BocholtAgiler Ansatz

Projektleiter Jens Visser im Homeoffice.
(Bildquelle: Stadt Bocholt/Ilona Tersteegen)
Um die Verwaltungsprozesse zu digitalisieren, hat sich Stadtverwaltung Bocholt im Dezember 2018 neu aufgestellt. Es wurden Projektstrukturen geschaffen, die darauf abzielen, ein Dokumenten-Management-System einzuführen und Verwaltungsabläufe zu automatisieren. Neben der Projektorganisation wurden auch Rahmenbedingungen etwa für die Projektinitiierung, -abläufe und -finanzierung entwickelt, sodass die flächendeckende Einführung einer elektronischen Akte zum Erfolg wird. Das Projekt soll von der Verwaltungsführung bis hin zur Sachbearbeitung ganzheitlich gedacht und gelebt werden. Organisatorisch zugeordnet ist es dem Fachbereich Zentrale Verwaltung, bestehend aus den Geschäftsbereichen Organisation, Personal und IT.
Fundamentale Veränderung
Die Einführung der elektronischen Aktenführung stellt eine fundamentale Veränderung der Arbeitsabläufe und der Verwaltungskultur dar. Die Papierakte, die zum Symbol der Verwaltung wurde, wird Platz machen für moderne Software-Lösungen. Die Beschäftigten müssen bei diesen Veränderungen aktiv begleitet und unterstützt werden. Aus Gründen der Transparenz, dem Ziel einer verwaltungsweiten Akzeptanz und zur Berücksichtigung sämtlicher Erfordernisse aus den verschiedenen Fachbereichen wurde in Bocholt eine Lenkungsgruppe gegründet. Mitglieder sind neben dem Bürgermeister und dem Projektleiter die verantwortliche Fachbereichsleitung, die Geschäftsbereichsleitungen Organisation und IT sowie Führungskräfte aus den weiteren Vorstandsbereichen, welche die speziellen Anforderungen im Blick haben. Neben dieser Kern-Lenkungsgruppe sind Vertreter des Personalrates, Schwerbehindertenvertretung, Rechnungsprüfung, Datenschutz und Archiv angegliedert.
Alle Teilprojekte werden interdisziplinär von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsbereiche Organisation und IT durchgeführt. Diese Teams erarbeiten mit den aktenführenden Bereichen den digitalen, zukunftsfähigen Aktenaufbau unter Berücksichtigung prozessualer Anpassungen. Arbeitsgrundlage der Teams ist die im webbasierten Projekt-Management-Tool factro hinterlegte Projektorganisation. Hier werden sämtliche Projektschritte dokumentiert, um eine größtmögliche Transparenz zu gewährleisten.
Breite Vertrauensbasis
Die Projektdurchführung erfolgt in einem agilen Ansatz. Die im Projektverlauf gewonnenen Erkenntnisse beeinflussen die weitere Vorgehensweise. Dies ist ausdrücklich so gewünscht und für den Erfolg des Gesamtprojekts von großer Bedeutung. Die Digitalisierungsteams ermitteln die jeweilige digitale Aktenstruktur und erarbeiten in einem stetigen Evaluations- und Optimierungsprozess nach der Scrum-Methode mit der Facheinheit die elektronische Akte bis zum Go Live. So beeinflussen neue und weiterführende Erkenntnisse die digitale Aktenstruktur sowie die zukünftige Prozessgestaltung.
Sehr wichtig ist eine breite Vertrauensbasis der Akteurinnen und Akteure untereinander. So sind insbesondere in den interdisziplinären und hierarchiefreien Digitalisierungsteams selbstbewusste, durchsetzungsstarke und teamfähige Charaktere mit dem jeweils benötigten Spezialwissen und hoher kommunikativer Kompetenz gefragt. Insofern ist die richtige Zusammensetzung eine weitere wichtige Voraussetzung für den Erfolg von agilen Projekten unter Einsatz von Scrum-Aspekten. Mitläufer und Ja-Sager sind hier ebenso fehl am Platz wie ausschließliche Generalisten, die in Detailfragen schnell an ihre fachlichen Grenzen stoßen.
