Montag, 9. Februar 2026

Barcelona/ChicagoSmart City dank der Cloud

[04.08.2016] Bei innovativen Projekten kommen Kommunen an Cloud-Lösungen nicht vorbei. Barcelona und Chicago beispielsweise erneuern so ihre IT-Infrastrukturen und -Plattformen, um ihre Verwaltung effizienter und bürgernäher zu machen.
Barcelona baut Kathedralen und die Smart City.

Barcelona baut Kathedralen und die Smart City.

(Bildquelle: Konstantinos Dafalias/pixelio.de)

Barcelona wird einfach nicht fertig: Der Bau der „Sagrada Família” begann 1882 und wird frühestens 2026, so die Planungen, zum 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí beendet sein. Auch an der modernen Stadt arbeitet man in Barcelona noch, und anders als beim Bau der mächtigen Kathedrale ist hier kein Ende in Sicht. Als Problem sieht das in der katalanischen Metropole aber niemand; schließlich betritt die Stadt mit vielen ihrer Smart-City-Projekte echtes Neuland. Dem Juniper Research-Ranking 2015 zufolge darf sich Barcelona aufgrund der vielen Projekte und der Erfahrung bei der Stadterneuerung „1st Smart City in the World“ nennen. Einige Beispiele aus der Praxis belegen, warum. Zur intelligenten Stadt gehört smarter Verkehr. Um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern, hat Barcelona schon im Jahr 2012 ein neues Busnetzwerk eingeführt, das aus horizontalen und vertikalen sowie einer diagonal verlaufenden Linienführung besteht und deutlich einfacher zu nutzen ist als früher. Die Verkehrsführung über intelligente Ampelschaltungen sowie der Service wurden durch ausführliche Informationen für Fahrgäste gleich mit verbessert. Auch dieses System ist nicht abgeschlossen: Jahr für Jahr kommen neue Linien und weitere Services dazu.

Open Data belebt

Von dem Betreuungssystem Telecare für ältere und behinderte Menschen profitieren in Barcelona mehr als 70.000 Bürger. Zum Service gehört ein Hausnotrufsystem, das rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr für Notfälle bereitsteht. Die Betreuung ist aber nicht auf Notrufe beschränkt, sondern bietet zum Beispiel auch eine häufige Kontaktaufnahme. Das hilft dabei, ungewollte Isolation und Einsamkeit zu verringern.
Mit ihren öffentlichen Daten geht die katalanische Stadt am Mittelmeer sehr großzügig um: Im Rahmen ihres Open-Data-Konzepts stellt Barcelona den Bürgern all diese Daten zur Verfügung und sorgt damit nicht nur für bessere Informationen für Einwohner und Touristen. Sie belebt damit auch die heimische Wirtschaft, die mit den Daten neue Services, Firmen und Produkte auf den Markt bringt. Wie App&Town, ein Service, der Menschen von A nach B leitet – über den öffentlichen Nahverkehr. Von den offenen Daten profitiert die Stadt auch selbst: Über die Angebote erhöht sie den sozialen und ökonomischen Wert der Metropole und lockt damit neue Bewohner und Touristen an. Wer solche und andere Projekte realisieren möchte, darunter auch intelligente Ampeln, den interaktiven Bus-Stopp Smartquesina und das kostenlose Internet-Angebot Barcelona WiFi, braucht eine leistungsfähige, stabile und zukunftssichere IT. In Barcelona kommen dafür unter anderem Cloud-Technologien und mobile Geräte von Microsoft zum Einsatz, die einen Teil der innovativen Infrastruktur und damit die Grundlage der vielen einzelnen Innovationsprojekte bilden.

Cloud über Chicago

Über der US-amerikanischen Metropole Chicago ziehen ebenfalls Wolken auf – wenigstens virtuell: Die Stadt modernisiert ihre Bürgerservices mit Unterstützung von Office 365, dem cloudbasierten Office-Paket von Microsoft.
#bild2 Auch in Chicago geht es nicht einfach um die Verbesserung einzelner Angebote für die Bürger, sondern um ein umfassendes Paket an Maßnahmen, das von den Bussen, mit denen die Menschen zur Arbeit fahren, bis zu den Parks reicht, in denen sie ihre Freizeit verbringen. Die Stadt verbessert mit der Office-Suite die Zusammenarbeit innerhalb der Behörden und den Kontakt mit den Bürgern, sorgt darüber für effizientere und in hohem Maße automatisierte Prozesse und stattet ihre Mitarbeiter in den Behörden digital mit den Informationen aus, die sie für ihre Arbeit und den Bürgerkontakt benötigen. Obwohl die städtischen Abteilungen alle ihre eigenen Aufgabenbereiche haben, so kooperieren sie doch immer wieder untereinander mit dem Ziel, ihren Bürgern den bestmöglichen Service zu bieten.

