Kita-LösungenWeniger verwalten

Eltern haben die Wahl: Kita oder Kindertagespflege.
(Bildquelle: Andrey Kuzmin/stock.adobe.com)
Aktuell verzeichnen immer mehr Kommunen einen deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen. Ein Trend, der sich deutschland- und sogar europaweit beobachten lässt. Für die Jugendhilfeplanung in den Kommunen birgt diese Situation ganz neue Herausforderungen. Sie ist unter anderem für die vorausschauende Kitaplanung in der Kommune zuständig, die dann die Grundlage für die Politik bildet, um entsprechende Maßnahmen für die Betreuung in Kitas und Krippen zu beschließen. Seit vielen Jahren sehen sich die Verantwortlichen vor allem mit einer alles bestimmenden Herausforderung konfrontiert: Wie können sie dem ständig steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen gerecht werden? Ursächlich für den Bedarf waren die hohen Geburtenraten sowie neue gesetzliche Regelungen, wie zum Beispiel der seit 2018 bestehende Rechtsanspruch auf Betreuung von U3-Kindern.
Seit 2024 ist nun deutschlandweit, wenn auch mit regionalen Unterschieden, ein Rückgang der Geburtenrate zu verzeichnen. Gleiches zeigt die Statistik von Eurostat auch für Europa, ebenfalls mit regionalen Besonderheiten.
Platzangebot übersteigt Nachfrage
Kommunen, die mit ihrem Platzangebot bis vor Kurzem eine gute Abdeckungsquote erreichten, haben jetzt Probleme, ihre Plätze zu belegen. Dort schlagen selbst kleine Veränderungen in der Geburtenrate unmittelbar auf die Kitaplanung durch. Im Gegensatz dazu können die Kommunen, die den Platzbedarf bisher nicht voll decken konnten, vielleicht etwas entspannter mit der neuen Planungssituation umgehen.
Bis 2024 war die Tagespflege oftmals der Rettungsanker in der U3-Betreuung. Die Kommunen bewarben die Tätigkeit als Kindertagespflegeperson, denn so konnten in relativ kurzer Zeit die Kapazitäten geschaffen werden, um dem steigenden Bedarf an U3-Plätzen gerecht zu werden. Denn obwohl die Qualifizierung zur Tagespflegeperson über die Jahre deutlich anspruchsvoller wurde, war die dafür benötigte Zeitspanne viel kürzer als die vier bis sieben Jahre, die zwischen Beschluss und Fertigstellung einer Kindertagesstätte ins Land ziehen. Und bis vor Kurzem wurde die Kindertagespflege auch nachgefragt, wie bei den Kitas stiegen die Platzzahlen kontinuierlich. Doch durch die inzwischen verfügbaren und vielerorts immer noch weiter im Aufbau befindlichen Kapazitäten ergibt sich nun plötzlich eine Konkurrenzsituation zwischen Kindertagespflege und Krippen.
Alte und neue Herausforderungen
Da die Kindertagespflege eine selbstständige Tätigkeit auf einem freien Markt ist, haben die Kommunen nur sehr begrenzte Steuermöglichkeiten. Andererseits können die Betreuungsplätze in Krippen und Kitas, deren Schaffung meist mit Mitteln der Länder finanziert wurden, aufgrund der Zweckbindung nicht oder nur in sehr begrenztem Maße umgewidmet werden. Diese Zweckbindung besteht je nach Fördergegenstand bis zu 20 Jahre. Insbesondere in den neueren Kitas besteht daher keine Möglichkeit, Plätze zu reduzieren.
Davon sind natürlich auch die Träger der Einrichtungen betroffen. Insbesondere dort, wo die Förderung über eine Kindpauschale und nicht über eine Platzpauschale erfolgt, ist bei geringerer Belegung das vorhandene Personal nicht refinanziert. Und das, obwohl bedingt durch steigende Problemlagen und erkennbar höhere Förderbedarfe künftig genauso viele Mitarbeitende für weniger Kinder benötigt werden.
