Freitag, 23. Oktober 2026

HannoverMarkt in 3D

[13.09.2016] Geo-Informationen können von den Verwaltungen vielfältig eingesetzt werden. In der Landeshauptstadt Hannover werden die Stadtkarte sowie aus dem Geodatenbestand abgeleitete 3D-Anwendungen unter anderem dazu genutzt, Wochenmärkte optimal zu planen.
Der Wochenmarkt auf dem Moltkeplatz in Hannover in 3D-Ansicht.

Der Wochenmarkt auf dem Moltkeplatz in Hannover in 3D-Ansicht.

(Bildquelle: Landeshauptstadt Hannover)

An der Visualisierung städtischer Geodaten herrscht in der Verwaltung großer Bedarf. Das zeigen zwei Beispiele zum Einsatz von Stadtkarten in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Die dafür erforderlichen Geodaten werden mit den gängigen Erfassungsmethoden erhoben. Sie sind neben der Verwendung als Basisdaten für die Stadtkarten zugleich Bestandteil von Fachkatastern und themenbezogenen Inhalten von Web-Anwendungen.
Der Bereich Geoinformation der Stadt Hannover ist dem Fachbereich Planen und Stadtentwicklung zugeordnet und beschäftigt insgesamt circa 90 Mitarbeiter. Die Aufgabenbereiche umfassen verschiedenste Sachgebiete, von der Straßenbenennung und Hausnummernvergabe über den städtischen Liegenschaftsnachweis, die Grundstücksbewertung, Ingenieur- und Liegenschaftsvermessung bis hin zur Kartografie und dem Geodaten-Management. Im Sachgebiet Kartografie und Geodaten-Management werden unter anderem Luftbilder, Orthofotos, das 3D-Stadtmodell und das städtische Geländemodell sowie Stadtkarten in den Maßstäben 1:1.000, 1:5.000, 1:20.000 und 1:100.000 hergestellt und fortgeführt.

Verlässlicher Datenbestand

Die Stadtkarte 1:20.000 (SKH20) beschreibt das Stadtgebiet Hannover sowie angrenzender Kommunen. Nach einer umfassenden Migration weg von der Bearbeitung der Stadtkarte mittels Grafikprogramm (Freehand) hin zu einer auf einem Geo-Informationssystem (GIS) basierenden Stadtkarte kann die Stadtverwaltung neben den klassisch hergestellten, gedruckten und digitalen Stadtkarten nun auch GIS-basierte Analysen anbieten und dabei die Qualität bisheriger Darstellungen beibehalten.
Dafür wurden die grafischen Ebenen analysiert, neu klassifiziert und in GIS-Dateien umgewandelt. Zudem wurde ein vollumfängliches, attributiertes und klassifiziertes Knoten- und Kantenmodell des Straßennetzes abgeleitet. Auf Basis dieser Datenstruktur ist es möglich, einen zentralen Datenbestand automatisiert und verlässlich fortzuführen. Weitere Vorteile sind die strukturierte und übersichtliche Bearbeitung, die Vermeidung von Redundanzen in der Datenhaltung und die Möglichkeit einer systematischen Qualitätsprüfung des Karteninhalts über Attribute. Auch die Integration von Fachdaten wurde deutlich vereinfacht. Mit dem Datenmodell lassen sich zahlreiche räumliche Analysen im Zusammenhang mit städtischen Fragestellungen durchführen.

Flexibles Modell

Ein Beispiel für die Flexibilität dieses Datenmodells ist der Kinderstadtplan, der im Bereich Geo-Information als thematische Ableitung der offiziellen Stadtkarte hergestellt wird. Er wird seit dem Jahr 2010 jährlich für die 13 Stadtbezirke der Landeshauptstadt Hannover als Printversion erstellt. Der Kinderstadtplan setzt sich zusammen aus einer inhaltlich reduzierten und farblich umgestalteten Standardausgabe der SKH20 sowie zahlreicher neuer Themeninhalte als POIs (Point of Interest) aus GIS-Datenbanken, wie zum Beispiel Schulstandorte, die zusätzlich in den städtischen grafischen Auskunftssystemen verwendet werden.
Weitere abgeleitete Produkte dieses Datenmodells auf Basis der Stadtkarte sind die Radwege- und Freizeitkarte, der Stadtatlas, die Innenstadtkarte, der Liniennetzplan für die hannoverschen Verkehrsbetriebe oder der Schulwegplan. Für die Zukunft ist angedacht, eine Historie in bestimmte topografische Elemente einzubinden. Dies soll für künftige Darstellungen von räumlichen Entwicklungen unter Verwendung eines Zeitintervalls geschehen und einen noch vielseitigeren Einsatz der Stadtkarte ermöglichen.

