Samstag, 7. Februar 2026

Ludwigshafen/MünchenStrategie vs. Flurfunk

[25.05.2016] Neue Wege der Mitarbeiterbeteiligung gehen die Städte Ludwigshafen am Rhein und München. Während Ludwigshafen über die digital unterstützte Beteiligung der Mitarbeiter eine neue Ressourcensteuerung erarbeitet, sammelt München Ideen für ein zeitgemäßes Intranet.
Mitarbeiterbeteiligung erleichtert Veränderungen.

Mitarbeiterbeteiligung erleichtert Veränderungen.

(Bildquelle: MEV Verlag)

Ideen, Hinweise und Feedback der Bürger bekommen und aufgreifen – heute wissen Politik und Verwaltung, wie wichtig Beteiligung für erfolgreiche Projekte und Planungen ist. Innerhalb der Behörden verhält sich das nicht anders. Begriffe wie Change Management oder Mitarbeitermotivation deuten an, dass es für die Umsetzung von Projekten und Veränderungen unerlässlich ist, die Mitarbeiter mitzunehmen. Einige Verwaltungen führen deshalb beispielsweise regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durch. Doch sind bestehende Instrumente wie standardisierte Fragebögen ausreichend, wenn Lösungen für komplexe Probleme der Organisationsentwicklung gefunden werden sollen? Ludwigshafen am Rhein und die bayerische Landeshauptstadt München gehen hier neue Wege. Die Stadtverwaltung von Ludwigshafen am Rhein steht durch das altersbedingte Ausscheiden erfahrener Mitarbeiter, die Konkurrenz um qualifizierte Köpfe auf dem Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Veränderungsprozesse unter großem Veränderungsdruck. Aufgaben und deren Erfüllung sind neu zu bewerten und an sich verändernde Gegebenheiten anzupassen. Um eine moderne, arbeitsfähige Verwaltung zu schaffen, die den Herausforderungen des demografischen Wandels konstruktiv begegnet, wurde mit der Neuen Ressourcensteuerung (NRS) ein organisatorisches Verfahren mit einem partizipativen Ansatz verknüpft. Von ihr soll gleichzeitig ein Modernisierungsschub für die Verwaltung ausgehen. Ein Drehkreuz des NRS-Prozesses bildet eine von der Agentur Zebralog entwickelte Plattform, auf der mittels verschiedener Dialogformate die Mitarbeiter an unterschiedlichen Themen und Fragestellungen beteiligt werden. Eine Online-Bibliothek sorgt dafür, dass alle Verfahrensschritte und Entscheidungen immer transparent sind. Als Grundlage dient die Dialogzentrale, eine Drupal-basierte Open-Source-Lösung. Das passt zur Philosophie der Offenheit in Ludwigshafen. Aber nicht nur auf der Plattform, sondern auch im Rahmen von Gesprächsrunden werden Themen zur NRS bearbeitet. Auf der Plattform werden die Mitarbeiter wiederum über alle Prozessschritte informiert – vom Sachstand des Verfahrens über die nächsten Schritte bis hin zu getroffenen Entscheidungen. Ziel ist ein partizipativ entwickeltes Konzept, das Veränderungsprozesse ermöglicht, die von den Mitarbeitern mitgetragen werden.

Ideen für ein neues Intranet

Ähnliches setzt München um. Das Intranet der bayerischen Landeshauptstadt ist in die Jahre gekommen. Einfachere Kommunikations- und schnellere Informationswege, eine leichtere Bedienung – Stichwort Usability – und ein zentrales Wissensmanagement müssen her. Die Zusammenarbeit, auch zwischen unterschiedlichen Verwaltungsbereichen, soll attraktiver, strukturierter, moderner, informativer und informeller werden. Dabei nimmt die Stadt den Begriff nutzerzentrierte Entwicklung sehr ernst und möchte das neue Intranet von Anfang an an den Bedürfnissen der Mitarbeiter ausrichten. Dafür wurde unter dem Motto „ZusammenArbeit gemeinsam gestalten“ im Januar 2016 eine gemeinsam mit Zebralog konzipierte Beteiligungsplattform bereitgestellt. Darauf können die Mitarbeiter der Landeshauptstadt ihre Anregungen, Ideen und Wünsche für ein neues Intranet diskutieren, bewerten und vertiefen. Aus diesen Rückmeldungen wird dann ein Anforderungskatalog und schließlich ein neues Intranet entwickelt. Die Beteiligung ist rege und stimmt zuversichtlich, dass auch das neue Intranet aktiv genutzt und mit Leben gefüllt wird. Wie in der Gesellschaft muss Beteiligung auch innerhalb einer Organisation erst erlernt werden. Gerade bei Verwaltungen sind Partizipation und offener Dialog quer zu bestehenden Hierarchien Neuland. Die Führungsspitze bringt die Mitarbeiter in den Dialog, um deren Beiträge für komplexe Entscheidungsprozesse nutzen zu können. Themen und Ideen werden nicht mehr nur in der Kaffeeküche diskutiert oder anonym eingesammelt, sondern explizit erfragt und im Dialog offen diskutiert und entwickelt. Auf diese Weise werden Pro und Kontras für alle sichtbar.

