InterviewZwischen Praxis und Politik

Dr. Markus Bremkamp (l.), Schatzmeister des VOIS-Vereins und Stephan Hauber, Vorstandsvorsitzender des VOIS-Vereins
(Bildquelle: ab data GmbH/HSH Soft- und Hardware Vertriebs GmbH)
Herr Hauber, die elf Fachverfahrenshersteller der VOIS-Plattform haben einen eigenen Verein gegründet. Warum war dieser Schritt notwendig?
Stephan Hauber: Mit der Gründung des Vereins verfolgen wir drei Ziele. Erstens wollen wir moderne zukunftsfähige Lösungen für Kommunalverwaltungen zur Verfügung stellen, die Konzepte wie Once only, interkommunale Zusammenarbeit und Bürgerbeteiligung entfalten. Zweitens wollen wir mit unseren innovativen Ansätzen zeigen, was technisch machbar ist, und so die Diskussion um die Verwaltungsmodernisierung sowohl anstoßen als auch bereichern. Drittens wollen wir als Bindeglied zwischen Praxis und politischen Vorschlägen versuchen, die Vorteile beider Herangehensweisen zu vereinen. Mit der Hoffnung, so einen größeren Effekt zu erzielen, als es eine einseitige Herangehensweise erreichen kann.
Warum ein Verein, wenn es um Softwareentwicklung und Vertrieb geht?
Hauber: Wir versuchen die Spezialisten auf Basis der Plattform VOIS und des Vereins zusammenzuführen, sodass nicht mehr jeder nur für sich entwickelt, sondern mit Blick auf die gesamte Verwaltung. Das verlangt natürlich Zusammenarbeit. Die ersten Jahre haben wir uns über Kommunikation organisiert. Doch mittlerweile ist das Thema zu komplex. Deshalb haben wir uns eine Organisationsform gegeben, die den einzelnen Mitgliedern erlaubt, sie selbst zu bleiben und dennoch miteinander abgestimmt am übergeordneten Ziel zu arbeiten. Unser VOIS-Verein steht des Weiteren auch für die angestrebte digitale Souveränität. Wir verfolgen eine kommunale Gesamtlösung, die in Deutschland für die deutsche Verwaltung entwickelt und dort auch betrieben wird.
Welches konkrete Ziel verfolgt der Verein, das über die Leistungen der einzelnen Unternehmen hinausgeht?
Hauber: VOIS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Wir gewinnen die Menschen nur dann für den digitalen Online-Prozess, wenn er auch ganzheitlich von der Verwaltung bearbeitet wird. Daher müssen wir weg von isolierten Fachverfahren und hin zu integrierten Plattformlösungen. Wir nutzen gemeinsame Komponenten für alle in den verschiedenen Fachverfahren wiederkehrenden Funktionalitäten. Wir haben gleiche Oberflächen und die gleiche Administration. Aber das ist nicht alles. So sollen die Verfahren auch praktisch interagieren, gemeinsam Daten nutzen und vieles mehr. Auch identische Online-Angebote gehören zur Gesamtlösung. All das ist durch die Mitglieder einzeln nicht zu erreichen. Derzeit sind wir beim Aufbau wichtiger Komponenten wie zum Beispiel einer verfahrensübergreifenden Workflow-Komponente.
Sie sprechen vom Spannungsfeld zwischen kommunaler Fachverfahrenswelt und bundespolitischer Zentralisierung. Wo zeigt sich dieser Konflikt besonders deutlich?
Hauber: Wir spüren dieses Spannungsfeld überall. Generell ist gegen zentrale Komponenten nichts einzuwenden. Sie können wichtige Aufgaben lösen. Allerdings sind dezentrale Datenbestände oft tief in die Verwaltungsprozesse integriert, sodass eine genaue Analyse und Abwägung der Vorgehensweise erforderlich sind. Im Übrigen führt ausschließliche Zentralisierung zwangsläufig zu Monopolisierung und somit zu Innovationsfeindlichkeit. Darüber hinaus können politisch verordnete Monopole, wie zum Beispiel die Fischereischeinlösung in Schleswig-Holstein, zu Mehrkosten ungeahnten Ausmaßes führen.
