Montag, 11. Mai 2026

Kongress Neue VerwaltungKooperation im Netzwerk

[07.04.2014] Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Verwaltungsbereichen zu verbessern, ist ein zentrales Ziel beim diesjährigen Kongress Neue Verwaltung. Ein besonderer Forenstrang widmet sich darüber hinaus der kommunalen IT-Sicherheit.
Verwaltung im Zusammenspiel zeigt der Kongress Neue Verwaltung.

Verwaltung im Zusammenspiel zeigt der Kongress Neue Verwaltung.

(Bildquelle: Friedhelm Windmüller)

Der 15. Kongress Neue Verwaltung (6.-7. Mai 2014, Congress Center Leipzig) bietet mit seiner großen Anzahl von Vorträgen, Workshops und Tutorials erneut eine Themenvielfalt, die das gesamte Spektrum der digitalen Verwaltung abbildet. In diesem Jahr will der Kongress zu einer besseren Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungsbereiche anregen. Hierzu ist neben den organisatorischen und technischen Lösungen auch eine Kultur des Zusammenspiels notwendig. Unter technischen Aspekten stehen Themen rund um ein vernetztes Dokumenten- und Wissensmanagement, die E-Akte im softwarebasierten Verwaltungsablauf, Beispiele für behördenübergreifende Prozesse, Fragen der Sicherheit und des Datenschutzes sowie Informationsangebote für mobile Geräte im Vordergrund. Aus der Perspektive der Verwaltungsorganisation sind die Bereiche Personal, Prozesse, Steuerung und Wissensmanagement hervorzuheben, da sie die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches E-Government bilden. Als dritter großer Themenbereich sind die verschiedenen Kooperationsarten zu nennen: abteilungs- oder behördenübergreifend, regional, interkommunal oder föderal sowie über Social Media.

Vorträge aus der Verwaltungspraxis

Im Rahmen des Call for Papers, den die dbb akademie als Veranstalter des Kongresses alljährlich durchführt, gingen zahlreiche Vortragsvorschläge ein, die unmittelbar aus der Verwaltung kommen und bei den Teilnehmern besonderes Interesse finden werden. So stellt Ulrich Zuber, Wissensmanager des Bundesverwaltungsamts, das Zusammenspiel verschiedener Wissenskomponenten vor. In seinem Vortrag „Wissensmanagement 4.0 – Der Weg zur wissensbasierten Organisation“ beschreibt er die Bedeutung des internen Mitarbeiterportals, das personalisierte Informationsangebote mit Social-Media-Funktionen verbindet und so die Vernetzung und den Wissensaustausch der Mitarbeiter fördert. Daniel Lukas, Referent in der Sächsischen Staatskanzlei, unterstreicht in seinem Beitrag die Bedeutung der ressortübergreifenden Zusammenarbeit anhand des IT-gestützten Berichtswesens SaxIB.
Dieses Portal stellt das zentrale strategische Informationssystem der Staatsregierung dar, in dem der Stand aktueller und geplanter Projekte dokumentiert wird. Die einzelnen Ressorts nutzen die Lösung als internes Informationssystem und zur inhaltlichen Vorbereitung von Kabinettssitzungen. Die Staatskanzlei nutzt das Portal zur Steuerung und Kontrolle zentraler Politikfelder.

