Mittwoch, 26. August 2026

RessourcenmangelWie Digitalisierung hilft

[20.03.2025] Die Digitalisierung hilft den Kommunen, Ressourcenengpässe auszugleichen. Sie erfordert allerdings Anfangsinvestitionen. Warum diese gerechtfertigt sind, erläutert Tanja Sepke, Abteilungsleiterin Kommunale Geschäftsfeldentwicklung bei dataport.kommunal.
Porträtaufnahme von Tanja Sepke.

Tanja Sepke ist Abteilungsleiterin Kommunale Geschäftsfeldentwicklung bei dataport.kommunal.

(Bildquelle: dataport.kommunal)

Frau Sepke, bundesweit erschweren knappe Ressourcen den Kommunen zunehmend die Aufgabenerfüllung. Welche Auswirkungen hat das Ihrer Beobachtung nach?

Die Ressourcenknappheit betrifft insbesondere den finanziellen und den personellen Bereich. Zu den personellen Herausforderungen zählt der demografische Wandel. Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, der es erschwert, vakante Stellen zu besetzen. Diese personellen He­rausforderungen wirken sich direkt auf die Leistungsfähigkeit der Kommunen aus. Die finanziellen Ressourcen wiederum werden durch sinkende Steuereinnahmen, steigende Sozialausgaben und die zunehmende Schuldenlast knapp. All das wird sich in den kommenden Jahren kaum zum Besseren wenden.

Inwiefern beeinflusst der Fachkräftemangel die digitale Transformation in den Kommunen?

Da es den Kommunen an Fachkräften für IT und digitale Technologien sowie für Projektmanagement, Change Management und Prozess­optimierung mangelt, verzögert sich die Entwicklung und Umsetzung digitaler Dienstleistungen. Dies wiederum erschwert es den Kommunen, zeitnah effizienter und bürgerfreundlicher zu werden. Durch die jahrelangen Engpässe entstehen zudem immer mehr Wissenslücken. Es bleibt noch weniger Zeit, das vorhandene Personal gründlich zu schulen, was sich negativ auf die Entscheidungsfindung bei digitalen Strategien auswirken kann.

Was sind die häufigsten Vorbehalte gegenüber der digitalen Transformation?

Oft wird angenommen, dass sie zu teuer ist. Zwar ist eine Anfangsinvestition erforderlich. Langfristig führt die digitale Transformation allerdings zu mehr Effizienz, Kosteneinsparungen und verbesserten Dienstleistungen, was die anfänglichen Ausgaben rechtfertigt und sogar amortisieren kann. Um Kosten zu sparen, empfiehlt sich übrigens die interkommunale Zusammenarbeit. Gleich mehrere Kommunen können dann die gleiche Lösung nutzen und sich bei Personalengpässen übergreifend aushelfen. Häufig wird außerdem angenommen, dass die digitale Transformation eine reine Technologiefrage ist. Tatsächlich geht es aber vor allem darum, wie Technologien genutzt werden können, um Dienstleistungen zu verbessern, Prozesse zu optimieren und somit eine innovative Verwaltungskultur zu fördern.

Mit welchen Lösungen unterstützt Dataport die Kommunen?

Dataport verfügt über ein breites Produktportfolio speziell für Kommunen. Mit dITBetrieb bieten wir beispielsweise eine Lösung für eine sichere IT-Infrastruktur in den Verwaltungen. Sie deckt von der Beschaffung und Einrichtung der Endgeräte über den sicheren Betrieb der Fachanwendungen bis hin zum Virenschutz alles Wichtige ab. Auch das komplette Outsourcing des IT-Betriebs ist möglich. Ein anderes Beispiel ist die dDataBox. Sie gewährleistet einen sicheren Datenaustausch ohne E-Mail-Versand, unsichere Plattformen oder Datenträger. Sehr hilfreich für die Bürgerinnen und Bürger ist wiederum die elektronische Wohnsitzanmeldung (eWA), die Dataport im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg entwickelt hat. Mit eWA können die Bürger ihren Wohnsitz bequem und sicher online an- oder ummelden. Stand September 2024 nutzen rund 2.270 Kommunen die Lösung. Denn eWA ist gleich EfA – also eine Lösung nach dem Einer-für-Alle-Prinzip. Beim eGovernment-Wettbewerb 2024 von BearingPoint und Cisco gewann sie denn auch den zweiten Platz in der Kategorie Verwaltungsprozesse von Anfang bis Ende (E2E) neu gedacht.

Wie messen Sie den Erfolg der implementierten Lösungen?

Erfolge zu messen ist wichtig, um die Qualität unserer Beratung zu sichern. Wir haben dafür ein Tool an der Hand, mit dem wir den Stand bei Projektstart und den späteren Ist-Stand miteinander vergleichen und visualisieren. Dieses Hilfsmittel wird den Kommunen während des ersten Termins vorgestellt und erläutert.