Reibungslosere Kommunikation

Das war nicht immer so: In der Vergangenheit haben die städtischen Mitarbeiter immer wieder Kommunikationsprobleme mit ihren Kollegen gehabt, erinnert sich Brenna Berman, Chief Information Officer der City of Chicago. Die fehlenden Verbindungen innerhalb der Behörden waren nicht nur ärgerlich, sondern wirkten sich auch negativ auf die Sicherheits- und Effizienzbestrebungen der Stadt aus. Zudem verursachte die mangelhafte Kommunikationsinfrastruktur Doppelarbeiten und damit höhere Kosten in der IT-Verwaltung. Bei der Verbesserung städtischer Infrastrukturen helfen wie in Barcelona und anderen Städten immer häufiger Technologien aus der Cloud. Stellvertretend für diesen Trend heißt es in Chicago: Wer über Behörden- und Abteilungsgrenzen Mitarbeiter miteinander vernetzen möchte, kommt zumindest in Teilen und bei innovativen Projekten um die Cloud nicht herum. Für Cloud-Lösungen spricht nicht nur die Vernetzung, sondern auch das Ziel, für Aufbau und Erhalt der Infrastruktur langfristig Kosten zu sparen. Für Office 365 aus der Cloud sprach aus der Sicht der IT-Chefin Chicagos am Ende auch seine Vielseitigkeit: „Mit dieser Flexibilität erweitern wir die Möglichkeiten aller Mitarbeiter, einschließlich unserer vielen Außendienstler, die bei uns allein ein Drittel der Beschäftigten stellen”, so Berman. „Mit Office 365 haben wir eine viel reibungslosere Kommunikation innerhalb der Abteilungen, mit unseren Außendienstlern und Handwerkern. Die Zahl der physischen Meetings ist zurückgegangen und den Papierverbrauch haben wir signifikant senken können.“

Keine Utopie im öffentlichen Sektor

Die Beispiele zeigen: Business Analytics, Big Data, das Internet der Dinge und Machine Learning sind weder Utopien noch Technologien, die ausschließlich in Industrie und Wirtschaft anwendbar sind. Gerade im öffentlichen Sektor ruhen große Potenziale, um Bürger und Verwaltung näher zusammenzubringen und die Lebensqualität zu steigern. Dabei geht es darum, den öffentlichen Sektor für das digitale Zeitalter fit zu machen. Öffentliche Institutionen müssen anfangen, digital zu denken und ihre bisherigen Werkzeuge und Prozesse zu hinterfragen. Nicht nur für mehr Bürgernähe und bessere Services, sondern auch, um dem zunehmenden Kostendruck der öffentlichen Verwaltung etwas entgegenzusetzen. Aktuelle Studien sprechen von einem Einsparpotenzial in Höhe von drei Milliarden Euro und von einer Verringerung des bürokratischen Aufwands um 34 Prozent.

Renate Radon ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland und dort für das gesamte Geschäft mit der öffentlichen Verwaltung, dem Bildungsbereich und dem Gesundheitswesen verantwortlich.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Detailaufnahme Bauplan mit Bleistift

Schleswig-Holstein: Unterstützung für kommunale Bauleitplanung

[05.02.2026] Schleswig-Holstein will Bauleitpläne künftig mit dem Standard XPlanung und einer zentralen Bereitstellungsplattform landeseinheitlich digital verfügbar machen. Das Land unterstützt Kommunen bei der Umwandlung bestehender Pläne. mehr...

Zeichnung von Händen, die je ein Puzzleteil in der Hand halten, die zusammengefügt werden. Daneben steht ÖFIT-Wegbereiter geschrieben.

ÖFIT-Wegbereiter-Reihe: Kompetenzaufbau in der Verwaltungspraxis

[30.01.2026] Als niedrigschwellige, anwendungsorientierte Lern- und Arbeitsinstrumente sollen die ÖFIT-Wegbereiter die interdisziplinäre Bearbeitung von Digitalisierungsprojekten in der öffentlichen Verwaltung unterstützen. Die Reihe umfasst derzeit vier Ausgaben unter anderem zu den Themen Low Code, generative Künstliche Intelligenz und Digitale Souveränität. mehr...

Junger Mann mit Kopfhörern in einer Büroumgebung, die untere Hälfte seines Gesichts von einem Monitor verdeckt.

Vitako: Die Verwaltung der Zukunft im Podcast

[16.01.2026] Orientierung schaffen, Debatten anstoßen und zeigen, wie öffentliche IT den digitalen Staat mitgestaltet – das will der neue Podcast von Vitako, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister. mehr...

KDO: IT-Wissen praxisnah vermittelt

[14.01.2026] Die KDO-Akademie vermittelt IT-Kompetenz: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 200 Schulungen durchgeführt. Nun entwickelt sich das Angebot weiter. In verschiedenen Formaten wird neben Know-how zu konkreten IT-Lösungen auch Wissen zu übergreifenden Themen vermittelt. mehr...

