Donnerstag, 4. Juni 2026

StudieInnovation gefordert

[23.08.2021] Eine von VMware in Auftrag gegebene Studie zeigt: Den staatlichen Behörden gelingt es noch nicht, das vorhandene Digitalisierungspotenzial voll auszuschöpfen. Nur ein bisschen zu digitalisieren, reicht aber nicht mehr.
Verwaltungen sollten Mitarbeitern ein mobiles Arbeiten ermöglichen.

Verwaltungen sollten Mitarbeitern ein mobiles Arbeiten ermöglichen.

(Bildquelle: GettyImages, Malcom P Chapman)

Nach über einem Jahr Pandemie stößt der öffentliche Bereich immer noch an seine digitalen Grenzen. Laut einer aktuellen Umfrage des Unternehmens VMware unter mehr als 1.000 Deutschen sind weniger als ein Fünftel der Befragten der Meinung, dass die staatlichen Behörden, mit denen sie interagieren, heute eine bessere digitale Erfahrung bieten als vor der Corona-Pandemie. Zum Vergleich: Während das Ergebnis der Studie für Großbritannien ebenfalls bei 18 Prozent liegt, sehen in Frankreich immerhin 24 Prozent der Befragten Fortschritte bei den digitalen Angeboten der Behörden. Trotz des digitalen Wandels gelingt es dem Staat hierzulande also nicht, das Interesse der Bürger nachhaltig zu wecken. Dabei würde knapp ein Drittel der Deutschen gerade mit staatlichen Behörden gerne stärker digital interagieren – ein Potenzial, das bisher nicht ausgeschöpft wurde.
Wie die zurückliegenden Monate gezeigt haben, tun sich bundesweit viele Ämter und Behörden schwer damit, auch nur teilweise auf mobiles Arbeiten umzusteigen. Oft fehlt es an technischen Gegebenheiten und infrastrukturellen Voraussetzungen. Vor allem für Schulen war die Schließung und Umstellung auf das Homeschooling eine Zäsur, die deutlich machte, dass der Bildungsbereich bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Bislang scheiterte diese meist am konkreten Handlungszwang für ein Update der altbewährten Lehrmethoden.

Enttäuscht vom staatlichen Digitalisierungsfortschritt

Doch es ist Besserung in Sicht: Das kritische Thema Digitalisierung im öffentlichen Bereich wird durch staatliche Maßnahmen wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) und den Digitalpakt Schule vorangetrieben. Laut OZG sollen Bund, Länder und Kommunen bis Ende 2022 insgesamt 575 Verwaltungsleistungen digital zur Verfügung stellen. Obwohl von diesen viele bereits online verfügbar sind – so können etwa das Kindergeld, BAföG oder Arbeitslosengeld auf elektronischem Weg beantragt werden – fehlt es insbesondere auf kommunaler Ebene noch an verfügbaren oder benutzerfreundlichen Online-Diensten. Das liegt meist an veralteten Fachverfahren, die nach ­heutigen Standards modernisiert werden müssten. Für die Bürger bedeutet das, dass sie viele Behör­den­angelegenheiten wie beispielsweise das Ummelden bei einem Wohnortwechsel, die Beantragung von Parkplaketten oder das Ausstellen von Geburtsurkunden noch nicht digital erledigen können, sondern vor Ort erscheinen müssen. So ist es kaum verwunderlich, dass sie vom Digitalisierungsfortschritt auf Staatsseiten enttäuscht sind.
Dabei wäre das Mitmachpotenzial groß: Immerhin geben 57 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland an, dass sie „digital aufgeschlossen“ beziehungsweise „digitale Entdecker“ sind. Laut eigener Angabe würden sie sich darüber freuen, wenn Unternehmen und Behörden mehr digitale Erfahrungen und Dienstleistungen anböten und sie erwarten von den Stellen, mit denen sie interagieren, dass diese digitale Vorreiter sind. Darüber hi­naus sind für die Befragten – ob in ihrer Rolle als Staatsbürger oder als Verbraucher – ein hohes Maß an Sicherheit und Datenschutz, eine unkomplizierte Nutzung über sämtliche Geräte hinweg sowie schnellere Serviceleistungen wichtig. Diese Begeisterungsfähigkeit ist für Länder und Kommunen eine echte Chance, die digitale Zukunft in den unterschiedlichsten Bereichen voranzutreiben.

Großes Bedürfnis nach digitaler Innovation

Das Bedürfnis nach digitaler Innovation ist groß – vor allem, wenn es um nachhaltige Smart-City-Alternativen geht. So ist beispielsweise für 40 Prozent der Befragten die Realisierung einer intelligenten Abfalltonne, bei der Sensoren die Füllstände messen, ein wichtiger Schritt. Auf Basis dieser Daten kann spezielle Software eine optimale Route für die Müllfahrzeuge berechnen und auf das Navigationssystem im Fahrzeug übermitteln. Durch ein smartes Abfall-Management lassen sich die Ladekapazitäten der Behälter sowie Zeiteinsatz und Fahrtwege optimieren. 43 Prozent der Befragten könnten sich zudem für eine smarte Straßenbeleuchtung begeistern, bei der auf Basis von LED-Technologie die Lichtverhältnisse auf Straßen, Plätzen oder in Unterführungen intelligent und energieeffizient nach Bedarf gesteuert werden. Zusätzlich können die Lampen mit WLAN-Access-Points, Ladestationen für Elektro-Automobilität oder Sensortechnik zur Messung von Verkehrsaufkommen oder für die intelligente Steuerung der Parkplatzsuche ausgestattet werden. All diese Smart-City-Komponenten reduzieren den CO2-Ausstoß und fördern die Nachhaltigkeit sowie die Aufenthaltsqualität.

