Kreis Mainz-BingenIT ist doppelt geschützt

Kreis Mainz-Bingen sichert IT durch lokales Metro-Cluster.
(Bildquelle: Kreis Mainz-Bingen)
Computer-Sabotage und IT-Ausfälle sind für Privatwirtschaft und staatliche Stellen keine abstrakte, sondern eine sehr reale und alltägliche Gefahr. Nach dem Stand der Technik sollte eine IT-Infrastruktur daher heute möglichst hochverfügbar, also ausfallsicher sein. Dabei bezieht der Begriff der Ausfallsicherheit oder des Failover IT-Systeme, Netzwerke, Speichersysteme, Dienste und Programme ein. Zwar versprechen auch viele Cloud-Anbieter und Betreiber von Rechenzentren eine Hochverfügbarkeit von bis zu 99,99 Prozent, dennoch beträgt die durchschnittliche Cloud-Ausfallzeit in Deutschland 20 Minuten pro Monat, was sich entsprechend negativ auf den Betrieb einer Behörde oder staatlichen Einrichtung auswirken kann.
Darauf weist ein Manager des IT-Anbieters Veritas Technologies auf dem Online-Portal Security-Insider hin. Denn Cloud-Provider würden nach dem Shared-Responsibility-Modell handeln, so der Autor in seinem am 28. Februar dieses Jahres veröffentlichten Gastbeitrag „Cloud-Ausfälle: Katastrophenalarm für Behörden“. „Das bedeutet: Je komplexer der Dienst, desto mehr Verantwortung hat der Dienstleister. Jedoch bleibt der Kunde immer für seine Daten und deren Compliance verantwortlich. Treten Datenlecks oder Ausfälle auf, liegt die Verantwortung nicht beim Cloud Provider“, warnt der Experte.
Cloud-Lösung kam nicht infrage
Für den rheinland-pfälzischen Kreis Mainz-Bingen kam eine Cloud-Lösung aus verschiedenen Gründen nicht infrage. „Neben dem Datenschutz sprachen auch die steigende Abhängigkeit von Netz-Providern und Cloud-Anbietern sowie fehlende Fallback-Szenarien gegen die Nutzung einer solchen Lösung“, erläutert Kai Ruland, Fachbereichsleiter Datenverarbeitung bei der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. „Denn was ist, wenn die Verwaltung zu einem anderen Cloud-Anbieter wechseln wollte oder müsste oder aber gezwungen wäre, Dienste wieder selbst lokal zu betreiben? Auf diese wichtigen Fragen haben wir derzeit noch keine befriedigenden Antworten gefunden. Um IT-Anwendungen, die in einem Cloud-Rechenzentrum gehostet werden, möglichst ausfallsicher und schnell genug anbieten zu können, müsste man außerdem entsprechende Bandbreiten mieten, was die Abhängigkeit von Dienstleistern zusätzlich erhöht. Darum kommen für uns zurzeit Cloud-Dienste nur für solche Applikationen infrage, die nicht systemkritisch sind.“
Der Kreis hat sich zum Schutz seiner IT-Infrastruktur daher für den Aufbau und Betrieb eines so genannten Metro- oder Failover-Clusters entschieden und zählt damit in Rheinland-Pfalz zu den Vorreitern. Geliefert und installiert wurde die Lösung von Christian Ruppert IT-Consulting aus Ingelheim am Rhein, das vor allem für mittelständische Unternehmen und regionale staatliche Auftraggeber arbeitet. Insgesamt hatte der Auftrag ein Volumen von rund 340.000 Euro.
Metro-Cluster mit NetApp-Systemen
Das Metro-Cluster besteht aus eigenen, redundant ausgelegten Back-up- und Speichersystemen des US-amerikanischen Herstellers NetApp, die räumlich vom Standort der Verwaltung sowie deren Außenstellen getrennt sind. „Bei einer Störung schaltet das Metro-Cluster automatisch – ohne Eingreifen eines Administrators – auf die redundant gespiegelten Anwendungen um“, beschreibt Ruland, was er als größten Vorteil der Lösung empfindet. „Sollte eine der beiden Seiten des Metro-Clusters irreparabel geschädigt werden, kommt es bei dieser synchronen Spiegelung zu keinem oder nur zu einem sehr geringen Datenverlust.“ Darüber hinaus sind weder für Hard- noch für Software Ausfallzeiten etwa aufgrund von Updates zu befürchten, und durch das automatische Takeover kann die Verfügbarkeit von IT-Diensten und -Anwendungen erheblich gesteigert werden.
