Cyber-AngriffeWie Kommunen sich schützen

Kriminaloberkommissar Andreas Arbogast vom Cybercrime Präventionsteam des LKA NRW: „Wir beobachten einen drastischen Anstieg an Angriffen auf öffentliche Einrichtungen.“
(Bildquelle: privat)
Herr Arbogast, Herr Cink, warum stehen Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen besonders im Fokus von Cyber-Angriffen?
Arbogast: Im Grunde gibt es zwei Wege, wie Cyber-Angriffe in bare Münze umgesetzt werden können: Lösegeld erpressen oder Zugang zu wertvollen Informationen schaffen. Aus Sicht von Cyber-Kriminellen sind Kommunen in beiden Fällen interessante Ziele. Wichtige kommunale Verwaltungen können nicht tage- oder gar wochenlang blockiert sein, deshalb vermuten Angreifer, hier schnell Lösegeld einstreichen zu können – auch wenn es in Deutschland klare Verwaltungsvorschriften gibt, nicht auf solche Forderungen einzugehen. Kommunen verwalten außerdem in großem Umfang vertrauliche Informationen, die auf dem Schwarzmarkt Käufer finden können. Darüber hinaus ist das Hacken bekannter Verwaltungen mit einer entsprechend hohen medialen Aufmerksamkeit verbunden, was in Hacker-Kreisen als Reputationsgewinn verbucht wird.
Sehen Sie aktuell eine Steigerung der Bedrohungslage?
Arbogast: Wir beobachten einen drastischen Anstieg an Angriffen auf öffentliche Einrichtungen. In der aktuellen Corona-Krise sind Verwaltungen besonders gefordert, schnell viele neue Online-Lösungen zu finden. Damit steigt die Angriffsfläche. Auch alle Kommunikationskanäle brummen – insbesondere der Kontakt per E-Mail. Viele Mitarbeiter finden sich auf einmal im Homeoffice wieder. Die IT-Abteilungen stehen deshalb unter hoher Dauerlast. Zudem sind durch die Corona-Situation Mitarbeiter und Bürger abgelenkt und weniger aufmerksam in Bezug auf Cybercrime. Die Human Firewall ist quasi etwas löchriger. Aus Sicht der Angreifer ist das ein guter Zeitpunkt für gezielte Attacken auf die Kommunalverwaltung.
Was waren Ihrer Erfahrung nach die konkreten Angriffsmuster bei erfolgreichen Fällen?
Arbogast: E-Mail, E-Mails und noch mal E-Mails. Nach wie vor ist Ransomware zur Lösegelderpressung sehr verbreitet. Sie sucht in immer neuen Formen ihren Weg per E-Mail in die Verwaltung. Über Emotet-Angriffe wird versucht, Schad-Software gezielt einzuschleusen, um besonders vertrauliche Daten abzugreifen.
#bild2
Cink: Wir beobachten außerdem, dass die Angriffe mit Phishing-Mails oder auch durch Social Engineering mittlerweile qualitativ so gut sind, dass es für die Nutzer immer schwerer wird, einen Fake auch als solchen zu erkennen. Allein auf die Awareness der Nutzer zu setzen, ist aus unserer Sicht fahrlässig. Hier müssen Unternehmen und Verwaltungen umdenken und viel stärker auf das Prinzip einer echten E-Mail-Firewall setzen. Dabei wird stringent festgelegt, welche Kommunikation man zulässt, alles andere wird kategorisch abgelehnt. Durch selbstlernende Verfahren funktioniert das auch ohne großen Administrationsaufwand.
Arbogast: Das kann ich nur unterstützen. Rund 70 Prozent der Angriffe kommen echt oder gefaked über die Supply Chain, also vermeintlich bekannte Kommunikationspartner. Hier können Automatismen zur intensiven Prüfung der Senderreputation einen deutlichen Beitrag zum Schutz leisten.
„Wenn die große Mehrheit von Unternehmen, Verwaltungen und Bürgern verschlüsselte E-Mail-Kommunikation einsetzt, erreichen wir quasi Herdenimmunität.“
Warum tun sich Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen teilweise schwer mit der E-Mail-Sicherheit?
Arbogast: Aus unserer Erfahrung ist die IT in öffentlichen Einrichtungen oft personell unterbesetzt. Zusammen mit dem Druck zur weiteren Digitalisierung ist die Last auf den IT-Abteilungen – auch schon vor der Corona-Krise – besonders hoch und man kann den Eindruck gewinnen, dass Sicherheitsaspekte dann nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich bräuchten.
