Montag, 4. Mai 2026

Digitale BarrierefreiheitInklusive Transformation

[19.12.2025] In einer neuen Modulserie des eGov-Campus steht das Thema digitale Barrierefreiheit im Vordergrund. Der Kurs sensibilisiert die Teilnehmenden für dieses Thema, informiert über rechtliche Grundlagen und vermittelt praktische Umsetzungshilfen.
Vektorgrafik mit Desktopbildschirm und unterschiedlichen Symbolen für barrierefreie digitalen Angebote.

Digitale Barriere­freiheit – ­Teilhabe für alle: Unter diesem Titel bietet der eGov-Campus eine kostenfreie Modulserie an.

(Bildquelle: Tina/stock.adobe.com)

Die Digitalisierung verändert die Arbeitsweise der öffentlichen Verwaltung grundlegend. Damit steigen auch die Anforderungen an eine inklusive Gestaltung digitaler Angebote sowie der Bedarf an entsprechenden Weiterbildungsmöglichkeiten. Der eGov-Campus, eine bundesweite Lernplattform für Bildungsangebote auf Hochschulniveau zu den Themen E-Government und Verwaltungsinformatik, bietet nun eine neu konzipierte Modulserie zum Thema digitale Barrierefreiheit an. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des eGov-Kurses zum Thema digitale Barrierefreiheit.

Die neue Modulserie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für barrierefreie IT und digitale Teilhabe mit Professor Benjamin Tannert vom Institut für digitale Teilhabe der Hochschule Bremen. Als dritter Projektpartner bringt Professor Klaus Miesenberger vom Institut Integriert Studieren der Johannes Kepler Universität Linz internationale Aspekte der digitalen Barrierefreiheit ein.

Die Modulserie ist als gestuftes Lernangebot konzipiert. Das bedeutet, die Teilnehmenden durchlaufen zunächst das Basismodul und erhalten als niedrigschwelligen Einstieg eine kompakte Einführung in die Themenfelder der digitalen Barrierefreiheit. Der Lernaufwand für das Basismodul entspricht ungefähr einem Weiterbildungstag. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Bescheinigung ohne Wertung, die zugleich die Voraussetzung für den Zugang zu den Aufbaumodulen ist.

Vom Basismodul zu Aufbaumodulen

Die Aufbaumodule vertiefen die einzelnen Aspekte der digitalen Barrierefreiheit. Auch hier erhalten die Teilnehmenden für jedes Modul eine Bescheinigung ohne Wertung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, jeweils einen Leistungsnachweis mit Bewertung zu erwerben. Diese Nachweise bestätigen die erworbenen Kompetenzen formal, sie können zudem für den weiteren beruflichen Werdegang genutzt werden. Der Zeitaufwand für die gesamte Modulserie beträgt insgesamt circa eine Woche. Alle Lernmodule stehen kostenfrei zur Verfügung, lediglich eine Regis­trierung im eGov-Campus ist notwendig.

Das Basismodul führt in die Grundlagen und Bedeutung digitaler Barrierefreiheit im öffentlichen Sektor ein. Es behandelt zentrale Herausforderungen aus der Verwaltungspraxis und beleuchtet die Rolle von Überwachungs- und Durchsetzungsstellen in Deutschland und Österreich. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der rechtlichen und gesellschaftlichen Notwendigkeit barrierefreier Verwaltungsangebote. Zugleich werden die vielfältigen Aufbaumodule vorgestellt, die tiefer in einzelne Aspekte einsteigen.

Über den Umgang mit Barrieren im Alltag

In den Aufbaumodulen erweitern die Teilnehmenden ihr Wissen und ihre Kompetenzen umfassend. Ein erstes Modul sensibilisiert für Barrieren im Alltag, etwa anhand des Comics „Danieles Besuch im Versorgungsamt“. Es vermittelt den Umgang mit assistiven Technologien sowie die Prüfung von Barrierefreiheit digitaler Inhalte, etwa mithilfe von Checklisten. Den Umgang mit sprachlichen Barrieren adressieren Einführungen in die Deutsche Gebärdensprache sowie in die Leichte und Einfache Sprache.

Ein weiteres Modul befasst sich mit den verschiedenen Begriffen und Modellen rund um das Thema Behinderung. Neben rechtlichen Definitionen werden alltagstheoretische Ansätze vorgestellt, die Barrierefreiheit als Teil digitaler Teilhabe begreifen. Diskutiert werden zudem Konzepte zur Gestaltung barrierefreier Lösungen wie etwa Design for All und die Persona-Methode.