„VOIS ist auf dem besten Weg, zum Marktstandard zu werden.“
Wie gelingt es Ihnen, Wettbewerber an einen Tisch zu bringen und gemeinsames Handeln verbindlich zu organisieren?
Hauber: Wettbewerb gibt es in der derzeitigen Konstellation – also unter den derzeitigen Gründungsmitgliedern – nur in partiellen Punkten und hat noch nicht zu Problemen geführt. Viel wichtiger ist die Frage der Gemeinsamkeit. Einerseits soll jedes Unternehmen selbstständig sein und seine Identität behalten, andererseits erfordert das kooperative Handeln Überschneidungen in allen Bereichen der Unternehmen. Zwischen diesen beiden Polen vermitteln wir durch das Bekenntnis zu einem übergeordneten, geteilten Ziel und durch intensive Kommunikation. Darüber hinaus stehen die Quellen der Software allen Mitgliedern als Open Source zur Verfügung. Das schafft Vertrauen.
Herr Bremkamp, perspektivisch sollen auch Rechenzentren und möglicherweise Kommunen dem Verein beitreten. Welche Rolle sollen diese Akteure künftig spielen?
Markus Bremkamp: Die VOIS-Software wird von Rechenzentren betrieben und betreut, Kommunen nutzen sie. Es ist uns wichtig, die Meinungen, Bedürfnisse und Wünsche der Betreiber und Nutzer direkt in unsere Gemeinschaft zu integrieren. Wir wollen in deren Interesse handeln. Daher sollten sie auch Mitglied werden können. Erste Anfragen und Anträge liegen uns bereits vor.
Wie stellen Sie sicher, dass die wirtschaftlichen Interessen einzelner Hersteller nicht den Vereinszweck unterwandern?
Bremkamp: Diese Gefahr besteht natürlich immer latent. Mit dem Beitritt zur VOIS-Plattform haben unsere Mitgliedsfirmen jedoch bereits bewiesen, dass sie das Gemeinsame über das Einzelne stellen. Sie sind fest davon überzeugt, dass wir die digitalen Herausforderungen der Zukunft nur mit einer integrierten Plattform meistern können.
Wie unterscheidet sich das VOIS-Konzept von anderen Plattformansätzen im Markt?
Bremkamp: Im Vergleich zu anderen existierenden Plattformen sind wir hinsichtlich Verfahrensbreite, Integrationstiefe und Kundenzahlen führend. Es gibt ein definiertes Entwicklungs-Framework, sofern rechtlich möglich eine gemeinsame Datennutzung, gemeinsame Administrationsfunktionalitäten inklusive gemeinsamer Datenbank- und Webserver sowie ein einheitliches Vorgehen für Online-Lösungen. Auf der VOIS-Plattform bieten wir bereits circa 50 Fachverfahren an. VOIS ist in über 65 Prozent aller deutschen Kommunen im Einsatz – von der kleinen Gemeinde bis zur Bundeshauptstadt. VOIS ist auf dem besten Weg, zum Marktstandard zu werden.
Welche Rolle soll der VOIS-Verein in fünf Jahren für die kommunale IT-Landschaft spielen?
Bremkamp: Im besten Fall hat der Verein erreicht, den VOIS-Marktstandard mit den Bundesstandards wie dem Deutschland-Stack, der Deutschland-Architektur sowie im Bereich der Register, der DVC, der EUDI-Wallet zu verknüpfen und zu integrieren. Und dies bei Beibehaltung der höchsten Standards in den einzelnen Fachlichkeiten sowie unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Prozesse. Dann hätten wir unser Vereinsziel erreicht. Vielleicht brauchen wir den Verein dann gar nicht mehr. Oder aber er ist zu einem so bedeutenden Faktor geworden, dass wir mit ihm weitere Ziele angehen können.
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