Sonntag, 15. Februar 2026

BauwesenNeues Zeitalter

[20.01.2017] In der Stadt Herford und im Kreis Diepholz können Bauanträge mithilfe der Lösung ITeBAU vollständig elektronisch bearbeitet werden. Die beiden Kommunen können damit die Bearbeitung beschleunigen und die Transparenz der Baugenehmigungsverfahren erhöhen.
Virtuelles Bauamt beschleunigt Prozesse.

Virtuelles Bauamt beschleunigt Prozesse.

(Bildquelle: MEV Verlag)

Der Kreis Diepholz und die Stadt Herford bieten die Möglichkeit, Bauanträge von der rechtskonformen Antragstellung inklusive Signatur bis hin zur Erteilung des Bescheids komplett digital zu bearbeiten. Sie nutzen hierfür ITeBAU, eine Gesamtlösung von Anbieter ITEBO, die in verschiedenen Bundesländern – besonders in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen – bei vielen Bauaufsichtsbehörden im Einsatz ist.
Im nordrhein-westfälischen Kreis Herford wird ITeBAU bereits seit dem Jahr 2012 erfolgreich genutzt. Auch die kreisangehörige Stadt Herford entschied sich im Frühjahr 2016, mit dem Angebot des virtuellen Bauamts die Kommunikation zwischen Antragstellern, Bauaufsichtsbehörden, den Ämtern und weiteren Beteiligten zu verbessern. „Wir bearbeiten jährlich über 600 Genehmigungsverfahren mit einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von acht bis zwölf Wochen. Meist sind es unzureichend vorliegende Unterlagen, die den Prozess verzögern“, berichtet Elke Verfürth, Abteilungsleiterin der Unteren Bauaufsichts- und Denkmalbehörde der Hansestadt Herford.

Mehr Transparenz bei Bearbeitungsstand

Das Team der Bauaufsicht strebte daher ein serviceorientierteres, bürgerfreundlicheres und schnelleres Bearbeitungsverfahren an. Mehr Transparenz sollte es geben in Bezug auf Bearbeitungsstände, die Qualität und Vollständigkeit der Unterlagen sowie die Zuständigkeiten für die weitere Bearbeitung. „Mit ITeBAU können fehlende oder fehlerhafte Unterlagen sofort erkannt und ergänzt werden. Es wird gleich offensichtlich, welcher Ansprechpartner für welche Aufgabe zuständig ist. Durch die zeitgleiche Beteiligung aller Akteure in der digitalen Akte werden zeitnahe und einfach umsetzbare Anpassungen möglich. Überarbeitungen, Nachtragsunterlagen und externe Stellungnahmen kommen schneller zurück. Und für Auskünfte müssen Akten nicht länger aus dem Archiv bereitgestellt werden“, zählt Bauamtsleiterin Verfürth die Vorteile auf. „Unsere Mitarbeiter können künftig von jedem Arbeitsplatz aus die Vorgänge einsehen und direkt alle Informationen abrufen. Dies wird in der Beratung deutlich Zeit einsparen.“

Vollständig digital ab 2017

Ab Januar 2017 werden die Antrags- und Genehmigungsverfahren der Stadt Herford mit allen dafür erforderlichen Prozessen und Dokumenten vollständig digital durchgeführt. Die Grundlage für die Zusammenführung aller benötigten Komponenten des Baugenehmigungsprozesses stellt ITeBAU. Kern des virtuellen Bauamts von ITEBO ist die webbasierte Bauplattform conjectPM. ITeBAU ist bereits in alle großen, marktgängigen Baugenehmigungsfachverfahren implementiert und in unterschiedlichen Rechtsgebieten im Einsatz. Die Lösung bietet somit die notwendige Infrastruktur und Hochverfügbarkeit und Nutzern zudem eine einheitliche Anwendungsplattform sowie standardisierte Abläufe.
Auch beim Kreis Diepholz, dem sechstgrößten Landkreis Niedersachsens, ermöglicht ITeBAU seit Juni 2016 eine papierlose und vollautomatische Bearbeitung in den Bereichen Bauantragstellung und -genehmigung sowie Bundes-Immissionsschutz. Darüber hinaus bietet die Kommune bereits seit dem Jahr 2011 die Baulastenauskunft Online an. 1.500 Bauanträge – vom Einfamilienhaus bis hin zu Sonderbauten – bearbeitet die Verwaltung pro Jahr.