Grafik, die den Ablauf des Kölner IT-Planungsprozesses erläutert.

Köln: Erster IT-Planungsprozess

[22.12.2025] Um die IT- und Digitalisierungsvorhaben der Verwaltung schneller bewerten und priorisieren zu können, hat Köln erstmals einen gesamtstädtischen IT-Planungsprozess umgesetzt. Er orientiert sich an Industriestandards für die IT-Planung in Unternehmen und sorgt für einen optimalen Ressourceneinsatz sowie eine nachhaltig gesteuerte digitale Transformation. mehr...

Vier Personen stellen das Aachener Baumkataster vor

Aachen: Straßenbäume exakt dokumentiert

[19.12.2025] In Aachen wurden in den vergangenen Jahren alle Stadtbäume mit Stamm- und Zustandsdaten in ein Kataster eingepflegt. Das soll der Stadtverwaltung künftig alle Prozesse rund um Baumkontrolle und -pflege erleichtern. mehr...

Cuxhaven: Schnell informiert im Notfall

[19.12.2025] Seit 2005 informiert die Stadt Cuxhaven ihre Bürgerinnen und Bürger über regionale Gefahrenlagen oder Schadensereignisse per App. Nun erhielt die mobile Anwendung ein umfassendes Update. mehr...

Junger Mann sitzt mit Laptop, Taschenrechner und einigen Papieren in sorgenvoller Haltung am Schreibtisch.

Fraunhofer FOKUS: Zwischen Medienbrüchen und Bürokratiearbeit

[03.12.2025] Was macht einen Verwaltungsprozess wahrhaft nutzerfreundlich? Dieser Frage geht – anhand des Wohngeldantrags – eine Studie von Fraunhofer FOKUS nach. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, ein handlungsleitendes Gesamtbild der Verwaltungsmodernisierung zu entwickeln. mehr...

Fragestellung er Umfrage mit einem Störer "Deine Meinung zählt"

NeXT: Breite Umfrage zur Nachnutzung

[27.11.2025] Wie steht es um die Nachnutzung digitaler Lösungen in der öffentlichen Verwaltung? Das Netzwerk NeXT hat dazu eine Umfrage aufgesetzt Alle Verwaltungsbeschäftigten – ungeachtet der Ebene oder Rolle – können noch bis Ende November ihre Praxiserfahrungen teilen. mehr...

Gruppenfoto der Teilnehmenden am „Kooperationsraum für Verwaltungsmodernisierung in föderalen Strukturen“

Metropolregion Rhein-Neckar: Kooperationsraum für moderne Verwaltung

[25.11.2025] Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Metropolregion Rhein-Neckar bauen ihre seit 2010 bestehende Kooperation aus und richten einen föderalen Kooperationsraum ein, der digitale Lösungen länder- und ebenenübergreifend entwickelt und erprobt. mehr...

Frau schreibt auf einem Notizblock, im Hintergrund weihnachtliche Deko
bericht

Studie: Intern besser integrieren

[20.11.2025] Wie erleben Behördenmitarbeitende die Digitalisierungsbemühungen in ihrem Alltag? Dies wollte das Unternehmen d.velop herausfinden. Ein Ergebnis der Umfrage: Eine vollständige Digitalisierung bis 2030 halten 75 Prozent der Befragten für unrealistisch. mehr...

Porträtaufnahme von Ilona Nickel.
interview

Lohr a.Main: Neue Perspektiven eröffnet

[19.11.2025] Ilona Nickel aus der IT-Abteilung der Stadt Lohr a.Main zählt zu den ersten Absolventen des Weiterbildungslehrgangs Digitalwirt. Im Interview erklärt sie, was den Lehrgang besonders macht und wie ihr dieser hilft, die Digitalisierung in Lohr voranzutreiben. mehr...

Szene aus einem Handballspiel.

Mainz: Mit Sportstättenverzeichnis online

[14.11.2025] In Mainz können jetzt die Belegungspläne von zunächst 20 Sporthallen online eingesehen werden. Weitere Hallen sollen sukzessive folgen. mehr...

Initiative Ehrenbehörde: Michelin-Stern für Behörden

[28.10.2025] Zwölf Behörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden jetzt für neue Standards in Kommunikation, Digitalisierung und Führung als „Ehrenbehörden 2026“ ausgezeichnet. mehr...

dbb akademie: Digitalisierung im öffentlichen Dienst bleibt große Baustelle

[24.10.2025] Die dbb akademie hat jetzt das Fach- und Führungskräfte-Barometer 2025 vorgelegt. Demnach fühlen sich jüngere Generationen digital fitter, aber unzureichend vorbereitet. mehr...