Freitag, 12. Juni 2026

EY-StudieGlasfaserausbau zu langsam

[23.11.2022] Ernst & Young hat für eine Studie zum Stand des Ausbaus der Glasfaserinfrastruktur Breitbandkoordinationsstellen befragt, die meist auf Kreisebene angesiedelt sind. Trotz Rekordausbau im laufenden Jahr bewertet die Mehrheit der Landkreise den derzeitigen Stand als unzureichend.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk Ernst & Young (EY) hat eine Studie zum Ausbaustand des Glasfasernetzes veröffentlicht. Befragt wurden dafür 111 Breitbandkoordinationsstellen (BBK) in ganz Deutschland. Solche BBK finden sich meist auf Ebene der Kreise und der kreisfreien Städte. Sie sind wichtige Ansprechpartner im jeweiligen Kreisgebiet und vernetzen die verschiedenen Akteure des Breitbandausbaus. Die genaue Struktur und Umsetzung der Breitbandkoordination unterscheidet sich jedoch zwischen den Bundesländern.
Die von EY befragten BBK zeigen sich mit dem derzeitigen Stand des Glasfaserausbaus unzufrieden: 68 Prozent bewerteten die Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen als schlecht bis sehr schlecht. Dazu passt, dass 75 Prozent der Haushalte in Deutschland über gar keinen Glasfaseranschluss verfügen. Unabhängig von der jeweils eingesetzten Technologie halten die Koordinationsstellen die Breitbandversorgung in den Landkreisen zwar derzeit für ausreichend, allerdings sei die Glasfasertechnologie nach Ansicht der BBK Voraussetzung für den weiteren Ausbau der Breitbandversorgung in Deutschland – dieser Aussage stimmten 89 Prozent der Befragten zu. Der flächendeckende Ausbau sei dabei der wichtigste Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Erweiterung der Glasfaserinfrastruktur. Im OECD-Vergleich steht Deutschland beim Ausbau von Glasfaseranschlüssen bis zum Kunden gar auf den letzten Plätzen, so EY – 75 Prozent der Haushalte haben gar keinen Glasfaseranschluss.

Verschiedene Wege zum Ausbau

Rund 70 Prozent der befragten BBK planen gemäß der Befragung, am Graue-Flecken-Programm des Bundes teilzunehmen. Bisher nahm das Programm allerdings nur die Gebiete in den Blick, wo eine Geschwindigkeit von weniger als 100 MBit/s im Download erreicht wird. Aus Sicht der BBK sei diese Schwelle jedoch wenig attraktiv, weshalb 60 Prozent der Verantwortlichen in den Kreisen auf den Jahresbeginn 2023 warteten – dann soll die Aufgreifschwelle für förderfähige Ausbaumaßnahmen auf eine Datenrate von 200 Mbit/s im Down- und Upload angepasst werden. Somit werden deutlich mehr Adressen förderfähig.
Bei der Wahl des Fördermodells erscheint es EY wenig überraschend, dass alle BBK, die in der Vergangenheit auf eine Förderung im Betreibermodell gesetzt haben, auch künftig dieses Modell präferieren. Mit 68 Prozent der befragten BBK setzt auch künftig der Großteil auf das Wirtschaftlichkeitslückenmodell. Einige erwägen für die Zukunft aber auch einen Wechsel des Modells: weg von der Wirtschaftlichkeitslücke hin zum Betreibermodell, was die Anzahl der Betreibermodelle um 20 Prozent ansteigen lassen könnte.
Mithilfe von Markterkundungsverfahren können BBK durch Abfrage des eigenwirtschaftlichen Ausbauinteresses von Telekommunikationsunternehmen die Flächenabdeckung im Glasfaserausbau verbessern: Im besten Fall folgt einer solchen Markterkundung eine koordinierte Zusammenarbeit bei der Umsetzung des eigenwirtschaftlichen Ausbaus. 41 Prozent der Befragten bewerteten diese Art der Kooperation mit den Telekommunikationsunternehmen positiv, nur 23 Prozent sind nicht zufrieden.

