Mittwoch, 10. Juni 2026

Digitale BildungDigitalPakt 2.0 besser machen

[08.12.2022] Der DigitalPakt Schule ist vor allem ein Infrastrukturpaket. Für einen guten digitalen Unterricht benötigen Schulen jedoch mehr als finanzielle Mittel für Geräte und schnelles Internet. Eine Umfrage des Bündnisses für Bildung zeigt, wo Verbesserungspotenzial liegt.
Hardware allein macht noch keinen guten digitalen Unterricht.

Hardware allein macht noch keinen guten digitalen Unterricht.

(Bildquelle: Gorodenkoff/stock.adobe.com)

Im September 2022 kündigten Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Karien Prien an, den DigitalPakt Schule nochmals beschleunigen zu wollen. „Der DigitalPakt nimmt weiter an Fahrt auf, aber das Tempo stimmt noch nicht“, so die Bundesministerin. Bis Sommer 2022 waren aus allen Teilen des DigitalPakts von den zur Verfügung stehenden 6,5 Milliarden Euro insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro abgeflossen, rund 3,2 Milliarden Euro waren für bereits bewilligte Projekte gebunden. Ein mögliches Problem des aktuellen DigitalPakts Schule ist der gerade in der öffentlichen Debatte als zu langsam wahrgenommene Abfluss und tatsächliche Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel.
Doch die weitere Diskussion auf dem Weg zum DigitalPakt 2.0 wird eine zweigeteilte sein müssen: Der bessere Mittelabfluss und das Wieviel sind der eine Aspekt. Der andere ist, was Schulen eigentlich alles für einen guten digital gestützten Unterricht benötigen. Denn der DigitalPakt Schule war und ist vor allem ein Infrastrukturpaket – was angesichts der digitalen Ausstattung der Schulen vor dem Start des Förderprogramms auch richtig war. Für einen guten digitalen Unterricht braucht es aber deutlich mehr als Geräte und WLAN-Abdeckung. Schulen benötigen auch deutlich mehr finanzielle und administrative Unterstützung zur Einführung digital-gestützter pädagogischer Konzepte mit den entsprechenden Inhalten, mit dem passenden digitalen Content und sinnvollen digitalen Tools.

Finanzielle Mittel reichen nicht aus

Das Bündnis für Bildung (BfB) ist als gemeinnütziger Verein eine neutrale Plattform, in dem sich alle wichtigen Akteure zusammengeschlossen haben, die Digitales in der Bildung nach vorne bringen können: von Vertretern der öffentlichen Hand aus Bundesländern und Kommunen über Vertreter der IT- und Bildungswirtschaft bis hin zu Bildungsinitiativen und Verbänden. Mit diesem 360-Grad-Blick auf digitale Bildung haben die BfB-Mitglieder in einer Umfrage wichtige Erfahrungen und Hinweise aus der Praxis geliefert, wie der DigitalPakt 2.0 besser gemacht werden kann.
Eine deutliche Mehrheit der befragten BfB-Mitglieder hält beispielsweise die bereitgestellten finanziellen Mittel aus dem DigitalPakt Schule für zu gering – unabhängig davon, wie viele Mittel tatsächlich abgerufen wurden. Lediglich elf Prozent der Befragten hielten das Gesamtvolumen des DigitalPakts Schule für „genau richtig“, 81 Prozent bewerteten das Gesamtvolumen als „zu gering“. Abgesehen vom Gesamtbudget zeigt die Umfrage auch, wo es Verbesserungsbedarf bei Ausschreibungen, Vergabe und Abrechnungen gibt. Unter anderem gilt es, Ausschreibungsunterlagen, Vergaberegeln und Antragsverfahren zu vereinfachen. Eine häufige Forderung: Wo es machbar ist, mit Rahmenverträgen zu arbeiten. Diese würden vielen Akteuren alle weiteren Schritte erleichtern: keine oder vereinfachte Ausschreibungen, klare Abrechnungskonditionen und mehr Planungssicherheit für die Kommunen.