Vorab die Mitarbeiter befragen

Dieser Kulturwechsel wird von vielen Mitarbeitern gerne mit Leben gefüllt, wie die positiven Erfahrungen aus Ludwigshafen und München zeigen. Neue offene und dialogische Formen der Mitarbeiterbeteiligung sind mit neuen Herausforderungen verknüpft und werden von den bestehenden Hierarchien, Abhängigkeitsverhältnissen, Machtstrukturen sowie der Kollegialität beeinflusst. Äußert sich ein Mitarbeiter bei allen Themen offen, wenn er weiß, dass sein Vorgesetzter mitliest? Und wie stark können Vorgesetzte ihre Mitarbeiter kritisieren? Bei der Mitarbeiterbeteiligung in Ludwigshafen geht es beispielsweise um die Bewertung von Aufgaben, die allesamt von Menschen erfüllt werden. In einem ersten Schritt wurde deshalb transparent und partizipativ ein Kriterienkatalog erarbeitet. Wer sich beteiligen möchte, kann bei jedem Beitrag entscheiden, ob er diesen mit Klarnamen oder Pseudonym abgibt. Es ist wichtig, je nach Thema der Beteiligung und Größe der Organisation vorab zu entscheiden, welche Schutzmechanismen zu treffen sind. Welche gemeinsamen Regeln müssen vereinbart werden, damit eine offene und faire Beteiligung stattfinden kann? In Ludwigshafen haben Stadtvorstand und Personalrat deshalb auch eine mit den Mitarbeitern gemeinsam erarbeitete Startvereinbarung geschlossen. Natürlich besteht auch in Verwaltungen Skepsis gegenüber neuen Dialogangeboten. Führungskräfte können hier Vertrauen schaffen, indem sie Dialogergebnisse ernst nehmen und umfassende Rückmeldung geben. Offene Beteiligungsprozesse in der Verwaltung bringen unabhängig vom Thema immer einen Kulturwandeleffekt mit sich. Anstatt Entscheidungen von oben zu treffen, werden vorab die Mitarbeiter gefragt. Sowohl in Ludwigshafen als auch in München bringen sich diese mit hohem Engagement in den Prozess ein. Ihre Beiträge sind qualitativ hochwertig und eröffnen neue Sichtweisen im Problemlösungsprozess.

Katja Fitschen ist Projektleiterin bei Zebralog. Christoph Gernhäuser ist im Gesamtstädtischen Webmanagement unter anderem Projektleiter für ein neues Intranet bei der Landeshauptstadt München. Sigrid Karck ist Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung Ludwigshafen.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: E-Partizipation
Mehrere Personen sitzen im Rahmen einer Veranstaltung zusammen und stimmen per Handzeichen über etwas ab.

Offenbach: Neue Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten

[04.02.2026] Die Offenbacher Mitreden-Plattform wartet mit neuen Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten auf. Eine Vorhabenliste zeigt nun aktuelle städtische Projekte und gegebenenfalls die Beteiligungsmöglichkeiten an. Auch können die Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt einreichen. mehr...

Ein durchsichtiges Sparschwein steht auf zahlreichen 50-Euro-Scheinen.

MACH: Digital unterstützter Bürgerhaushalt

[15.01.2026] Mit einer Plattform unterstützt das Unternehmen MACH Kommunen bei der Durchführung von Bürgerhaushalten. Die Plattform ist eng mit der MACH Finanzsoftware verzahnt. Der Bürgerhaushalt wird somit nicht als isoliertes Beteiligungsprojekt umgesetzt, sondern direkt in die bestehende Haushalts- und Finanzplanung integriert. mehr...

Screenshot der Startseite von themen.buergerinnenkonzil.de.

Konstanz: Themen für Bürgerrat vorschlagen

[06.01.2026] Über eine Onlineplattform können die Konstanzerinnen und Konstanzer jetzt solche Themen vorschlagen, die ihrer Meinung nach ein Bürgerrat aufgreifen sollte. Spruchreif wird ein Vorschlag dann, wenn für ihn 800 Unterschriften außerhalb der Plattform gesammelt werden können. mehr...

Die Pforzheimer Innenstadt. Im Vordergrund hebt eine Hand ein Handy, im Hintergrund ist eine Informationsstele zu sehen

Pforzheim: App-Gestaltung mit Bürgern

[17.12.2025] In die Entwicklung von Stadt-App und Informationsstelen bezieht die Stadt Pforzheim die Bevölkerung ein. Die Online-Beteiligung läuft noch bis 31. Januar. mehr...

