Mittwoch, 5. August 2026

SachsenSignal für Digitalisierung

[01.11.2018] In Sachsen wurde die Zuständigkeit für IT und E-Government der Staatskanzlei übertragen. Kommune21 sprach mit Amtschef und CIO Thomas Popp über die Gründe für die Umorganisation und die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes.
Thomas Popp

Thomas Popp

(Bildquelle: Sächsische Staatskanzlei)

Herr Popp, seit August 2018 ist die Funktion des CIO in der sächsischen Staatskanzlei angesiedelt und somit quasi zur Chefsache geworden. Was waren die Gründe für den Wechsel der Zuständigkeit?

Die Neuorganisation geht auf einen Beschluss der Staatsregierung zurück. Dadurch soll ein deutliches Signal für die Digitalisierung im Freistaat gegeben werden. Ziel der Ansiedlung in der Regierungszentrale ist es, die IT als Führungsaufgabe zu etablieren. Ich habe deshalb als Amtschef der Staatskanzlei die CIO-Funktion zusätzlich übernommen.

Wie sieht die Umorganisation konkret aus?

Die ehemalige Abteilung 6 des Innenministeriums ist nun zu einer eigenen Abteilung für IT und E-Government in der Staatskanzlei geworden. Zudem haben wir den Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste (SID) als nachgeordnete Behörde in den Geschäftsbereich der Staatskanzlei umressortiert.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Arbeit zunächst gesetzt?

Der Fokus meiner Arbeit liegt zunächst darauf, die IT in jedem Bereich als Führungsaufgabe zu platzieren. Jeder Behördenleiter soll das Thema in der täglichen Arbeit mitdenken. Die Digitalisierung muss aber nicht nur auf den Tisch der Führungskräfte, alle Mitarbeiter müssen mitgenommen werden. Wir benötigen eine ausgeprägte E-Kompetenz beim Staat, auch um die Sicherheit bei der Datenverarbeitung zu gewährleisten. Zudem stärken wir den Staatsbetrieb SID als innovativen IT-Dienstleister, damit er künftigen Anforderungen gerecht wird und dazu beiträgt, die digitale Souveränität des Freistaats Sachsen sicherzustellen.

Welche weiteren Maßnahmen wollen Sie mittel- bis langfristig umsetzen?

Wir werden die Anforderungen der Behörden, der rechtlichen Normen und die Potenziale des technischen Fortschritts in Einklang bringen. Dafür benötigen wir eine Basis, auf der wir wirtschaftlich und sicher arbeiten können. Dazu standardisieren wir Prozesse und die IT-Infrastruktur, beispielsweise durch den Bau eines gemeinsamen Rechenzentrums. Weitere Aktivitäten fließen in den Masterplan „Digitale Verwaltung“ ein, der in den kommenden Wochen dem Kabinett vorgelegt wird.

„Ziel der Ansiedlung in der Regierungszentrale ist es, die IT als Führungsaufgabe zu etablieren.“
Was wird mit dem Masterplan bezweckt?

Kern des Papiers ist die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Denn hier liegt eine Herkulesaufgabe vor uns, die zugleich eine Kraftprobe und Herausforderung für den Föderalismus in Deutschland ist. Wir werden die Vorgaben im engen Schulterschluss mit der kommunalen Ebene angehen, um innovative Services für die Bürger und die Wirtschaft anzubieten.

Es gibt inzwischen einen Katalog von Verwaltungsdienstleistungen, die online angeboten werden sollen. Gibt es aus Ihrer Sicht Prioritäten?

In dem Katalog sind knapp 600 Services dargestellt, dahinter liegen rund 2.000 Einzelleistungen, die betrachtet werden müssen. Ein prioritäres Thema für uns ist Recht und Ordnung. Für diesen Bereich hat der Freistaat Sachsen die Federführung übernommen. Gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesjustizministerium sowie weiteren Akteuren auf staatlicher und kommunaler Ebene werden wir in so genannten Digitallaboren neue Prozesse entwickeln, die standardisiert als fertige Produkte auch den anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen organisiert?

