Samstag, 28. März 2026

HildesheimOnlinetools für Bürgerbeteiligung

[16.03.2021] Pandemiebedingt sind Bürgerbeteiligungsformate, die auf Präsenzveranstaltungen setzen, derzeit nicht möglich. Die Stadt Hildesheim wollte ihre Planungen dennoch voranbringen und hat verschiedene Online-Formate erprobt – mit Erfolg.
Die Stadt Hildesheim hat erfolgreich verschiedene Online-Beteiligungsformate erprobt.

Die Stadt Hildesheim hat erfolgreich verschiedene Online-Beteiligungsformate erprobt.

(Bildquelle: pisces2386 / 123rf.com)

Hildesheim hat während der Planungen für die Städtebaufördergebiete Nordstadt und Stadtfeld sowie bei der Lärmaktionsplanung vielfältige Erfahrungen mit der coronagerechten Bürgerbeteiligung gesammelt. Wie die niedersächsische Kommune mitteilt, sollten trotz der Pandemie geplante und begonnene Projekte weder gestoppt noch die Beteiligung ausgesetzt werden. Denn wenn Beteiligung und Transparenz fehlen, entstehen Folgeprobleme, die im fortgeschrittenen Planungsstadium nicht mehr lösbar seien, erklärt Marco Köster vom Fachbereich Stadtplanung und -entwicklung. Die Stadt habe sich deshalb dafür entschieden, Onlinetools zu nutzen.

Niederschwellige Formate

Für die Planungen rund um eine Gesamtschule wurde demnach ein so genanntes Online-Padlet geschaltet, in dem die Bürger Vorschläge, Fragen aber auch Sorgen und Ängste schriftlich äußern konnten. Gleichzeitig konnten die Vorschläge anderer bewertet werden. So entstand eine Priorisierung der Vorschläge. Das Padlet war über den gesamten Januar 2021 online zugänglich und wurde laut Hildesheim rege genutzt. Mit den Ergebnissen sei die Stadtplanung sehr zufrieden. Als nachteilig wird nur die fehlende, direkte Reaktionsmöglichkeit gesehen.
Bei der Gestaltung einer Wegeverlängerung nutzte die Stadt ein weiteres Tool, die Ein-Klick-Feedback-Methode. Wie die Kommune berichtet, stand der Entwurf hier schon in weiten Teilen fest, weshalb es im letzten Beteiligungsschritt vor allem um die Auswahl von Spiel- und Bewegungsgeräten für diesen Bereich ging. In einer Umfrage konnten sich die Bürger einfach durchklicken. „Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Beteiligung so niederschwellig ist, dass sie alle erreichen kann“, stellt Frank Auracher fest, der im Auftrag der Stadt Hildesheim das sozialplanerische Quartiersmanagement in der Nordstadt durchführt und die Beteiligung begleitet hat.
Wie sinnvoll die Beteiligung über verschiedene Kanäle sein kann, zeigte sich auch am Lärmaktionsplan, heißt es vonseiten der Kommune weiter. Auch hier habe man sich für eine teilweise digitale Beteiligung entschieden. Die Bürger konnten zwar Papierfragebögen ausfüllen und der Verwaltung auf dem Postweg übermitteln, ein digitales Ausfüllen war aber ebenfalls möglich. Und das habe funktioniert: Mit insgesamt 676 digitalen Rückmeldungen zur jetzt anstehenden Finalisierung des Lärmaktionsplans kann die Stadt laut eigenen Angaben auf ein breites Feedback zurückgreifen.

Gute Erfahrungen überwiegen

In Hildesheim hat sich gezeigt, dass Online-Beteiligung funktionieren und zu guten und verwertbaren Ergebnissen führen kann. Laut den Verantwortlichen wurde eine hohe Anzahl an Personen erreicht. An der Statistik zum Lärmaktionsplan lasse sich zudem ablesen, dass die älteren Zielgruppen heute digitaler sind als noch vor einigen Jahren – online werden nicht nur junge Menschen erreicht. Am Online-Padlet sei außerdem deutlich geworden, dass durch nachbarschaftliche Hilfe älteren Mitbürgern geholfen werden kann, indem das Tool gemeinsam genutzt wurde.
Als Schwäche wurde die fehlende direkte Reaktions- und Feedback-Funktion beschrieben: So könne schnell eine Dynamik entstehen, bei der sachlich falsche Informationen außer Kontrolle geraten. Auch anonym vorgebrachte Behauptungen ohne sachliche Grundlage wurden von der Kommune beobachtet.
Insgesamt zieht die Stadtplanung aber ein positives Fazit. Es seien mehr Menschen erreicht worden als bei einer üblichen Abendveranstaltung, darunter auch Bürger, die sich sonst weniger für Maßnahmen in ihrem Stadtteil engagieren und weniger institutionalisiert sind, stellt Marco Köster fest. Aus diesem Grund wolle die Stadt künftig bei einzelnen Vorhaben zweigleisig fahren und Präsenzveranstaltungen mit digitalen Tools verbinden. Onlinetools können die Ziele von Beteiligung gut flankieren und sollten daher stärker berücksichtigt werden, so Köster.





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