Donnerstag, 24. September 2026

Kreis HofStadtplanung erleben

[21.11.2024] Im Rahmen seines Modellprojekts Smart City erprobt der Landkreis Hof auch den Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen. Entwickelt wird unter anderem eine VR-Simulation zur Stadtplanung; zudem soll virtuelle Realität im Digitalen Zwilling zum Einsatz kommen. 
Virtuelles Abbild eines Stadtzentrums, ein Baum ist im Vordergrund des Bildes zu sehen.

In der fiktiven Stadt lassen sich unter anderem neue Bäume setzen.

(Bildquelle: Landratsamt Hof)

Der oberfränkische Landkreis Hof hat sich mit dem Smart-City-Modellprojekt hoferLand.digital das Ziel gesetzt, mithilfe digitaler Technologien neue Wege in der Stadt- und Regionalentwicklung zu gehen. Dabei setzt die Kommune auch auf innovative Virtual-Reality (VR)-Anwendungen, die nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern ein interaktives Erlebnis bieten sollen, sondern auch die Verwaltung bei Planungsprozessen unterstützen können. „Die Digitalisierung bietet uns die Chance, Prozesse mit großer Transparenz und sehr bürgernah zu gestalten“, erläutert Landrat Oliver Bär. Drei konkrete Projekte zeigen, wie der Landkreis Hof Virtual Reality nutzt, um Beteiligungsverfahren zu fördern, Stadtplanung zu visualisieren und historische Entwicklungen sichtbar zu machen.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Hof entwickelt der Landkreis zum Beispiel eine VR-Simulation zur Stadtplanung. Darin sollen Bürger die Möglichkeit erhalten, aktiv Maßnahmen zur nachhaltigen Gestaltung ihrer Ortschaften in einer virtuellen Umgebung zu erproben. „Viele Bürgerinnen und Bürger sowie Kollegen der kommunalen Verwaltungen sind mit dem Thema virtuelle Realität noch gar nicht in Berührung gekommen. Man muss so eine Brille aber mal aufgesetzt haben, um die immersive Wirkung zu verstehen“, erklärt Projektkoordinatorin Vanessa Wagner den Ansatz. „Das Projekt macht VR erlebbar und zeigt gleichzeitig auf, wie diese in der Stadtentwicklung genutzt werden könnte“, ergänzt hoferLand.digital-Programmleiter Hermann Seiferth.

Bürgerkommunikation wird grundlegend verändert

Digitale Abbilder ausgewählter Orte ermöglichen es den Nutzenden, Maßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen, die Platzierung von Photovoltaikanlagen auf Dächern oder die Einrichtung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge virtuell zu planen und deren Auswirkungen unmittelbar zu erleben. Die Nutzer erkennen direkt, wie sich ihre Maßnahmen auf das Stadtbild und auf Aspekte wie Energieeinsparungen oder Klimaanpassung auswirken. So sehen die Bürger beispielsweise in Echtzeit, wie der Schattenwurf eines neu gepflanzten Baums im Sommer für Abkühlung sorgt oder wie eine Windkraftanlage das Stadtbild beeinflusst. „Indem Bürger diese Veränderungen in der VR erfahren, können sie sich fundierter eine Meinung bilden, gleichzeitig schaffen wir einen Lern­effekt hinsichtlich der VR an sich“, so Wagner.

Um die Anwendungen testen zu können, gibt es in einem ersten Schritt eine fiktive Stadt, in welcher der Nutzer

Virtuelle Darstellung einer Siedlung von oben, eingeblendet sind ergänzende Informationen zum Energiemix, der Anzahl installierter Wind- und Photovoltaikanlagen sowie deren Leistung.
Die virtuelle Realität zeigt nicht nur bildhaft, wie sich geplante Maßnahmen auf unterschiedliche Bereiche auswirken. (Bildquelle: Landratsamt Hof)

zunächst an die VR he­rangeführt wird und sich ausprobieren kann. In einem zweiten Schritt besucht er anschließend virtuell zwei tatsächliche Orte im Landkreis Hof und kann dort die Anwendungen in einer real existierenden Umgebung erleben. „Perspektivisch können solche Anwendungen die Bürgerkommunikation grundlegend verändern. Die geplante Maßnahme wird nicht nur visuell sichtbar, sie wird in ihrem Ausmaß erlebbar“, meint Hermann Seiferth.

