Donnerstag, 10. September 2026

Monitor Digitale BildungKonzepte für digitalen Unterricht fehlen

[20.09.2017] Die Bedeutung der Digitalisierung für die Bildung haben viele Schulen zwar erkannt, aber im Schulalltag noch nicht umgesetzt. Lehrer und Schulleiter begrüßen zwar grundsätzlich die neuen Technologien – für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz fehlt es jedoch an Konzepten, Weiterbildung und Infrastruktur. So lautet das Fazit des aktuellen Monitors Digitale Bildung der Bertelsmann Stiftung.
Schüler wünschen sich laut dem Monitor Digitale Bildung einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

Schüler wünschen sich laut dem Monitor Digitale Bildung einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

(Bildquelle: Antonioguillem/Fotolia.com)

Zum nunmehr dritten Mal hat die Bertelsmann Stiftung ihren Monitor Digitale Bildung erhoben und dazu bundesweit Schüler, Lehrer und Schulleiter sowie Experten aus Politik und Verwaltung danach befragt, wie sie den Stand des digitalisierten Lernens in Deutschlands weiterführenden Schulen bewerten. Ein Ergebnis: Rund 90 Prozent der befragten Schulleiter erwarten zwar, dass die Digitalisierung fester Bestandteil der Lehrerausbildung und zudem der IT-Support professioneller wird. Jedoch herrscht immer noch große Skepsis bezüglich des pädagogischen Nutzens digitaler Medien: Nicht einmal jeder vierte Lehrer glaubt, dass digitale Medien dazu beitragen, die Lernergebnisse der Schüler zu verbessern. Ganz anders bewerten laut der Bertelsmann-Studie die Schüler selbst ihren digitalen Lernerfolg: 80 Prozent bestätigen, dass sie durch Lernvideos, Internet-Recherche oder moderne Präsentationsprogramme aktiver und aufmerksamer seien und wünschen sich einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien.
YouTube, Wikis und Power Point oder Anwendungen wie Lern-Apps, Lernspiele oder Simulationen finden bislang aber nur selten den Weg in den Schulalltag: Nicht einmal jeder zehnte Lehrer setzt solche digitalen Medien ein. Zudem verbieten 62 Prozent der Schulen, dass private Smartphones, Tablets oder Laptops der Schüler im Unterricht verwendet werden – auch wenn die schuleigene technische Ausstattung häufig schlecht ist. Den Schulen fehlt es der Studie zufolge aber nicht nur an Geräten und Internet-Anschlüssen, sondern vor allem an Konzepten, wie digitale Medien im Unterricht sinnvoll einzusetzen sind. „Die Schule nutzt das pädagogische Potenzial des digitalen Wandels noch nicht“, kommentiert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Technik bremst Lehrer aus

Ihre Zurückhaltung in Sachen digitaler Medien begründen viele Lehrer mit technischen Rahmenbedingungen: So bemängeln 74 Prozent die unzuverlässige Technik in ihren Schulen, 67 Prozent fürchten zu hohe Kosten für Hard- und Software, 62 Prozent vermissen professionellen IT-Support. Nur jeder Dritte ist mit der WLAN-Qualität an seiner Schule zufrieden, jeder Fünfte gibt sogar an, an seiner Schule gebe es gar kein WLAN. Auch ungeklärte Lizenz- und Datenschutzfragen werden von 58 Prozent der Pädagogen als wesentliche Hürden für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht genannt.
Hingegen verorten die befragten Experten in Ministerien, Schulträgern und Verbänden die größte Baustelle eher bei den fehlenden pädagogischen Konzepten. Tatsächlich messen laut der Studie nur acht Prozent der Schulleitungen der Digitalisierung hohe strategische Bedeutung für die Ausrichtung ihrer Schule bei. Die Folge: Den Schulen fehlt ein Konzept zum Einsatz digitaler Lernmittel, das Kollegium entwickelt kein gemeinsames didaktisches Verständnis, und ihre Weiterbildung müssen Lehrer oft selbst organisieren.

Digitalisierung fängt in den Köpfen an

Die politische Digitalisierungsoffensive für die Schulen dürfe daher nicht bei leistungsstärkerem WLAN und besserer Geräte-Ausstattung stehenbleiben, schlussfolgert Jörg Dräger. Entscheidend seien vielmehr Haltung und Kompetenzen der Pädagogen: „Der sinnvolle Einsatz digitaler Medien muss selbstverständlich in der Weiterbildung und Pflichtprogramm in jedem Lehramtsstudium werden. Digitalisierung darf für Lehrkräfte nicht als zusätzliche Belastung erscheinen, sondern sollte Teil der Lösung für ihre pädagogische Herausforderungen sein.“





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Schul-IT
Die neue Digitalisierungsstrategie für die öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg wurde nun vorgestellt.

Berlin: Alle Schulen am Gigabit-Netz

[07.09.2026] In Berlin wurde der aktuelle Bericht zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie Schule vorgestellt. Demnach verfügen inzwischen alle öffentlichen Schulen über Gigabit-Anschlüsse und auch der DigitalPakt Schule ist nahezu vollständig umgesetzt. mehr...

bericht

Bitkom-Umfrage: Mehrheit der Lehrkräfte nutzt KI

[12.08.2026] Laut einer Bitkom-Umfrage nutzen 58 Prozent der Lehrkräfte KI für schulische Zwecke, zugleich fühlt sich mehr als die Hälfte im Umgang damit noch unsicher. Unterschiede bei Ausstattung und Infrastruktur erschweren zudem den Einsatz digitaler Technologien. mehr...