Anträge kommen oft in Papierform

„Inzwischen werden alle Baugenehmigungsverfahren nach NBauO vollständig digital umgesetzt. Von der Antragstellung, der Bearbeitung und Prüfung der Unterlagen über die Einholung von Stellungnahmen anderer Behörden und Institutionen bis hin zur Zustellung von Bescheiden und Gebühren“, sagt Lore Willenbruch, beim Kreis Diepholz zuständig für die Systembetreuung des Fachdienstes Bauordnung und Städtebau. „Zwar kommt immer noch die überwiegende Zahl der Anträge und Unterlagen in Papierform. Auf unsere Nachfrage werden diese aber oftmals sehr schnell digital nachgeliefert, den Rest scannen wir ein.“
Die Einführung eines digitalen Bauamts ist meist weniger eine technische, als vielmehr eine organisatorische Herausforderung, die vor allem Unterstützung und Kommunikation erfordert. Der Kreis Diepholz investierte bereits vor und insbesondere während der Einführung des neuen digitalen Verfahrens in eine intensive externe Kommunikation und zahlreiche Informationsveranstaltungen. „Der Aufwand hat sich gelohnt, weil wir immer mehr Zustimmung erhalten und inzwischen fast alle Beteiligten dauerhaft im Boot haben“, sagt Lore Willenbruch zufrieden. Allerdings beteiligen sich nach Angaben der Kreisverwaltung gerade große Unternehmen und Behörden, wie die Bauberufsgenossenschaft oder die Bundesnetzagentur, eher verhalten. Grund hierfür sei der steigende, schwer zu bewältigende Pflegeaufwand von Zugängen und Passwörtern zu den unterschiedlichsten Plattformen. Dabei erfordert ITeBAU für alle Beteiligten, die mit der Plattform arbeiten, nur ein Log-in.

Baustellen zukünftig digital bearbeiten

Die stetige Weiterentwicklung der Lösung und die Integration von Komponenten wie Payment, De-Mail oder der eID-Funktion des neuen Personalausweises öffnen den Verwaltungen weitere moderne Services. Für die Nutzung über mobile Endgeräte steht ITeBAU als App zur Verfügung. Das ermöglicht es beispielweise, Baupläne oder die Abnahme direkt auf der Baustelle digital zu bearbeiten. Bernhard Möller, stellvertretender Geschäftsführer von ITEBO: „Wir beschäftigen uns intensiv mit den Themen der Zukunft. So wird Building Information Modeling (BIM) in den nächsten Jahren die Bauplanung und alle angegliederten Bereiche nachhaltig verändern. Darauf stellen wir uns und ITeBAU mit der Integration dreidimensionaler Gebäudeplanung ein.“

Kathrin Sieber ist freie Autorin in Leipzig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren

Kiel: Digitales Verfahren zur Geburtsanzeige

[12.02.2026] Die in Kiel realisierte elektronische Geburtsanzeige zeigt, was Digitalisierung ermöglicht: Kliniken und Hebammen sparen Zeit und vermeiden doppelte Eingaben, die Eltern bekommen Urkunden automatisch zugeschickt und Mitarbeitende des Standesamts können Anzeigen schneller prüfen und bearbeiten. mehr...

eingerüstetes Gebäude Bauwesen Baugenehmigung

Rostock: Pilot für digitalen Bauantrag

[11.02.2026] Schluss mit Papierakten und Postwegen: Rostock startet als Pilotkommune den Digitalen Bauantrag in Mecklenburg-Vorpommern – ein organisatorisch und technisch anspruchsvolles Großprojekt. mehr...

Angler hält eine Forelle in der Hand

Nordrhein-Westfalen: Fischereischein auf dem Smartphone

[10.02.2026] In Nordrhein-Westfalen können Fischereischeine ab Juli dieses Jahres auch online beantragt werden – und werden außerdem im neuen Scheckkartenformat und als elektronische Zertifikate auf dem Smartphone ausgegeben. mehr...

Beine mehrerer Personen, die auf einer Reihe von Stühlen in einem Flur sitzen

Praxis-Webinar: Digitale Entlastung für Jobcenter

[09.02.2026] Typische Herausforderungen im Jobcenter-Alltag und wie diese mit der Einführung einer digitalen Lösung zur Besuchersteuerung gemeistert werden können, stehen im Fokus eines Online-Webinars von SMART CJM gemeinsam mit dem Jobcenter des Landkreises Esslingen. mehr...

Kita-Lösungen: Neue Anwender für Little Bird

[05.02.2026] Das Unternehmen Little Bird hat zum Jahresauftakt zehn neue Kunden gewonnen: von Bautzen in Sachsen bis Lindau am Bodensee in Bayern ist der digitale Neustart in der Kinderbetreuung in vollem Gange. mehr...

Person mit Laptop auf dem Schoß; Aufsicht auf Torso, Arme, Hände und Oberschenkel

Nordrhein-Westfalen: BAföG-Fachverfahren fürs ganze Land

[02.02.2026] In Nordrhein-Westfalen wird das Gros der Anträge auf BAföG und Aufstiegs-BAföG per Post oder E-Mail eingereicht. Nun soll ein neues Fachverfahren eingeführt werden – landesweit. Den Auftrag erhielt die Firma Datagroup. mehr...