Insgesamt wird ein partizipativer Ansatz verfolgt. Die verschiedenen Akteure sollen zu Beteiligten werden. Ein besonderer Fokus wird auf das Thema Schulungen gelegt. Sie werden in Eigenregie durchgeführt (Erarbeitung eines Schulungskonzeptes, Lernbegleitung), sind nutzerorientiert und garantieren damit größtmögliche Akzeptanz. Dazu setzt die Stadtverwaltung Bocholt erstmalig auch Online-Tutorials ein.
Engagierte Mitarbeiter
Um die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes (OZG) erreichen zu können, werden die Anstrengungen der einzelnen Kommunen gebündelt. Bocholt arbeitet in den verschiedenen Teilprojekten mit der Stadt Borken, der Stadt Rhede und dem Kreis Borken zusammen. Auf Kreisebene findet zudem ein regelmäßiger Austausch der Digitalisierungsbeauftragten statt.
Bereits im ersten Jahr des Projektes konnten einige Meilensteine erreicht werden. So wurde wurde beispielsweise die digitale Personalakte eingeführt. Dazu wurden der digitale Posteingang im Personalbereich realisiert und alle Bestandsdokumente digitalisiert. Neue Dokumente werden sofort im System abgelegt. Zeitnah werden im Personalbereich weitere Teilprojekte, etwa digitale Verdienstabrechnung oder die Workflow-Integration, umgesetzt. Bereits seit November 2019 werden die Akten im Gewerbebereich vollständig elektronisch geführt. Die rund 6.000 Papierakten wurden von einem Dienstleister digitalisiert. Parallel werden derzeit weitere Teilprojekte realisiert.
Das Projekt ist entgegen mancher Empfehlungen nicht an besonders exponierter Stelle im Organigramm der Stadtverwaltung implementiert worden, sondern innerhalb des Geschäftsbereiches Organisation. Oftmals werden Projekte dieser Art als Stabsstelle angeordnet und sollen so zum Erfolg führen. Die Politik hat in nicht in unerheblichem Umfang zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen für den Bereich zur Verfügung gestellt. Der Erfolg des Projektes ist insbesondere den hoch engagierten Mitarbeitenden zu verdanken, und es zeigt sich, dass die Zuordnung im Behördenaufbau nicht entscheidend ist.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
NeXT: Nachnutzung praktisch angehen
[28.09.2026] Ein neues Paper des NeXT-Netzwerks gibt Beschäftigten aller föderalen Ebenen praktische Hinweise, wie sie digitale Lösungen für andere bereitstellen oder selbst übernehmen können. Ein Schnellcheck führt zu den passenden Empfehlungen und weiterführenden Ressourcen. mehr...
Berlin: Digitale Bürgerdienste holen auf
[25.09.2026] Bei der Verwaltungsdigitalisierung in Berlin geht es voran: Mehr als die Hälfte der 100 meistgenutzten Bürgerdienstleistungen ist inzwischen digital verfügbar. Nachholbedarf besteht allerdings bei der tatsächlichen Online-Nutzung und der Medienbruchfreiheit. mehr...
Verwaltungsmonitor 2026: Digitale Transformation im Arbeitsalltag
[24.09.2026] Eine neue bundesweite Befragung richtet den Blick auf die Menschen, die Verwaltungsdigitalisierung erleben und gestalten. Beschäftigte aller Verwaltungsebenen können bis Ende Oktober 2026 online und anonym teilnehmen. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Netzwerk NExT und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT. mehr...
Heidelberg: Stadtblatt wird digital
[18.09.2026] Heidelberg stellt die Verteilung seines Stadtblatts neu auf. Statt einer Zustellung an alle Haushalte setzt die Stadt künftig vor allem auf die digitale Ausgabe. mehr...