Auch beim zweiten Projekt geht es um die Erlebbarkeit von Planungen: hoferLand.digital baut einen Digitalen Zwilling des gesamten Landkreises mit seinen 27 Städten und Gemeinden auf. Dabei handelt es sich um eine realitätsgetreue, virtuelle Kopie des Landkreises, die mit unterschiedlichen Daten und Anwendungen unterlegt ist. Darin wird es den so genannten Fußgängermodus geben, bei dem sich die Nutzer virtuell durch den Zwilling bewegen. Geplant ist, diesen Modus auch mittels VR-Brille mit 360-Grad-Rundumblick anzubieten.

Fußgängermodus und Mixed Reality

„Im Digitalen Zwilling haben wir die Möglichkeit, ein geplantes Gebäude vorab zu visualisieren. Mittels VR-Brille und dem Fußgängermodus lässt sich virtuell erleben, wie das Gebäude das Stadtbild verändert“, erläutert Vanessa Wagner. Sichtachsen rund um das Gebäude, aber auch Aussichten aus dem Gebäude heraus könnten so vorab nachvollzogen werden. Auch Emissionen wie Lärm oder der Schattenwurf eines Gebäudes können simuliert werden. „Der Nachbar kann mittels VR nachvollziehen, wie sein Empfinden im heimischen Garten mit dem Neubau nebenan sein wird“, erklärt Programmleiter Hermann Seiferth.

Perspektivisch könnte die VR-Brille für die Mitarbeitenden der Verwaltung auch bei Vor-Ort-Terminen, beispielsweise bei Baustellenbegehungen, eine große Unterstützung sein. Mit Mixed Reality können die virtuelle und die reale Umgebung kombiniert werden, sodass digitale Inhalte nahtlos in die reale Welt eingebettet werden. Auf diese Weise könnten beispielsweise bei besagter Baustellenbegehung im Digitalen Zwilling hinterlegte Daten georeferenziert visualisiert werden. „Die reine Visualisierung ist heute schon mittels Augmented Reality am Tablet oder Handy möglich. Mit Mixed Reality könnten diese Planungen vor Ort live angepasst werden“, blickt Projektkoordinatorin Vanessa Wagner in eine mögliche Zukunft.

VR-Anwendungen unterstützen aber nicht nur beim Blick in die Zukunft, sondern helfen auch, die Geschichte eines Ortes zu verstehen. So entwickelt der Landkreis Hof gerade zusammen mit der Firma TimeRide das innovative Projekt „VR-Führung im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth“.

Geschichte lebendig machen

Das Freiluftmuseum zeigt heute noch die teils originale Grenzanlage aus der Zeit, als Mödlareuth ein geteiltes Dorf war. An verschiedenen Orten im Außengelände des Museums setzen die Besucherinnen und Besucher im Rahmen einer Führung VR-Brillen auf, die ihnen eine realistische Zeitreise ermöglichen: Sie können so unmittelbar am historischen Schauplatz Szenen aus der Zeit der deutschen Teilung wie etwa eine Fluchtsituation hautnah miterleben.

Eine Anwendung, die sich auch auf andere historische Gegebenheiten übertragen lässt. „Mittels historischer Karten und Bildern oder sogar mit sehr frühen Filmaufnahmen könnten VR-Filme zur historischen Entwicklung von Städten entwickelt werden. Bei der Stadtführung kann ich so auf dem Marktplatz stehen und mir anschauen, wie der gleiche Ort vor einhundert Jahren aussah“, erklärt Vanessa Wagner. Auch hier könnte Mixed Reality zum Einsatz kommen. „Bei Fragen der Stadtentwicklung hilft manchmal auch ein Blick in die Vergangenheit. Ein Bach, der früher offen lag und heute nur noch unter der Straße verläuft, kann wieder freigelegt werden. Bilder, die Impulse geben können“, so Wagner.