Screenshot der Startseite von Talbeteiligung.de.
bericht

Wuppertal: Offen und lernbereit

[15.12.2025] Die Stadt Wuppertal geht neue Wege in der E-Partizipation mit dem Ziel, eine lernende Verwaltung zu schaffen, die mit jedem Beteiligungsprozess besser wird. Im Zentrum der Wuppertaler Beteiligungslandschaft steht die Plattform talbeteiligung.de. mehr...

Screenshot von Frankfurt-gestalten.de

Frankfurt am Main: Neue Funktionen stärken ffm.de

[09.12.2025] Mit Mehrsprachigkeit, Einblicken in die Stadtpolitik und einer Vorhabenliste bietet das Beteiligungsportal der Stadt Frankfurt am Main mehrere neue Funktionen an. Sie sollen den digitalen Bürgerservice erweitern und eine inklusive, transparente und verständliche Beteiligungskultur stärken. mehr...

Zwei Frauen und ein Mann in Gruppenfoto-Aufstellung, die Frau in der Mitte hält eine Preisurkunde.

Bürgerbeteiligung: Beispielhaft gute Partizipation

[05.12.2025] Mit der Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ würdigt das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung alljährlich Projekte öffentlicher Träger, die innovative und qualitätsvolle Partizipationsformen erproben und erfolgreich umsetzen. Nun stehen die fünf Siegerkommunen für 2025 fest. mehr...

Screenshot Bergkamen mehrsprachige Onlinebeteiligungsplattform

Bergkamen: Mehrsprachige Onlinebeteiligung

[04.12.2025] Die Stadt Bergkamen hat im Zuge ihrer Leitbildentwicklung eine mehrsprachige Onlinebeteiligungsplattform gestartet – die erste, welche das Unternehmen wer denkt was mit einem eigenen KI-Übersetzungstool umgesetzt hat. mehr...

Mann mit Urkunde und Preis alpenrod-App geehrt

Alpenrod: Bürgerbeteiligung per App

[12.11.2025] In der Kategorie „Innovativste Bürgerpartizipation“ ist die Orts.App der Gemeinde Alpenrod gewürdigt worden. mehr...

Der Landrat hält ein Tablet in den Händen, auf dessen Bildschirm die Onlineumfrage der Kreisverwaltung Stade zu sehen ist.

Kreis Stade: Umfassende Onlineumfrage

[04.11.2025] Der Kreis Stade will seine Angebote noch besser an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausrichten. Mit diesem Ziel hat er eine anonyme Onlineumfrage gestartet. Es ist die bislang umfassendste Umfrage des Landkreises. mehr...

Frankfurt paulsplatz Sitzbänke

Frankfurt am Main: Frankfurt beteiligt sich

[30.10.2025] Die Beteiligungsplattform „Frankfurt fragt mich“ zeigt konkrete Erfolge: Die Ideen aus der Bevölkerung gestalten die Mainmetropole. Online werden die erfolgreich umgesetzten Bürgerideen vorgestellt. mehr...

Poster mit Edin Hasanovic, der für Frankfurter Bürgerbeteiligungsportal wirbt

Frankfurt am Main: Werbung für Bürgerbeteiligung

[27.10.2025] Die Stadt Frankfurt am Main wirbt mit einer Social-Media- und Plakatkampagne für Bürgerbeteiligung in der Mainmetropole. Hierfür konnten prominente Frankfurterinnen und Frankfurter gewonnen werden. mehr...

Panoramablick auf eine Stadt, die mit digitalen Informationen vernetzt ist.

Hochschulallianz Ruhr: Weiterbildungsangebot für Kommunen

[23.10.2025] Mit einem Kurs zu digitalen Partizipationsformaten reagiert die Hochschulallianz Ruhr auf die hohe Weiterbildungsnachfrage von Kommunen. Der Kurs ist auf die kommunale Praxis ausgerichtet. Er steht allen Mitarbeitenden offen, unabhängig von formalen Bildungsabschlüssen. mehr...

Screenshot der Startseite zur Onlineumfrage in Arnsberg.

Arnsberg: Onlineumfrage zur Digitalisierungsstrategie

[15.10.2025] Die Stadtverwaltung Arnsberg möchte ihre Dienstleistungen einfacher, schneller und bürgerfreundlicher machen. Wie das aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger gelingen kann, will die Kommune in einer Onlineumfrage herausfinden. mehr...

Screenshot der Startseite von unser.lich.de

Lich: Bürgerbeteiligung geht online

[16.09.2025] Mit der Charta für Bürgerbeteiligung und dem Beteiligungsbeirat hat die Stadt Lich in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen für die Bürgerbeteiligung geschaffen. Mit einer Onlineplattform geht sie nun den nächsten Schritt. mehr...