Als Standort des lokalen Metro-Clusters wurde ein Raum im Gebäude der Polizeiinspektion Ingelheim ausgewählt, für den bereits eine Notstromversorgung vorhanden war. Das stellt die Nutzung der IT-Systeme auch bei längeren Stromausfällen sicher. Zudem befindet sich unter dem Dach der Polizeiinspektion auch das Katastrophenschutzzentrum des Landkreises Mainz-Bingen. Bei Großschadenslagen wie Rhein-Hochwasser, Chemieunfällen oder Bombenentschärfungen werden von hier aus Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen geleitet. Zum Anschluss des Metro-Clusters an das Landratsamt Mainz-Bingen wurden im Stadtgebiet rund 1,2 Kilometer Glaserfaserkabel verlegt. Die Strecke des Kabels führt auch an der künftigen Feuerwehrwache vorbei, wodurch technisch eine standortübergreifende Datensicherung möglich ist.
Zuverlässige Back-up-Strategie dennoch notwendig
„Auf dem Metro-Cluster am Standort Ingelheim sind zwar nicht sämtliche Daten der Kreisverwaltung gespeichert, jedoch wird der Löwenanteil unserer IT-Anwendungen mithilfe dieses Systems betrieben“, erklärt Kai Ruland. „In den Außenstellen – dem Gesundheitsamt Mainz sowie den beiden Kfz-Zulassungsstellen Bingen und Oppenheim – sind zudem Systeme von NetApp installiert, die mehrmals täglich via SnapMirror auf ein Back-up-System gesichert werden, das sich ebenfalls in den Räumen der Polizeiinspektion befindet.“ Auch die Daten des Metro-Clusters werden in regelmäßigen Intervallen auf das Back-up-System gespeichert – denn die Lösung schützt nur gegen physikalische Schäden durch beispielsweise Brand, Wasser oder Unfall. Werden Daten jedoch durch eine Schad-Software oder versehentlich manuell von einem Mitarbeiter auf dem System gelöscht, sind diese verloren. „Auch beim Betrieb eines Metro-Clusters kommt man daher nicht um eine zuverlässige Back-up-Strategie herum“, so der Fachbereichsleiter weiter.
Mitnutzung perspektivisch möglich
Um sicherzugehen, dass das Metro-Cluster keine unerwarteten Fehlerquellen birgt, hat die Kreisverwaltung gemeinsam mit IT-Consultant Christian Ruppert nach der Einrichtung einige Failover-Szenarien durchgespielt und getestet, so beispielsweise das Ausfall- und Umschaltverhalten bei der Stromversorgung und im Netzwerk. „Für den Aufbau und die Tests des Metro-Clusters haben wir vier Tage benötigt“, berichtet Kai Ruland. „Die Datenmigration von den alten NetApp-Storage-Systemen auf das Metro-Cluster im Gesamtumfang von circa 17 Terabyte war im laufenden Betrieb nach einem weiteren Tag abgeschlossen. Zur Überwachung des laufenden Betriebs nutzen wir neben den integrierten Funktionen des NetApp-Speichersystems als weiteres Tool PRTG Network Monitor.“
Perspektivisch könnten nach Angaben von Kai Ruland auch die Stadtverwaltung Ingelheim oder andere Verbandsgemeinden des Kreises Mainz-Bingen das Metro-Cluster mitnutzen. Diese Idee sei bislang jedoch nur angedacht und werde noch nicht ernsthaft weiterverfolgt: „Hierfür müssten zunächst sowohl personelle als auch technische Fragen geklärt werden – etwa, ob dafür die Netzanbindungen von einem Mietgebäude zum anderen ausreichen würden. Das wäre eine ganz wesentliche technische Voraussetzung für die gemeinsame Nutzung des Metro-Clusters.“
https://www.critcon.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe August 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit
[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...
Berlin: 12. Kommunaler IT-Sicherheitskongress
[04.02.2026] Die kommunalen Spitzenverbände laden am 27. und 28. April zum 12. Kommunalen IT-Sicherheitskongress (KITS) in einem hybriden Format ein. Die Themen reichen vom Grundschutz++ über Erfolgsmodelle für die kommunale Zusammenarbeit bis hin zu Open Source und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Veranstaltung ist kostenfrei. mehr...
BSI/SIT: Zertifizierte Sicherheit
[27.01.2026] Der kommunale IT-Dienstleister Südwestfalen-IT (SIT) hat vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein ISO-27001-Zertifikat auf Basis von IT-Grundschutz erhalten. Zertifiziert wurden unter anderem Rechenzentrumsbetrieb und Verwaltungs-PKI. mehr...
Heidelberg: Hacker-Angriffe abgewehrt
[23.01.2026] Heidelberg verzeichnet seit Wochen wiederholte DDOS-Attacken auf die Website der Stadt. Dank kontinuierlich angepasster Sicherheitsmaßnahmen konnten die Angriffe allesamt abgewehrt werden. Durch die Maßnahmen war lediglich die Website hin und wieder für wenige Minuten nicht erreichbar. mehr...
Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Managed Security für sensible Daten
[22.01.2026] Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald verwaltet sensible Bürger- und Sozialdaten – IT-Sicherheit hat hohe Priorität. Die Behörde nutzt eine Managed-Extended-Detection-and-Response-Lösung des Bochumer Sicherheitsspezialisten G Data. Ein Praxisbericht zeigt, welche Anforderungen es gab und wie Zusammenarbeit und Roll-out verliefen. mehr...
Kommunale IT-Sicherheit Bayern: 1.000. Siegel geht an Bodenwöhr
[19.01.2026] Bayern hat zum mittlerweile 1.000. Mal das Siegel Kommunale IT-Sicherheit verliehen. Erhalten hat es die Gemeinde Bodenwöhr. Die Kommune wird das Thema IT-Sicherheit weiterhin im Blick behalten und laufend nachbessern. mehr...
Dataport: BSI bestätigt Sicherheit
[13.01.2026] Alle drei Jahre muss IT-Dienstleister Dataport sein BSI-Grundschutz-Zertifikat einem aufwendigen Rezertifizierungsaudit unterziehen. In diesem Rahmen hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Sicherheit der Rechenzentrumsinfrastruktur nun zum vierten Mal in Folge bestätigt. mehr...
Rheinland-Pfalz: Kommunen für Cybersicherheit sensibilisieren
[18.11.2025] Rund 200 Beschäftigte aus rheinland-pfälzischen Kommunen nahmen an der virtuellen „Roadshow Kommunen“ teil. Fachleute von BSI, CERT-kommunal-rlp und dem Digitalisierungsministerium informierten über praktische Sicherheitsmaßnahmen, um besser auf IT-Sicherheitskrisen vorbereitet zu sein. mehr...
Bayern: Bericht zur Cybersicherheit 2025
[18.11.2025] Für Bayern liegt jetzt der diesjährige Bericht zur Cybersicherheit im Freistaat vor. Die Bedrohungslage ist demnach weiterhin hoch, mutmaßlich politische motivierte Cyberangriffe nehmen zu. Bayern hat seine Schutzmaßnahmen angepasst und die Präventionsangebote für den Bereich Wirtschaft und Gesellschaft weiterentwickelt. mehr...
Cybersicherheit: Hoher Handlungsdruck
[12.11.2025] Die aktuelle Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ von G DATA CyberDefense zeigt: Veraltete IT, Fachkräftemangel und zu geringe Budgets bremsen die Sicherheitsvorkehrungen aus. Kommunen müssen jetzt handeln und ihr Schutzniveau erhöhen. mehr...
Cybersecurity: Schatten-KI als offene Flanke
[11.11.2025] Eine aktuelle Umfrage zum Thema Cybersicherheit, die im Auftrag von Microsoft in Ämtern und Behörden durchgeführt wurde, zeigt, dass die Nutzung nicht-autorisierter KI-Tools weit verbreitet ist. Die Zahlen offenbaren außerdem eine erstaunliche Diskrepanz: Während rund 80 Prozent der Befragten auf Landes- und Bundesebene die Bedrohungslage als sehr hoch einstuften, sind es in Kommunen nur 58 Prozent. mehr...
IT-Sicherheit: Angriff und Abwehr mit KI
[23.10.2025] Künstliche Intelligenz unterstützt Kriminelle bei Cyberangriffen, gleichzeitig wird sie zur Gefahrenabwehr eingesetzt. In Kommunen beginnen die Probleme allerdings an ganz anderer Stelle: Sie fallen aus dem IT-Grundschutz. mehr...
Kirkel: Krise kontrolliert bewältigt
[17.10.2025] Die saarländische Gemeinde Kirkel konnte einem Cyberangriff technisch erfolgreich begegnen – auch dank der Unterstützung umliegender Kommunen. Die offene Kommunikation mit der Öffentlichkeit trug ebenfalls zum kontrollierten Umgang mit dem Angriff bei. mehr...
Berlin: Hürden beim Open-Source-Umstieg
[13.10.2025] In der Berliner Verwaltung läuft bislang nur ein gutes Fünftel der eingesetzten Fachverfahren auf Open Source. Fehlende Zentralisierung und eine Windows-Bindung der einzelnen Lösungen bremsen auf dem Weg zu mehr digitaler Souveränität. Der Umsteig erfolgt schrittweise. mehr...
Cybersicherheit: Mit ELITE 2.0 Angriffe realistisch erleben
[26.09.2025] Die Fraunhofer-Institute FOKUS und IAO stellen jetzt Online-Demonstratoren zur Verfügung, mit denen sich die Folgen eines Cyberangriffs realistisch erleben lasen. Das soll Mitarbeitende praxisnah für aktuelle Cybergefahren sensibilisieren. mehr...