Ein bisschen zu digitalisieren, reicht nicht mehr

Grundvoraussetzung für mehr digitale Innovation und umfassende Online-Services ist eine leistungsfähige IT. Allerdings fehlt es der öffentlichen Verwaltung oft noch an der entsprechenden Infrastruktur, passenden Security-Konzepten oder mobilen Endgeräten. Immer mehr Kommunen und Versorger entscheiden sich deshalb dafür, mit Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die eine IT-Infrastruktur nach State of the Art als hybride Clouds anbieten. Das ermöglicht es, sensible Daten innerhalb der eigenen Netzwerke vorzuhalten, während die Anwendungen in der Cloud liegen und von den Möglichkeiten der agilen Software-Entwicklung profitieren. Neben den rechtlichen Vorgaben für sensible Bürgerdaten werden damit auch die Anforderungen an eine umfassende IT-Sicherheit erfüllt.
Nicht zuletzt sollte der Aufbau mobiler Arbeitsumgebungen möglich sein, sodass Mitarbeiter im Homeoffice sowie im Büro die gleichen Arbeitsbedingungen vorfinden und ein sicherer Zugriff auf alle Daten und Ressourcen auch von zu Hause aus gewährleistet ist. Selbst unter veränderten Bedingungen der Pandemie können auf diese Weise Bürgerdienste ohne Einschränkungen leistungsfähig bleiben und weitaus effektiver digitalisiert werden als bisher.
Fest steht: Wir brauchen mehr Digitalisierung, sowohl im Bereich der Online-Bürgerdienste als auch bei Smart-City-Lösungen. Dafür sind Investitionen in eine moderne IT-Infrastruktur sowie in mobile und flexible Arbeitsplätze notwendig. Nur so kann die öffentliche Hand Bürgerinnen und Bürger begeistern und schnell auf Krisen reagieren, seien es der Klimawandel oder die Covid-19-Pandemie. Es reicht nicht mehr, lediglich ein bisschen zu digitalisieren. Bund, Länder und Kommunen müssen digital denken und digital handeln.

Horst Robertz ist Senior Director Public Sector & Healthcare, Dr. André Schulz ist Strategic Account Executive bei VMware.


Stichwörter: Politik, Studie, YouGov


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...

Vitako: Impulse für die Digitalisierung

[29.04.2026] Auf der Vitako-Mitgliederversammlung haben Deutschlands kommunale IT-Dienstleister zentrale Weichen für die Verwaltungsdigitalisierung gestellt. Im Fokus standen der Deutschland-Stack, die interföderale Marktentwicklung, das Zukunftsbild der kommunalen IT sowie Fragen der digitalen Souveränität.  mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Porträt von Heiko Geue

Mecklenburg-Vorpommern: Schub für die Registermodernisierung

[21.04.2026] Mecklenburg-Vorpommern hat bis zu 150 Millionen Euro für Registermodernisierung und Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit freigegeben. Land und Kommunen betonen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. mehr...

Deutschland hat früh digitale Ambitionen entwickelt.

IT-Planungsrat: Kommunen scheuen EfA-Kosten

[17.04.2026] Eine neue Studie des IT-Planungsrats zeigt, warum Online-Dienste von Bürgern zu wenig genutzt und von Kommunen kaum nachgenutzt werden. Sie schlägt eine föderale Antragsplattform mit kommunalen Marken, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und einer Cloud-Infrastruktur vor. mehr...

Niedersachsen beschließt IT-Strategie  „Digitale Verwaltung 2025“.

BMDS/Niedersachsen: Fokusleistungen in alle Kommunen

[16.04.2026] Mit einem neuen Ansatz will das BMDS digitale Verwaltungsleistungen in die Fläche bringen. Kernstück ist die Beauftragung eines Generalunternehmers, der die Ende-zu-Ende-Verantwortung für den Roll-out in den Kommunen übernimmt. Nach Bayern und Hessen hat nun Niedersachsen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. mehr...

Porträt Jasmin Grünschläger
interview

Interview: Wir sitzen im gleichen Boot

[02.04.2026] Im Märkischen Kreis haben sich mehrere Kommunen zum Netzwerk Digitalisierung und E-Government zusammengeschlossen. Welchen Mehrwert der interkommunale Austausch bringt, beschreibt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden. mehr...

Digitalstrategie SH 2026

Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt

[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...

Vier lächelnde Männer in Anzügen sitzen nebeneinander an einem Holztisch, vor sich Dokumente, hinter sich drei drapierte Flaggen (EU; BRD, Baden-Württemberg)

Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital

[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.

Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv

[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...

Spielwürfel mit aufgedruckten Pfeilen weisen den Weg hin zu einem Würfel mit grünem Häkchen.
bericht

Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen

[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...