Sonntag, 30. November 2025

Gaia-XEuropäische Cloud für den Public Sector

[04.07.2022] Der Cloud-Anbieter IONOS hat eine Studie zur Rolle der europäischen Cloud für den Public Sector publiziert. Demnach ist der Server-Standort eines Cloud-Anbieters vertrauensbildend – etwa beim europäischen Projekt Gaia-X, für das inzwischen auch Lösungen für die Verwaltung vorliegen.

Deutsche und europäische Cloud-Provider werden immer stärker nachgefragt – sowohl in der Wirtschaft als auch im öffentlichen Sektor. Laut einer Studie des deutschen Cloud-Anbieters IONOS und dem Analysten techconsult stehen Datenschutz und Compliance, aber auch Transparenz hinsichtlich des Zugriffs auf die Daten entscheidend im Fokus bei der Anbieterwahl. Zunehmend mehr Cloud-Anwender erkennen in der europäischen Initiative Gaia-X eine Chance, digitale Innovationen datenschutzkonform umzusetzen. Die ersten Gaia-X-Projekte sind gestartet, nun müssen sie konsequent umgesetzt werden.

Klare Tendenz bei öffentlichen Einrichtungen

Bei den Anforderungen an Cloud-Anbieter zeigt sich bei der öffentlichen Hand ein klares Bild. Während laut der Studie „Gaia-X – Datensouveränität dank europäischer Werte“ 36 Prozent der Unternehmen deutsche beziehungsweise europäische Anbieter zum Schutz von Daten und Geschäftsgeheimnissen bevorzugen, sind es bei der öffentlichen Verwaltung 42 Prozent. Die Institutionen haben also klare Vorstellungen und messen Compliance-Vorgaben, Zugangs- und Rechtekontrolle sowie Datensicherheit eine hohe Bedeutung zu. Vor allem der Server-Standort erweist sich bei der Auswahl eines Anbieters als vertrauensbildend: Befinden sich die Rechenzentren in Deutschland oder der EU, müssen die Daten im Einklang mit der DSGVO abgespeichert werden. Dieses Kriterium spielt bei 66 Prozent der öffentlichen Einrichtungen eine bedeutende Rolle. Es ist keine Seltenheit, dass Cloud-Provider ihre Kunden im Dunkeln darüber lassen, wo die physischen Server stehen oder über welche Standorte Daten wie etwa Log-Daten durchgereicht werden. Auch besteht Unklarheit darüber, wer Zugriff auf die in der Cloud abgelegten Daten hat. Mehr als die Hälfte der befragten Akteure des öffentlichen Sektors gab zudem an, dass sie die Integration offener und reversibler Open-Source-Technologien vermisst.

Gaia-X-Werte als Leitgedanke

Transparenz, Vertrauen, das Streben nach Datensouveränität sowie das Primat des europäischen Datenschutzes: All diese Werte prägen das Handeln der Akteure im Datenökosystem Gaia-X, das eine leistungsfähige und gleichzeitig datenschutzkonforme Alternative zu dem Angebot der Hyperscaler aus den USA oder China bereithält. Bei dieser Initiative sollen dezentrale Infrastrukturdienste wie Cloud-Dienste oder Edge-Systeme zu einem homogenen, nutzerfreundlichen System zusammengeführt werden. Durch eine hohe Interoperabilität kompatibler Produkte kann Gaia-X das Management von IT-Schnittstellen und die Integration vereinfachen – insbesondere bei Multi-Cloud-Strategien.
Vor dem Hintergrund der Anforderungen an die Cloud wächst der Bekanntheitsgrad der Initiative Gaia-X. Acht von zehn Betrieben und Einrichtungen (81 Prozent) stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber und sehen in den zukünftigen Gaia-X-Angeboten ein großes Potenzial. Eine hohe Wahrscheinlichkeit, Gaia-X-Services zu beziehen, lässt sich bei 29 Prozent der befragten Institutionen und Einrichtungen aus dem öffentlichen Bereich erkennen.