„Die Erkenntnis, dass etwas getan werden muss, ist der erste Schritt.“

Wie kann die Prozessoptimierung den Kommunen bei Ressourcenengpässen helfen?

Kommunen sind wie andere öffentliche Verwaltungen stringenter Bürokratie unterlegen. Dennoch kann die Prozessoptimierung für geschmeidigere Abläufe, kürzere Wege und ein einheitlicheres Vorgehen sorgen. Die Erkenntnis, dass etwas getan werden muss, ist der erste Schritt. Diesen gehen wir gemeinsam mit den Kommunen in unserem so genannten Prozess­check. Der nächste Schritt ist die Prozessreifegradanalyse, die wir speziell für Kommunen entwickelt haben. Auf dieser Basis skizzieren wir dann ein maßgeschneidertes Vorgehen zur ganzheitlichen Prozessoptimierung mit und für die Kommune.

Bietet Dataport noch mehr Unterstützung bei der ganzheitlichen Prozessoptimierung?

Seit Januar 2025 bieten wir mit dem dkomm ProzessPilot eine ganzheitliche Beratung zur Prozessoptimierung an. Das Produkt besteht aus einem Basismodul und vier Aufbaumodulen. Im Basismodul wird zunächst der individuelle Bedarf einer Verwaltung ermittelt und eine entsprechende Handlungsempfehlung, zum Beispiel für eines oder mehrere Folgemodule, abgeleitet. Mit Modul eins, der Prozess-Soforthilfe, bieten wir Fachkräfte an, die die Verwaltungen bei personellen Engpässen oder Bearbeitungsrückständen akut unterstützen. Bei Modul zwei geht es um die Optimierung einzelner oder mehrerer Prozesse. Hier analysieren wir zunächst gemeinsam mit der Kommune das gesamte Prozessmanagementsystem, um im nächsten Schritt einzelne Prozesse im Detail zu betrachten und zu optimieren. Modul drei beschäftigt sich mit der Prozess­automatisierung. Hier ermöglichen wir die Prozessoptimierung durch Technologien wie Robotic Process Automation (RPA) oder KI. Modul vier beinhaltet perspektivisch die Prozessverwaltung-as-a-Service – Verwaltungen können einzelne Prozesse komplett an Dataport auslagern. In allen Modulen haben die Kommunen eine individuelle Ansprechperson, die sie bei Fragen kontaktieren können und die ihnen schnelle Lösungen präsentiert. Denn unsere Handlungsmaxime ist die ganzheitliche Prozessunterstützung aus einer Hand.

Was erwarten Sie für die Zukunft der kommunalen IT-Infrastruktur in Deutschland?

Diesbezüglich sind mehrere Trends zu beobachten. So stehen beispielsweise Software as a Service und Cloud Computing im Fokus, da sie den Kommunen ermöglichen, ihre IT-Infrastruktur flexibler zu gestalten und Kosten zu sparen. Immer wichtiger werden natürlich die Cybersicherheit und der Datenschutz. Auch die Interoperabilität verschiedener IT-Systeme und Anwendungen rückt zunehmend in den Fokus. Nicht zu vernachlässigen ist darüber hinaus die digitale Souveränität. In Summe wird die Balance zwischen technologischer Innovation, Datenschutz, Sicherheit und Nutzerorientierung die Gestaltung der kommunalen IT-Infrastruktur prägen. Dies erfordert kontinuierliche Investitionen, die Bereitschaft zur Adaption neuer Technologien und den Aufbau von Kompetenzen in den Kommunen.

Interview: Alexander Schaeff




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Unternehmen

NOLIS: Förderung des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen

[21.08.2026] NOLIS ist dem Netzwerk Junge Bürgermeister*innen als Fördermitglied beigetreten. Das Unternehmen will damit den Austausch mit jungen kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern über Digitalisierung und die Herausforderungen der Verwaltung intensivieren. mehr...

GISA: Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt

[20.08.2026] GISA hat im Geschäftsjahr 2025/26 Umsatz und Betriebsergebnis auf neue Höchststände gesteigert. Besonders im öffentlichen Sektor prägten Cloud-Transformation, IT-Sicherheit und Künstliche Intelligenz die Digitalisierungsprojekte. mehr...

nextgov iT: E-Services von ITEBO übenommen

[13.08.2026] nextgov iT und ITEBO bündeln die Entwicklung ihrer kommunalen Portal- und Online-Lösungen. Das E-Services-Team von ITEBO wechselt zu nextgov iT. Künftig soll eine gemeinsame Plattformstrategie verfolgt werden. mehr...

In München kümmert sich jetzt eine eigene Hauptabteilung um die IT-Sicherheit.

