Mittwoch, 8. Juli 2026

Smart CitySchlaue Lösungen im Trend

[24.10.2019] Viele Bereiche der kommunalen Verwaltung und Stadtplanung lassen sich digitalisieren, so etwa die Abfallentsorgung. Das Unternehmen SAP hat unter anderem in Heidelberg, Karlsruhe und Auckland solche smarten Dienste und Bürgerservices realisiert.
Heidelberg nutzt Smart Waste Management von SAP.

Heidelberg nutzt Smart Waste Management von SAP.

(Bildquelle: SAP)

Die Abfalleimer in Heidelberg sind schlau. Sie wissen, wann es Zeit für eine Leerung ist. Und zwar nicht erst dann, wenn Glascontainer und Altpapierbehälter bis zum Rand gefüllt sind und sich Flaschen und Kartons auf den Bürgersteigen türmen. Die Informationen über den Füllstand geben sie per Funk automatisch an die Entsorgungsunternehmen weiter, die somit genau wissen, wann welcher Container zu leeren ist. Ein Smart-City-Projekt, das die Stadt am Neckar mithilfe von Technologien des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT) umgesetzt hat. So reibungslos lief die Entsorgung in der Vergangenheit nicht immer. Früher dominierten Müllberge neben den Containern das Stadtbild. Insbesondere nach großen Veranstaltungen kamen die Fahrer nicht mehr hinterher. Die Folge: Beschwerdeanrufe beim Ordnungsamt und unzufriedene Bürger. An anderen Tagen wiederum fuhren die Abholfahrzeuge halbvolle Container an. Solch unnötige Fahrten sorgten für mehr Verkehr, Lärm, Spritverbrauch und Personalkosten.
Die Container wurden daher mit robusten Ultraschallsensoren ausgestattet, die zentimetergenau den Füllstand messen und ihre Daten in die Cloud senden. Sie nutzen dafür den energieeffizienten Langstreckenfunk LoRaWAN: Mit einem solchen Netzwerk lassen sich batteriebetriebene Geräte wie Energiezähler oder Füllstandssensoren überall vernetzen und jahrelang wartungsfrei betreiben. Sensoren mit dem offenen Funkstandard kommen überall dort ins Spiel, wo herkömmlicher Mobilfunk scheitert – in Containern, in Kellern oder sogar unter der Erde.

Lebensqualität und Nachhaltigkeit

Von dem Gateway geht es für die Daten über das Mobilfunknetz weiter in eine SAP-Cloud. Mit einer SAP-Software lassen sie sich analysieren und optisch aufbereiten. So sieht das Entsorgungsunternehmen mit einem Blick auf das Dashboard, welcher Container an welchem Standort zu leeren ist. Zudem prognostiziert die Software anhand der vorliegenden Daten, wann Container künftig mehr als sonst ausgelastet sein könnten – etwa bei Sportveranstaltungen. Mit der neuen Lösung können die Heidelberger Entsorger ihre Fahrten viel besser planen. Dadurch sinken Spritverbrauch, CO2-Ausstoß und die Verkehrsbelastung. Solche schlauen Abfalllösungen liegen derzeit im Trend, wie die irischen Marktforscher von Research and Markets feststellen: Der weltweite Markt für smarte Entsorgung soll bis 2024 auf mehr als drei Milliarden US-Dollar ansteigen.
Doch nicht nur Entsorgungsunternehmen können von smarten Technologien profitieren. Viele Bereiche in der kommunalen Verwaltung und der Stadtplanung lassen sich digitalisieren und damit vereinfachen. Was immens wichtig ist, denn immer mehr Menschen werden künftig in Städten leben. Um einen Kollaps zu vermeiden, ist es dringend notwendig, umzudenken und mit innovativen Technologien für mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit zu sorgen.