Flächendeckung ist gefragt

Beim Ausbau einer von Förderprogrammen unabhängigen, möglichst eigenwirtschaftlichen Breitbandinfrastruktur sind für die Landkreise andere Faktoren relevant. Insbesondere zuverlässige Partner und zukunftsfähige Konzepte seien wichtige Bausteine für die Eigenwirtschaftlichkeit eines öffentlichen Unternehmens, erklärt der Studienautor Olaf Riedel. Der mit Abstand wichtigste Faktor sei aber die Flächendeckung des Ausbauangebots. Um echte Glasfaseranschlüsse für möglichst viele Bürger in den Kommunen zu generieren, lehnen die BBK den reinen Ausbau attraktiver Zentralbereiche mehrheitlich ab. Denn damit einher geht das Risiko später deutlich höherer Förderbedarfe zur Herstellung einer echten FTTH-Flächendeckung. Daher müssen die Kommunen und die BBK auf die Flächendeckung der eigenwirtschaftlichen Ausbauangebote der Telekommunikationsunternehmen achten.
Angesichts des plötzlichen vom BMDV ausgesprochenen Förderstopps vom Oktober (wir berichteten) verwies Korbinian Kraus, Senior Manager bei EY und ebenfalls Autor der Studie, darauf, dass die Fortsetzung des Förderprogramms ungewiss sei. Zwar habe es im vergangenen Jahr so viel Zuwachs an Glasfaseranschlüssen gegeben wie noch nie, doch die tatsächliche Lage in den Kommunen unterscheide sich stark und werde auch von der Organisation und Umsetzung auf Ebene der Koordinierungsstellen der rund 400 Kreise beeinflusst, so Kraus.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Breitband
eine Reihe von Personen vor dem Gothaer Rathaus

Gotha: Pilot für schnelleren Glasfaserausbau

[12.06.2026] In einem gemeinsamen Pilotprojekt setzen die Stadt Gotha und die Telekom auf weniger Bürokratie und mehr Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau. Dafür hat die Stadt eigens ein Projektbüro eingerichtet, das Genehmigungen bündelt und den Ausbau koordiniert. 
 mehr...

Telekom: Erweiterung des Glasfaserangebots durch Kooperation

[01.06.2026] Die Telekom öffnet ihre Glasfaserangebote für die Netze von e.discom und WEMACOM in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Rund 220.000 Haushalte sollen dadurch mehr Anbieterauswahl erhalten, während die Branche die Kooperation als Signal gegen kostspieligen Doppelausbau wertet. mehr...

Vier Männer auf einem Steg, im Hintergrund Wasserfläche und frisch renovierte bzw. neu gebaute mehrgeschossige Häuser.

Münster: Digitaler Begegnungsort am Hafen

[29.05.2026] Der Stadthafen am Dortmund-Ems-Kanal in Münster wandelt sich vom gewerblich genutzten Gebiet hin zu einem Ausgeh- und Dienstleistungsviertel. Das dortige kostenfreie WLAN steht nun ab sofort in weiteren Bereichen zur Verfügung. mehr...

Netzverteiler in Außengehäuse
bericht

Glasfaserausbau: Regional erfolgreich

[27.05.2026] Die Glasfaseranbieter lünecom und sewikom versorgen im Norden Deutschlands insbesondere ländliche Regionen mit schnellem Internet. Dabei sind die Präsenz vor Ort, lokales Know-how sowie die Kommunikation mit den Kommunen erfolgsentscheidend. mehr...

Stadtansicht von Berlin mit magentafarbenen Lichtelementen

Berlin: Eine Million Glasfaseranschlüsse

[21.05.2026] Beim Gigabitausbau in Berlin hat die Deutsche Telekom vorzeitig einen wichtigen Meilenstein erreicht: Eine Million Haushalte kann jetzt Glasfaser bis ins Haus oder die Wohnung erhalten. mehr...

Klausurhof Kloster Ilsenburg mit Schafen

Ilsenburg: Land fördert freies WLAN

[19.05.2026] Im Kloster Ilsenburg können Besucher künftig zuverlässig auf multimediale Angebote zugreifen. Mit Förderung des Landes Sachsen-Anhalt wurde ein öffentliches WLAN installiert. 
 mehr...