Fallstricke bei der Finanzierungssicherheit

Gleichzeitig sprechen sich die BfB-Mitglieder dafür aus, die Abrechnungsmodalitäten zu vereinfachen und praxisnäher zu gestalten. Zudem fordern sie, den Kommunen bei der Vorfinanzierung mehr Planungssicherheit zu geben und hier sowie bei kommunalen Eigenanteilen darauf zu achten, dass dies aus den kommunalen Haushalten leistbar ist. Denn eine kurzfristige Mittelakquise ist für viele Kommunen in einem laufenden Haushaltsjahr problematisch. Kommunen müssen zudem bei Mitteln aus dem DigitalPakt Schule teilweise ein hohes finanzielles Risiko eingehen, falls die Vergaberichtlinien eine spätere Mittelauszahlung für bereits getätigte Anschaffungen doch nicht möglich machen. Außerdem enthielten aus Sicht der BfB-Mitglieder die Länderprogramme, die laut Verwaltungsvereinbarung zum DigitalPakt Schule „Kriterien und ein Verfahren zur Bewertung und Begutachtung von Anträgen“ aufstellen, in manchen Bundesländern viele Fallstricke für die Finanzierungssicherheit. Als positives Beispiel wurde in der Umfrage mehrfach das Land Niedersachsen genannt, das sich für eine 100-prozentige-Förderung anstelle eines Eigenanteils der Kommunen entschieden hat.

Langfristige Unterstützung ist gefragt

Um die digitale Bildung an Schulen nachhaltig zu fördern, sollten Programme wie der DigitalPakt 2.0 künftig zudem deutlich mehr Bereiche in den Fokus nehmen. Der DigitalPakt Schule hat sich in vielen Bereichen stark auf Einmalanschaffungen fokussiert. Deutlich stärker mitgedacht werden müssen langfristige und nachhaltige Aspekte der digitalen Ausstattung, die im laufenden Prozess an Schulen dauerhaft benötigt werden, etwa Support, Administration, Wartung oder Pflege. Des Weiteren sollten für ein umfassendes Konzept von digitaler Bildung an Schulen neben der Hardware auch Dienstleistungen und Produkte aus dem Content-Bereich sowie Software und Tools stärker berücksichtigt und die entsprechenden Anbieter an Planungen und Überlegungen zu Förderprogrammen wie dem DigitalPakt 2.0 beteiligt werden. Zu guter Letzt: Digitalität in der Bildung wird in Zukunft ein zentraler und dauerhafter Aspekt der schulischen Bildung und des schulischen Alltags sein. Ebenso zentral, dauerhaft und nachhaltig sollte deshalb auch die Finanzierung für digitale Bildung werden. Förderpakete wie ein DigitalPakt 2.0 können hier einen wichtigen Beitrag und Anschub leisten. Mindestens ebenso wichtig wird es aber sein, die öffentlichen Haushalte, aus denen entsprechende Mittel bereitgestellt werden, so auszustatten, dass digitale Bildung nachhaltig in Schulen etabliert wird und die Schulen in Zukunft mit technischen Entwicklungen dauerhaft Schritt halten können.

Timm Steinborn ist Geschäftsführer des Bündnis für Bildung e.V.




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Schul-IT
vier-personen-sitzen und stehen an einem Tisch_Würzburg_schul-it

Würzburg: Schul-IT ertüchtigt

[09.06.2026] Von Strom über Glasfaser bis hin zu Endgeräten und Softwarepool: Die Stadt Würzburg hat in den vergangenen sechs Jahren knapp 24 Millionen in die schulische digitale Infrastruktur investiert. mehr...

bericht

Worms: 27 Schulen, eine Plattform

[03.06.2026] Mit einer zentral verwalteten Netzwerkplattform hat die Stadt Worms die Grundlage für digitalen Unterricht an 27 Schulen geschaffen – unabhängig von Schulform, Gebäudealter oder individuellen Voraussetzungen. Gemeinsam mit ihren Partnern konnte die Kommune eine leistungsfähige und datenschutzkonforme Infrastruktur aufbauen. mehr...

eine Gruppe von Personen steht vor einem Gebäude

Schleswig-Holstein: Alle Schulen am Netz

[02.06.2026] Erfolgreicher Abschluss des Projekts „Schulen ans Netz“: Als erstes Flächenland in der Bundesrepublik hat Schleswig-Holstein alle seine öffentlichen Schulen an das Glasfasernetz angebunden. mehr...

Chatbots kommen vermehrt im öffentlichen Sektor zum Einsatz.

Berlin: AIS.chat unterstützt beim Lernen

[26.05.2026] In Berlins öffentlichen Schulen kann jetzt mit dem Chatbot AIS.chat gearbeitet werden. Die datenschutzkonforme KI-Lösung unterstützt Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung und soll Schülern neue Zugänge zu Unterrichtsthemen eröffnen. mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Composite: Hand greift nach einem Cloud-Icon, blauer Hintergrund
bericht

Hannover: Lizenzpanne mit Microsoft 365

[23.04.2026] Alle 100 städtischen Schulen in Hannover haben die Cloud-Lösung Microsoft 365 aktiv eingesetzt – allerdings, ohne die passende Lizenz zu besitzen, welche die Nutzung im Schulkontext absichert. Die Stadt verhängte vorerst einen Nutzungsstopp und will prüfen, wie es zu der fehlerhaften Einschätzung kam. mehr...