Smart City Light in Karlsruhe

Ein gutes Beispiel dafür ist Karlsruhe. Die baden-württembergische Stadt hat gemeinsam mit SAP das Projekt Smart City Light ins Leben gerufen. Die Idee: Straßenlaternen mithilfe von Funktechnologien intelligenter und effizienter machen. Heute leuchten die Laternen nur dann, wenn sich jemand in der Nähe aufhält. Und mehr noch: Sie fungieren als Tankstellen für Elektroautos, WLAN-Hotspots für Passanten, Temperaturmesser und Notrufsäulen. Sensoren messen zudem Feinstaub in der Umgebung, Lärm und Verkehr. Städteplaner können anhand dieser Daten etwa die Verkehrsinfrastruktur optimieren. Registriert eine smarte Laterne ständig Stau an einer Ampelkreuzung, könnte ein Kreisverkehr an dieser Stelle eine Überlegung wert sein.
Auch in der Verwaltung lassen sich Prozesse mithilfe digitaler Services vereinfachen und beschleunigen. Die Bürger stehen dem digitalen Wandel in Behörden offen gegenüber. Zwei Drittel sagen, dass sich einfache Vorgänge auch problemlos online erledigen lassen, wie der Digitalverband Bitkom in einer aktuellen Umfrage unter 1.000 Bürgern herausfand. Auch die Verwaltungsmitarbeiter profitieren durch modernere Arbeitsmittel und schnellere und transparentere Abläufe. Sicherlich gibt es in den Behörden bereits vereinzelte Lösungen. Viele dieser Angebote sind aber meist zu kompliziert. Und die strengen Datenschutzrichtlinien lassen viele Behörden davor zurückschrecken, digitale Services einzuführen. Wichtig daher: Auf Partner setzen, die mit Sicherheitskonzepten, Monitorings und eigenen Servern nicht nur Datenschutz, sondern auch Datensicherheit ermöglichen.

70 Prozent der Bürgerdienste auf einer Plattform vereint

Mutiger als hierzulande sind Städte auf der anderen Seite des Globus: Gemeinsam mit SAP hat etwa die Stadt Auckland in Neuseeland bereits 70 Prozent der Bürgerdienste digital in einer Plattform vereint. Das ist auch das Ziel der Bundesregierung: Bis zum Jahr 2022 sollen laut Onlinezugangsgesetz mehr als 500 kommunale Verwaltungsleistungen online zur Verfügung stehen; die Bundesregierung selbst will ihre Verwaltung sogar bis 2020 digitalisiert haben. Ein ehrgeiziges Ziel.
Und was plant Heidelberg in Zukunft? Die Stadt ist längst nicht am Ende der digitalen Fahnenstange angekommen. Noch in diesem Jahr wollen die Heidelberger die Digitalisierung des Winterdienstes vorantreiben. Heißt konkret: Auch die Streusilos sind dann mit Sensoren ausgestattet und funken ihren Füllstand an den Winterdienst. Und künftig könnten Sensoren im Asphalt sogar den Glättegrad der Straße messen. So weiß der Fahrer genau, auf welchen Straßen er wirklich streuen muss und reduziert damit seine Fahrten in der Kommune auf das Nötigste. Was letztendlich wieder die Lebensqualität in der Stadt erhöht.

Nikolaus Hagl ist Senior Vice President Sales Public Services & Healthcare bei SAP.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Vier Personen aus dem Bad Belziger Smart-City-Team sitzen vor einer Infotafel
bericht

Serie Digitalstädte: Mehrwerte schaffen

[07.07.2026] Förderprojekte wie der Wettbewerb Modellprojekte Smart Cities sind für kleinere Kommunen wie die Stadt Bad Belzig wichtig, um mit der Digitalisierung voranzukommen. Es braucht aber sichtbare Mehrwerte, damit es anschließend weitergeht. mehr...

Mehrere Personen halten Sensoren in die Kamera

Gütersloh: Sensoren unterstützen Winterdienst

[07.07.2026] 
In Gütersloh geht das Smart-City-Projekt „Smarter Winterdienst“ in den Testbetrieb – an 13 Standorten im Stadtgebiet werden künftig Sensoren den Zustand der Fahrbahnoberfläche erfassen. mehr...

Die Stadt der Zukunft ist vernetzt.

BBSR: Smarte Praxisbeispiele für Kommunen

[06.07.2026] Das BBSR hat sein Kompendium „Smart Cities und Smart Regions“ und die dazugehörige Storymap erweitert. Die 30 neuen Beispiele zeigen, wie Kommunen aus konkreten Problemen digitale Lösungen entwickeln – und was andere Städte und Gemeinden daraus für eigene Projekte lernen können. mehr...

eine der Rheinbrücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen

Mannheim: Sensoren schützen Rheinbrücken

[06.07.2026] Optische Sensoren erfassen ab sofort den Verkehr auf den beiden Rheinbrücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen. Das von der Smart City Mannheim realisierte Monitorungprojekt soll dazu beitragen, Verkehrsströme transparent zu machen und gezielte Maßnahmen zum Schutz der Bauwerke abzuleiten. 
 mehr...