Blick auf ein Gebäude mit der Aufschrift Bürger- und Ordnungsamt.

Darmstadt: Fahrerlaubnisbehörde nimmt Fahrt auf

[02.02.2026] Mit neuen Strukturen und digitalen Angeboten konnte die Fahrerlaubnisbehörde in Darmstadt ihre Servicequalität erhöhen. Mehrere Onlineanträge, die vorherige Terminvereinbarung für den Behördenbesuch und eine digitale Schnittstelle zum TÜV-Hessen straffen dort nun die Abläufe. mehr...

Ein kleiner Junge hält ein Smartphone in der Hand, sein Gesicht ist bedeckt mit biometrischen Linien.

VG Polling: Biometric Go ergänzt PointID

[26.01.2026] In Polling können biometrische Passbilder direkt auf dem Amt erstellt werden. Die Verwaltungsgemeinschaft bietet dafür die PointID-Geräte der Bundesdruckerei an. Um Babys und Kleinkinder ablichten zu können, greift sie auf die mobile Fotolösung Biometric Go zurück. Beide Aufnahmegeräte überstellen die Bilder direkt ins Fachverfahren des Einwohnermeldeamts. mehr...

Kleinkinder spielen mit Bauklötzen.

AKDB: adebisKITA als Cloud-Version

[26.01.2026] Als Cloud-Version soll die Software adebisKITA noch besser bei der Verwaltung von Kindertagesstätten unterstützen. Eine intuitive Bedienbarkeit und zeitgemäße Visualisierung sollen dazu ebenso beitragen wie die grundlegend neu gedachten Prozesse in der webbasierten Version. mehr...

Eine Frau sitzt in einem Großraumbüro und arbeitet an einem Computer.
bericht

Düsseldorf: Terminagent erfüllt Wünsche

[23.01.2026] In Düsseldorf stand das Amt für Einwohnerwesen lange vor der Herausforderung, den Bürgerservice effizient und gleichzeitig bürgerfreundlich zu gestalten. Gelungen ist das der Stadt mithilfe eines Terminagenten. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, zwei von ihnen bedienen einen Buzzer.

Kreis Steinfurt: Bauantrag ohne Papier

[14.01.2026] Das Bauportal Nordrhein-Westfalen ist um eine Kommunikationsplattform ergänzt worden, sodass auch der Austausch rund um einen Bauantrag digital abgewickelt werden kann. Als erster Landkreis startet Steinfurt mit dem voll digitalisierten Verfahren. mehr...

Tisch mit Konstruktionszeichnung, Tablet und gelbem Bauhelm, im Hintergrund ist eine Baustelle zu sehen.

Hamm: Schub für digitale Genehmigungen

[12.01.2026] Die Stadt Hamm bearbeitet Bau- und Immissionsschutzanträge künftig Ende-zu-Ende digital. Digitale Einreichungen werden vollständig elektronisch geprüft und beschieden. Mit gezielten Anreizen und Informationsangeboten will die Stadt den Wechsel von Papier- zu Digitalanträgen beschleunigen. mehr...

Eine Person mit Bauhelm hält ein Smartphone in der Hand auf dem die 3D_Darstellung eines Innenraums zu sehen ist.
bericht

Bremerhaven: Schulgebäude smart gebaut

[16.12.2025] Die Stadt Bremerhaven setzt beim Hochbauprojekt „Allianz 3 Schulen“ auf smarte Methoden wie Building Information Modeling, um Prozesse effizienter und präziser zu gestalten. Zudem kommt das innovative Verfahren der integrierten Projektallianz (IPA) zum Einsatz. mehr...

Karussell bei Nacht

Lösungen: Medienbruchfreie Marktorganisation

[16.12.2025] Die Anbieter cit, S-Public Services und LTE Consulting bündeln ihre Kompetenzen, um Kommunen eine vollständig digitale Lösung für die Organisation und Verwaltung von Märkten bereitzustellen. mehr...

Drei nebeneinander stehende Bilder zeigen einen Handwerker, der an ein Betriebsfahrzeug gelehnt steht, eine Landkarte, auf der die Gültigkeitsbereiche des HWPA zu sehen sind und ein Musterbeispiel der ausgedruckten Ausnahmegenehmigung.

Metropolregion Rhein-Neckar (MRN): Online zum Handwerkerparkausweis

[16.12.2025] In der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) können Handwerkerparkausweise nun medienbruchfrei über eine zentrale Onlineplattform beantragt werden. Ist der Ausweis genehmigt, können die Betriebe ihn selbst ausdrucken. mehr...