Wochenmärkte visualisieren

Im Bereich Marktwesen der Landeshauptstadt Hannover erstellt der Bereich Geoinformation für die 26 Wochenmärkte und den Weihnachtsmarkt ebenfalls die Kartengrundlage. Dazu werden neben der stadtweiten Bestandstopografie der Stadtkarte 1:1.000 sämtliche Straßenmöbel erfasst, die für die Planung der Stellflächen des jeweiligen Marktes erforderlich sind. Die Erfassung erfolgt – soweit visuell sichtbar – anhand photogrammetrischer Luftbildauswertung. Beim darauffolgenden Ortsvergleich werden die übrigen Objekte nacherfasst.
Jeder vollständig aufbereitete CAD-Plan eines Wochenmarkts wird künftig anhand eines nachgelagerten Prozesses als dreidimensionaler Datenbestand abgeleitet und browserbasiert intern zur Verfügung gestellt. Davon verspricht sich die Stadt Hannover eine bessere Visualisierung der kleinräumigen Marktstrukturen und damit verbunden eine bessere Kommunikation zwischen den Planungsakteuren im Innen- und Außendienst. Außerdem können in der 3D-Anwendung gleichzeitig 2D- und 3D-Messungen durchgeführt werden, um beispielsweise Mindestabstände zwischen Ständen zu messen oder Baumhöhen zu ermitteln. Dies kann direkt in der 3D-Szene eines Marktplatzes erfolgen. Darüber hinaus ist in der 3D-Anwendung eine Schattensimulation enthalten. Damit kann der Schatten über das Jahr hinweg eingestellt und so ein realistischer Schattenverlauf zur jeweiligen Öffnungszeit der Märkte konfiguriert werden. Das wird insbesondere die Planung der Marktstände mit leicht verderblicher Ware erleichtern – diese können dann vorzugsweise auf denjenigen freien Stellflächen platziert werden, die während der Marktzeiten – insbesondere im Sommer zur Mittagszeit – vornehmlich im Schatten liegen.
In der Web-Szene kann sich der Anwender frei bewegen. Er kann in die Fußgängerperspektive und zudem aus der dreidimensionalen Ansicht in die Schrägluftbildansicht wechseln und so den für ihn interessanten Bereich aus allen vier Himmelsrichtungen betrachten. Durch die hohe Auflösung der Schrägluftbilder kann die Örtlichkeit sehr gut erfasst werden. Zukünftig ist seitens der Stadt Hannover vorgesehen, auf der städtischen Website zu Informationszwecken Übersichtspläne in 2D von jedem Wochenmarkt anzubieten.

Marcel Chaouali ist bei der Landeshauptstadt Hannover im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung, Bereich Geoinformation, tätig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geodaten-Management
Hightech trifft Vermessungstradition: Hans Peter Jelinek (links), Leiter des Vermessungsamtes, und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck mit Drohne und modernen Messgeräten.

Heidelberg: Vom Geometer zum Digitalen Zwilling

[23.10.2026] Das Vermessungsamt der Stadt Heidelberg feiert sein 125-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich die Arbeit grundlegend verändert: Aus Messlatte und Theodolit wurden Laserscanner, Drohnen und digitale 3D-Stadtmodelle. Heute bilden die Geodaten des Amtes eine wichtige Grundlage für Stadtplanung, Verwaltung und digitale Anwendungen. mehr...

Screenshot Solarkataster Stadt Kaiserslautern

Kaiserslautern: Klimadaten im Geoportal

[16.10.2026] Die Stadt Kaiserslautern stellt in ihrem Geoportal zahlreiche digitale Karten und Fachdaten zu Klimaschutz und Klimaanpassung bereit. Das Angebot informiert unter anderem über Solarpotenziale, die kommunale Wärmeplanung und die Folgen des Klimawandels. mehr...

Smart Country Convention: RIWA zeigt Anwendungen für kommunale Geodaten

[07.10.2026] RIWA zeigt auf der Smart Country Convention Anwendungen, die kommunale Geodaten mit KI, BIM und Digitalen Zwillingen verknüpfen. Im Mittelpunkt stehen Baugenehmigungen, die KI-gestützte Datenauswertung und der Digitale Zwilling der Stadt Speyer. mehr...

Hochwassergebiet, knapp über der Wasserfläche sieht man ein Verkehrsschild, im Hintergrund Bäume und eine Stadtsilhouette

Dortmund: Digitale Karten zeigen Hochwassergefahren

[02.10.2026] Die Stadt Dortmund hat erste detaillierte Hochwassergefahrenkarten für kleinere städtische Gewässer veröffentlicht. Die digitalen Karten zeigen Wassertiefen, Fließrichtungen und Strömungsgeschwindigkeiten und sollen unter anderem den Katastrophenschutz, die Stadtplanung und die private Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...

bericht

Geodatenmanagement: Systeme verbinden

[28.09.2026] Geodaten sind längst kein Spezialthema einzelner Fachabteilungen mehr. Sie sind Grundlage für zahlreiche kommunale Aufgabenbereiche. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Aktualität, Qualität, Verfügbarkeit und Sicherheit. mehr...

