Montag, 12. Oktober 2026

Smart City Index 2026Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten.
Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Stuttgart hat München an der Spitze des Smart City Index abgelöst.

(Bildquelle: Bhardwaj/Unsplash)

Der Digitalverband Bitkom hat im Vorfeld der Smart Country Convention (SCCON) zum achten Mal den Smart City Index veröffentlicht. Erstmals führt Stuttgart das Ranking der digitalsten deutschen Großstädte an. Die baden-württembergische Landeshauptstadt erreicht 92,8 von 100 möglichen Punkten und löst München ab, das mit 92,0 Punkten auf Rang 2 folgt. Hamburg belegt mit 91,5 Punkten den dritten Platz. Dahinter liegen Nürnberg mit 91,3 und Düsseldorf mit 90,9 Punkten. Aachen verbessert sich um sechs Plätze auf Rang 10 und gehört damit erstmals zu den zehn Bestplatzierten, Heidelberg fällt auf Rang 13 zurück.

Stuttgart ist nach Hamburg und München die dritte Stadt, die seit der ersten Erhebung an der Spitze steht. Als einzige der 83 untersuchten Großstädte erreicht sie in allen fünf Kategorien einen Platz unter den besten zehn. Bei Energie und Umwelt führt Stuttgart das Feld an, in der Verwaltung liegt die Stadt auf Rang 3. Hinzu kommen Platz 6 bei IT und Kommunikation, Platz 7 bei Gesellschaft und Bildung sowie Platz 8 bei der Mobilität. „Stuttgart liegt beim Smart City Index vorn, weil sie Digitalisierung in aller Breite angeht“, sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Abstände an der Spitze schrumpfen

Zwischen dem ersten und dem dritten Platz liegen nur noch 1,3 Punkte, im Vorjahr (wir berichteten) waren es 2,2 Punkte. Zugleich steigt das Niveau des Rankings: Für den Einzug in die Top 10 waren diesmal mindestens 85,5 Punkte erforderlich, nach 84,7 Punkten im Jahr zuvor. 2023 hatten dafür noch 76,6 Punkte genügt. Im Durchschnitt erreichen die untersuchten Städte 73,8 Punkte und damit 3 Punkte mehr als 2025. Nach Einschätzung des Bitkom verlieren zurückfallende Städte daher nicht zwangsläufig an Digitalisierungsgrad. Häufig entwickelten sich andere Kommunen lediglich schneller.

Mönchengladbach und Bremen steigen weiter auf

Zu den stärksten Aufsteigern gehört Mönchengladbach. Die Stadt verbessert sich um 18 Plätze auf Rang 12 und erreicht damit erstmals die Top 20. In der Mobilität macht sie dank einer KI-basierten Verkehrssteuerung, eines digitalen Verkehrsschildkatasters und WLAN im öffentlichen Personennahverkehr 24 Ränge gut. Bremen steigt um 13 Plätze auf Rang 29 und erreicht seine bislang beste Platzierung. Innerhalb von zwei Jahren rückte die Hansestadt damit von Rang 71 auf Rang 29 vor.

Erlangen und Hildesheim verbessern sich jeweils um 19 Positionen. Erlangen liegt nun auf Rang 56 und gewinnt vor allem in der Verwaltung hinzu. Dort sind laut Bitkom alle abgefragten Leistungen nach dem Onlinezugangsgesetz online verfügbar. Hildesheim erreicht Rang 60. Zu den angeführten Fortschritten gehören der behördenweite Einsatz von E-Akte, Dokumenten-Management und Künstlicher Intelligenz sowie die digitale Wärmeplanung.

Paderborn und Heilbronn verlieren hingegen jeweils 16 Plätze und liegen nun auf den Rängen 52 und 53. Dresden rutscht um zwölf Plätze auf Rang 30, Darmstadt um elf Plätze auf Rang 28. Schlusslicht ist Remscheid vor Salzgitter. Wintergerst verwies darauf, dass Digitalisierung in vielen Rathäusern inzwischen eine Daueraufgabe sei. Wer das Tempo verringere, könne daher schnell von anderen Städten überholt werden.

Stärken verteilen sich auf mehrere Städte

Die übrigen Kategoriensiege verteilen sich auf mehrere Kommunen. In der Verwaltung teilen sich Nürnberg und Krefeld mit jeweils 100 Punkten den ersten Rang. Hamburg erreicht sowohl bei IT und Kommunikation als auch bei der Mobilität den höchsten Wert, in der Mobilität sogar die volle Punktzahl. Darmstadt steht bei Gesellschaft und Bildung an der Spitze. Einige Städte schneiden damit in einzelnen Bereichen erheblich besser ab als im Gesamtranking: Krefeld liegt dort nur auf Rang 45, Darmstadt auf Rang 28.

Auch Osnabrück mit Platz 3 bei IT und Kommunikation sowie Braunschweig mit Platz 3 bei Energie und Umwelt liegen in einzelnen Kategorien weit vor ihrem Gesamtrang. Berlin erreicht in der Mobilität Rang 4, steht insgesamt aber nur auf Platz 33. Solche Stärken will der Bitkom in seiner begleitenden Best-Practice-Sammlung sichtbar machen. Vorgestellt werden dort unter anderem das Klima-Messnetz in Dortmund und das Solinger Projekt SMARTKRIS für ortsspezifische Informationen in Krisenlagen.

Im Vergleich der Bundesländer löst Bayern Baden-Württemberg an der Spitze ab. Die bayerischen Großstädte erreichen durchschnittlich 79,9 Punkte, die baden-württembergischen 78,9 Punkte. Es folgen Hessen, Niedersachsen und Sachsen. Allerdings variiert die Zahl der einbezogenen Städte erheblich. Während Nordrhein-Westfalen mit 30 Großstädten vertreten ist, sind es in Rheinland-Pfalz fünf. Länder mit weniger als drei Großstädten berücksichtigt Bitkom bei diesem Vergleich nicht.

Smarte Städte brauchen sichere Finanzierung

Der Bitkom verbindet die Veröffentlichung des Index mit Forderungen an den Bund. Viele Smart-City-Anwendungen seien in befristeten Förderprogrammen entstanden und müssten dauerhaft gesichert werden. Der Verband spricht sich für eine bundesweit einheitliche und verlässlich finanzierte digitale Basisinfrastruktur aus. Smart-City-Lösungen sollten zudem beim Aufbau des Deutschland-Stacks berücksichtigt und über offene Standards eingebunden werden. Kommunen sollten erprobte Anwendungen leichter über einen ausgebauten Marktplatz beschaffen können. Dazu fordert Bitkom eine zentrale Beratungsstelle und ein innovationsfreundlicheres Vergaberecht.

Für den Smart City Index 2026 wurden alle 83 deutschen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in fünf Themenbereichen untersucht. Die Auswertung beruht auf 14.442 Datenpunkten. Alle Städte beteiligten sich an der Erhebung und belegten ihre Angaben mit Quellen, die der Bitkom nach eigenen Angaben überprüfte. Die Smart Country Convention findet vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Berlin statt.





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