Gaia-X-Projekt POSSIBLE: Praktikable Lösungen

Um Gaia-X in die Umsetzung zu bringen, haben die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) in einem Wettbewerb förderungsberechtigte Gaia-X Use Cases gekürt – unter anderem das Projekt POSSIBLE, bei dem IONOS beteiligt ist. Das Projekt strebt eine praktikable Lösung für Bürger an, um den digitalen Kontakt mit öffentlichen Institutionen zu vereinfachen. Bis jetzt erfolgt die Abwicklung der Vorgänge dezentral in den jeweiligen Einrichtungen. Viele wichtige Dokumente und Daten liegen in unterschiedlichen Datenräumen verteilt. Mit dem Projekt POSSIBLE soll eine innovative und nutzerfreundliche Cloud-Lösung entwickelt werden, um verschiedenste Datenräume leicht für Anwender zu erschließen und ihnen einen souveränen sowie selbstbestimmten Umgang mit ihren Daten zu ermöglichen. Im Projekt wird dies exemplarisch für die Bereiche Bildung und Verwaltung umgesetzt. Je nach Datenraum sollen einzelne POSSIBLE-Module (PIM, Kommunikation, Storage, Office, IDM) adaptiert werden können. Daten und Dienste sollen getrennt und über Gaia-X für den Anwender kollaborativ, digital, einfach und sicher nutzbar gemacht werden. Weitere Unterstützung findet das Projekt durch beispielsweise das August-Wilhelm Scheer Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung und das Systemhaus Bechtle.

Transparenz schafft Sicherheit

Auch neben politisch geförderten Gaia-X-Projekten entwickeln IT-Unternehmen Lösungen für die öffentliche Hand – auf Basis der Werte der europäischen Cloud-Initiative. So entwickelte der IT-Dienstleister Dataport die dPhoenixSuite, einen vollständig digitalen Arbeitsplatz in der Cloud (wir berichteten). Dies ist die erste Alternative, die es bei der Performance mit den Kollaborations-Plattformen aus Übersee aufnehmen kann.
Gestützt wird das Projekt von freier, quelloffener Open-Source-Software. Sie leistet einen großen Beitrag zur digitalen Souveränität der Anwender und hilft, sich von den US-Anbietern zu emanzipieren. Der digitale Arbeitsplatz dPhoenixSuite setzt auf webbasierte Open-Source-Module auf und die Unabhängigkeit von Technologien und Standards einzelner Anbieter lässt keinen Vendor Lock-in zu. Die technische Unabhängigkeit erhöht die Anbietervielfalt bei den integrierten Modulen, darunter Groupware-Dienste von OpenXchange, Fileshare-Lösungen von Nextcloud, Büroanwendungen von Collabora auf Basis von LibreOffice und Videokommunikation von jitsi.
Durch Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg wird das Sicherheitsniveau des Projekts verstärkt. Dieser Schritt ist notwendig, denn die Verantwortung der öffentlichen Hand für ihre Daten ist groß. Dank Rechenzentren öffentlich-rechtlicher Dienstleister und dem Einsatz gesicherter Clouds bleibt die Kontrolle über die Daten zu jedem Zeitpunkt bei den Einrichtungen.

Besser jetzt als später: Digitale Lernplattformen für Schulen

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar, dass der Einsatz von cloudbasierten Lösungen auch in öffentlichen Bildungseinrichtungen notwendig ist. Schulen haben dabei einen besonders hohen Nachholbedarf. Untätig ist die öffentliche Hand allerdings nicht: Mit dem Projekt dBildungscloud stellen das Hasso-Plattner-Institut sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine öffentlich zugängliche digitale Lernplattform zur Verfügung. Gemeinsam mit Dataport stellt IONOS Cloud die benötigte IT-Infrastruktur für die Plattform zur Verfügung. Die dBildungscloud steht sämtlichen Schulen in Deutschland zur Nutzung zur Verfügung. Mehr als 3.000 Schulen sind bereits bei der Lernplattform angemeldet und die Nutzerzahlen steigen. Damit die Einrichtungen auch bei hoher Auslastung auf hochverfügbare und sichere Services zurückgreifen können, stellt IONOS Rechnerressourcen, Datenspeicher und Netzwerke über Kubernetes-Cluster bereit. Somit lässt sich der Unterricht durch Videokonferenzen, die Nutzung multimedialer Lernmaterialien und mit kollaborativen Aktivitäten in Chats und Office-Anwendungen zukunftsorientiert gestalten.

Gaia-X hat hohes Nutzungspotenzial

Vertrauensbildend und entscheidend, ob ein bestimmter Anbieter für die Datenspeicherung in der Cloud infrage kommt, ist der Server-Standort in Deutschland oder zumindest in Europa. Mit Gaia-X wird ein europäisches Datenökosystem ohne Verlust der Nutzerkontrolle umgesetzt. Wie die Studienergebnisse von IONOS und techconsult belegen, ist bereits heute das Interesse der öffentlichen Einrichtungen groß und das Nutzungspotenzial sichtbar vorhanden. Mit den von der Bundesregierung geförderten Use-Cases und den Projekten der dBildungscloud und der dPhoenixSuite als digitalem Arbeitsplatz in der Cloud sind bereits einige praktische Anwendungsmöglichkeiten vorhanden. Es liegt nun an der Politik, diese Angebote weiter anzunehmen und in öffentlichen Einrichtungen zu implementieren.

Rainer Sträter ist Head of Global Platform Hosting bei IONOS.




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