HeidelbergVom Geometer zum Digitalen Zwilling

Hightech trifft Vermessungstradition: Hans Peter Jelinek (links), Leiter des Heidelberger Vermessungsamtes, und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck mit Drohne und modernen Messgeräten.
(Bildquelle: Tobias Dittmer)
Seit 125 Jahren sorgt das Vermessungsamt Heidelberg dafür, dass Grundstücke, Gebäude und öffentliche Räume präzise erfasst und dokumentiert werden. Was 1901 mit klassischen Vermessungsarbeiten begann, hat sich zu einem vielseitigen Aufgabenbereich entwickelt, in dem moderne Sensortechnik, Geo-Informationssysteme und digitale Stadtmodelle eine zentrale Rolle spielen. Heute kümmern sich 42 Beschäftigte um Vermessung, Liegenschaftskataster, Grundstückswertermittlung und die Bereitstellung von Geodaten.
„Was man nicht sieht, ist oft das, worauf alles andere aufbaut“, erklärte Jürgen Odszuck, Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg, anlässlich des Jubiläums. Ob bei der Entwicklung neuer Quartiere, bei Bauvorhaben oder im Grundstückswesen – die Arbeit des Amtes bilde eine wichtige Grundlage für zahlreiche kommunale Entscheidungen. Mit modernen 3D-Modellen und hochpräzisen Geodaten mache das Vermessungsamt die Stadt sichtbar, planbar und zukunftsfähig.
Von der Handarbeit zur digitalen Vermessung
Die Geschichte der Heidelberger Stadtvermessung begann 1899 mit der Einstellung des ersten Geometers beim städtischen Tiefbauamt. Zum 1. Januar 1901 nahm das Vermessungsamt dann als eigenständige Institution seine Arbeit auf. Neben ingenieurtechnischen Vermessungen durfte es auch hoheitliche Grundstücksvermessungen durchführen. 1921 kam die Führung des amtlichen Liegenschaftskatasters hinzu.
Damals gehörten Messlatten, Fluchtstäbe und Theodolite zur täglichen Ausrüstung. Die Ergebnisse wurden von Hand aufgenommen, berechnet und in Karten übertragen. Der technische Wandel hat die Arbeitsweise grundlegend verändert. Elektronische Tachymeter, satellitengestützte Positionierungssysteme, Laserscanner und Drohnen ermöglichen heute eine hochpräzise und weitgehend digitale Erfassung von Gebäuden und Gelände. Statt einzelner Messpunkte entstehen Punktwolken mit Millionen von Datenpunkten, aus denen sich detaillierte dreidimensionale Modelle erstellen lassen.
Geodaten als Grundlage der Stadtentwicklung
Ein wichtiger Meilenstein für das Vermessungsamt war nach Angaben der Stadt Heidelberg die Einführung des Geografischen Informationssystems (GIS) im Jahr 1990. Darin werden raumbezogene Daten unterschiedlicher Fachbereiche zusammengeführt und für Planung, Verwaltung und Öffentlichkeit nutzbar gemacht. Über das städtische Geoportal können Bürgerinnen und Bürger unter anderem Bebauungspläne, Luftbilder, Liegenschaftsdaten und Stadtteilgrenzen abrufen.
Der Umfang der erfassten Informationen ist laut Stadtverwaltung beträchtlich: Allein im GIS seien mittlerweile rund 570 Kilometer Straßen und etwa 50.000 Bäume dokumentiert. Auch das frühere Flurbuch und die analoge Flurkarte wurden schrittweise durch digitale Systeme abgelöst. Heute werden die Grundstücksinformationen im Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) zusammengeführt.
Eine weitere Entwicklungsstufe markiert das 3D-Stadtmodell, das 2017 in seiner heutigen Ausprägung eingeführt wurde. Dafür wurden rund 40.000 Gebäude dreidimensional erfasst. Das Modell ermöglicht neben der räumlichen Darstellung auch Messungen und Visualisierungen und unterstützt damit unterschiedliche Aufgaben der Stadtentwicklung.
Insgesamt verwaltet das Vermessungsamt inzwischen einen digitalen Datenbestand von rund 20 Terabyte. Dazu gehören Luftbilder, Katasterinformationen und Laserscans. Gleichzeitig bewahrt das Amt einen umfangreichen analogen Bestand mit rund 7.500 Plänen und Karten, 400 gebundenen Büchern sowie 35.000 Fortführungsnachweisen.
Neue Einsatzfelder, moderne Technologien
Die Aufgaben des Vermessungsamts reichen inzwischen weit über die klassische Grundstücksvermessung hinaus. So werden beispielsweise mithilfe von Deformationsmessungen Veränderungen an Gebäuden und im Gelände überwacht. Am Heiligenberghang erfasst das Amt Bewegungen über längere Zeiträume. Bei historischen Bauwerken wie der Alten Brücke kommen Laserscanner und Drohnen zum Einsatz, um deren Zustand präzise zu dokumentieren.
Für die kommenden Jahre zeichnet sich eine weitere technologische Entwicklung ab. Künstliche Intelligenz und Robotik sollen künftig verstärkt bei Mess- und Auswertesystemen eingesetzt werden. Auch Building Information Modeling (BIM), Computer Aided Facility Management (CAFM) und Digitale Zwillinge eröffnen neue Möglichkeiten.
Damit könnten Gebäude, Infrastruktur und Stadtraum künftig noch stärker digital verknüpft werden. Die daraus entstehenden Datenmodelle sollen unter anderem bei der Stadtplanung, im Hoch- und Tiefbau sowie im Mobilitätsmanagement zum Einsatz kommen. Weitere Vorhaben sind die flächendeckende Schaffung von Landeskoordinaten und die Einführung des Informationssystems Liegenschaftskatasterakten (ILKA).
Die nächste Generation der Vermessung
Die Entwicklung zeigt, wie sich die Rolle der kommunalen Vermessung verändert hat: Stand früher die möglichst genaue Bestimmung einzelner Grundstücksgrenzen und Messpunkte im Vordergrund, geht es heute zunehmend darum, umfangreiche Geodatenbestände zu erfassen, zu verknüpfen und für unterschiedliche Anwendungen bereitzustellen. Damit schafft das Heidelberger Vermessungsamt nicht nur Grundlagen für Bauvorhaben und Eigentumsfragen, sondern auch für die datenbasierte Stadtentwicklung und künftige Smart-City-Anwendungen.
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