: Ideen für die Smart City

[15.10.2026] Wie können offene Daten und Künstliche Intelligenz dazu beitragen, kommunale Herausforderungen zu lösen? Beim Smart City Hackathon in Pforzheim entwickeln die Teilnehmenden Anfang November praxisnahe Lösungen – vom Landschaftsschutz bis zum Winterdienst. mehr...

bericht

Apps: Smart City kann klein starten

[13.10.2026] Auch kleinere und mittlere Kommunen können Smart-City-Angebote mit überschaubarem Aufwand umsetzen. Ein möglicher Einstieg sind kommunale Apps: Sie bündeln Informationen, vernetzen lokale Akteure und eröffnen neue Wege für den Austausch mit der Bürgerschaft. mehr...

Vier Personen stehen rund um einen hohen Tisch auf dem beschriebene karten zu sehen sind

Smart City Summer School Dresden: Wissenstransfer für die Stadt der Zukunft

[12.10.2026] Wie lassen sich erfolgreiche Smart-City-Lösungen dauerhaft in Kommunen etablieren und auf andere Städte und Gemeinden übertragen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Smart City Summer School 2026 in Dresden. Forschende aus rund 50 wissenschaftlichen Einrichtungen diskutierten über Wissenstransfer, Resilienz und die Wirkung digitaler Stadtentwicklung. mehr...

Wie sehen die Städte der Zukunft aus?

Smart City: Digitale Grundversorgung dauerhaft sichern

[08.10.2026] Smarte Städte und Regionen brauchen mehr als befristete Modellprojekte. Sechs Verbände fordern dauerhaft finanzierte, übertragbare Strukturen für die digitale Daseinsvorsorge. Erprobte Lösungen sollen weiterbetrieben werden und allen Kommunen zugutekommen. mehr...

Smart Country Convention: Smart Water als Basis für weitere Anwendungen

[02.10.2026] Zenner zeigt auf der Smart Country Convention 2026, wie sich die Digitalisierung der Wasserwirtschaft mit weiteren Smart-City-Anwendungen verbinden lässt. Eine gemeinsame LoRaWAN-Infrastruktur soll dabei Daten aus unterschiedlichen kommunalen Bereichen übertragen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Hamm: Digitaler Erfolgskurs

[24.09.2026] Hamm stellt die Weichen für die nächste Phase seiner Digitalisierung: Die bisherige Digitalisierungsstrategie wird zu einer Smart-City-Strategie für 2027 bis 2032 weiterentwickelt. Neue KI-Anwendungen und eine modernere Dateninfrastruktur sollen dabei eine größere Rolle spielen. mehr...

Reihe von Autos, Nahaufnahme, im Hintergrund orangefarbenes Bokeh

Köln: MobilitätsCockpit verstetigt

[23.09.2026] Köln führt die Datenplattform MoCKiii nach Abschluss der Förderphase dauerhaft fort. Sie verknüpft Verkehrs-, Umwelt- und Wetterdaten in Echtzeit. Die Informationen fließen unter anderem in Verkehrsanlagen, das Brückenleitsystem und die Mobilithek ein. mehr...