München: CGI unterstützt bei der Verwaltungstransformation

[03.08.2026] Die Stadt München baut ihre digitalen Verwaltungsdienste mit Unterstützung von CGI weiter aus. Die Zusammenarbeit soll Prozesse effizienter machen und die technologische Souveränität der Stadtverwaltung stärken. mehr...

vier personen stehend_ekom21_nimmt Haiilo in Produktportfolio auf

ekom21: Haiilo ergänzt Portfolio

[29.07.2026] Mit Haiilo hat der IT-Dienstleister ekom21 sein Portfolio erweitert. Die zentrale Plattform für interne Kommunikation, Informationen und Wissensinhalte lässt sich nahtlos in bestehende Arbeitsumgebungen integrieren. mehr...

Viel Männer in hellen Hemden stehen in einem Glasgang, alle mit ITEBO-Bällen in der Hand.

Landkreis Vechta: 200. Mitglied der ITEBO Genossenschaft

[21.07.2026] Mit dem Landkreis Vechta zählt die ITEBO Genossenschaft nun 200 Mitglieder. Der Landkreis will über die Einkaufs- und Dienstleistungsgenossenschaft IT rechtssicher beschaffen und gemeinsame Lösungen für die Verwaltungsdigitalisierung nutzen. mehr...

Martin Schallbruch, CEO govdigital, beim Soft Opening des HIT in Berlin

govdigital: Haus der öffentlichen IT gestartet

[13.07.2026] Einen Raum für den Austausch und neue Perspektiven in der Zusammenarbeit öffentlicher IT-Dienstleister schafft seit Anfang Juli das Haus der öffentlichen IT in Berlin. mehr...

Handshake in Business-Umgebung im Gegenlicht

Rohde & Schwarz: Verwaltung und KRITIS stärker im Fokus

[30.06.2026] Der Technologiekonzern Rohde & Schwarz führt zwei seiner Tochterunternehmen zusammen. Durch den Zusammenschluss sollen Netzwerk- und Cyber-Sicherheitslösungen stärker auf Verwaltung, KRITIS und Verteidigung ausgerichtet werden. mehr...

Messestand von d.velop auf dem d.velop SUMMIt 2026

d.velop SUMMIT: Launch von d.velop AI

[23.06.2026] Das Unternehmen d.velop macht Künstliche Intelligenz zum elementaren Bestandteil seiner Content-Plattform. Der Launch erfolgte im Rahmen des diesjährigen d.velop SUMMIT in Düsseldorf. mehr...

Sicht von oben auf Geschäftsleute die an einem Tisch zu einem Meeting versammelt sind

AKDB: Preis für Good-Governance-Standards

[22.06.2026] Die AKDB hat für ihren Public Corporate Governance Kodex den von PricewaterhouseCoopers gestifteten „Preis für Good-Governance-Standards“ erhalten. Der Ansatz wurde als richtungsweisend gelobt, der deutschlandweit wie international als Vorbild dienen könne. mehr...

SQL Projekt/ brainocons: Vereinte Expertise

[22.06.2026] Mit ihrer Kooperation unterstreichen die Unternehmen SQL Projekt und brainocons die Bedeutung offener, vernetzter und KI-gestützter Plattformansätze für die nachhaltige Transformation der öffentlichen Verwaltung.
 mehr...

Handschüttel-Foto

Picture / ekom21: Zugang zur Prozessplattform

[18.06.2026] Hessische Kommunen können die PICTURE-Prozessplattform und begleitende Dienstleistungen ab sofort ohne eigene Vergabe und zu vergünstigten Konditionen beziehen. Dafür sorgt eine Vereinbarung zwischen Picture und ekom21. mehr...

Vertragsabschluss_AKDB_Prosoz_OTS_Vier Männer vor einem Gebäude

Unternehmen: Prosoz integriert OTS

[17.06.2026] Prosoz und die AKDB-Unternehmensgruppe haben ihren Zusammenschluss in den Bereichen Soziales, Jugend- und Bauwesen mit der Integration der OTS GmbH abgeschlossen. mehr...

Verschiedene Devices stehen nebeneinander auf einem edlen Schreibtscih, alle zeigen die Starpage von Materna Virual Solution.

Materna Virtual Solution: Geschärftes Profil

[15.06.2026] Materna Virtual Solution richtet sein Angebot noch stärker als bisher auf die Absicherung mobiler Arbeitswelten aus. Neu ist auch ein Webauftritt, der praxisnahe Informationen, Einsatzszenarien und Beratungsangebote bündelt und sich unter anderem an Fachentscheider der öffentlichen Hand richtet. mehr...

Porträtbild Matthias Kohlhardt

Dataport: Kohlhardt folgt auf Bizer

[11.06.2026] Der IT-Dienstleister Dataport hat ab dem neuen Jahr einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Johann Bizer tritt Matthias Kohlhardt an. mehr...