Esri Digital Atlas: Interaktive Karten für den Unterricht

[17.09.2026] Mit dem Esri Digital Atlas steht Schulen und Bildungseinrichtungen eine neue kostenfreie Kartenanwendung zur Verfügung. Sie soll Schülerinnen und Schülern ermöglichen, geografische Zusammenhänge anhand interaktiver Karten und Daten zu untersuchen. mehr...

Zwei Personen halten eine 5¼-Diskette zur Datensicherung in die kamera

Frankfurt am Main: Geodateninfrastruktur feierte Jubiläum

[08.09.2026] Die Stadt Frankfurt am Main hat das zehnjährige Bestehen ihrer Geodateninfrastruktur gefeiert – und dabei auch einen Ausblick auf künftige Entwicklungen gegeben. mehr...

Zwei Personen vor einem Monitor auf dem historische 3D-Modell Gütersloh um 1900 zu sehen ist

Gütersloh: Virtueller Spaziergang durch die Vergangenheit

[04.09.2026] Die historische Gütersloher Stadtmitte um das Jahr 1900 lässt sich nun dauerhaft virtuell erleben. Die Abteilung Geoinformation der Stadt hat dazu eine von Modellbauer Norbert Jebramcik detailgetreu errichtete Miniaturstadt in ein 3D-Modell umgewandelt. mehr...

Überwiegend orangefarbene Stadtkarte

Frankfurt a.M.: Stadtklima neu kartiert

[17.08.2026] Wo staut sich Hitze, auf welchen Wegen gelangt kühle Luft in die Stadt und wo fehlt Grün? Der aktualisierte Klimaplanatlas macht solche Zusammenhänge sichtbar. Neue Simulationen und hochaufgelöste Vegetationsdaten unterstützen eine klimaangepasste Stadtplanung. mehr...

VertiGIS: Whitepaper zur Cybersicherheit

[12.08.2026] Steigende Sicherheitsanforderungen stellen Vermessungs- und Katasterverwaltungen vor neue Herausforderungen. Ein Whitepaper von VertiGIS beschreibt regulatorische Vorgaben und mögliche Betriebsmodelle für den Schutz von Geobasisdaten. mehr...

Blick über die Schulter einer Frau, die auf ihrem Smartphone die Coole Karte der Stadt Münster geöffnet hat

Münster: Cooler Stadtplan mit neuen Funktionen

[31.07.2026] Der „Coole Stadtplan“ der Stadt Münster wurde jetzt um eine 3D-Karte und zusätzliche Informationen ergänzt. So kann in dem Online-Angebot nun auch nach Wetterstationen und Standorten öffentlicher Toiletten gesucht werden. mehr...

Screenshot aus dem Stadtbezirksatlas Hannover/Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide

Hannover: Kommunalpolitik sichtbar machen

[27.07.2026] Hannovers Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide macht Kommunalpolitik auf einer digitalen Karte für jedermann sichtbar. Der Atlas will zeigen, wo Entscheidungen des Stadtbezirksrats konkret wirken und so auch die Demokratie stärken. mehr...

Thermometer, das knapp 40 Grad anzeigt, im Gegenlicht gegen einen blauen Himmel und strahlende Sonne fotografiert

Augsburg: Erholung von hohen Temperaturen

[24.07.2026] Die Stadt Augsburg kontert brütende Sommerhitze mit einer interaktiven Karte, die kühlere Orte wie Parks, Schattenplätze oder Kirchen ausweist. Damit will die Stadt während Hitzeperioden die Gesundheit und das Wohlbefinden von Bürgerinnen und Bürgern unterstützen. mehr...

Trinkwasserbrunnen in einem Park vor verschwommenem Hintergrund

Kreis Wesel: Geoportal als Gesundheitskompass

[24.07.2026] Das Geoportal des Kreises Wesel wird zum Hitze- und Gesundheitskompass ausgebaut: Eine interaktive Karte führt Nutzende schnell zu gesundheits- und hitzerelevanten Angeboten und Infrastrukturen im gesamten Kreisgebiet. mehr...

Digitaler Basiszwilling

Braunschweig: Update für den Digitalen Basiszwilling

[16.07.2026] Ein umfangreiches Update hat jetzt der Digitale Basiszwilling der Stadt Braunschweig erfahren. Ergänzt wurden vor allem Daten aus den Bereichen Umwelt und Klima. Zudem können Nutzende jetzt die Alte Waage in Braunschweig in einem hochauflösenden 3D-Modell erkunden. mehr...