„VR-Anwendungen bergen auch im Bereich der Bürgerbeteiligung großes Potenzial“, fasst Landrat Oliver Bär zusammen. „Wichtig ist das Zusammenspiel aus Datengrundlage, Datenverarbeitungsmöglichkeiten und den Visualisierungsinstrumenten“, ergänzt Vanessa Wagner. Daran arbeite der Landkreis derzeit und plane, mit der Urbanen Datenplattform, dem Digitalen Zwilling und den Dashboards spätestens im kommenden Jahr live zu gehen. Darauf aufbauend könnten dann die weiteren Anwendungen ausgerollt werden. „Wenn das Fundament steht, werden VR-Anwendungen in der Kommunikation, aber auch in der Planung ganz neue Maßstäbe setzen können“, ist Projektkoordinatorin Wagner überzeugt.

Paul-Bernhard Wagner ist Netzwerkkoordinator im Modellprojekt Smart City des Landkreises Hof.


Stichwörter: Smart City, AR, Kreis Hof, VR


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Reihe von Autos, Nahaufnahme, im Hintergrund orangefarbenes Bokeh

Köln: MobilitätsCockpit verstetigt

[23.09.2026] Köln führt die Datenplattform MoCKiii nach Abschluss der Förderphase dauerhaft fort. Sie verknüpft Verkehrs-, Umwelt- und Wetterdaten in Echtzeit. Die Informationen fließen unter anderem in Verkehrsanlagen, das Brückenleitsystem und die Mobilithek ein. mehr...

Visualisierung des smarten Pfaff-Quartiers in Kaiserslautern.
bericht

Serie Smart Cities, Teil 6: Resilient und nachhaltig

[22.09.2026] Um zukunftsfähige urbane Infrastrukturen – smarte Quartiere – zu schaffen, sollten Kommunen die Digitalisierung konsequent als Hebel für ganzheitliche Nachhaltigkeit und Resi­lienz nutzen. Dabei können sie sich an vier Leitfragen orientieren. mehr...

Holzblöcke vor blauem Hintergrund bilden eine aufsteigende Treppe mit einem roten Block ganz oben. Symbol für eine Rangliste

Haselhorst Smart City Ranking: Ranking ohne Rangliste

[17.09.2026] Das Haselhorst Smart-City-Ranking verzichtet 2026 erstmals darauf, die Platzierungen der untersuchten Städte aktiv zu veröffentlichen. Ganz geheim bleibt die Rangliste dennoch nicht: München hat seinen erneuten ersten Platz bereits selbst bekannt gegeben. mehr...

Gruppenfoto mit Vertreterinnen und Vertretern der Urban Stack Community

Gütersloh: Zusammenarbeit im Urban Stack

[17.09.2026] Gemeinsam kommt man auf dem Weg zu Digitaler Souveränität besser voran: Dieser Überzeugung sind die aktuell zehn Kommunen, die sich der von der Stadt Gütersloh entwickelten Datenplattform Urban Stack bereits angeschlossen haben. Beim ersten Community-Treffen gab es jetzt konkrete Weichenstellungen und Neuigkeiten. mehr...

Fünf Personen präsentieren den neuen Sensor am Marktplatz Rheydt.

Mönchengladbach / Viersen: Nächtliche Kaltluftströme unter der Lupe

[16.09.2026] In einem gemeinsamen Smart-City-Projekt erforschen Mönchengladbach und Viersen über fest installierte Sensoren die Kaltluftströme in den beiden Städten. Ziel ist es, damit neue Datengrundlagen für Klimaanpassung und Stadtplanung zu schaffen. mehr...

Stuttgarter Schlossplatz mit Jubiläumssäule bei gutem Wetter, Menschen sitzen auf der Wiese.

Smart City Index 2026: Stuttgart übernimmt die Spitze

[09.09.2026] Stuttgart führt erstmals den Smart City Index des Digitalverbands Bitkom an und verdrängt München auf Rang 2. Hamburg folgt auf Platz 3. Mönchengladbach, Bremen, Erlangen und Hildesheim zählen zu den größten Aufsteigern unter den deutschen Großstädten. mehr...