In den bestehenden Strukturen und Gremien wie dem Sächsischen IT-Kooperationsrat stimmen wir uns intensiv ab. Bei der OZG-Umsetzung ist unser Serviceportal Amt24 die zentrale, gemeinsame Basiskomponente. Das neue Herzstück von Amt24, das Verfahrensmanagement, wurde jüngst freigeschaltet. Dabei geht es nicht mehr nur darum, Zuständigkeiten zu finden und Online-Formulare bereitzustellen. Amt24 sorgt für einen durchgängig elektronischen Ablauf von der Dateneingabe des Bürgers, über die Anbindung von Fachverfahren der Behörden bis hin zur Zustellung des Bescheids. Um die richtigen Schnittstellen zu schaffen, arbeiten wir eng mit den kommunalen IT-Dienstleistern SAKD und KISA sowie mit den IT-Dienstleistern der Großstädte zusammen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Zeitplan für das OZG eingehalten werden kann?

Wir werden den starken Impuls zur weiteren Digitalisierung der Verwaltung spüren. Vermutlich tauchen in diesem ehrgeizigen Projekt noch Hindernisse auf, an die man jetzt noch nicht denkt. Wir haben aber eine gute Chance, das Ziel zu erreichen, wenn alle Beteiligten den Digitalisierungsauftrag ernst nehmen. Es wird nicht funktionieren, wenn Einzelne auf Egoismen setzen.

Was erwarten Sie von der digitalen Verwaltung der Zukunft?

Die Verwaltung ist rund um die Uhr erreichbar. Standardfragen werden mithilfe von neuen Technologien, etwa künstlicher Intelligenz, schnell beantwortet. Häufige Prozesse sind so gestaltet, dass sie ganz einfach online erledigt werden können. Der Online-Kontakt mit dem Amt wird der Normalfall. Den Chancen der Digitalisierung wird mit offenem Herzen begegnet.

Interview: Alexander Schaeff




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Nahaufnahme der Flagge von Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern: Landes- und Kommunalverwaltung rücken zusammen

[29.07.2026] Mecklenburg-Vorpommern tritt dem kommunalen Zweckverband eGo-MV bei. Land und Kommunen wollen damit ihre Zusammenarbeit bei IT-Infrastrukturen, Standards und gemeinsamen Digitalisierungsprojekten verbindlicher organisieren. mehr...

Porträtaufnahme von Kristina Sinemus.

Hessen: Digitale Basis für finanzschwache Kommunen

[22.07.2026] Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt Hessen insbesondere finanzschwächere Kommunen bei der Einführung grundlegender Technologien für die Verwaltungsdigitalisierung. Damit soll die digitale Transformation auch in Kommunen mit engen finanziellen Spielräumen vorankommen. mehr...

Zahnräder_Hände
bericht

Digitalisierung: Taskforce eingerichtet

[16.07.2026] Niedersachsen versteht die Digitalisierung als ebenenübergreifende Aufgabe. Mit Rahmenwerk, strategischer Steuerung und operativer Unterstützung, gebündelt mit Standardisierung und konsequenter Kooperation, sind Land und Kommunen auf einem guten Weg. mehr...

bericht

Baden-Württemberg: Komm.ONE fordert neue Dynamik

[06.07.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung in Baden-Württemberg soll deutlich an Tempo gewinnen. Im Mittelpunkt stehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Rolle des kommunalen IT-Dienstleisters bei der Umsetzung zentraler Digitalisierungsprojekte. Auch eine langfristige Annäherung an die Landes-IT BITBW schließen die Verantwortlichen nicht aus. mehr...

Sachsen-Flagge im Wind

Sachsen: Mittel für kommunale Digitalisierung

[06.07.2026] Sachsen plant im Doppelhaushalt 2027/2028 weitere Mittel für die Verwaltungsdigitalisierung ein. Neben dem Sächsischen Verwaltungsnetz und zentralen Landesportalen sollen auch Kommunen bei digitalen Diensten und internen Verfahren unterstützt werden. mehr...