Gütersloh: Webseite zur Stadtgeschichte in neuem Look
[11.09.2026] Die Stadt Gütersloh hat den Bereich zur Stadtgeschichte auf ihrer Website grundlegend überarbeitet. Inhalte wurden neu geordnet und verknüpft, historische Abbildungen durch hochauflösende Digitalisate ersetzt und weitere Seiten um Bilder, Videos und Links ergänzt. mehr...
Berlin: Klimaanpassung spielerisch erfahren
[11.09.2026] Mit dem Online-Spiel Schwammtastisch soll das Konzept der Schwammstadt für Berlinerinnen und Berliner anschaulich werden. Straßen und Plätze lassen sich digital mit Bäumen, Pflanzstreifen oder Regenwassernutzung umgestalten und deren Wirkung erkunden. mehr...
Studie: Automatisierungspotenzial in Behörden nicht ausgeschöpft
[09.09.2026] Eine Studie von Foundry, UiPath und Materna zeigt deutliche Lücken bei der Digitalisierung deutscher Behörden: Nach Einschätzung der Befragten könnten 49 Prozent der Verwaltungsaufgaben automatisiert werden, tatsächlich sind es erst 23 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Leistungen noch komplett offline. mehr...
Ulm: Goldenes Buch ist digital erlebbar
[04.09.2026] Das Goldene Buch der Stadt Ulm können Gäste im Rathaus via Touchbildschirm ab sofort digital durchblättern. mehr...
GEAS-Reform (2): Was jetzt auf die Verwaltung zukommt
[03.09.2026] Neue Verfahren, angepasste IT-Systeme und komplexere Rechtsfragen: Mit der GEAS-Reform wächst der Umsetzungsaufwand für die beteiligten Behörden. Sie müssen europäische und nationale Vorgaben stärker gemeinsam berücksichtigen - und up to date bleiben. mehr...
GEAS-Reform (1): Die rechtlichen Implikationen
[02.09.2026] Die GEAS-Reform regelt wesentliche Bereiche des Asylrechts nun durch unmittelbar geltende EU-Verordnungen. Damit sinken nationale Gestaltungsspielräume, während die Anforderungen an Rechtsanwendung und Verwaltungsvollzug steigen. mehr...
KGSt/Helmut-Schmidt-Universität Hamburg: Agile Arbeitsweisen in Kommunen
[01.09.2026] Die KGSt und die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität wollen herausfinden, wie agile Arbeitsweisen in Kommunalverwaltungen eingeführt und etabliert werden. Für eine kurze Umfrage werden noch Personen gesucht, die agiles Arbeiten in ihrer Kommune voranbringen. mehr...
Vitako: Schlaglichter auf kommunale Digitalisierung
[31.08.2026] Mit einer neuen YouTube-Reihe zeigt Vitako Perspektiven aus der öffentlichen IT in kurzen Videos. In den ersten Beiträgen geht es um verlässliche digitale Infrastrukturen, digitale Souveränität und interkommunale Zusammenarbeit. mehr...
digitalSIGNAGE: Digitale Bürgerkommunikation für Rathaus & Co.
[31.08.2026] Digitale Informations- und Anzeigesysteme können das Personal in Kommunen entlasten: Sie erleichtern die Orientierung, organisieren den Besucheraufruf und informieren. Der ISO/IEC 27001 zertifizierte Anbieter digitalSIGNAGE deckt dafür ein breites Produktspektrum ab. mehr...
KGSt: Neues Verwaltungsleitbild
[27.08.2026] Die KGSt hat mit der „Netzwerkkommune“ ein neues Verwaltungsleitbild vorgelegt. Es beschreibt eine Verwaltung, die komplexe Aufgaben gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft löst. Die Steuerung solcher Netzwerke muss so angelegt sein, dass Kooperation und Vertrauen möglich werden. mehr...
Peine: Onlinedienste bekannter machen
[27.08.2026] Die Stadt Peine will ihre digitalen Verwaltungsangebote bekannter machen sowie Bürgerinnen und Bürger über deren Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten informieren. Dazu begann nun eine langfristig angelegte Kampagne, die Werbeflächen in der Stadt und Social Media bespielt. mehr...



















