Donnerstag, 18. Juni 2026

SAP/Arvato SystemsSouveräne Cloud für den Public Sector

[04.02.2022] Die Unternehmen SAP und Arvato Systems wollen ein gemeinsames Unternehmen gründen, um eine souveräne Cloud-Plattform für die öffentliche Verwaltung in Deutschland aufzubauen. Das Vorhaben ruft Zustimmung, aber auch Skepsis hervor.
SAP und Arvato wollen ein souveräne Cloud-Angebot für die deutsche Verwaltung schaffen.

SAP und Arvato wollen ein souveräne Cloud-Angebot für die deutsche Verwaltung schaffen.

(Bildquelle: melpomen/123rf.com)

SAP und Arvato Systems planen, in eine souveräne Cloud-Plattform für die deutsche Verwaltung zu investieren. Wie die beiden Unternehmen bekanntgeben, soll das neue Cloud-Angebot den spezifischen nationalen Anforderungen im Rahmen der deutschen Cloud-Strategie entsprechen. Im Rahmen des neuen Angebots würden keine Abhängigkeiten zu Netzwerken außerhalb Deutschlands bestehen – sowohl Datenverarbeitung und Datenhaltung als auch der Betrieb sämtlicher Services erfolgten in der Bundesrepublik. Auch bestehe eine vollständige Trennung von den globalen Microsoft-Rechenzentren und der bestehenden Public-Cloud-Infrastruktur in Deutschland.
Zur Verfügung gestellt werden soll das souveräne Cloud-Angebot über ein neu zu gründendes deutsches Unternehmen. Neben SAP soll auch Arvato Systems zu den Anteilseignern gehören und zudem den Betrieb übernehmen. Technisch basiere das Angebot auf der bewährten Microsoft Azure Cloud-Plattform, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Damit könnten sowohl Microsoft-Dienste als auch Unternehmenslösungen und Applikationen von SAP bereitgestellt werden. Ebenso könnten zugelassene Drittanbieter ihre Applikationen auf der offenen Plattform anbieten. Auf diese Weise könne das neue Unternehmen ein breites Spektrum an digitalen Lösungen bieten, um den Einsatz moderner Cloud-Technologie in der Verwaltung zu beschleunigen.
Gemäß den Vorgaben deutscher Gesetzgebung wird das neue Angebot laut SAP technisch, operativ und rechtlich souverän sein. Alle Kundendaten des öffentlichen Sektors für die souveräne Cloud bleiben in Deutschland. Zudem wird das neue Unternehmen alleiniger Eigentümer der Plattform sein. „Diese Partnerschaft ist ein Meilenstein. Gemeinsam stellen wir die neuesten cloudbasierten Technologien bereit und erfüllen gleichzeitig die strengsten Anforderungen an Datensouveränität“, meint Christian Klein, Vorstandssprecher SAP SE. „Durch diese einmalige Zusammenarbeit können Bundesregierung und Behörden das Potenzial von Cloud-Lösungen vollumfänglich nutzen.“

Durchbruch für die Verwaltungsdigitalisierung …

Die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) begrüßte die Ankündigung zur Schaffung des neuen Angebots. Sie hatte nach eigenen Angaben in Gesprächen mit SAP wiederholt darauf hingewiesen, dass der Software-Hersteller eine tragfähige Basis schaffen müsse, damit die öffentliche Verwaltung beispielsweise SAP-Personalfunktionen in der Cloud nutzen kann – denn hier bestünden besonders hohe Anforderungen in Bezug auf Datenschutz, Sicherheit und Funktionalität.
„Als DSAG begrüßen wir die Bekanntmachung. Sie ist das Ergebnis unserer Bemühungen, für dieses Thema zu sensibilisieren“, erklärt Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen und Public Sector und ergänzt: „In unseren Gesprächen mit SAP haben wir kontinuierlich auf die Bedeutung der für die öffentliche Verwaltung relevanten Aspekte beim Thema Cloud – insbesondere für Personaldaten – hingewiesen. Wir freuen uns, dass die Gespräche erste Früchte tragen und unsere Stimme als Anwender gehört wird.“ Aus Sicht des DSAG sind nun die öffentlichen Verwaltungen gefragt. Sie müssten entscheiden, ob sie auch sehr schutzbedürftige Verfahren über das neue Angebot in die Cloud verlagern wollen, was wohl noch einige Zeit des Umdenkens in Anspruch nehmen werde. Insgesamt sieht der Interessenverband in der SAP-Initiative aber großes Potenzial. „Das neue Angebot könnte einen Durchbruch für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland bedeuten“, ist sich Hermann-Josef Haag sicher.