Cink: Hinzu kommt, dass oft auch noch falsche Vorstellungen über den Einführungsaufwand vorherrschen. Nehmen wir als Beispiel die E-Mail-Verschlüsselung: Durch die Automatisierung der Zertifikatsverwaltung und der zentralen Einrichtung können wir heute die Verschlüsselung der Kommunikation selbst von tausenden Nutzern innerhalb weniger Tage umsetzen. Gleiches gilt für unsere modernen Anti-Spam- und Anti-Malware-Lösungen. Der Administrationsaufwand ist durch Automatisierung und selbstlernende Systeme nur gering und kann auf Wunsch als Managed Service komplett ausgelagert werden. Auch die Kosten sind überschaubar. Für den Gegenwert von drei Briefmarken kann ein Nutzer einen Monat lang sicher und verschlüsselt per E-Mail kommunizieren.
Wie verbreitet und wichtig ist die E-Mail-Verschlüsselung?
Cink: Ich will es einmal deutlich sagen: Es ist grob fahrlässig, wenn Verwaltungen nicht standardmäßig verschlüsselte E-Mail-Kommunikation nutzen – untereinander zwischen Verwaltungen, aber auch mit Bürgern und Unternehmen. Immer mehr Unternehmen und Bürger haben mittlerweile die Technik dafür eingeführt, und gute Mail-Security-Produkte bieten heute auch Methoden für eine verschlüsselte Kommunikation mit Teilnehmern, die selbst keine Verschlüsselungsinfrastruktur haben. Das gehört zum Grundschutz, den keine Kommune vernachlässigen darf.
Arbogast: Hier lässt sich ein schöner Vergleich zur aktuellen Lage ziehen: Wenn wir erreichen, dass die große Mehrheit an Unternehmen, Verwaltungen und Bürgern verschlüsselte und damit signierte E-Mail-Kommunikation einsetzt, dann erreichen wir quasi Herdenimmunität gegenüber Massen-Malware und Spam. Es lohnt sich dann schlichtweg für die Angreifer nicht mehr. Insofern ist Cyber-Sicherheit auch eine gesellschaftliche Aufgabe und die Verwaltung sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen.
Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen
[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...
Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos
[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...
Bonn/Estland: Von den Besten lernen
[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...
ITEBO: Auch im Ernstfall arbeiten können
[16.07.2026] Um den Verwaltungsbetrieb auch im Krisenfall aufrechthalten zu können, sollten Kommunen einen vorbereiteten Notfallarbeitsplatz vorhalten. Eine solche Lösung bietet unter anderem ITEBO an. mehr...
Komm.ONE: Cyber-Sicherheit wird zur Daueraufgabe
[29.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...
CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle
[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...
BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit
[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...
Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit
[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...
eGo-Saar: Erfolgreiche SaarSecurity Roadshow
[27.05.2026] In einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe haben der Zweckverband eGo-Saar und das saarländische Wirtschaftsministerium über NIS2, IT-Notfallmanagement und digitale Resilienz informiert. Bei den Kommunen stieß die SaarSecurity Roadshow 2026 auf großes Interesse. mehr...
Cyber-Sicherheit: Kommunen sind leichte Beute
[12.05.2026] Wie Städte und Kreise ihre IT trotz Fachkräftemangel wirksam vor Cyber-Kriminellen schützen können, erläutern im Interview Kira Groß-Bölting und Jan Leitzgen vom Computer Security Incident Response Team (CSIRT) des Unternehmens G DATA Advanced Analytics. mehr...
BSI: Frühwarnsystem für Cyber-Sicherheitsvorfälle
[30.03.2026] Angesichts der angespannten Cyber-Sicherheitslage stärkt das BSI die Reaktionsfähigkeit gegen IT-Sicherheitsvorfälle. Mit den öffentlichen IT-Dienstleistern von Ländern und Kommunen soll der Einsatz von Datensensorik ausgebaut werden – als Grundlage für Echtzeitanalysen und erster Schritt Richtung Cyberdome. mehr...
Salzlandkreis: IT digital resilient machen
[04.03.2026] Um die digitale Resilienz seiner Verwaltung nachhaltig zu erhöhen, setzt der Salzlandkreis auf eine umfassende Sicherheitsinitiative. Unterstützt wird die Kommune dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...
CSBW: IT-Notfallübung für Krisenstäbe in Kommunen
[02.03.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) bietet Kommunen IT-Notfallübungen an. Unter realistischen Bedingungen werden Krisenstab, Krisenkommunikation und IT-Notfallhandbuch geübt, anschließend erhalten die Teilnehmenden einen individuellen Maßnahmenplan. Termine für 2026 sind ab sofort buchbar. mehr...
Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit
[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...
Berlin: 12. Kommunaler IT-Sicherheitskongress
[04.02.2026] Die kommunalen Spitzenverbände laden am 27. und 28. April zum 12. Kommunalen IT-Sicherheitskongress (KITS) in einem hybriden Format ein. Die Themen reichen vom Grundschutz++ über Erfolgsmodelle für die kommunale Zusammenarbeit bis hin zu Open Source und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Veranstaltung ist kostenfrei. mehr...




