Potenzial der Vernetzung

Aktuelle Projekte für ein kooperatives E-Government, die derzeit in größeren regionalen Zusammenschlüssen erprobt werden, sind in einem speziellen Forum zusammengefasst: Christine Brockmann von der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) erläutert die strategische Bedeutung von Erprobungsräumen für die Weiterentwicklung von E-Government; Professor Andreas Engel, Leitender Stadtverwaltungsdirektor und CIO der Stadt Köln, konkretisiert dies am Beispiel der Genehmigung von Schwerlasttransporten im Erprobungsraum Rheinland. Ein weiteres Beispiel beschreibt Fabian Ewert. Er betreut als Projektleiter das Leitungsauskunftsportal der MRN, über das die Prozesse bei Straßenaufgrabungen dank einer verbesserten Koordinierung der Beteiligten optimiert werden.
Auch in weiteren Vorhaben wird das Potenzial der Vernetzung deutlich: Reinhard Babl, EDV-Leiter im Landratsamt Cham, stellt ein Adress-Management vor, das von verschiedenen Kommunen und den Sachgebieten des Landratsamts gemeinsam genutzt wird, um redundante und fehlerhafte Daten zu verhindern. Tim Balschmiter vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie präsentiert das Portal geodaten.de, das raumbezogene Daten von Bund, Ländern und Kommunen zusammenführt und öffentlich zugänglich macht. Sabine Griebsch berichtet über den Arbeitsraum Kommunen Sachsen-Anhalt (ArKoSA), eine Kollaborationsplattform der Hederslebener Runde, in der sich Vertreter des Landes, der Wirtschaftsförderung und der Kommunen über regionale IT-Entwicklungen austauschen.
Grundlegende Aspekte von Mobile Government beleuchtet Christian Hoffmann von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in seinem Vortrag „Wenn die Verwaltung mobil wird“. Frank Schwanbeck, Abteilungsleiter bei Citkomm, wirft einen kritischen Blick auf das Datenchaos, das durch mobile Websites, Apps und Mobile Government droht. Peter Wafzig, Projektleiter bei Seitenbau, plädiert hingegen für ein Responsive Design, das zwar flexibel auf die unterschiedlichen Displays von mobilen Geräten und PC-Monitoren reagiert, aber auf einer einheitlichen Datenbasis beruht.

Management von IT-Projekten

Über Prozess-Management als integrierter Bestandteil des europäischen Qualitätsmanagement-Modells spricht Astrid Stein vom Deutschen CAF-Zentrum im Bundesverwaltungsamt. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, beschreibt Methoden zur Messung von bürokratischen Belastungen und Möglichkeiten der Prozessoptimierung.
René Böcker vom Bundesministerium des Innern macht in seinem Vortrag darauf aufmerksam, dass die Implementierung neuer IT-Systeme durch ein Management of Change begleitet werden muss, weil zahlreiche neue Anforderungen an das Wissen, die Fähigkeiten und das Verhalten aller beteiligten Personen gestellt werden. Da neue Systeme nicht automatisch zu Effizienzsteigerungen führen, wurde das Projekt BMI Client 2.0 initiiert, das auch nachgeordnete Behörden in die Veränderungsprozesse einbezieht. Thomas Krampe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, schildert am Beispiel des Bundeswehrprojekts HERKULES, wie unübersichtliche Verantwortlichkeiten in diesem ÖPP-Projekt zu mangelnder Akzeptanz führten und wie dies behoben werden kann.
Mängel im Management von IT-Projekten sollen durch standardisierte Vorgehensmodelle verhindert werden, für die im Bund das V-Modell XT entwickelt wurde. Mike Rösler präsentiert ein Methodenhandbuch, das die Projektleitung durch praktische Beispiele und Dokumentvorlagen unterstützt. Gerd Armbruster, Abteilungsleiter des Fachbereichs IT der Stadt Mannheim, zieht eine Bilanz zum CHANGE²-Projekt, das Spartendenken überwinden soll und eine grundlegende Änderung der Verwaltungskultur anvisiert.

Kommunaler Forenstrang

Kommunale Themen werden auch in diesem Jahr wieder in einem besonderen Forenstrang gebündelt. Hier findet sich auch das Forum der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako. Unter dem Titel „Alles sicher – oder was!?“ widmet es sich der kommunalen IT-Sicherheit. Der Hauptsponsor des Kongresses, die Deutsche Post AG, wird darüber hinaus Vorträge zum sicheren Umgang mit digitalen Dokumenten und Prozessen präsentieren.

Dr. Volker Franke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der dbb akademie und für das Programm-Management des Kongresses Neue Verwaltung verantwortlich.




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