Eine Gruppe von Kindern mit Schulranzen auf dem Weg zur Schule
bericht

Schulverwaltung: Schülerzahlenprognose neu denken

[12.08.2026] Erfahrungswissen aus der Schulentwicklungsplanung ist in vielen Kommunen an einzelne Personen und historisch gewachsene Excel-Dateien gebunden, statt an einen dokumentierten, nachvollziehbaren Prozess. Dabei sind verlässliche Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen auch im Hinblick auf Investitionsentscheidungen von großer Bedeutung. mehr...

Potsdam: Erneuerung der Schul-IT liegt im Zeitplan

[07.08.2026] Die Landeshauptstadt Potsdam modernisiert die IT-Ausstattung ihrer Schulen mit neuen Geräten sowie Windows 11 und Office 2024. Das Millionenprojekt soll die Schul-IT vereinheitlichen und liegt nach ersten abgeschlossenen Roll-outs im Zeitplan. mehr...

Zwei Personen halten eine Urkunde


Magdeburg: Ausgezeichnete Open-Source-Lösung

[07.07.2026] 
Ein Open-Source-Projekt des Fachbereichs Schule und Sport der Stadt Magdeburg am Werner-von-Siemens-Gymnasium wurde beim KOMPASS-Wettbewerb des Landes Sachsen-Anhalt mit dem 1. Platz ausgezeichnet. mehr...

Abfotografierter Bildschirm mit Schriftzug "Gemini" und einigen Code-Zeilen in Pixelschriftart

Nordrhein-Westfalen: KI-Assistenzen für Schulleitungen

[24.06.2026] Weniger Bürokratie und dafür mehr Zeit für guten Unterricht: Mit Künstlicher Intelligenz und schlankeren Verfahren will das Land Nordrhein-Westfalen seine Schulen konkret entlasten. Vier KI-Assistenzen helfen bei Schulrecht, Elternkommunikation, Medienarbeit und sprachsensiblem Unterricht. mehr...

Blick über die Schulter eines jungen, konzentriert erscheinenden Schülers, der auf seinem Tisch ein Tablet und einige Schulutensilien hat.

Hessen: Software hilft beim Mathe lernen

[12.06.2026] Hessen führt an seinen Schulen schrittweise ein intelligentes Online-Lernsystem für den Mathematikunterricht ein. Die Plattform soll Aufgaben passend zum Lernstand anbieten, direkte Rückmeldungen geben und Lehrkräfte bei Unterrichtsvorbereitung und Förderung entlasten. mehr...

vier-personen-sitzen und stehen an einem Tisch_Würzburg_schul-it

Würzburg: Schul-IT ertüchtigt

[09.06.2026] Von Strom über Glasfaser bis hin zu Endgeräten und Softwarepool: Die Stadt Würzburg hat in den vergangenen sechs Jahren knapp 24 Millionen in die schulische digitale Infrastruktur investiert. mehr...

bericht

Worms: 27 Schulen, eine Plattform

[03.06.2026] Mit einer zentral verwalteten Netzwerkplattform hat die Stadt Worms die Grundlage für digitalen Unterricht an 27 Schulen geschaffen – unabhängig von Schulform, Gebäudealter oder individuellen Voraussetzungen. Gemeinsam mit ihren Partnern konnte die Kommune eine leistungsfähige und datenschutzkonforme Infrastruktur aufbauen. mehr...

eine Gruppe von Personen steht vor einem Gebäude

Schleswig-Holstein: Alle Schulen am Netz

[02.06.2026] Erfolgreicher Abschluss des Projekts „Schulen ans Netz“: Als erstes Flächenland in der Bundesrepublik hat Schleswig-Holstein alle seine öffentlichen Schulen an das Glasfasernetz angebunden. mehr...

Chatbots kommen vermehrt im öffentlichen Sektor zum Einsatz.

Berlin: AIS.chat unterstützt beim Lernen

[26.05.2026] In Berlins öffentlichen Schulen kann jetzt mit dem Chatbot AIS.chat gearbeitet werden. Die datenschutzkonforme KI-Lösung unterstützt Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung und soll Schülern neue Zugänge zu Unterrichtsthemen eröffnen. mehr...

Bitkom: Schulen erhalten Smart-School-Siegel

[24.04.2026] Bundesbildungsministerin Karin Prien hat in Berlin Schulen für herausragende digitale Bildungskonzepte ausgezeichnet. Der Wettbewerb des Branchenverbands Bitkom zeigt, wie sich digitale Innovationen im Unterricht erfolgreich umsetzen lassen und künftig stärker verbreitet werden sollen. mehr...

Composite: Hand greift nach einem Cloud-Icon, blauer Hintergrund
bericht

Hannover: Lizenzpanne mit Microsoft 365

[23.04.2026] Alle 100 städtischen Schulen in Hannover haben die Cloud-Lösung Microsoft 365 aktiv eingesetzt – allerdings, ohne die passende Lizenz zu besitzen, welche die Nutzung im Schulkontext absichert. Die Stadt verhängte vorerst einen Nutzungsstopp und will prüfen, wie es zu der fehlerhaften Einschätzung kam. mehr...

Kind vor Tablet_ telli in Bremen
bericht

Bremen: Pionier für telli

[21.04.2026] Bremen hat als erstes Bundesland mit telli eine landesweite KI-Plattform für Schulen eingeführt. Finanziert über Mittel des DigitalPakts Schule steht die Plattform den Schulen der Freien Hansestadt kostenfrei zur Verfügung. mehr...

Schulranzen mit daran angelehntem Tablet, im Hintergrund eine grübe Kreidetafel.

Niedersachsen: Webshop für Schul-Hardware

[16.04.2026] Niedersachsen hat einen Webshop für die Bestellung digitaler Endgeräte an Schulen freigeschaltet. Das Land stellt dafür bis 2031 rund 800 Millionen Euro bereit. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen zunächst siebte Klassen und Lehrkräfte ausgestattet werden. mehr...