DigitalisierungBlick in die Glaskugel

Wie digital wird die Verwaltung im Jahr 2030 sein?
(Bildquelle: Mala/stock.adobe.com)
Künstliche Intelligenz (KI), IT-Sicherheit, Automatisierung, Cloudtechnologie, Standardisierung, Integration – die Liste der aktuellen Trendthemen in der Verwaltungsdigitalisierung ist lang. Agil, bürokratiearm und Ende-zu-Ende digitalisiert sollen die Behörden im Jahr 2030 sein. Das jedenfalls ist die Vision. Doch wenn wir ehrlich sind, sind viele Verwaltungen hierzulande noch weit davon entfernt. Umgekehrt zeigt ein Blick auf den Kalender, dass bis 2030 nicht mehr viel Zeit bleibt. Wo also wird die Verwaltung in fünf Jahren tatsächlich stehen?
Derzeit befinden sich die Kommunen noch inmitten des digitalen Wandels. Es gilt für sie nicht nur, mit der digitalen Transformation Schritt zu halten. Sie müssen diese auch zum Wohle aller gestalten. Eine Zielgruppe sind die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen, die einfacher zu nutzende digitale Verwaltungsleistungen erwarten. Die zweite Zielgruppe ist die Verwaltung selbst. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen sich einen modernen Arbeitsplatz, an dem zeitgemäße IT-Lösungen zum Standard gehören. Gleichzeitig müssen die Kommunen ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen. Und während der Erwartungsdruck von außen steigt, sinkt der Personalbestand in den Verwaltungen – eine Herausforderung, mit der sich viele Kommunen allein gelassen fühlen. Die staatliche Aufgabenwahrnehmung geht deshalb an die Substanz der Menschen in den Verwaltungen und greift die Widerstandskraft der Organisationen an.
Fachkräftebedarf wird steigen
Fest steht: Ohne Digitalisierung und Automatisierung wird eine Aufgabenerfüllung im heutigen Umfang auf der kommunalen Ebene nicht mehr möglich sein. Der Einsatz neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Relevant ist jedoch nicht nur die technologisch beste Lösung. Es müssen auch kluge und ganzheitlich durchdachte Prozesse umgesetzt werden. Das digitale Umfeld sollte den Kommunen Vorteile verschaffen. Gleichermaßen sollten sie sich Handlungskompetenzen im Umgang mit neuen und sich weiterentwickelnden Technologien aneignen. Nur so kann das Ziel einer echten digitalen Verwaltung erreicht werden. Doch wie weit können wir auf dem Weg bis 2030 wirklich kommen?
Wagen wir gemeinsam einen realistischen Blick in die Glaskugel: In der digitalen Verwaltung des Jahres 2030 stehen Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen im Vordergrund aller Bemühungen der Kommunen. „Wir werden einen anderen öffentlichen Dienst als heute erleben“, erklärt Florian Gilbert, Dozent an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW). „Rund 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen werden den öffentlichen Dienst bis zum Jahr 2030 verlassen haben, der Bedarf an weiteren Fachkräften wird auf rund eine Million gestiegen sein.“
Fachverfahren sorgen für Entlastung
Gleichzeitig werden wir in den Verwaltungen moderne Fachverfahren basierend auf Software-as-a-Service(SaaS)-Technologien vorfinden. Die Fachverfahren stärken mittels Automatisierung, Prozesssicherheit und intuitiver Bedienbarkeit die Resilienz der öffentlichen Verwaltung. Sie sind wesentlich stärker vernetzt und sorgen durch einen effizienten, auf modernen Standards basierenden Datenaustausch für Entlastung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind somit weniger mit repetitiven und Daten sammelnden Aufgaben beschäftigt. Stattdessen haben sie mehr Zeit für jene Aufgabenfelder, in denen besonderer Sachverstand, menschliche Interaktion, Ermessen oder Entscheidungen in außergewöhnlichen Fallkonstellationen erforderlich sind. Die Bürgerinnen und Bürger nehmen deutlich mehr staatliche Leistungen online in Anspruch und profitieren vom effizienten Datenaustausch.
So kann die Verwaltung aussehen, sofern wir gemeinsam Schritt für Schritt weiter daran arbeiten. Dennoch werden die Dinge ihre Zeit brauchen. Nach Angaben von Rolf Beyer, Geschäftsführer der Kommunalen Datenverarbeitung Oldenburg (KDO), beträgt der kommunale Verzögerungsfaktor erfahrungsgemäß 2,5. Das sollten wir einkalkulieren und entsprechend realistische Ziele setzen. Denn Zielbilder sind wichtig. Sie sollten allerdings motivieren und Anreize schaffen, statt zu überfordern. Wir werden immer vor Herausforderungen stehen – heute, morgen und auch noch im Jahr 2030.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Januar 2025 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten
[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...
BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen
[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...
Interview: Wir sitzen im gleichen Boot
[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...
Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt
[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...
Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital
[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...
Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv
[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...
Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen
[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...
Hochsauerlandkreis: Weichenstellung für die Zukunft
[11.03.2026] Im Hochsauerlandkreis will ein neuer Ausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung für Zukunftsfähigkeit sorgen. In der Auftaktsitzung befassten sich die Ausschussmitglieder intensiv mit dem aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und dem Ausbau der Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur. mehr...
Digitalisierung: Wiens sozialer Auftrag
[10.03.2026] Technologie soll Freiheit schaffen – nicht einengen, sagt Nikolaus Reisel. Kommune21 sprach mit dem Head of Platform der Stadt Wien über digitalen Humanismus, offene Standards und den Einsatz von KI in der Verwaltung der österreichischen Hauptstadt. mehr...
Hessen: Standardbefreiung online beantragen
[09.03.2026] Hessens Kommunen sollen die Möglichkeit haben, neue Wege der Aufgabenerfüllung zu erproben. Die so genannte Standardbefreiung erlaubt es kommunalen Körperschaften, von landesrechtlichen Regelungen abzuweichen, um Abläufe zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Dazu gibt es jetzt einen unkomplizierten Online-Antrag. mehr...
Spitzenverbände: Kommunale Handlungsfähigkeit sichern
[06.03.2026] Die kommunalen Spitzenverbände warnen vor der Handlungsunfähigkeit von Städten, Landkreisen und Gemeinden. Bund und Länder müssten dringend Maßnahmen ergreifen, sollen die kommunalen Haushalte nicht vollständig kollabieren. mehr...
NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung
[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...
DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle
[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...
Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft
[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...
Thüringen: Digitalisierung auf Kurs
[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...