Rechtlicher Rahmen und praktische Anwendung

Den rechtlichen Rahmen der digitalen Barrierefreiheit erläutert systematisch ein gesondertes Modul. Von der UN-Behindertenrechtskonvention über europäische Richtlinien bis hin zur Bundes- und Landesgesetzgebung erhalten die Teilnehmenden einen fundierten Überblick über alle relevanten Normen, Verordnungen und Standards.

Praktische Anwendungen stehen im Fokus des Moduls zu barrierefreien Dokumenten. Es zeigt, warum gerade barrierefreie PDFs und andere Dokumente eine zen­trale Rolle bei der digitalen Teilhabe spielen. Ein Schritt-für-Schritt-Leitfaden begleitet die Teilnehmenden bei der Erstellung und Prüfung solcher Dokumente. Die Gestaltung barrierefreier Webinhalte bildet ein weiteres wichtiges Themenfeld. Die Teilnehmenden lernen die Grundlagen kennen, um zugängliche Webangebote zu schaffen. Sie erfahren, für wen Barrierefreiheit besonders wichtig ist und erhalten methodische Hilfen für die Umsetzung sowie für die Prüfung der Barrierefreiheit im Web.

Qualitätssicherung, Change Management und Ausblick

Ein länderübergreifender Vergleich gibt Einblick in die digitale Barrierefreiheit außerhalb Deutschlands. Dabei wird auch der DARE-Index vorgestellt, der die Umsetzung von Rechten für Menschen mit Behinderungen weltweit bewertet. Um die Nachhaltigkeit barrierefreier Maßnahmen zu sichern, widmet sich ein weiteres Modul der Qualitätssicherung. Hier stehen Werkzeuge wie der Standardanforderungskatalog, Checklisten und Leitfäden sowie ein Lexikon zen­traler Begriffe im Vordergrund.

Ergänzt wird dies durch eine Einführung in das Change Management, um Veränderungsprozesse in Verwaltungen erfolgreich zu gestalten. Abschließend bietet die Modulserie Raum zur Reflexion: Wie beeinflussen Alter, Behinderung und Digitalisierung die digitale Teilhabe? Der Ausblick befasst sich mit aktuellen und künftigen Entwicklungen wie dem Barrierefreiheitsstärkungs­gesetz (BFSG), das die Wirtschaft in die Pflicht nimmt und die Rahmenbedingungen für digitale Barrierefreiheit weiter verbessern soll.

Die Modulserie „Digitale Barrierefreiheit“ schließt eine wichtige Lücke im Qualifizierungsangebot für die öffentliche Verwaltung. Sie verbindet rechtliche, technische und soziale Perspektiven zu einem praxisorientierten Lernangebot. Die Auseinandersetzung mit digitalen Barrieren, die Anwendung partizipativer Methoden und die Reflexion über eigene Handlungsmöglichkeiten befähigen die Teilnehmenden dazu, die digitale Transformation inklusiv zu gestalten.

Professorin Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten ist Beauftragte der Hessischen Landesregierung für barrierefreie IT und digitale Teilhabe.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
Markus Bremkamp, Stephan Hauber Porträtfotos
interview

Interview: Zwischen Praxis und Politik

[28.04.2026] Im Kommune21-Interview erläutern Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des VOIS-Vereins, und Markus Bremkamp, Schatzmeister des VOIS-Vereins, was sie zur Gründung ihres Vereins bewogen hat und welche Ziele dieser verfolgt. mehr...

Kreishaus Düren

Kreis Düren: Microsoft 365 eingeführt

[21.04.2026] Der Kreis Düren hat Microsoft 365 flächendeckend ausgerollt. Unterstützt wurde die Kommunalverwaltung dabei vom Dienstleister regio iT. mehr...

Rheinland-Pfalz: OPTIKOM kommt voran

[17.04.2026] Im interkommunalen Prozessmanagement-Projekt OPTIKOM in Rheinland-Pfalz wurden bereits Meilensteine erreicht, wie eine rund 1.000 Prozesse umfassende Blaupause für ein gemeinsames Prozessregister. Im kommenden Jahr können weitere Kommunen in das Projekt aufgenommen werden. mehr...

Grün eingefärbte Nahaufnahme einer Computer-Platine.
bericht

Green IT: Ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Digitalisierung

[08.04.2026] Angesichts der komplexen Aufgaben, denen sich der öffentliche Sektor in seiner digitalen Transformation gegenübersieht, haben Umweltaspekte oft eher niedrige Priorität. Klare Ziele und konkrete, einfache Maßnahmen helfen, Nachhaltigkeitsziele in digitale Strategien zu integrieren. mehr...

Die Verknüpfung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen bildet die Grundlage für datengeschriebene Entscheidungen.

