Dienstag, 2. Juni 2026

ZukunftskongressNah am Geschehen

[16.06.2016] Muss sich Föderalismus im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung neu formieren? Diese Frage leitet den Zukunftskongress Staat & Verwaltung, der die Spitzen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammenbringt.
BCC: Bald wieder Treffpunkt für Spitzen aus Politik

BCC: Bald wieder Treffpunkt für Spitzen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

(Bildquelle: Wegweiser Media & Conferences GmbH/Thomas Kierok)

Man kann es Schicksalsfügung oder auch Gunst der Stunde nennen: Der Zukunftskongress ist in diesem Jahr besonders nah an seinem Leitthema, der Verwaltungsmodernisierung, und ebenso nah am Realgeschehen. Durch die besondere gesellschaftliche Herausforderung, welche die Flüchtlingssituation für alle politischen Ebenen in Deutschland bedeutet, ist die nach eigenen Angaben zentrale Leitveranstaltung für E-Government und Verwaltungsmodernisierung ein wichtiges Podium nicht nur zum Diskutieren, sondern auch zum Handeln geworden. Normalerweise wird auf Kongressen viel und kontrovers geredet, ohne dass sich der Gang der Dinge dadurch sonderlich beeindrucken oder gar beschleunigen ließe. In diesem Jahr aber ist Handlungskonsequenz gefragt und tatsächlich auch zum Greifen nah. Das freut die Veranstalter besonders, denn diese haben seit jeher als Ziel proklamiert, Veränderungen bewirken zu wollen. Oliver Lorenz und sein Team von der Firma Wegweiser haben den Zukunftskongress Staat & Verwaltung im Jahr 2013 ins Leben gerufen, nachdem das Bundesministerium des Innern (BMI) sich nach einem neuen Format für die Themen E-Government und Verwaltungsmodernisierung umgeschaut hatte. Das BMI war zuvor Messepartner von Moderner Staat, tendierte aber zu einer inhaltlichen Vermittlung und zum Konferenzformat. Auf der Suche nach einem strategischen Partner wurden alle bekannten Veranstalter um ein Exposé gebeten. Wegweiser war offenkundig überzeugend und führt seitdem den Zukunftskongress in Eigenverantwortung durch, unterstützt von den Partnern BMI, Accenture, der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) sowie der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako. Im Beirat des Zukunftskongresses sitzt auch der SPD-Politiker und Grandseigneur Klaus von Dohnanyi, der manches Kongresspodium mit seiner charmanten Spitzzüngigkeit bereichert. Von Dohnanyi und Oliver Lorenz haben sich bei der Treuhandanstalt und dem Wirtschaftsprogramm Aufbau Ost kennengelernt. Die später gegründete Wegweiser GmbH hatte zunächst den Reformkongress Öffentliche Verwaltung veranstaltet und über viele Jahre hinweg das Monitoring E-Government & Verwaltungsmodernisierung durchgeführt. Hieraus entstanden ist das von der Hertie School of Governance betreute Zukunftspanel Staat & Verwaltung, dessen Trendergebnisse jeweils im Vorfeld des Zukunftskongresses veröffentlich werden.

Sonderkongress und Sommerkongress

Im März dieses Jahres hatte die Firma Wegweiser in kürzester Zeit einen Sonderkongress zum Thema Migration und Integration sozusagen aus dem Boden gestampft. Dort berichteten hochrangige Akteure wie Kanzleramtschef Peter Altmaier und Frank-Jürgen Weise, Vorstand des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), über die aktuelle Lage in Flüchtlingspolitik und Flüchtlingsmanagement. Der Kongress stieß auf großes Interesse bei Kommunal- und Landesvertretern und natürlich beim Bund. Vor allem die vereinbarte und in Teilen schon durchgesetzte Vernetzung und Optimierung der IT-Strukturen im Umfeld des Flüchtlingsmanagements darf als Erfolg dieses Sonderkongresses gewertet werden. Zwar ist die so genannte Kerndatenbank, in der die Daten von Geflüchteten und Asylsuchenden zentral gespeichert werden, ein Projekt des IT-Planungsrats. Doch den ebenenübergreifenden politischen Zuspruch darf der Zukunftskongress für sich verbuchen. „Interessant war, dass wir als Veranstalter ganz offen mit der Sache umgehen konnten. Es gab noch keine so festen Linien hinter dem Thema und alles war quasi im Fluss, sodass es zu einem spannenden Erfahrungs- und Meinungsaustausch aller Beteiligten gekommen ist“, sagt Veranstalter Oliver Lorenz. Das stimmt vielleicht mit der Einschränkung, dass die von Conférencier Johannes Ludewig, Vorsitzender des Normenkontrollrats, unermüdlich eingeforderte Föderalismusreform vor allem dem Schirmherrn Bund gefallen haben dürfte. „Krise als Chance“ lautet nun der Titel des Sommerkongresses, der am 21. und 22. Juni 2016 wie immer im Berlin Congress Center (BCC) am Alexanderplatz stattfindet. Und fast hört es sich so an, als würde das Flüchtlingsthema nun zu einem Dauerbrenner, zumal für September dieses Jahres bereits eine Nachfolgeveranstaltung zum Thema Migration und Integration geplant ist. Doch der Zukunftskongress Staat & Verwaltung im Juni will sich nicht auf dieses Thema beschränken. Mit den vier Handlungsfeldern Aufbruch, Digitale Verwaltung, Finanzen und Arbeitswelt ist er deutlich breiter aufgestellt.

Veranstaltung mit Politprominenz

Highlights dürften die Keynotes von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Thema „Wie fördern wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“ und von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen über „Führung und Reformfähigkeit“ werden. Auch ein mit Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, besetztes Podium zum Thema „Digitales Politik- und Verwaltungscontrolling“ verspricht interessant zu werden. Daneben diskutieren in so genannten Zukunftsforen ausgewiesene Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung über Themen wie Open Government, Arbeitswelt 4.0 oder die „Effiziente Zusammenarbeit im föderalen Staat“. Best-Practice-Dialog nennt sich ein Konferenzformat, in dem praxisnahe Lösungen und Erfolgsrezepte zur Modernisierung von Staat und Verwaltung präsentiert werden. Der Zukunftskongress gilt als hochrangige Veranstaltung mit viel Politprominenz, was sicher auf die Schirmherrschaft des BMI und den dadurch möglichen Zugriff auf höhere und höchste politische Ebenen zurückzuführen ist. Im vergangenen Jahr besuchten 1.300 Teilnehmer den Kongress. Interessant daran die Verteilung: 20 Prozent konnten Bundes-, 13 Prozent Landesbehörden und 15 Prozent der kommunalen Ebene zugeordnet werden. 43 Prozent der Besucher stammen aus der Wirtschaft, die sich im retrofuturistischen Kongress-Gebäude, ein liebevoll restauriertes Exemplar der Ostmoderne, auch mit kleinen Messeständen präsentieren. Oliver Lorenz räumt ein, dass der Kongress für die kommunale Ebene noch attraktiver werden muss: „Wir werden auch Themen, die politisch vom Bund oder den Ländern kommen, zum Beispiel die IT-Konsolidierung, herunterbrechen auf kommunale Belange und darstellen, was die Aktivitäten von Bund und Ländern für die kommunale Ebene bedeuten. Wir wollen den Erfahrungsaustausch und das Gespräch zwischen den Ebenen.“ Immerhin finden sich im Programm Veranstaltungen zur „Konsolidierung in der öffentlichen IT“ und es gibt einen Schwerpunkt zum Kommunalen Flüchtlingsmanagement.

Helmut Merschmann ist freier Autor in Berlin.




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