WolfsburgVirtuelles Modell für reale Planungen

Das Wolfsburger Rathaus als detailgenaue Punktewolke.
(Bildquelle: Stadt Wolfsburg)
Wolfsburgs digitaler Zwilling ist fertig. Die Stadt bezeichnet ihr digitales Stadtmodell als „echten Meilenstein für die moderne Stadtentwicklung“. Im virtuellen Wolfsburg stecke viel mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen sei, so die Stadt: Echtzeitdaten, neueste Technologie, Projektsynergien mit internen und externen Partnern sowie zahlreiche Simulationsoptionen. Die vollständig auf Open Source basierte Anwendung verbessert die Planungsoptionen der Stadtverwaltung künftig unter anderem in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Stadtplanung, Verkehrsentwicklung oder Grünflächenmanagement. „Wir können unterschiedliche Szenarien virtuell erproben und frühzeitig erkennen, welche Auswirkungen neue Vorhaben haben – beispielsweise zu Fragen des Klimas, der Mobilität oder unserer Grünflächen. Gleichzeitig wird Stadtentwicklung für die Bürgerinnen und Bürger anschaulicher und nachvollziehbarer“, sagt Oberbürgermeister Dennis Weilmann. Der digitale Zwilling sei die perfekte Testumgebung für städtebauliche Vorhaben, ergänzt Marcel Hilbig, Leiter Referat Daten, Strategien, Stadtentwicklung. „Egal ob neue Gebäude in der Innenstadt, neue Wohngebiete oder Infrastruktur – das lässt sich alles in 3D visualisieren und die Auswirkungen simulieren. Damit können wir Wolfsburg gezielter, nachhaltiger und ressourcenschonender weiterentwickeln.“
Verschiedenste Daten fließen zusammen
Der digitale Zwilling bündelt Technologien aus verschiedensten Bereichen – beispielsweise Echtzeitdaten aus KlimaCubes oder Wetterstationen sowie Fahrzeugdaten zu Straßenzustand und –glätte. Nutzende können neue Gebäude erstellen, die Auswirkungen des Schattenwurfs nachvollziehen oder einen virtuellen Spaziergang durch die Stadt machen. Die vollständige Version aus Gründen des Daten- und Zivilschutzes nur innerhalb der Stadtverwaltung nutzbar, dort unterstützt sie die Fachbereiche in ihrer täglichen Arbeit wie Planung, Visualisierung und Simulation von städtebaulichen Vorhaben. Künftige Vorhaben können der Bürgerschaft noch nachvollziehbarer präsentiert werden.
Für die Datensätze des digitalen Zwillings hat die Verwaltung das Stadtgebiet mehrfach überfliegen lassen. Luftbildaufnahmen aus vier verschiedenen Perspektiven erlauben beispielsweise eine reale Darstellung von Häuserfassaden. Spezielle Thermografiebefliegungen lieferten Wärmebilder, welche Aufschluss über Temperaturverteilung und Hitzehotsports geben. Dies sind wichtige Basisinformationen, die beispielsweise in der kommunalen Wärmeplanung oder der klimaangepassten Stadtentwicklung eine wichtige Rolle spielen.
Präzise Darstellung von Gebäuden
Der digitale Zwilling basiert auf in CAD konstruierten 3D-Gebäudemodellen der Stadt Wolfsburg, 3D-Gebäudemodellen der Niedersächsischen Landesvermessung (LGLN) sowie weiteren 3D-Modellen aus Fachdaten der Stadt wie beispielsweise dem Baumkataster. Damit war die Weiterentwicklung des bereits vorhandenen 2D-Geoinformationssystem zu einem 3D-Stadtplan möglich. Im 3D-Viewer sind auch 3D-Punktwolken einzelner Orte enthalten – eine digitale 3D-Sammlung von Millionen einzelner Messpunkte, die ein besonders realistisches Abbild von Objekten und Landschaften ermöglicht.
Den Startschuss für die Arbeit zum digitalen Zwilling gab das Förderprojekt Modellprojekte Smart Cities (MPSC) des Bundes ab dem Jahr 2022. Die Entwicklung der erforderlichen Softwarekomponenten und -anpassungen erfolgte in Zusammenarbeit mit den Städten Jena, Detmold und Frankfurt am Main. Jetzt ist das Projekt abgeschlossen – es soll aber, wie die Stadt erklärt, stetig weiterentwickelt werden.
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