Insbesondere in den bevölkerungsstarken Bundesländern mussten Eltern bislang froh sein, überhaupt einen Betreuungsplatz für ihr Kind zu ergattern. Sie profitieren von der neuen Situation: Nun haben sie die Möglichkeit, sich zwischen den beiden Systemen Kita und Kindertagespflege zu entscheiden. Aber auch zwischen den Kitas steigt der Wettbewerb. „Wir beobachten seit knapp zwei Jahren eine deutlich ansteigende Wechselrate von Kindern zwischen Kitas: Das große Angebot bietet den Eltern die Chance, nicht nur irgendeinen, sondern den Platz in ihrer Wunschkita zu bekommen“, resumiert Frank Siebert, Geschäftsführer von Trinuts, dem Anbieter von kitaVM, einer umfassenden webbasierten Lösung zur Anmeldung, Vergabe, Verwaltung und Abrechnung von Kita- und Tagespflegeplätzen.
Es gibt keine pauschale Lösung
Auf der einen Seite ist die Existenzgrundlage der selbstständig tätigen Tagespflegepersonen gefährdet, auf der anderen Seite stehen die unflexiblen, weil langfristig geplanten und geförderten Kapazitäten in den Kitas. Welche Möglichkeiten haben die Kommunen, aus dieser Zwickmühle herauszukommen? „Es gibt keine pauschale Antwort auf diese Frage, denn die jeweilige Lage bei unseren Kunden unterscheidet sich schon innerhalb eines Bundeslandes teils stark“, schätzt Siebert die Situation ein.
In manchen Jugendämtern wird nun besonders bei Einrichtungen mit auslaufenden Förderungen oder anstehenden Sanierungen geprüft, ob ein Weiterbetrieb sinnvoll beziehungsweise rentabel ist. Dies kann auch kleine Kitas mit beispielsweise nur zwei Gruppen betreffen. Hier wird in Gesprächen mit den jeweiligen Trägern geprüft, ob eine Zusammenlegung der verbleibenden Gruppen innerhalb einer Einrichtung möglich ist. In Kitas mit vielen Gruppen kann eine Reduktion der Gruppenanzahl sinnvoll sein, vor allem, wenn die Möglichkeit besteht, die sinkende Kinderzahl durch eine veränderte Ausrichtung mit entsprechenden Angeboten, etwa als integrative Kita, zu kompensieren. Zumindest das wachsende Problem des Personalmangels wird durch die aktuelle Entwicklung etwas entschärft.
Auch in der Kindertagespflege lässt sich erkennen, dass sich die Tagespflegepersonen allmählich auf die veränderte Situation einstellen. Viele gehen von einem Teilzeitangebot mit drei oder vier Tagen pro Woche zu einer Fünf-Tage-Woche über. Außerdem sieht man, dass das Angebot an Randzeit-, Wochenend- und Rund-um-die-Uhr-Betreuung (wichtig für im Schichtbetrieb arbeitende Eltern) zunimmt. Der Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung bietet den Tagespflegen ebenfalls Chancen, sich von sinkenden Geburtenraten abzukoppeln. Außerdem bewerben die Kommunen vermehrt die Möglichkeit zur Qualifizierung als Kita-Fachkraft, zum Beispiel QiK in Nordrhein-Westfalen.
Dem demografischen Wandel gemeinsam begegnen
Egal wie – die Kommunen sind gefragt, gemeinsam mit Trägern und Tagespflegepersonen zu prüfen, wie sie auf die Folgen des demografischen Wandels reagieren können und müssen. Dafür ist eine exakte, aktuelle Zahlenbasis unerlässlich. „Ohne entsprechende Planungs- und Vergabesysteme wird es schwierig, in diesem derzeit volatilen Umfeld den Überblick zu wahren“, ist sich Frank Siebert sicher. Das fängt schon mit der genauen Erfassung der Bedarfe an. Für eine valide Entscheidung der Eltern zwischen Tagespflege und Krippe braucht es außerdem eine Plattform, auf der sich beide Systeme gleichberechtigt und für die Eltern transparent mit ihren jeweiligen Angeboten und Schwerpunkten präsentieren können.
Es ist außerdem sinnvoll, die Systeme für die Planung und Vergabe von Kitaplätzen eng mit der Tagespflegeverwaltung zu koppeln. Ein integriertes System bietet die Möglichkeit, schon in einem frühen Stadium Tagespflege-Kinder in der Bedarfsplanung zu berücksichtigen. Andererseits ist die Kenntnis über die aktuelle Belegungssituation in den Tagespflegen vor Ort wichtig, wenn es darum geht, welches Kind eine Zusage erhalten soll sowie ob und wo Kitas geschlossen oder zusammengelegt werden können.
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