InterviewHanaus digitale Offensive

Dr. Lars-Oliver Renftel / Janko Schiebeck
(Bildquelle: Stadt Hanau)
Herr Dr. Renftel, die Stadt Hanau hat eine Digitale Offensive 2025 beschlossen: Was sind die wichtigsten Eckpunkte dieses Konzepts?
Die Digitale Offensive 2025 ist der von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Rahmen für all unsere Digitalisierungsaktivitäten. Diese reichen von der Arbeitsstruktur über die Basiskomponenten bis hin zu strategischen Partnerschaften und der Abstimmung innerhalb der Unternehmung Stadt – also der Kernverwaltung, den Eigenbetrieben und Beteiligungsunternehmen. Hinzu kommen weitere Rahmenbedingungen, wie die umfassenden Anforderungen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) oder die EU-Vorgaben zum Single Digital Gateway.
Herr Schiebeck, welche Erwartungen setzt die Stadt in die Digitale Offensive?
Intern profitieren wir von effektiveren, schlankeren und schnelleren Prozessen und gleichzeitig von der Konsolidierung unserer vielfältigen Anwendungslandschaft. Die Nutzer wiederum gewinnen durch den direkten Online-Zugang. Er führt zu einer schnelleren und einfacheren Abwicklung – auch außerhalb der regulären Servicezeiten.
Ein Projekt, an dem die Stadt bereits im vergangenen Jahr mit Hochdruck gearbeitet hat, war die Realisierung eines Bürger-Serviceportals: Wie weit ist dieses Vorhaben gediehen?
Schiebeck: Mit der Live-Schaltung des zentralen Portals für Bürgerservices Mitte April dieses Jahres hat die Stadt Hanau eine moderne und zukunftsfähige Technologie an den Start gebracht. Unter www.hanau-digital.de ist das Portal Anlaufpunkt für alle Online-Services der Unternehmung Stadt Hanau. Verfügbar sind zunächst Services wie Abfallkalender, Bewohnerparken, Anforderung von Personenstandsurkunden, Meldung defekter Ampeln oder Straßenbeleuchtung, Sperrmüllanmeldung, Statusabfrage von Personaldokumenten, Terminvereinbarungen im Stadtladen, Feedback für die Hanauer Bäder oder Beantragung des Wunschkennzeichens. Einen Teil der Leistungen kann der Nutzer auch direkt online bezahlen. Im nächsten Schritt erfolgt die Anbindung des Servicekontos des Landes Hessen mit der dort enthaltenen Authentifizierungsmöglichkeit mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus.
Zahlt die Stadt damit bereits auf die Umsetzung des OZG ein?
Renftel: Die hinter dem Service-Portal liegende Software ServiceNow ist zusammen mit den weiteren Basiskomponenten sicherlich ein wesentliches Standbein unserer Strategie zur Umsetzung des OZG. Darüber hinaus nutzen wir auch die seitens des Landes zentral zur Verfügung gestellten Services und implementieren diese in unsere Umgebung. Integraler Bestandteil sind zudem die im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit entstandenen Prototypen auf Basis der ekom21-Lösung civento, wie zum Beispiel Bewohnerparken oder Beantragung von Personenstandsurkunden. Es galt, Nutzern eine Lösung anzubieten, die alle Leistungen zentral darstellt – unabhängig davon, wer sie erbringt oder mit welcher Applikation sie abgewickelt werden.
„Neuen Technologien stehen wir offen gegenüber, müssen allerdings auch die vorhandenen Ressourcen im Blick behalten.“
Für 2018 hatte die Stadt auch die Einführung des digitalen Rechnungseingangs und eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) auf der Agenda stehen: Wie weit sind die Pilotabteilungen hier vorangekommen?
Schiebeck: Mit der Einführung eines Dokumenten-Management-Systems für die Umsetzung der E-Akte, eines E-Payment-Systems oder eines digitalen Rechnungsworkflows haben wir die Basis für die zukunftssichere Umsetzung von Online-Bürgerservices geschaffen. Der digitale Rechnungseingang ist bereits seit Jahren in vielen Bereichen der Unternehmung Stadt Hanau aktiv und wird bis Anfang 2020 in allen Organisationseinheiten implementiert sein. Das hat nachhaltig positive Effekte auf die Geschwindigkeit und Qualität innerhalb der internen kaufmännischen Abwicklung. Das DMS wird schrittweise an eine große Anzahl von Anwendungen innerhalb der jeweiligen Prozesse angebunden. Damit erreichen wir noch einmal eine Effizienzsteigerung und können noch bessere Online-Dienstleistungen anbieten.
Welche Projekte sind im Bereich E-Government bis 2025 noch geplant?
Renftel: Mit dem Beschluss zur angestrebten Kreisfreiheit zum 1. April 2021 hat die Hanauer Stadtverordnetenversammlung eine historische Entscheidung für die Geschichte der Stadt getroffen. Damit verbunden ist die Übernahme neuer Aufgaben. Diese mit einer zukunftsfähigen technologischen Basis auszustatten, um einerseits eine moderne Verwaltung und andererseits einen digitalen Zugang für die Nutzer zu schaffen, ist unsere primäre Aufgabe in den kommenden beiden Jahren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Implementierung der rund 500 in kommunaler Umsetzung liegenden OZG-Leistungen. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Digitalisierung im Bildungsbereich. In den vergangenen Jahren haben wir bereits damit begonnen, einige Schulen fit für die digitale Zukunft zu machen. Im Rahmen des Digitalpakts wird dies nun auf alle Schulen ausgedehnt.
