BacharachTourismus digital vernetzt

Der Mittelrhein-Explorer bündelt Informationen über die Region und unterstützt Besucher bei der Planung ihres Aufenthalts.
(Bildquelle: https://www.mittelrheinexplorer.com)
Kleinere Tourismusorte stehen vor der Herausforderung, ihren Gästen auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten einen zeitgemäßen Service zu bieten, ohne dafür zusätzliche personelle Strukturen aufbauen zu können. Digitale Informationen allein reichen dabei oft nicht aus: Reisende benötigen beispielsweise eine Gepäckaufbewahrung, Hinweise zur Mobilität oder kurzfristig Reisebedarf. In Bacharach, mitten im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, verbindet deshalb ein privatwirtschaftliches Projekt digitale Besucherinformation mit praktischen Dienstleistungen. Entwickelt wurde es von dem Unternehmen Camoo, das vor Ort unter anderem Ferienwohnungen betreibt.
Ausgangspunkt war eine Beobachtung aus dem eigenen touristischen Alltag: Gäste benötigen selten nur eine einzelne Information. Vielmehr ergeben sich aus einer Frage meist weitere Entscheidungen und Bedürfnisse. Wer beispielsweise eine Wanderung plant, möchte wissen, wie er zum Ausgangspunkt gelangt, welche Strecke zu seiner verfügbaren Zeit passt und wie er anschließend zurückkommt. Wer mit der Bahn anreist, benötigt möglicherweise eine Gepäckaufbewahrung, bevor er die Stadt erkunden kann.
Aufeinander abgestimmte Angebote
Aus dieser Beobachtung entstanden drei aufeinander abgestimmte Angebote: der Mittelrhein-Explorer als digitale Informations- und Orientierungsplattform, ein KI-gestützter Reiseassistent sowie der Bacchus Traveller Hub als physischer Anlaufpunkt mit Selbstbedienungsangeboten.
Der Mittelrhein-Explorer bündelt Informationen über die Region und unterstützt Besucher bei der Planung ihres Aufenthalts. Im Mittelpunkt stehen Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele, Mobilitätsmöglichkeiten und regionale Angebote. Ergänzt wird die Plattform durch einen KI-basierten Concierge, der auf individuelle Fragen reagieren kann. Anders als bei einer klassischen Informationsseite muss der Nutzer nicht sämtliche Inhalte selbst durchsuchen. Er kann sein Anliegen direkt formulieren und sich daraus Vorschläge für seinen Aufenthalt zusammenstellen lassen. So kann beispielsweise eine Familie nach einem Tagesausflug fragen, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und für Kinder geeignet ist. Gerade im Oberen Mittelrheintal kann der KI-Assistent darüber hinaus helfen, Bahn- und Schiffsverbindungen mit Wanderangeboten zu kombinieren und auch weniger bekannte Ausflugsziele zu erschließen.
Weil digitale Informationen allein nicht ausreichen, wurde in der Bacharacher Altstadt zudem der Bacchus Traveller Hub eingerichtet. Er ergänzt die digitalen Angebote durch eine physische Infrastruktur, die unabhängig von klassischen Beratungs- und Ladenöffnungszeiten genutzt werden kann. Zum Konzept gehören unter anderem eine Gepäckaufbewahrung, Verkaufsautomaten für Getränke, Snacks und Reisebedarf sowie digitale Informationsbildschirme. Der Traveller Hub soll die persönliche Tourismusberatung dabei nicht ersetzen, sondern sie bei standardisierten Dienstleistungen und häufigen Informationsanfragen entlasten. Persönliche Ansprechpartner bleiben gerade dort wichtig, wo individuelle Beratung, Ortskenntnis oder Unterstützung bei komplexeren Anliegen gefragt sind.
Ein Ansatz auch für kleinere Kommunen
Das Projekt in Bacharach ist bewusst nicht als kommunales Modellvorhaben angelegt. Es handelt sich vielmehr um eine privatwirtschaftliche Initiative, die aus konkreten Anforderungen im touristischen Alltag entstanden ist: Wie lassen sich Serviceangebote außerhalb regulärer Öffnungszeiten aufrechterhalten? Wie können vorhandene Mobilitäts- und Freizeitangebote besser verknüpft werden? Und welche Möglichkeiten bestehen, touristische Dienstleistungen weiterzuentwickeln, wenn Personal und finanzielle Ressourcen begrenzt sind?
Dabei muss nicht jede Kommune eine eigene umfassende Plattform entwickeln. Entscheidend ist zunächst, bestehende Informationsquellen und Dienstleistungen so zu verbinden, dass daraus für Besucher ein erkennbarer Nutzen entsteht. Ob und in welcher Form sich ein solcher Ansatz auf andere Orte übertragen lässt, hängt allerdings von den örtlichen Gegebenheiten, den bestehenden Angeboten und den beteiligten Akteuren ab.
Blick auf die BUGA 2029
Für das Obere Mittelrheintal gewinnt die Frage nach einer leistungsfähigen touristischen Infrastruktur mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 zusätzlich an Bedeutung. Die Region zeichnet sich durch zahlreiche kleinere Städte und Gemeinden aus, deren historische Strukturen den besonderen Reiz des Mittelrheintals ausmachen. Zugleich stellen enge Straßenräume, unterschiedliche Verkehrsanbindungen und begrenzte Servicekapazitäten besondere Anforderungen an die Besucherorganisation.
Eine digitale Besucherinformation kann dazu beitragen, Aufenthalte besser vorzubereiten, vorhandene Verkehrsangebote sichtbarer zu machen und regionale Angebote stärker einzubeziehen. Sie ersetzt jedoch weder eine funktionierende Infrastruktur noch die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort.
Für den Mittelrhein-Explorer wurde das Unternehmen Camoo im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte 2027 nominiert. Die Nominierung ist zugleich Anlass, den Ansatz weiterzuentwickeln und den Austausch über digitale und physische Serviceangebote im Tourismus zu suchen.
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