Verschiedene Personen mit Schaufel bei symbolischem Spatenstich

Lichtenau: Baustart für Giganetz

[15.05.2026] Über ein stabiles Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit können sich in Zukunft Bürger und Unternehmen in Lichtenau freuen. Die Gemeinde ist die erste, die vom geförderten Glasfaserausbau im Landkreis Mittelsachsen profitiert. 
 mehr...

bericht

ANGA COM: Lösungen finden

[13.05.2026] Auf der ANGA COM, Europas führender Kongressmesse für Breitband, Medien und Konnektivität, treffen sich auch in diesem Jahr in Köln Netzbetreiber, Ausrüster und Inhalteanbieter zu allen Fragen der Breitband- und Mediendistribution. mehr...

Osnabrück: Noch mehr OSNA Hot Spots

[08.05.2026] Die Stadt Osnabrück weitet ihr WLAN-Angebot aus und stellt 25 weitere OSNA Hot Spots zur Verfügung. mehr...

Bagger verlegt Glasfaser, sewikom versorgt den ländlichen Raum mit Glasfaser

sewikom: Glasfaser für Digitale Dörfer

[15.04.2026] Was im Dorf digital läuft, braucht Glasfaser. Der Anbieter sewikom hat fast 40 Prozent der geförderten Digitalen Dörfer in Nordrhein-Westfalen an sein Netz angeschlossen. mehr...

Eine größere Personengruppe steht in einem Raum für ein Foto versammelt und halten in den Händen Förderurkunden für den Breitbandausbau in Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg: 231 Millionen Euro für Breitbandausbau

[22.01.2026] Baden-Württemberg unterstützt mit insgesamt über 231 Millionen Euro weitere 29 Projekte des kommunalen Breitbandausbaus. Mit den Ende des vergangenen Jahres zugestellten Förderbescheiden konnten die landesseitig für das Haushaltsjahr 2025 zur Verfügung gestellten Mittel vollständig gebunden werden. mehr...

Eine Frau steht zwischen zwei Männern und hält die Förderurkunde für den Landkreis Gießen in den Händen.

Kreis Gießen: Breitbandausbau auf der Zielgeraden

[21.01.2026] Dank der Gigabitförderung 2.0 des Bundes kann der Landkreis Gießen die finale Phase des Breitbandausbaus einleiten. Die Förderung soll Lücken des eigenwirtschaftlichen Glasfasernetzausbaus durch Telekommunikationsunternehmen schließen. Dadurch könnten im Kreis Gießen in den kommenden Jahren 8.200 Anschlüsse hergestellt werden. mehr...

Glasfaserkabel schauen aus der Erde

Saarland: Breitband-Portal in jeder zweiten Kommune

[14.01.2026] Das Saarland war eines der ersten Bundesländer, die das Breitband-Portal eingeführt hatten. Damit soll die Bearbeitung von Anträgen zur Leitungsverlegung erheblich vereinfacht und beschleunigt werden. Kommunen, die das Portal einführen wollen, erhalten Unterstützung vom Land. mehr...

ANGA COM: Erweitertes Programm

[08.12.2025] Die Messe ANGA COM kündigt für 2026 ein erweitertes Programm mit neuen Formaten und prominenter politischer Beteiligung an. Bundesminister Karsten Wildberger hält die Eröffnungskeynote und nimmt am traditionellen Gigabitgipfel teil. mehr...

Blick auf den CampingPark in Kalletal von oben, die Anlage ist direkt am Wasser.

Kalletal: Campen mit fünf Gbit/s

[21.11.2025] Mit glasfaserschnellem Internet hat das Unternehmen sewikom den Campingpark in Kalletal ausgestattet. Die bereits bestehenden 2.000 Mbit/s wurden auf 5.000 Mbit/s erhöht. Zudem können nun mehr als 2.000 Kalletaler Haushalte ebenfalls mit Glasfaser versorgt werden. mehr...