Stadtansicht Braunschweig

Braunschweig: Innovationsstrategie für die digitale Zukunft

[09.09.2026] Für die digitale Transformation der Verwaltung hat Braunschweig eine Innovationsstrategie vorgelegt, über die der Rat Ende September entscheidet. Sie umfasst den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen sowie den Aufbau einer urbanen Datenplattform. mehr...

Smart-City-Plattformen: Neuer DIN-Standard veröffentlicht

[07.09.2026] Handlungsempfehlungen für den Aufbau resilienter, skalierbarer und nachhaltiger Smart-City-Infrastrukturen liefert jetzt die neue DIN SPEC 91377 zu „Datenmodellen und Protokollen in offenen urbanen Plattformen“. mehr...

Wolfsburg: Virtuelles Modell für reale Planungen

[02.09.2026] Das virtuelle Wolfsburg ist fertig. Der vollständig auf Open-Source-Technologien basierende digitale Stadtzwilling bündelt unter anderem Klima-, Wetter- und Straßenzustandsdaten und soll städtebauliche Vorhaben anschaulicher machen – für die Planenden ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. mehr...

Lächelnde Frau im geblümten Sommerkleid vor einem großen Monitor.

Hanau: Mit einem Klick informiert

[31.08.2026] Hanau hat eine öffentliche Datenplattform freigeschaltet, die Live-Informationen zu Parkraum, Innenstadtfrequenz und Wetter bündelt. Das browserbasierte Dashboard ist kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar und soll um weitere Smart-City-Anwendungen ergänzt werden. mehr...

Drei Menschen mit Spaten, im Hintergrund ein orangefarbenes Baufahrzeug

Grünpflege: Smart Gießen in Augsburg

[31.08.2026] Augsburg baut die sensorgestützte Bewässerung seiner Stadtbäume aus. Messwerte aus mehreren Bodenschichten und Wetterdaten zeigen, wann und wo gegossen werden muss. So will die Stadt Wasser sparen, Pflegefahrten reduzieren und ihr Grün besser durch Trockenperioden bringen. mehr...

Smart-City-Strategie: Für viele Kommunen eine Herausforderung.

Smart City: Offenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

[24.08.2026] Kommunen sollten ihre Smart-City-Infrastruktur so aufbauen, dass Systeme verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und Daten unter kommunaler Kontrolle bleiben. Armin Mühlberger von sixData hat in einem Interview vor langfristigen Abhängigkeiten gewarnt und sieht offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen. mehr...

Kartenansicht in Grau mit gelben, grünen und orangenen Punkten.

Karlsruhe: Kleinräumige Daten zum Stadtklima

[21.08.2026] Karlsruhe gehört zu den heißesten Städten in Deutschland. Hunderte Klimasensoren erheben nun detaillierte Daten zum Stadtklima, die auf einer Online-Karte ausgewertet werden können. Die Stadt hat bereits vor mehr als zehn Jahren ihre erste Klimaanpassungsstrategie veröffentlicht. mehr...

Ein Wasserhahn, aus dem Euroscheine fließen, wird von der Hand eines Mannes im schauten Anzu zugedreht
bericht

Serie Smart Cities, Teil 5: Digitalisierung verstetigen

[13.08.2026] In vielen Kommunen wurde die Einführung digitaler Lösungen mithilfe von Fördermitteln angestoßen. Was ist nun zu tun, um die Smart-City-Projekte auch nach dem Ende des Förderzeitraums finanzierbar zu machen und fest in den kommunalen Prozessen zu verankern? mehr...

Geflutete Straße in Deutschland, Schild Hochwasser im Vordergrund

Studie: Digitale Hochwasservorsorge

[10.08.2026] Eine neue Publikation aus der Begleitforschung des Programms Modellprojekte Smart Cities zeigt anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie digitale Lösungen Kommunen bei der Hochwasservorsorge unterstützen. mehr...