Ennepe-Ruhr-Kreis: Prozessmanagement kommt voran

[08.04.2026] Ergebnisse des interkommunalen Projekts zum Prozessmanagement im Ennepe-Ruhr-Kreis sind ein umfassendes Prozessregister, abgestimmte Standards und ein belastbares Netzwerk. Nun startet das Projekt in die nächste Phase. mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform

[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...

Mehrere Personen stehen in einem Raum zum Gruppenfoto versammelt, im Hintergrund ist ein Anmeldeterminal zu sehen.
bericht

Besuchersteuerung: Zeitgemäßer Bürgerservice

[27.03.2026] Die IKT-Ost hat eine neue Lösung zur Termin- und Besuchersteuerung eingeführt. Der IT-Träger für zwei Landkreise und eine Stadt setzt dabei auf eine einheitliche Software für alle Kommunen. Profiteure sind Verwaltungen und Bürger. mehr...

Mehrere Personen stehen in kleinen Gruppen versammelt in einem größeren Raum.

Büdelsdorf: Digitales Zielmanagementsystem

[06.03.2026] Die Stadt Büdelsdorf hat ein digitales Zielmanagementsystem eingerichtet. Es soll eine gezielte Steuerung, Wirksamkeitsmessung und Auswertung wichtiger Kennzahlen seitens der Stadt ermöglichen. mehr...

Mehrere Personen bringen einzelne Puzzleteile zusammen.

cit / nextgov iT: Strategische Partnerschaft mit KERN-UX

[03.03.2026] Die Low-Code-Plattform cit intelliForm unterstützt KERN-UX, den User-Experience (UX) Standard für Verwaltungssoftware. Verwaltungsleistungen können somit KERN-konform, also standardisiert, nutzerfreundlich und wiedererkennbar, umgesetzt werden. Als strategischer Partner gestaltet neben cit auch nextgov iT den UX-Standard aktiv mit. mehr...

Mehrere Personen sitzen an einem U-förmigen Besprechungstisch, eine Person ist virtuell via Laptop zugeschaltet.
bericht

Round Table: Saubere Daten

[02.03.2026] Das Round-Table-Gespräch von Kommune21 zum Axians-­Infoma-Innovationswettbewerb zeigt: Die Datenqualität ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Digitalisierungsprojekte. mehr...

Vektorgrafik einer Person, die ihren Ausweis per Smartphone vorzeigt.

Sachsen: Digitale Ehrenamtskarte

[27.02.2026] Auch in Sachsen steht nun die Digitale Ehrenamtskarte über die Ehrenamtskarten-App zur Verfügung. Damit greift ein weiteres Bundesland auf die in Nordrhein-Westfalen erarbeitete EfA-Leistung zurück. mehr...

Blick auf den Eisenacher Marktplatz.
bericht

Eisenach: Zeichen stehen auf Wandel

[24.02.2026] Mit einem „Masterplan zur digitalen Transformation“ schließt die Stadtverwaltung Eisenach Stück für Stück Etappen auf dem Weg zur modernen Verwaltung ab. Immer im Fokus stehen dabei die Mitarbeitenden als wichtigster Faktor im Veränderungsprozess. mehr...

Zwei Personen stehen vor einem Feuerwehrauto, neben ihnen befindet sich ein Display, das die Oberfläche der Software rescueTablet angezeigt wird.

Hanau: Tablets unterstützen die Feuerwehr

[24.02.2026] In Hanau sorgt das Einsatzinformationssystem rescueTablet dafür, dass Feuerwehren schon während der Anfahrt relevante Informationen zum anstehenden Einsatz erhalten. Da alle Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Hanau sowie die Berufsfeuerwehr das System nutzen, wird eine flächendeckende und einheitliche digitale Informationsbasis für sämtliche Einheiten geschaffen. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto versammelt auf einer Außentreppe.
bericht

Low Code / No Code: Kommunen bündeln Kräfte

[19.02.2026] Am Niederrhein haben mehrere Kommunen eine gemeinsame Plattform für digitale Anwendungen beschafft. Mit der Low-Code-/No-Code-Lösung setzen sie auf Tempo bei der Entwicklung neuer Anwendungen und die Wiederverwendung existierender Komponenten. mehr...

Kommunen benötigen bei der Einführung der E-Akte Unterstützung.

Registermodernisierung: Wie brauchbar sind die Registerdaten?

[16.02.2026] Geht es um die Registermodernisierung, stehen oft vor allem technische Aspekte wie die Datenaustauschplattform NOOTS im Fokus. Ein Pilotprojekt in Niedersachsen hat nun die Qualität der Registerdaten selbst untersucht und gleichzeitig gezeigt, wie diese automatisiert verbessert werden kann. mehr...