… oder Weg in die Abhängigkeit?

Ganz anders sieht es die OSB Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität. Aus der Mitteilung von SAP und Arvato gehe nicht klar hervor, worauf die Souveränität des neuen Angebots basiere. Als technologischer Unterbau diene die Microsoft Azure Cloud Plattform – die OSB Alliance erwartet von den Plänen von SAP und Arvato daher nach eigenen Angaben nicht Souveränität, sondern befürchtet im Gegenteil gefährliche Abhängigkeiten (siehe auch die Publikation der OSBA „Warum die Entscheidung für eine Microsoft Cloud den Aufbau echter digitaler Souveränität verhindert“, wir berichteten).
„Eine Cloud souverän zu nennen, heißt nicht, dass sie digitale Souveränität auch ermöglicht“, kommentiert Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance. „Von einer offenen Plattform kann bei der SAP-Arvato-Cloud nicht die Rede sein, es wäre eine Bundescloud von Microsofts Gnaden: Eine geschlossene Lösung, die Wettbewerb einschränkt und mit der sich die Bundesverwaltung ihrer Gestaltungsmöglichkeiten massiv beraubt und Innovationschancen verhindert.“
Entscheidend für Innovationsfähigkeit seien echte Multi-Sourcing-Optionen sowie die Fähigkeit, den Programmcode anzupassen und im Zweifel auch ohne den Hersteller pflegen und betreiben zu können. „All dies ist mit der souveränen Microsoft-Lösung nicht möglich“, so Ganten. Es werde nun darauf ankommen, die Regeln für den Zugriff auf die mit der Cloud bereitgestellten Dienste so festzulegen, dass ein Wechsel wirklich möglich sei. „Grundsätzlich müssen wir ehrgeiziger werden und nicht nur Benutzer vorhandener digitaler Werkzeuge sein. Wir müssen vielmehr die kreativen Gestalter, Verbesserer von vorhandenen und Erfinder von neuen digitalen Werkzeugen werden“, meint Peter Ganten. „Dafür muss neben der Wirtschaft auch der Staat innovative Lösungen, die digitale Souveränität wirklich sichern, nachfragen. Open Source muss ein elementarer Bestandteil dieser Entwicklung sein.“





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Infrastruktur
rescueTablet bei Feuerwehr Hanau im Einsatz
bericht

Hanau: Tablets im Einsatz

[17.06.2026] Die Feuerwehr Hanau arbeitet mit einer digitalen Einsatzunterstützung. Eine innovative Software stellt wichtige Informationen in Echtzeit auf Tablets bereit. Die Lösung wird anhand der Rückmeldungen aus der Praxis weiterentwickelt. mehr...

Frau am Schreibtisch mit Overlay aus Ordnericons und Dokumentenicons

Bayern: Grundlagen für NOOTS geschaffen

[15.06.2026] Der Freistaat Bayern hat mit drei Erprobungsprojekten wichtige Grundlagen für den künftigen behördlichen Datenaustausch über das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS) geschaffen. Die Ergebnisse sollen nun als Blaupause für weitere NOOTS-Vorhaben dienen. mehr...

Symbolbild Cloud Computing

GISA: BVVG stellt SAP-Betrieb neu auf

[15.06.2026] GISA begleitet die BVVG beim Wechsel in die SAP Private Cloud. Seit 2008 betreut der IT-Dienstleister die SAP-Systeme der Gesellschaft. Im aktuellen Transformationsprojekt unterstützt er Beratung, Qualitätssicherung und künftiges Betriebsmodell. mehr...

Bremen-NRW_API-Strategie

Bremen/Nordrhein-Westfalen: Schnittstellen statt Amtsgrenzen

[19.05.2026] Bremen und Nordrhein-Westfalen wollen den Datenaustausch in der Verwaltung vereinfachen. Eine gemeinsame Plattform soll technische Schnittstellen bündeln, Standards vereinheitlichen und Kommunen bei der Entwicklung digitaler Dienste einbinden. mehr...

Frauenhand die auf einem weißen Telefon eine Nummer eintippt

Bremen: Klassisches Telefon hat ausgedient

[05.05.2026] Die bremische Verwaltung verabschiedet sich weitgehend vom klassischen Telefon und setzt stattdessen in Zukunft auf das Softphone als Grundausstattung. 
 mehr...