Kind vor Tablet_ telli in Bremen
bericht

Bremen: Pionier für telli

[21.04.2026] Bremen hat als erstes Bundesland mit telli eine landesweite KI-Plattform für Schulen eingeführt. Finanziert über Mittel des DigitalPakts Schule steht die Plattform den Schulen der Freien Hansestadt kostenfrei zur Verfügung. mehr...

Schulranzen mit daran angelehntem Tablet, im Hintergrund eine grübe Kreidetafel.

Niedersachsen: Webshop für Schul-Hardware

[16.04.2026] Niedersachsen hat einen Webshop für die Bestellung digitaler Endgeräte an Schulen freigeschaltet. Das Land stellt dafür bis 2031 rund 800 Millionen Euro bereit. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen zunächst siebte Klassen und Lehrkräfte ausgestattet werden. mehr...

Klassenzimmer-Kulisse: Eine Frau mit langen Locken (Maria Borelli) beugt sich über den Schultisch von zwei Grundschülern, die vor einem Laptop sitzen.

Berlin: Schnelles Internet für alle Schulen

[13.04.2026] In Berlin verfügen alle öffentlichen Schulen nun über schnelles Internet. Möglich wurde das durch ein vom ITDZ koordiniertes landesweites Programm. Mit einer Reform des Schulgesetzes sichert der Senat die weitere digitale Schulentwicklung rechtlich stärker ab. mehr...

auf einem stilisierten Laptop stehen Schultische und -bänke
bericht

Digitale Bildung: Zehn Jahre Smart Schools

[09.04.2026] Seit zehn Jahren würdigt der Smart-School-Wettbewerb Schulen, die digitale Bildung, Infrastruktur und Lehrkräftefortbildung zusammenbringen. Rahmenbedingungen und Schwerpunktthemen sind im Wandel – doch die Digitalisierung im Bildungsbereich geht weiter. mehr...

Pressekonferenz in einer Schule zur Einführung von telli in Thüringen

Thüringen: KI verstehen mit telli

[09.04.2026] Der KI-Chatbot telli steht ab sofort allen Schulen in Thüringen zur Nutzung zur Verfügung. Der Freistaat profitiert dabei von den Erfahrungen anderer Bundesländer und setzt zugleich eigene Schwerpunkte bei der pädagogischen Begleitung. mehr...

Das Lern-Management-System itslearning soll bald für alle baden-württembergischen Schulen verfügbar sein.

Kommunale Spitzenverbände: Digitalpakt 2.0 mit verschobenem Start?

[01.04.2026] Die kommunalen Spitzenverbände kritisieren geplante Änderungen zum Digitalpakt 2.0: Der für 2025 vereinbarte Starttermin soll um ein Jahr verschoben werden. Viele Kommunen haben mit Blick auf die Vereinbarung schon 2025 teure digitale Ausstattung beschafft – und könnten dann ohne Finanzierung dastehen. mehr...

Collage eines jungen Schülers in Schwarz-Weiß, der einen Rucksack und eine Lupe hält, vor einem Notebook-Bildschirm, isoliert auf farbigem Hintergrund.
bericht

Digitales Lernen: Eintauchen in den Lernstoff

[31.03.2026] Der Digitalpakt 2.0 fördert unter anderem die Einführung KI-gestützter, adaptiver Lernsysteme und die Entwicklung digitaler Unterrichtskonzepte. Damit eröffnet sich eine Chance für Schulen, immersive Lernräume einzurichten – ein Konzept, mit dem andere Länder bereits gute Erfahrungen gemacht haben. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem digitalen Monitor versammelt, auf dem der Aachener Konzept-O-Mat präsentiert wird.

Aachen: Automat für Medienkonzepte

[27.03.2026] Die StädteRegion Aachen bietet ihren Schulen ein Online-Tool an, mit dem sie ihre Medienkonzepte schneller und gezielter überarbeiten können. Der sogenannte Konzept-O-Mat erfasst den Ist-Zustand der Schule, zeigt Lücken im jeweiligen Konzept auf und gibt Verbesserungshinweise. mehr...

Aufsicht auf einen Schultisch, man sieht einen Laptop und eine Computermaus, auf der eine Kinderhand ruht.

Hannover: Zwischenbilanz zum Einsatz von Microsoft 365 an Schulen

[18.03.2026] Hannover nutzt Microsoft 365 auch im Bildungsbereich. Die Stadt ist sich des Datenschutzrisikos bewusst, lehnt europäische Open-Source-Alternativen aber ab. Nun sollen bessere Rahmenbedingungen für den Microsoft-Einsatz geschaffen werden – mit Vorbildcharakter für weitere Schulen im Land. mehr...