Grafik zur urbanen Datenplattform in Aalen
bericht

Aalen / Heidenheim: Hoher Praxisnutzen

[29.06.2026] In Aalen und Heidenheim wird Smart City praxisnah: Sensoren liefern Daten zu Glatteis, Pegelständen und weiteren Risiken. Eine gemeinsame Plattform verbindet diese Informationen und unterstützt Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof im Alltag. mehr...

Fahrraddaten Screenshot Digitaler Zwilling

Wiesbaden: Positive Bilanz zum Digitalen Zwilling

[29.06.2026] Der Digitale Zwilling Wiesbaden hat sich für die Stadt seit seinem Start im Sommer vergangenen Jahres bereits zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt. 
 mehr...

Mehrere Personen eröffnen die Digitalen Tage Hamm 2026 durch drücken auf einen symbolischen Startknopf

Hamm: Smart-City-Strategie beschlossen

[29.06.2026] Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Hamm in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen angestoßen und teils bereits umgesetzt. Für den Zeitraum 2027 bis 2032 wird die Strategie nun als Smart-City-Strategie fortgeschrieben. Die Bürger können mitbestimmen, welche Themen künftig stärker in den Fokus rücken sollen. mehr...

Auf einem Monitor ist der Digitale Zwilling einer Stadt zu sehen

Serie Smart Cities, Teil 3: Mit Zwilling planen

[25.06.2026] Urbane Digitale Zwillinge erlauben es Kommunen, Daten zu ihrem Stadtgebiet strukturiert sichtbar und für Entscheidungen nutzbar zu machen, etwa in der Verkehrs- oder Wärmeplanung. Beim Aufbau eines Digitalen Zwillings lohnt es sich, auf Kooperation zu setzen. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

[24.06.2026] Die Modellprojekte Smart Cities haben viele erfolgreiche Lösungen und auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit hervorgebracht. Nun geht es darum, entstandene Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften zu verankern - nur so können die Pilotprojekte breit nachgenutzt werden. mehr...

Vektorgrafik einer Smart City.

BBSR: Die Wirkung von Smart-City-Vorhaben darstellen

[24.06.2026] Smarte digitale Projekte stärken die regionale Wirtschaft – aber oft indirekt. Das erschwert es Kommunen, den konkreten Nutzen zu benennen und argumentativ zu vertreten, etwa gegenüber Politik oder Projektpartnern. Eine Praxishilfe erklärt, wie Kommunen solche Effekte erkennen und verständlich vermitteln können. mehr...

Hand mit einem Smartphone auf dem die Temperatur mit 40 Grad Celsius angegeben wird
bericht

Klimawandel: Daten gegen den Hitzestress

[23.06.2026] Auf die Herausforderungen des Klimawandels können Städte nicht nur mit baulich-physischen Maßnahmen reagieren. Auch der Aus- und Umbau der digitalen Dateninfrastruktur und die systematische Organisation klimarelevanter Daten stärken die kommunale Resilienz. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor. mehr...

Bodensensor in einer Straße in Gütersloh

Gütersloh: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung

[12.06.2026] Mit Bodensensoren erfasst die Stadt Gütersloh zurzeit die Auslastung von vier Fahrzeugstellplätzen an der Königstraße. Die Daten sollen in die Planungen zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs zur Hohenzollernstraße einfließen, der ein Unfallschwerpunkt ist. mehr...

Screenshot BBSR-Studie zu digitalen Zwillingen

Studie: Digitale Zwillinge in der Praxis

[10.06.2026] Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine neue Veröffentlichung zum Thema urbane Digitale Zwillinge herausgegeben, die im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities entstanden ist. mehr...

Stadt, Bäume und Internet of Things Sensorien Symbolisch
bericht

Serie Smart Cities, Teil 2: Sensoren sinnvoll nutzen

[20.05.2026] Sensorik und Internet of Things sind das Nervensystem der smarten Stadt – sie liefern Daten, welche Prozesse optimieren und die Entscheidungsfindung erleichtern können. Beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur können Kommunen auch klein starten. mehr...