Gruppenfoto am Spreeufer, das Kanzleramt im Hintergrund

Vitako: Der moderne Staat fängt in den Kommunen an

[02.07.2026] Die Staatsmodernisierung entscheidet sich nicht im Konzept, sondern in der kommunalen Umsetzung. Beim Politischen Abend von Vitako diskutierten Bundestagsabgeordnete und Fachleute, wie kommunale IT-Dienstleister, gemeinsame Standards und klare Governance die Verwaltungsdigitalisierung voranbringen können. mehr...

Porträt Landrat Dr. Achim Brötel

Deutscher Landkreistag: Landkreise als Innovationsräume

[25.06.2026] Digitale Modernisierung muss in der kommunalen Praxis ankommen: Der Deutsche Landkreistag dringt im Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger darauf, Landkreise bei zentralen Vorhaben der Staatsmodernisierung frühzeitig einzubinden. mehr...

Dr. Annika Busse - Hamburg CIO
interview

Hamburg: Gemeinsam mehr erreichen

[24.06.2026] Seit Ende vergangenen Jahres ist Annika Busse neue Hamburg-CIO. Im Interview spricht sie über Mitarbeitermotivation, Ziele für Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Verwaltung und darüber, woran sie am Ende ihrer Amtszeit gemessen werden möchte. mehr...

von rechts: Mehring, Sinemus, Wildberger, daneben noch weitere (unbekannte) Personen

BMDS/Bayern: Kooperation zur flächendeckenden Digitalisierung

[23.06.2026] Im Rahmen einer Pilotkooperation wollen das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) bis Ende dieses Jahres in allen bayerischen Kommunen zentrale digitale Verwaltungsleistungen bereitstellen. Die Rolle des Generalunternehmers auf Ebene des Landes übernimmt die AKDB. mehr...

zwei Männer geben sich die Hand_Karsten Wildberger_mario Voigt

Thüringen: Wichtige Online-Dienste für alle Kommunen

[11.06.2026] Thüringen und der Bund wollen fünf Verwaltungsleistungen bis Ende März 2027 landesweit digital verfügbar machen. govdigital und KIV Thüringen sollen die Online-Dienste in den Thüringer Kommunen bis zur vollständigen Betriebsfähigkeit integrieren. mehr...

Niedersachsen: Im Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung

[28.05.2026] Seit April unterstützt eine Taskforce niedersächsische Kommunen dabei, wichtige Verwaltungsleistungen online anzubinden. Die Beteiligten arbeiten eng zusammen, um technische, organisatorische und finanzielle Hürden für den Einsatz der Online-Dienste aus dem Weg zu räumen – mit Erfolg. mehr...

bericht

re:publica26: Vom Ankündigen zum Liefern

[21.05.2026] Auf der Digitalkonferenz re:publica26 zieht Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine Jahresbilanz und spricht sich resolut für mehr digitale Souveränität und Open Source aus. mehr...

Komm.ONE: Landesregierung strebt engere Zusammenarbeit an

[18.05.2026] Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg will Landes-IT und kommunale IT künftig enger zusammenführen und ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen. Komm.ONE unterstützt die Pläne und sieht darin eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Verwaltung. mehr...

Offizielles Porträt von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger

Ein Jahr BMDS: Gute Ansätze – zu wenig Verbindlichkeit

[07.05.2026] Ein Jahr nach dem Start des Digitalministeriums ziehen weitere Branchenverbände Bilanz. Die Open Source Business Alliance fordert mehr Verbindlichkeit bei Open Source und digitaler Souveränität, der BREKO verlässliche Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau. mehr...

Mitglieder des Digitalausschusses des DStGB

DStGB: Umsteuern zur rein digitalen Verwaltung

[30.04.2026] Wie digitale Lösungen, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Staates beitragen und so für die dringend nötige Entlastung der Kommunen sorgen können, diskutierte der Ausschuss für Digitalisierung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds auf seiner Frühjahrstagung.
 mehr...