Welche Rolle spielen das Internet of Things (IoT), künstliche Intelligenz, Chatbots oder Blockchain in Hanaus Digitalisierungsüberlegungen?
Schiebeck: Dem stehen wir grundsätzlich sehr offen gegenüber. Sofern diese Technologien einen Mehrwert für Bürger und Unternehmen darstellen, werden wir deren Einsatz in Hanau aktiv vorantreiben. Wir müssen allerdings auch die vorhandenen Ressourcen im Blick behalten und Prioritäten setzen. Daher können wir leider nicht alle wünschenswerten Themen gleichzeitig angehen. Aber wir starten gerade ein Leuchtturmprojekt. Es handelt sich um das 47 Hektar große Areal der ehemaligen Pioneer Kaserne, das wir zu einem „Stadtquartier der Zukunft“ entwickeln. Die Stadtwerke Hanau haben eigens die PionierWerk GmbH gegründet, um das Areal zukunftsorientiert mit Elektromobilität, Telekommunikation und Smart-Home-Lösungen auszustatten. Ein Glasfasernetz mit Highspeed-Breitband mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde soll ein Kombiangebot aus Internet, Telefon und TV ermöglichen. Ganz praktisch gesehen spielen vor allem Narrowband IoT – zum Beispiel im Bereich der Müllentsorgung, Parkraum- oder Lichtsteuerung – künstliche Intelligenz etwa im Bürgerservice und nicht zuletzt Blockchain, beispielsweise zur Absicherung des Bürgerkontos oder der Transparenz der Datennutzung, in Zukunft eine wesentliche Rolle. Damit beschäftigen wir uns bereits und probieren die ersten Anwendungsfälle aus.
Hintergrund
Digitalisierung wird bei der Stadt Hanau übergreifend mit den städtischen Beteiligungsunternehmen angegangen. Das spiegelt sich in der Arbeitsstruktur zwischen Stadtverwaltung und bhg.it als strategischem Partner in der Beteiligungsholding Hanau GmbH (BHG) wider. Die BHG ist 2003 als städtische Muttergesellschaft entstanden. Eine Hauptaufgabe ist die Bereitstellung und Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen IT-Landschaft.
https://www.bhg-hanau.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juni 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle
[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...
Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft
[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...
Thüringen: Digitalisierung auf Kurs
[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...
Frankfurt am Main: Neues Transformation Office
[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...
Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen
[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...
Schleswig-Holstein: Konsequent digital
[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...
OZG-Leistungen: Schub für die digitale Verwaltung
[26.01.2026] Der Bund sowie Bayern und Hessen als Pilotländer erproben einen neuen Weg, um digitale Verwaltungsdienste überall anbieten zu können. Dabei finanziert der Bund Roll-in-Teams für die Kommunen, während sich die Länder verpflichten, bis Ende 2026 fünf Online-Dienste landesweit einzuführen. Das Verfahren soll auf andere Länder übertragen werden. mehr...
Deutscher Städtetag: Lüneburgs OB ist neue Vizepräsidentin
[26.01.2026] Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist die neue Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages. Sie folgt auf Katja Dörner, die im Herbst 2025 nicht erneut zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde und somit auch aus dem Präsidium des DST ausgeschieden ist. mehr...
Potsdam: Neuer Digitalisierungsrat
[19.01.2026] In Potsdam hat sich der zweite Digitalisierungsrat der Stadt konstituiert. Er soll in den kommenden drei Jahren den digitalen Wandel der brandenburgischen Landeshauptstadt begleiten und bringt dafür Expertise aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein. mehr...
Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts
[08.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...
GovTech Kommunal: Kommunen digital handlungsfähig machen
[18.12.2025] Die Initiative GovTech Deutschland hat ihr Angebot um den Verein GovTech Kommunal erweitert. Es soll damit eine bundesweite Einheit geschaffen werden, welche die kommunale Digitalisierung systematisch bündelt und konsequent an den Bedarfen der Städte, Gemeinden und Landkreise ausrichtet. Die Mitgliedschaft steht mit gestaffeltem Beitragsmodell allen Kommunen offen. mehr...
Hanau: Stadtweite IT neu ausgerichtet
[18.12.2025] Hanau hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 die Digitalisierung der gesamten „Unternehmung Stadt“ abzuschließen. Dazu werden Entscheidungs-, Verantwortungs- und Budgetstrukturen künftig an einer Stelle gebündelt, zudem soll die Stelle des CDO geschaffen werden. mehr...
Deutscher Landkreistag: Kommunen in Modernisierungsagenda einbinden
[11.12.2025] Die von Bund und Ländern vereinbarte föderale Modernisierungsagenda bewertet der Deutsche Landkreistag (DLT) als positiv. Damit Bürger, Unternehmen und Kommunen jedoch tatsächlich entlastet werden, ist ein enger Schulterschluss mit Landkreisen, Städten und Gemeinden bei der Umsetzung erforderlich. mehr...
Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen
[08.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...
IT-Planungsrat: Kommunalbeirat NOOTS
[08.12.2025] Das Kommunalgremium des IT-Planungsrats übernimmt im Zuge der Neuaufstellung des Nationalen Once-Only-Technical-Systems (NOOTS) zusätzlich die Rolle des Kommunalbeirats NOOTS. Es hat dabei keine Entscheidungsbefugnis, sondern erfüllt eine Resonanz- und Feedbackfunktion. mehr...























