HamburgGemeinsam mehr erreichen

Hamburg-CIO Dr. Annika Busse
(Bildquelle: Senatskanzlei Hamburg / Guenther Schwering)
Frau Dr. Busse, Sie haben zum 1. November 2025 das Amt der CIO der Freien und Hansestadt Hamburg übernommen (wir berichteten). Was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich und fachlich?
Für mich ist die Übernahme der CIO-Position eine Herzensangelegenheit und eine große Verantwortung zugleich. Persönlich erfüllt es mich, meine Erfahrung und Leidenschaft für Digitalisierung gezielt für meine Heimatstadt einzusetzen. Fachlich sehe ich darin die Chance, Hamburgs Verwaltung gemeinsam mit engagierten Teams konsequent weiterzuentwickeln und innovative Lösungen zu schaffen, die echten Mehrwert bieten.
Seit September 2021 waren Sie bereits stellvertretende Hamburg-CIO. Was verändert sich mit der Gesamtverantwortung?
Mit der Position als CIO verantworte ich nun die strategische Ausrichtung der gesamten IT in Hamburg. Neben der Steuerung der IT und der Koordination im IT-Planungsrat liegt mein Fokus darauf, die IT für den rasanten technischen Wandel unter anderem durch KI für die Zukunft resilient aufzustellen und gleichzeitig bestehende Strukturen nachhaltig zu stärken. Die neue Rolle bringt mehr Entscheidungsspielraum und die Verantwortung, alle Bereiche noch enger zusammenzuführen sowie hierarchieübergreifend und flexibler zusammenzuarbeiten.
Vor Ihrem Wechsel in die Hamburger Verwaltung waren Sie in internationalen Führungspositionen in der Privatwirtschaft tätig. Was aus dieser Zeit prägt Ihren Führungsstil bis heute?
Die internationale Zusammenarbeit hat mir gezeigt, wie wichtig Klarheit, Vertrauen und Eigenverantwortung sind. Ich habe gelernt, dass nachhaltige Veränderungen nur gelingen, wenn man Talente fördert, Vielfalt einbindet und gemeinsam an einem Strang zieht. Diese Prinzipien prägen meinen Führungsstil: Ich setze auf offene Kommunikation, fördere Eigeninitiative und lebe Verantwortung vor – immer mit dem Ziel, gemeinsam mehr zu erreichen.
„Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um echte Vereinfachung zu schaffen.“
Welche bisherigen Fortschritte in Hamburgs Digitalisierung möchten Sie weiter ausbauen?
Hamburgs Position als Vorreiter der Digitalisierung möchte ich weiter stärken, indem wir ambitionierte Ziele wie die föderale Modernisierungsagenda gemeinsam erreichen und gleichermaßen innovative konkrete Projekte wie LLMoin, den KI-Textassistenten für die Verwaltung, zügig und effektiv umsetzen. Gleichzeitig gilt es, flexibel auf neue Entwicklungen wie die Deutschland-Architektur und den Deutschland-Stack zu reagieren, um föderal gut voranzukommen.
Was muss sich aus Ihrer Sicht in der Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen verbessern, damit Digitalisierung schneller wirksam wird?
Damit Digitalisierung schneller wirksam wird, braucht es eine konsequente Umsetzung der föderalen Modernisierungsagenda und eine enge, ebenenübergreifende Zusammenarbeit. Mit dem Kompetenzteam KI im Schwerpunktthema Datennutzung des IT-Planungsrats haben wir bereits gezeigt, wie durch gebündelte Expertise und gemeinsame Entwicklung praxistaugliche, skalierbare Lösungen entstehen, Doppelarbeit vermieden wird und Ergebnisse direkt nachgenutzt werden können.
Wo sehen Sie Hamburg im föderalen Zusammenspiel der Verwaltungsdigitalisierung?
Hamburg versteht sich als aktiver Gestalter und Treiber im föderalen Kontext. Wir setzen auf das Prinzip „Einige für viele und offen für alle“: Kooperation, Nachnutzung und arbeitsteilige Entwicklung stehen im Mittelpunkt. Ziel ist es, gemeinsam mit anderen Ländern und dem Bund Lösungen zu entwickeln, die bundesweit genutzt werden können.
Wo sehen Sie derzeit den größten Hebel, um Hamburg als digitale Metropole weiter voranzubringen?
Der größte Hebel liegt in der konsequenten Umsetzung gemeinsamer Prioritäten, wie sie in der föderalen Modernisierungsagenda und der Digitalstrategie festgelegt sind. Indem wir Lösungen entwickeln, die bundesweit nutzbar sind und von bestehenden Ansätzen profitieren, beschleunigen wir die Digitalisierung und schaffen echten Mehrwert für alle. Mein Ziel ist es, Hamburg als digitale Metropole weiter zu stärken und Innovationen schnell in die Praxis zu bringen.
Woran werden Bürgerinnen und Bürger konkret merken, dass Hamburg digitaler und serviceorientierter wird?
Die Menschen in Hamburg werden spüren, dass Verwaltungsprozesse einfacher, schneller und transparenter werden. Mein Ziel ist, dass viele Anliegen künftig nahezu automatisch bearbeitet werden und Bürgerinnen und Bürger nur noch zustimmen müssen.
Wie verhindern Sie, dass Digitalisierung in der Verwaltung zusätzliche Komplexität erzeugt, statt Bürokratie abzubauen?
Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um echte Vereinfachung zu schaffen. Wir stellen die Bedürfnisse der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen in den Mittelpunkt und hinterfragen konsequent bestehende Prozesse, bevor wir sie digitalisieren. Mein Anspruch ist: Nur was wirklich notwendig und verständlich ist, wird digital umgesetzt. Durch agile Arbeitsweisen und kontinuierliches Feedback sorgen wir dafür, dass digitale Lösungen intuitiv, effizient und entlastend wirken – und nicht neue Hürden aufbauen.
Wie wollen Sie Beschäftigte für Veränderung gewinnen, wenn Digitalprojekte im Alltag oft auf Zeitdruck und knappe Ressourcen treffen?
Veränderung gelingt nur gemeinsam und mit Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. Ich setze auf offene Kommunikation, klare Prioritäten und die Einbindung aller Beteiligten von Anfang an. Gerade unter Zeitdruck ist es wichtig, Sinn und Nutzen der Projekte zu vermitteln und gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden.
Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit festmachen, dass Hamburg digital wirklich einen Schritt nach vorn gemacht hat?
Mein Maßstab ist der spürbare Mehrwert für die Menschen und Unternehmen in Hamburg. Wenn digitale Services selbstverständlich genutzt werden, Verwaltungsprozesse deutlich schneller und einfacher ablaufen und Hamburg bundesweit als Vorbild für innovative, nutzerzentrierte Lösungen gilt, haben wir unser Ziel erreicht. Entscheidend ist, dass Digitalisierung im Alltag der Menschen ankommt und echte Erleichterung schafft – daran lasse ich mich messen. Wir wollen nicht nur Projekte umsetzen, sondern nachhaltige Veränderungen bewirken.
Und last, but not least: Was muss sich ändern, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen?
Wir brauchen eine Kultur, die Vielfalt als Stärke begreift und gezielt fördert. Aus meiner Erfahrung sind diverse Teams erfolgreicher und die verschiedenen Perspektiven erzielen bessere Ergebnisse. Nur wenn wir unterschiedliche Perspektiven einbinden, können wir die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich meistern und Hamburg zukunftsfähig gestalten.
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