Markus Bremkamp, Stephan Hauber Porträtfotos
interview

Interview: Zwischen Praxis und Politik

[28.04.2026] Im Kommune21-Interview erläutern Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des VOIS-Vereins, und Markus Bremkamp, Schatzmeister des VOIS-Vereins, was sie zur Gründung ihres Vereins bewogen hat und welche Ziele dieser verfolgt. mehr...

Kreishaus Düren

Kreis Düren: Microsoft 365 eingeführt

[21.04.2026] Der Kreis Düren hat Microsoft 365 flächendeckend ausgerollt. Unterstützt wurde die Kommunalverwaltung dabei vom Dienstleister regio iT. mehr...

Rheinland-Pfalz: OPTIKOM kommt voran

[17.04.2026] Im interkommunalen Prozessmanagement-Projekt OPTIKOM in Rheinland-Pfalz wurden bereits Meilensteine erreicht, wie eine rund 1.000 Prozesse umfassende Blaupause für ein gemeinsames Prozessregister. Im kommenden Jahr können weitere Kommunen in das Projekt aufgenommen werden. mehr...

Grün eingefärbte Nahaufnahme einer Computer-Platine.
bericht

Green IT: Ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Digitalisierung

[08.04.2026] Angesichts der komplexen Aufgaben, denen sich der öffentliche Sektor in seiner digitalen Transformation gegenübersieht, haben Umweltaspekte oft eher niedrige Priorität. Klare Ziele und konkrete, einfache Maßnahmen helfen, Nachhaltigkeitsziele in digitale Strategien zu integrieren. mehr...

Die Verknüpfung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen bildet die Grundlage für datengeschriebene Entscheidungen.

Ennepe-Ruhr-Kreis: Prozessmanagement kommt voran

[08.04.2026] Ergebnisse des interkommunalen Projekts zum Prozessmanagement im Ennepe-Ruhr-Kreis sind ein umfassendes Prozessregister, abgestimmte Standards und ein belastbares Netzwerk. Nun startet das Projekt in die nächste Phase. mehr...

Eine Person tippt auf einer Computertastatur.

Erkrath: KRZN migriert VOIS-Plattform

[02.04.2026] Das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) hat erstmals eine bereits produktiv genutzte VOIS-Plattform in sein Betriebsumfeld migriert. Es handelt sich um die VOIS-Fachverfahren der Stadt Erkrath für das Einwohnerwesen, das Gewerbewesen sowie die Gebührenkasse. mehr...

Mehrere Personen stehen in einem Raum zum Gruppenfoto versammelt, im Hintergrund ist ein Anmeldeterminal zu sehen.
bericht

Besuchersteuerung: Zeitgemäßer Bürgerservice

[27.03.2026] Die IKT-Ost hat eine neue Lösung zur Termin- und Besuchersteuerung eingeführt. Der IT-Träger für zwei Landkreise und eine Stadt setzt dabei auf eine einheitliche Software für alle Kommunen. Profiteure sind Verwaltungen und Bürger. mehr...

Mehrere Personen stehen in kleinen Gruppen versammelt in einem größeren Raum.

Büdelsdorf: Digitales Zielmanagementsystem

[06.03.2026] Die Stadt Büdelsdorf hat ein digitales Zielmanagementsystem eingerichtet. Es soll eine gezielte Steuerung, Wirksamkeitsmessung und Auswertung wichtiger Kennzahlen seitens der Stadt ermöglichen. mehr...

Mehrere Personen bringen einzelne Puzzleteile zusammen.

cit / nextgov iT: Strategische Partnerschaft mit KERN-UX

[03.03.2026] Die Low-Code-Plattform cit intelliForm unterstützt KERN-UX, den User-Experience (UX) Standard für Verwaltungssoftware. Verwaltungsleistungen können somit KERN-konform, also standardisiert, nutzerfreundlich und wiedererkennbar, umgesetzt werden. Als strategischer Partner gestaltet neben cit auch nextgov iT den UX-Standard aktiv mit. mehr...

Mehrere Personen sitzen an einem U-förmigen Besprechungstisch, eine Person ist virtuell via Laptop zugeschaltet.
bericht

Round Table: Saubere Daten

[02.03.2026] Das Round-Table-Gespräch von Kommune21 zum Axians-­Infoma-Innovationswettbewerb zeigt: Die Datenqualität ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Digitalisierungsprojekte. mehr...